Quellen der Menschheit

Suśruta-Saṃhitā · Uttaratantra

Adhyāya 17: dṛṣṭigatarogavijñānīyo Behandlung der Krankheiten der Sehkraft (Dṛṣṭi)

Das siebzehnte Kapitel legt die Behandlung der Sehkraft-Krankheiten (dṛṣṭigataroga) dar: Von den zwölf zuvor genannten Formen gelten drei als heilbar, drei als unheilbar und sechs als nur palliativ zu behandeln. Für die pitta- und kapha-bedingten Formen werden innerlich Triphalā- bzw. Trivṛt-Ghee sowie zahlreiche Augensalben aus Lotosblüten, Leber verschiedener Tiere, Pippalī und Mineralien wie Rasāñjana empfohlen, mit eigenen Rezepturen gegen Nachtblindheit (naktāndhya, nakulāndhya). Bei timira wird vor Aderlass bei bereits gerötetem Auge gewarnt und eine Prognose nach dem Fortschreiten in die vier Augenhäute gegeben. Den Kern des Kapitels bildet jedoch die ausführliche Beschreibung der Starstich-Operation (liṅganāśa/kāca): Lagerung und Fixierung des Patienten, das Öffnen des Auges, der präzise, gerstenkornförmig gebogene Sondenstich in eine gefäßfreie Zone, das Abschaben der Pupillenfläche und die vorsichtige Entfernung des kapha-Trübstoffs, begleitet von genauen Angaben zu Instrumentenmaßen, Fehlerquellen bei falscher Stichrichtung und der postoperativen Nachsorge über zehn Tage. Ergänzt wird dies durch weitere Rezepturen gegen Augenschmerz und -rötung sowie eine abschließende, der Sehkraft-Klärung dienende Augensalbe. Damit enthält das Kapitel eine der frühesten detailliert überlieferten Beschreibungen der Starstich-Chirurgie.

athāto dṛṣṭigatarogapratiṣedhaṃ vyākhyāsyāmaḥ

Nun wollen wir die Abwehr der *dṛṣṭigataroga* (der Krankheiten der *dṛṣṭi*, der Sehkraft) erklären.

yathovāca bhagavān dhanvantariḥ

So wie es der erhabene Dhanvantari verkündet hat:

trayaḥ sādhyāstrayo'sādhyā yāpyāḥ ṣaṭ ca bhavanti hi tatraikasya pratīkāraḥ kīrtito dhūmadarśinaḥ

Drei dieser Krankheiten sind heilbar, drei unheilbar, und sechs sind nur zu lindern (*yāpya*, palliativ zu behandeln); von ihnen wurde die Behandlung der einen, die 'Rauchsehen' (*dhūmadarśin*) genannt wird, bereits dargelegt.

dṛṣṭau pittavidagdhāyāṃ vidagdhāyāṃ kaphena ca pittaśleṣmaharaṃ kuryādvidhiṃ śastrakṣatādṛte

Ist die *dṛṣṭi* durch *pitta* (den Gallenhumor) oder durch *kapha* (den Schleimhumor) verdorben, so wende man – sofern nicht eine durch die Klinge gesetzte Wunde vorliegt – eine Behandlung an, die *pitta* und *kapha* besänftigt.

nasyasekāñjanālepapuṭapākaiḥ satarpaṇaiḥ ādye tu traiphalaṃ peyaṃ sarpistraivṛtamuttare

Dies geschehe mittels *nasya* (Nasenmedikation), *seka* (Übergießung), *añjana* (Augensalbe), Auflagen, *puṭapāka* (Röstverfahren) und Nährbehandlungen (*tarpaṇa*); bei der ersten, der *pitta*-bedingten Form, trinke man einen Sud aus *triphalā*, bei der zweiten, der *kapha*-bedingten, mit *trivṛt* versetztes Ghee.

tailvakaṃ cobhayoḥ pathyaṃ kevalaṃ jīrṇameva vā gairikaṃ saindhavaṃ kṛṣṇā godantasya maṣī tathā

Für beide Formen ist Öl bekömmlich, ob rein oder abgelagert; ebenso *gairika* (roter Ocker), *saindhava* (Steinsalz), *kṛṣṇā* (langer Pfeffer) und die Asche von *godanta* (gebranntem Rinderzahn).

gomāṃsaṃ maricaṃ bījaṃ śirīṣasya manaḥśilā vṛntaṃ kapitthānmadhunā svayaṅguptāphalāni ca

