athātaḥ śvāsapratiṣedhaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir die Behandlung der Atemnot (*śvāsa*) erläutern.
Suśruta-Saṃhitā · Uttaratantra
Das Kapitel behandelt śvāsa, die Atemnot, deren Ursachen laut Text dieselben wie im vorangehenden hikkā-Kapitel sind: Der aufsteigende Lebenswind (prāṇa-vāyu) verbindet sich mit Kapha und versetzt den Kranken ins Keuchen. Fünf Formen werden unterschieden – kṣudra (gering), tamaka (krampfartig, mit pratamaka als Steigerung), chinna (abgeschnitten), mahā und ūrdhva (aufsteigend) –, von denen nur die geringe als gut heilbar gilt, während die drei letztgenannten sowie tamaka bei Geschwächten als unheilbar gelten. Den größten Raum nimmt eine lange Reihe von ghṛta-Rezepturen ein, gekocht mit Vāsā, Bhārgī, Śṛṅgī, Pippalī, Vyoṣa und zahlreichen weiteren Kräutern, ergänzt um Latwergen, Rauchbehandlungen (dhūma) mit Guggulu und Śallakī-Harz sowie Klistiere. Erwähnt wird auch ein berühmtes, dem Weisen Agastya zugeschriebenes Verjüngungsmittel gegen kāsa und śvāsa. Der Schlussvers vergleicht śvāsa, kāsa und vilambikā mit einem vom Wind entfachten Feuer – ebenso unaufhaltsam in ihrer Wirkung.
| Form | Kennzeichen | Heilbarkeit |
|---|---|---|
| kṣudra | tritt nur bei geringer Anstrengung auf, legt sich beim Hinsetzen | gut heilbar |
| tamaka | Durst, Schweißausbruch, Brechreiz, rasselndes Geräusch in der Kehle; verschlimmert an trüben, feuchten Tagen (Steigerung: pratamaka, mit Ohnmacht und Fieber) | schwer heilbar; bei Geschwächten unheilbar |
| chinna | Unterleib bläht sich unter brennenden Schmerzen, Keuchen mit aller Kraft, immer wieder stoßweise unterbrochen | unheilbar |
| mahā | Bewusstlosigkeit, Flankenstechen, trockene Kehle, sehr lautes Rasseln, verdrehte Augen, Überstreckung beim Keuchen | unheilbar |
| ūrdhva | marman verkrampfen sich, Verwirrung, ständig nach oben gerichteter Blick, erloschener Puls | unheilbar |
athātaḥ śvāsapratiṣedhaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir die Behandlung der Atemnot (*śvāsa*) erläutern.
yathovāca bhagavān dhanvantariḥ
So sprach der erhabene Dhanvantari:
yaireva kāraṇairhikkā bahubhiḥ saṃpravartate taireva kāraṇaiḥ śvāso ghoro bhavati dehinām
Durch dieselben zahlreichen Ursachen, die den Schluckauf (*hikkā*) hervorrufen, entsteht bei den Geschöpfen auch der schreckliche *śvāsa*.
vihāya prakṛtiṃ vāyuḥ prāṇo'tha kaphasaṃyutaḥ śvāsayatyūrdhvago bhūtvā taṃ śvāsaṃ paricakṣate
Wenn der Lebenswind (*prāṇa-vāyu*, der Atemwind) seine natürliche Bahn verlässt, sich mit *kapha* (dem Schleim-Doṣa) verbindet und nach oben steigt, so bringt er den Menschen zum Keuchen – diesen Zustand nennt man *śvāsa*.
kṣudra kastamakaśchinno mahānūrdhvaśca pañcadhā bhidyate sa mahāvyādhiḥ śvāsa eko viśeṣataḥ
Er gliedert sich in fünf Arten: die geringe (*kṣudra*), die krampfartige (*tamaka*), die abgeschnittene (*chinna*), die große (*mahā*) und die aufsteigende (*ūrdhva*) – doch unter diesen ist besonders die große eine schwere Krankheit.