Ebenso Rindfleisch, Pfeffer, der Same der *śirīṣa*, *manaḥśilā* (Realgar), der mit Honig versetzte Stiel der *kapittha*-Frucht und die Früchte der *svayaṅguptā*.

catvāra ete yogāḥ syurubhayorañjane hitāḥ kubjakāśokaśālāmrapriyaṅgunalinotpalaiḥ

Diese vier Rezepturen sind als Augensalbe bei beiden Formen zuträglich, ebenso solche mit den Blüten von *kubjaka*, *aśoka*, *śāla*, *āmra* (Mango), *priyaṅgu*, *nalina* (Lotus) und *utpala* (blaue Lotusblüte),

puṣpairhareṇukṛṣṇāhvāpathyāmalakasaṃyutaiḥ sarpirmadhuyutaiścūrṇairveṇunāḍyāmavasthitaiḥ

vereint mit *hareṇu*, *kṛṣṇāhvā* (Pippalī), *pathyā* und *āmalaka* (Amla), als mit Ghee und Honig vermengtes Pulver, das in einem Bambusrohr (*veṇunāḍī*) aufbewahrt wird.

añjayed dvāvapi bhiṣak pittaśleṣmavibhāvitau āmrajambūdbhavaṃ puṣpaṃ tadra sena hareṇukām

Damit bestreiche der Arzt (*bhiṣaj*) beide, die von *pitta* und die von *kapha* betroffenen Augen. Ebenso verwende man die aus *āmra* und *jambū* stammende Blüte, mit deren Saft man *hareṇukā*

piṣṭvā kṣaudrā jyasaṃyuktaṃ prayojyamathavā'ñjanam nalinotpalakiñjalkagairikairgośakṛdra saiḥ

zermahle und mit Honig (*kṣaudra*) und Ghee (*ājya*) vermenge; dies werde als Augensalbe angewandt. Oder eine Salbe aus den Staubfäden von *nalina* und *utpala*, mit *gairika* und dem Saft von Rinderkot (*gośakṛt*).

guḍikāñjanametadvā dinarātryandhayorhitam rasāñjanarasakṣaudra tālīśasvarṇagairikam

Diese Salbe, auch als Pastille (*guḍikā*) bereitet, ist bei Tag- wie Nachtblindheit zuträglich; ebenso eine Salbe aus *rasāñjana* (Berberis-Kollyrium), dessen Saft, Honig, *tālīśa*, Goldpulver und *gairika*,

gośakṛdra sasaṃyuktaṃ pittopahatadṛṣṭaye śītaṃ sauvīrakaṃ vā'pi piṣṭvā'tha rasabhāvitam

vereint mit dem Saft von Rinderkot, für eine durch *pitta* geschädigte Sehkraft; oder kühlen *sauvīraka* (ein saures Getreidegetränk), zermahlen und mit jenem Saft getränkt.

kūrmapittena matimān bhāvayedrau hitena vā cūrṇāñjanamidaṃ nityaṃ prayojyaṃ pittaśāntaye

Der Kundige tränke es mit Schildkrötengalle oder mit zuträglichem Blut. Dieses *cūrṇāñjana* (Pulver-Augensalbe) soll man stets zur Beruhigung von *pitta* anwenden.

kāśmarīpuṣpamadhukadārvīrodhrarasāñjanaiḥ sakṣaudra mañjanaṃ tadvaddhitamatrāmaye sadā

Eine Salbe aus der Blüte von *kāśmarī*, aus *madhuka* (Süßholz), *dārvī*, *lodhra* und *rasāñjana*, mit Honig versetzt, ist ebenso bei diesem Leiden stets zuträglich.

srotojaṃ saindhavaṃ kṛṣṇāṃ reṇukāṃ cāpi peṣayet ajāmūtreṇa tā vartyaḥ kṣaṇadāndhyāñjane hitāḥ

*Srotoja*, *saindhava*, *kṛṣṇā* und *reṇukā* zermahle man mit Ziegenharn; diese Salbenstäbchen (*vartī*) sind als Augensalbe bei Nachtblindheit (*kṣaṇadāndhya*) zuträglich.

kālānusārivāṃ kṛṣṇāṃ nāgaraṃ madhukaṃ tathā tālīśapatraṃ kṣaṇade gāṅgeyaṃ ca yakṛdra se

*Kālānusārivā*, *kṛṣṇā*, *nāgara* (Ingwer), ebenso *madhuka* und *tālīśa*-Blatt bei Nachtblindheit, sowie *gāṅgeya* im Saft der Leber (*yakṛt*).