prāgrūpaṃ tasya hṛtpīḍā bhaktadveṣo'ratiḥ parā ānāhaḥ pārśvayoḥ śūlaṃ vairasyaṃ vadanasya ca
Seine Vorboten sind: ein Druckgefühl im Herzen, Widerwille gegen Speise, starke Ruhelosigkeit, Blähungen, Stechen in beiden Flanken und ein schlechter Geschmack im Mund.
kiñcidārabhamāṇasya yasya śvāsaḥ pravartate niṣaṇṇasyaiti śāntiṃ ca sa kṣudra iti saṃjñitaḥ
Tritt der *śvāsa* nur bei geringer Anstrengung auf und legt er sich, sobald sich der Kranke hinsetzt, so nennt man ihn die geringe (*kṣudra*) Form.
tṛṭsvedavamathuprāyaḥ kaṇṭhaghurghurikānvitaḥ viśeṣāddurdine tāmyecchvāsaḥ sa tamako mataḥ
Geht er meist mit Durst, Schweißausbruch und Brechreiz einher, ist er von einem rasselnden Geräusch in der Kehle begleitet und verschlimmert sich besonders an trüben, feuchten Tagen, so gilt er als *tamaka*.
ghoṣeṇa mahatā''viṣṭaḥ sakāsaḥ sakapho naraḥ yaḥ śvasityabalo'nnadviṭ suptastamakapīḍitaḥ
Ein Mann, der von lautem Rasseln erfasst ist, dabei hustet und Schleim auswirft, kraftlos ist, Speise verabscheut und schon im Schlaf vom *tamaka* gepeinigt keucht –
sa śāmyati kaphe hīne svapataśca vivardhate mūrcchājvarābhibhūtasya jñeyaḥ pratamakastu saḥ
bei ihm lässt das Leiden nach, sobald der *kapha* schwindet, verstärkt sich aber im Schlaf; ist er zudem von Ohnmacht und Fieber überwältigt, so ist dies als *pratamaka* zu erkennen.
ādhmāto dahyamānena bastinā sarujaṃ naraḥ sarvaprāṇena vicchinnaṃ śvasyācchinnaṃ tamādiśet
Bläht sich einem Mann unter brennenden Schmerzen der Unterleib auf und keucht er dabei mit aller Kraft, doch immer wieder stoßweise unterbrochen, so nennt man dies die abgeschnittene (*chinna*) Form.
niḥsaṃjñaḥ pārśvaśūlārtaḥ śuṣkakaṇṭho'tighoṣavān saṃrabdhanetrastvāyamya yaḥ śvasyāt sa mahān smṛtaḥ marmasvāyamyamāneṣu śvasanmūḍho muhuśca yaḥ ūrdhvaprekṣī hataravastamūrdhvaśvāsamādiśet
Wer bewusstlos wird, von Flankenstechen gequält ist, trockene Kehle und sehr lautes Rasseln hat, die Augen verdreht und sich beim Keuchen überstreckt, dessen Zustand nennt man den *mahā*-śvāsa (die große Atemnot). Wer aber, während sich seine *marman* (lebenswichtigen Körperstellen) verkrampfen, verwirrt und immerfort mit nach oben gerichtetem Blick keucht und dessen Puls erloschen ist, den nennt man vom *ūrdhva*-śvāsa (der aufsteigenden Atemnot) befallen.
kṣudraḥ sādhyatamasteṣāṃ tamakaḥ kṛcchra ucyate trayaḥ śvāsā na sidhyanti tamako durbalasya ca
Von diesen fünf ist die geringe Form am leichtesten heilbar, die krampfartige gilt als schwer zu heilen; die übrigen drei Formen sind unheilbar, und auch die krampfartige ist es bei einem geschwächten Menschen.
snehabastiṃ vinā kecidūrdhvaṃ cādhaśca śodhanam mṛdu prāṇavatāṃ śreṣṭhaṃ śvāsināmādiśanti hi
Manche Ärzte empfehlen für kräftige Patienten mit *śvāsa* außer einem öligen Klistier (*sneha-basti*) auch eine milde Reinigung nach oben und unten als beste Behandlung.
śvāse kāse ca hikkāyāṃ hṛdro ge cāpi pūjitam ghṛtaṃ purāṇaṃ saṃsiddhamabhayāviḍarāmaṭhaiḥ
Bei *śvāsa*, *kāsa* (Husten) und *hikkā* sowie bei Herzleiden wird gealtertes *ghṛta* (Ghee, geklärte Butter) geschätzt, das mit Abhayā, Viḍa-Salz und Rāmaṭha zubereitet ist,
sauvarcalābhayābilvaiḥ saṃskṛtaṃ vā'navaṃ ghṛtam pippalyādipratīvāpaṃ siddhaṃ vā prathame gaṇe
oder frisches Ghee, das mit Sauvarcala-Salz, Abhayā und Bilva zubereitet und mit einem abschließenden Zusatz von Pippalī und weiteren Kräutern der ersten Gruppe gekocht wird.
sapañcalavaṇaṃ sarpiḥ śvāsakāsau vyapohati hiṃsrāviḍaṅgapūtīkatriphalāvyoṣacitrakaiḥ
Ghee mit den fünf Salzen vertreibt *śvāsa* und *kāsa*. Ebenso wirkt Ghee, gekocht mit Hiṃsrā, Viḍaṅga, Pūtīka, Triphalā, Vyoṣa und Citraka,
dvikṣīraṃ sādhitaṃ sarpiścaturguṇajalāplutam kolamātraiḥ pibettaddhi śvāsakāsau vyapohati
in der doppelten Menge Milch gekocht und mit der vierfachen Menge Wasser übergossen; man trinke davon Portionen von der Größe einer *kola*-Frucht – es vertreibt *śvāsa* und *kāsa*.
arśāṃsyarocakaṃ gulmaṃ śakṛdbhedaṃ kṣayaṃ tathā kṛtsne vṛṣakaṣāye vā pacet sarpiścaturguṇe
Es heilt auch Hämorrhoiden, Appetitlosigkeit, die Bauchgeschwulst (*gulma*), Durchfall und Auszehrung (*kṣaya*). Oder man koche Ghee in der vierfachen Menge eines vollständigen Suds von Vṛṣa,
tanmūlakusumāvāpaṃ śītaṃ kṣaudre ṇa yojayet śṛṅgīmadhūlikābhārgīśuṇṭhītārkṣyasitāmbudaiḥ
dem man Wurzel und Blüte der Vṛṣa beigibt, und nehme es abgekühlt mit Honig (*kṣaudra*) ein. Ein weiteres Ghee bereite man mit Śṛṅgī, Madhūlikā, Bhārgī, Śuṇṭhī, Tārkṣya und Sitāmbudā,
saharidraiḥ sayaṣṭyāhvaiḥ samairāvāpya yogataḥ ghṛtaprasthaṃ paceddhīmān śītatoye caturguṇe
zusammen mit Haridrā und Yaṣṭyāhva, alle zu gleichen Teilen. Der kundige Arzt koche einen *prastha* (ein altes Hohlmaß) Ghee in der vierfachen Menge kalten Wassers.
śvāsaṃ kāsaṃ tathā hikkāṃ sarpiretanniyacchati suvahā kālikā bhārgī śukākhyā naiculaṃ phalam
Dieses Ghee bezwingt *śvāsa*, *kāsa* und *hikkā*. Ein weiteres bereite man mit Suvahā, Kālikā, Bhārgī, der als Śukā bekannten Pflanze und der Frucht des Naicula,
kākādanī śṛṅgaveraṃ varṣābhūrbṛhatīdvayam kolamātrairghṛtaprasthaṃ pacedebhirjaladvikam
mit Kākādanī, Śṛṅgavera, Varṣābhū und den beiden Bṛhatī-Arten, je in der Menge einer *kola*-Frucht; man koche einen *prastha* Ghee mit diesen in der doppelten Menge Wasser.
kaṭūṣṇaṃ pītametaddhi śvāsāmayavināśanam sauvarcalayavakṣārakaṭukāvyoṣacitrakaiḥ
Scharf und heiß getrunken, vernichtet dieses Ghee das Übel des *śvāsa*. Ein weiteres bereite man mit Sauvarcala-Salz, Yavakṣāra, Kaṭukā, Vyoṣa und Citraka
vacābhayāviḍaṅgaiśca sādhitaṃ śvāsaśāntaye gopavallyudake siddhaṃ syādanyaddviguṇe ghṛtam
sowie mit Vacā, Abhayā und Viḍaṅga, zur Linderung des *śvāsa* zubereitet. Ein anderes Ghee werde in der doppelten Menge eines Suds von Gopavallī gekocht.