kṛtāstā vartayaḥ piṣṭāśchāyāśuṣkāḥ sukhāvahāḥ manaḥśilābhayāvyoṣabalākālānusārivāḥ

Diese Stäbchen, zermahlen und im Schatten getrocknet, wirken wohltuend; ebenso jene aus *manaḥśilā*, *abhayā*, *vyoṣa* (den drei Scharfstoffen), *balā* und *kālānusārivā*,

saphenā vartayaḥ piṣṭāśchāgakṣīrasamanvitāḥ gomūtrapittamadirāyakṛddhātrīrase pacet

zu Schaum zermahlen und mit Ziegenmilch versetzt; oder man koche sie im Saft von Rinderharn (*gomūtra*), Galle, Branntwein, Leber und *dhātrī* (Amla).

kṣudrā ñjanaṃ rasenānyadyakṛtastraiphale'pi vā gomūtrājyārṇavamalapippalīkṣaudra kaṭphalaiḥ

Ein weiteres *kṣudrāñjana* (kleine Augensalbe) bereite man mit dem Saft der Leber oder auch mit Triphalā-Sud, mit Rinderharn, Ghee, Meeresschaum, *pippalī*, Honig und *kaṭphala*,

saindhavopahitaṃ yuñjyānnihitaṃ veṇugahvare medo yakṛdghṛtaṃ cājaṃ pippalyaḥ saindhavaṃ madhu

mit *saindhava* versetzt und in eine Bambusröhre gefüllt; ebenso Fett (*medas*), Leber, Ziegenghee, *pippalī*, *saindhava* und Honig.

rasamāmalakāccāpi pakvaṃ samyaṅinadhāpayet kośe khadiranirmāṇe tadvat kṣudrā ñjanaṃ hitam

Auch den aus *āmalaka* gewonnenen, gut gekochten Saft bewahre man sorgfältig in einem aus *khadira*-Holz gefertigten Gefäß auf; ebenso ist dieses *kṣudrāñjana* zuträglich.

hareṇumagadhājāsthimajjailāyakṛdanvitam yakṛdra senāñjanaṃ vā śleṣmopahatadṛṣṭaye

*Hareṇu*, *magadhā* (langer Pfeffer), Ziegenknochenmark, *elā* (Kardamom) und Leber vereint – oder eine Augensalbe mit Lebersaft – ist bei durch *kapha* geschädigter Sehkraft zuträglich.

vipācya godhāyakṛdardhapāṭitaṃ supūritaṃ māgadhikābhiragninā niṣevitaṃ tadyakṛdañjanena nihanti naktāndhyamasaṃśayaṃ khalu

Man koche die halb aufgeschlitzte, mit *māgadhikā* (Pippalī) wohl gefüllte Leber einer Eidechse (*godhā*) am Feuer; mit der Salbe aus dieser Leber vertreibt man ohne Zweifel die Nachtblindheit (*naktāndhya*).

tathā yakṛcchāgabhavaṃ hutāśane vipācya samyaṅmagadhāsamanvitam prayojitaṃ pūrvavadāśvasaṃśayaṃ jayet kṣapāndhyaṃ sakṛdañjanānnṛṇām

Ebenso besiegt man, wenn man die Leber der Ziege im Feuer gut mit *magadhā* gekocht und wie zuvor angewandt hat, bei den Menschen rasch und ohne Zweifel die Nachtblindheit (*kṣapāndhya*) schon durch einmaliges Auftragen der Salbe.

plīhā yakṛccāpyupabhakṣite ubhe prakalpya śūlye ghṛtatailasaṃyute te sārṣapasnehasamāyute'ñjanaṃ naktāndhyamāśveva hataḥ prayojite

Auch Milz (*plīhan*) und Leber, beide auf einen Spieß gesteckt und mit Ghee und Öl bestrichen, mit Senföl versehen – daraus bereitet man eine Salbe, die, angewandt, die Nachtblindheit wie im Nu vertreibt.

nadījaśimbītrikaṭūnyathāñjanaṃ manaḥśilā dve ca niśe śakṛdgavām sacandaneyaṃ guṭikā'thavā'ñjanaṃ praśasyate vai divaseṣvapaśyatām