pañcaitāni havīṃṣyāhurbhiṣajaḥ śvāsakāsayoḥ tālīśatāmalakyugrājīvantīkuṣṭhasaindhavaiḥ
Diese fünf Ghee-Zubereitungen nennen die Ärzte für *śvāsa* und *kāsa*. Ein weiteres bereite man mit Tālīśa, Āmalakī, Ugrā, Jīvantī, Kuṣṭha und Saindhava-Salz,
bilvapuṣkarabhūtīkasauvarcalakaṇāgnibhiḥ pathyātejovatīyuktaiḥ sarpirjalacaturguṇam
mit Bilva, Puṣkara, Bhūtīka, Sauvarcala-Salz, Kaṇā und Agni, zusammen mit Pathyā und Tejovatī; man koche das Ghee in der vierfachen Menge Wasser.
hiṅgupādayutaṃ siddhaṃ sarvaśvāsaharaṃ param vāsāghṛtaṃ ṣaṭpalaṃ vā ghṛtaṃ cātra hitaṃ bhavet
Mit einem Viertelanteil Hiṅgu versetzt und gekocht, ist es das beste Mittel gegen jede Art von *śvāsa*. Auch das mit sechs *pala* (einem alten Gewichtsmaß) Vāsā bereitete Ghee ist hier zuträglich.
tailaṃ daśaguṇe siddhaṃ bhṛṅgarājarase śubhe sevyamānaṃ yathānyāyaṃ śvāsakāsau vyapohati
Öl, in der zehnfachen Menge des reinen Saftes von Bhṛṅgarāja gekocht und vorschriftsmäßig eingenommen, vertreibt *śvāsa* und *kāsa*.
phalāmlā viṣkirarasāḥ snigdhāḥ pravyaktasaindhavāḥ eṇādīnāṃ śirobhirvā kaulatthā vā susaṃskṛtāḥ
Mit saurem Fruchtsaft angesäuerte, fettreiche und deutlich gesalzene Suppen von Wildgeflügel (*viṣkira*), oder gut zubereitete Suppen aus den Köpfen von Eṇa-Gazellen und ähnlichem Wild, oder aus Kaulattha –
hanyuḥ śvāsaṃ ca kāsaṃ ca saṃskṛtāni payāṃsi ca timirasya ca bījāni karkaṭākhyā ca cūrṇitā
all dies, ebenso entsprechend zubereitete Milch, vertreibt *śvāsa* und *kāsa*. Auch die zu Pulver zerriebenen Samen des Timira und die als Karkaṭā bekannte Pflanze,
durālabhā'tha pippalyaḥ kaṭukākhyā harītakī śvāvinmayūraromāṇi kolā māgadhikākaṇāḥ
ferner Durālabhā, Pippalī, die als Kaṭukā bekannte Pflanze, Harītakī, Stacheln des Stachelschweins, Pfauenfedern, *kola*-Früchte und Māgadhikā-Körner,
bhārgītvak śṛṅgaveraṃ ca śarkarā śallakāṅgajam nṛttakauṇḍakabījāni cūrṇitāni tu kevalam
die Rinde der Bhārgī, Śṛṅgavera, Zucker (*śarkarā*), das Harz des Śallakī-Baumes sowie die Samen von Nṛttakauṇḍaka – all dies rein zu Pulver zerrieben –
pañca ślokārdhikāstvete lehā ye samyagīritāḥ sarpirmadhubhyāṃ te lehyāḥ kāsaśvāsārditairnaraiḥ
diese fünf, jeweils in einem Halbvers dargelegten Latwergen (*leha*), sollen von *kāsa* und *śvāsa* geplagte Menschen zusammen mit Ghee und Honig lecken.
saptacchadasya puṣpāṇi pippalīścāpi mastunā pibet saṃcūrṇya madhunā dhānāścāpyatha bhakṣayet
Man zerreibe die Blüten des Saptacchada und Pippalī und trinke sie mit Buttermilch (*mastu*), oder verzehre geröstetes Korn (*dhānā*), mit Honig vermengt.
arkāṅkurairbhāvitānāṃ yavānāṃ sādhvanekaśaḥ tarpaṇaṃ vā pibedeṣāṃ sakṣaudraṃ śvāsapīḍitaḥ
Der von *śvāsa* Geplagte trinke wiederholt einen guten Nährtrank (*tarpaṇa*) aus Gerste, die mit dem Saft der Arka-Sprossen getränkt wurde, versetzt mit Honig.