Eine Salbe aus der Hülsenfrucht des Flusses (*nadījaśimbī*) und den drei Scharfstoffen (*trikaṭu*) dient ebenfalls als Augensalbe; *manaḥśilā*, beide *niśā*-Arten (Kurkumaarten) und Kot von Rindern, mit Sandelholz versetzt – diese Pastille oder Salbe wird gerühmt für jene, die tagsüber nicht sehen können.

bhavanti yāpyāḥ khalu ye ṣaḍāmayā haredasṛkteṣu sirāvimokṣaṇaiḥ virecayeccāpi purāṇasarpiṣā virecanāṅgopahitena sarvadā

Was nun jene sechs nur zu lindernden Leiden betrifft: Bei ihnen entferne man, wo Blut beteiligt ist, dieses durch Aderlass (*sirāvimokṣaṇa*); auch purgiere man stets mit altem Ghee, versetzt mit abführenden Bestandteilen.

payovimiśraṃ pavanodbhave hitaṃ vadanti pañcāṅgulatailameva tu bhavedghṛtaṃ traiphalameva śodhanaṃ viśeṣataḥ śoṇitapittarogayoḥ

Bei der aus *vāta* (Wind) entstandenen Form gilt mit Milch vermischtes *pañcāṅgula*-Öl als zuträglich; bei den Krankheiten von Blut und *pitta* aber sei besonders Triphalā-Ghee das reinigende Mittel.

trivṛdvirekaḥ kaphaje praśasyate tridoṣaje tailamuśanti tatkṛtam purāṇasarpistimireṣu sarvaśo hitaṃ bhavedāyasabhājanasthitam

Bei der aus *kapha* entstandenen Form wird die Purgation mit *trivṛt* empfohlen, bei der aus allen drei *doṣa* entstandenen (*tridoṣaja*) das daraus bereitete Öl. Altes, in einem eisernen Gefäß aufbewahrtes Ghee ist bei *timira* (fortschreitender Sehtrübung, einer Vorform der Erblindung) durchweg zuträglich.

hitaṃ ca vidyāttriphalāghṛtaṃ sadā kṛtaṃ ca yanmeṣaviṣāṇanāmabhiḥ sadā'valihyāttriphalāṃ sucūrṇitāṃ ghṛtapragāḍhāṃ timire'tha pittaje

Man wisse, dass Triphalā-Ghee stets zuträglich ist, ebenso das, was mit den in Widderhorn aufbewahrten Mitteln bereitet wird; bei *pitta*-bedingtem *timira* lecke man stets fein gepulverte, mit reichlich Ghee versetzte Triphalā.

samīraje tailayutāṃ kaphātmake madhupragāḍhāṃ vidadhīta yuktitaḥ gavāṃ śakṛtkvāthavipakvamuttamaṃ hitaṃ tu tailaṃ timireṣu nāvanam

Bei der windbedingten Form bereite man sie mit Öl versetzt, bei der schleimbedingten mit reichlich Honig, nach der rechten Methode. Vortrefflich zuträglich bei *timira* ist ferner Öl, das mit einem Sud aus Rinderkot gekocht und als Nasentropfen (*nāvana*) angewandt wird.

hitaṃ ghṛtaṃ kevala eva paittike hyajāvikaṃ yanmadhurairvipācitam tailaṃ sthirādau madhure ca yadgaṇe tathā'ṇutailaṃ pavanāsṛgutthayoḥ

Bei der *pitta*-bedingten Form ist reines, von Ziege oder Schaf stammendes, mit süßen Drogen gekochtes Ghee zuträglich; ebenso ein Öl aus der *sthirā*-Gruppe und der süßen Gruppe, sowie *aṇutaila* bei den aus Wind und Blut entstandenen Formen.

sahāśvagandhātibalāvarīśṛtaṃ hitaṃ ca nasye trivṛtaṃ yadīritam jalodbhavānūpajamāṃsasaṃskṛtādghṛtaṃ vidheyaṃ payaso yadutthitam

Ein mit *aśvagandhā*, *atibalā* und *vārī* gekochtes Öl ist als Nasenmittel zuträglich, ebenso das genannte *trivṛt*; man bereite Ghee aus der Milch von Tieren, die mit dem Fleisch von Wasser- und Sumpftieren aufgezogen wurden.

sasaindhavaḥ kravyabhugeṇamāṃsayorhitaḥ sasarpiḥ samadhuḥ puṭāhvayaḥ vasā'tha gṛdhroragatāmracūḍajā sadā praśastā madhukānvitā'ñjane