śirīṣakadalīkundapuṣpaṃ māgadhikāyutam taṇḍulāmbuyutaṃ pītvā jayecchvāsānaśeṣataḥ
Wer die Blüten von Śirīṣa, Kadalī und Kunda zusammen mit Māgadhikā, angesetzt in Reiswasser, trinkt, besiegt jede Form des *śvāsa* vollständig.
kolamajjāṃ tālamūlamṛṣyacarmamasīmapi lihyāt kṣaudre ṇa bhārgī vā sarpirmadhusamāyutām
Man lecke das Mark der *kola*-Frucht, die Wurzel der Tāla-Palme oder die Asche von Hirschleder, vermengt mit Honig; oder man nehme Bhārgī-Ghee, gemischt mit Honig.
nīcaiḥ kadambabījaṃ vā sakṣaudraṃ taṇḍulāmbunā drā kṣāṃ harītakīṃ kṛṣṇāṃ karkaṭākhyāṃ durālabhām
Oder man nehme in Reiswasser die Samen des Kadamba mit Honig ein; ebenso Drākṣā, Harītakī, Pippalī (Kṛṣṇā), die als Karkaṭā bekannte Pflanze und Durālabhā –
sarpirmadhubhyāṃ vilihan hanti śvāsān sudāruṇān haridrāṃ maricaṃ drākṣāṃ guḍaṃ rāsnāṃ kaṇāṃ śaṭīm
wer dies mit Ghee und Honig leckt, besiegt selbst den furchtbarsten *śvāsa*. Ebenso Haridrā, Pfeffer, Drākṣā, Rohzucker (*guḍa*), Rāsnā, Kaṇā und Śaṭī –
lihyāttailena tulyāni śvāsārto hitabhojanaḥ gavāṃ purīṣasvarasaṃ madhusarpiḥkaṇāyutam
der von *śvāsa* Geplagte lecke diese zu gleichen Teilen mit Öl, bei zuträglicher Kost. Auch den frisch ausgepressten Saft von Kuhdung, vermengt mit Honig, Ghee und Kaṇā,
lihyācchvāseṣu kāseṣu vājināṃ vā śakṛdra sam pāṇḍurogeṣu śotheṣu ye yogāḥ saṃprakīrtitāḥ
lecke man bei *śvāsa* und *kāsa*, ebenso den Dungsaft von Pferden. Auch die Rezepturen, die bei Blutarmut (*pāṇḍu-roga*) und Schwellungen (*śotha*) genannt werden,
śvāsakāsāpahāste'pi kāsaghnā ye ca kīrtitāḥ bhārgītvaktryūṣaṇaṃ tailaṃ haridrāṃ kaṭurohiṇīm
sind ebenso zur Beseitigung von *śvāsa* und *kāsa* geeignet, wie auch jene, die als hustenstillend gelten. Man bereite ferner ein Öl mit der Rinde der Bhārgī, Tryūṣaṇa (den drei Scharfstoffen), Haridrā und Kaṭurohiṇī,
pippalīṃ maricaṃ caṇḍāṃ gośakṛdra sameva ca talakoṭasya bījeṣu pacedutkārikāṃ śubhām
mit Pippalī, Pfeffer, Caṇḍā und frischem Kuhdungsaft; man koche daraus in den Samen der Talakoṭa-Frucht einen heilsamen Fladen (*utkārikā*).
sevyamānā nihantyeṣā śvāsānāśu sudustarān purāṇasarpiḥ pippalyaḥ kaulatthā jāṅgalā rasāḥ
Regelmäßig eingenommen, vernichtet dieser Fladen rasch selbst den unüberwindlichsten *śvāsa*. Auch gealtertes Ghee, Pippalī, Kaulattha-Sud und Fleischbrühen von Wildtieren des Trockenlands (*jāṅgala*),
surā sauvīrakaṃ hiṅgu mātuluṅgaraso madhu drā kṣāmalakabilvāni śastāni śvāsihikkinām
Bier (*surā*), Sauvīraka-Essig, Hiṅgu, der Saft der Zitrusfrucht Mātuluṅga, Honig, Drākṣā, Āmalaka und Bilva werden für Menschen mit *śvāsa* und *hikkā* empfohlen.
śvāsahikkāparigataṃ snigdhaiḥ svedairupācaret āktaṃ lavaṇatailābhyāṃ tairasya grathitaḥ kaphaḥ
Wer von *śvāsa* und *hikkā* befallen ist, den behandle man mit ölig-feuchten Schwitzanwendungen (*sveda*); mit Salz und Öl eingerieben, löst sich dadurch der verklumpte *kapha*
khastho vilayanaṃ yāti mārutaśca praśāmyati svinnaṃ jñātvā tataścaiva bhojayitvā rasaudanam
in seinen Kanälen auf, und der Wind (*vāyu*) beruhigt sich. Sobald man erkennt, dass der Patient recht geschwitzt hat, gebe man ihm anschließend gewürzte Fleischbrühe mit Reis zu essen.
vātaśleṣmavibandhe vā bhiṣag dhūmaṃ prayojayet manaḥśilādevadāruharidrā cchadanāmiṣaiḥ
Bei Verstopfung durch Vāta und Śleṣman wende der Arzt eine Rauchbehandlung (*dhūma*) an, mit Manaḥśilā, Devadāru, Haridrā, Cchadana und Fleisch,
lākṣorubūkamūlaiśca kṛtvā vartīrvidhānataḥ sarpiryavamadhūcchiṣṭaśālaniryāsajaṃ tathā
sowie mit Lākṣā und den Wurzeln des Urubūka bereite man vorschriftsmäßig ein Räucherstäbchen (*varti*); ebenso mit Ghee, Gerste, Bienenwachs und dem Harz des Śāla-Baumes,
śṛṅgabālakhurasnāyutvak samastaṃ gavāmapi turuṣkaśallakīnāṃ ca gugguloḥ padmakasya ca
mit Horn, Jungtierklaue, Sehne und Haut, alles vom Rind, sowie mit Turuṣka, dem Harz der Śallakī, Guggulu und Padmaka –
ete sarve sasarpiṣkā dhūmāḥ kāryā vijānatā balīyasi kaphagraste vamanaṃ savirecanam
all diese Rauchbehandlungen soll der Kundige, mit Ghee versehen, bereiten. Ist ein kräftiger Patient von *kapha* überwältigt, wende man ein Brechmittel (*vamana*) zusammen mit einem Abführmittel (*virecana*) an.
durbale caiva rūkṣe ca tarpaṇaṃ hitamucyate jāṅgalorabhrajairmāṃsairānūpairvā susaṃskṛtaiḥ
Bei einem geschwächten und ausgetrockneten Patienten gilt hingegen ein Nährtrank als zuträglich, gut zubereitet mit Fleisch von Wildtieren des Trockenlands, von Schafen oder von Sumpftieren (*ānūpa*).
nidigdhikāṃ cāmalakapramāṇāṃ hiṅgvardhayuktāṃ madhunā suyuktām lihannaraḥ śvāsanipīḍito hi śvāsaṃ jayatyeva balātryaheṇa
Wer, von *śvāsa* gequält, Nidigdhikā in der Größe einer Āmalaka-Frucht, versetzt mit einem halben Teil Hiṅgu und gut mit Honig vermengt, leckt, der besiegt den *śvāsa* mit Gewissheit binnen dreier Tage.
yathā'gniriddhaḥ pavanānuviddho vajraṃ yathā vā surarājamuktam rogāstathaite khalu durnivārāḥ śvāsaśca kāsaśca vilambikā ca
So wie ein vom Wind entfachtes Feuer oder der vom Götterkönig geschleuderte Blitz, so unaufhaltsam sind wahrhaftig auch diese Krankheiten: *śvāsa*, *kāsa* und *vilambikā* (die Gaumenlähmung).