Mit *saindhava* versetzt ist ein Präparat aus dem Fleisch von Raubtier und Antilope zuträglich, mit Ghee und Honig als *puṭāhvaya* (Röstpräparat) bezeichnet; das Fett von Geier, Schlange und Hahn, stets gerühmt und mit Süßholz versetzt, wird in der Augensalbe verwendet.

pratyañjanaṃ srotasi yatsamutthitaṃ kramādra sakṣīraghṛteṣu bhāvitam sthitaṃ daśāhatrayametadañjanaṃ kṛṣṇoragāsye kuśasaṃpraveṣṭite

Das *pratyañjana* (die Gegensalbe), das nach und nach in Milch- und Ghee-Säften getränkt entsteht und dreißig Tage lang, mit *kuśa*-Gras umwickelt, in der Schnauze einer schwarzen Schlange aufbewahrt wird – dies ist seine Zubereitung.

tanmālatīkorakasaindhavāyutaṃ sadā'ñjanaṃ syāttimire'tha rāgiṇi subhāvitaṃ vā payasā dinatrayaṃ kācāpahaṃ śāstravidaḥ pracakṣate

Dieses, mit Knospen der *mālatī* und mit *saindhava* versetzt, sei stets die Augensalbe bei gerötetem *timira*; oder, drei Tage lang gut mit Milch getränkt, wird es von den Kundigen der Lehre als *kāca* (eine dem grauen Star ähnliche Linsentrübung) vertreibend bezeichnet.

havirhitaṃ kṣīrabhavaṃ tu paittike vadanti nasye madhurauṣadhaiḥ kṛtam tattarpaṇe caiva hitaṃ prayojitaṃ sajāṅgalasteṣu ca yaḥ puṭāhvayaḥ

Bei der *pitta*-bedingten Form gilt aus Milch bereitetes, mit süßen Heilkräutern versetztes Ghee als zuträgliches Nasenmittel; dasselbe ist auch bei *tarpaṇa* zuträglich, angewandt zusammen mit dem *puṭāhvaya*, das aus dem Fleisch von Landwild (*jāṅgala*) bereitet wird.

rasāñjanakṣaudra sitāmanaḥśilāḥ kṣudrā ñjanaṃ tanmadhukena saṃyutam samāñjanaṃ vā kanakākarodbhavaṃ sucūrṇitaṃ śreṣṭhamuśanti tadvidaḥ

*Rasāñjana*, Honig, Zucker (*sitā*) und *manaḥśilā* ergeben ein *kṣudrāñjana*, mit Süßholz versetzt; oder man preist als vorzüglich das aus der Goldmine stammende, fein gepulverte *samāñjana* (Antimon-Kollyrium) – so sagen die Kundigen.

bhilloṭagandhodakasekasecitaṃ pratyañjane cātra hitaṃ tu tutthakam sameṣaśṛṅgāñjanabhāgasaṃmitaṃ jalodbhavaṃ kācamalaṃ vyapohati

Mit *bhilloṭa*-Duftwasser übergossen und benetzt, ist beim *pratyañjana* ferner *tutthaka* (Kupfersulfat) zuträglich; zu gleichen Teilen mit *meṣaśṛṅgāñjana* gemischt, vertreibt es die aus Wasser entstandene Trübung des *kāca*.

palāśarohītamadhūkajā rasāḥ kṣaudre ṇa yuktā madirāgramiśritāḥ uśīralodhratriphalāpriyaṅgubhiḥ pacettu nasyaṃ kapharogaśāntaye

Die Säfte von *palāśa*, *rohīta* und *madhūka*, mit Honig versetzt und mit dem Schaum von Branntwein vermischt, koche man mit *uśīra*, *lodhra*, *triphalā* und *priyaṅgu* zu einem Nasenmittel, zur Beruhigung des durch *kapha* verursachten Leidens.

viḍaṅgapāṭhākiṇihīṅgudītvacaḥ prayojayeddhūmamuśīrasaṃyutāḥ vanaspatikvāthavipācitaṃ ghṛtaṃ hitaṃ haridrā nalade ca tarpaṇam

Man wende einen Rauch (*dhūma*) aus *viḍaṅga*, *pāṭhā*, *kiṇihī* und der Rinde der *iṅgudī*, mit *uśīra* versetzt, an. Mit einem Baumrindensud gekochtes Ghee ist zuträglich, und mit *haridrā* (Kurkuma) ein *tarpaṇa* bei *nalada*.

samāgadho mākṣikasaindhavāḍhyaḥ sajāṅgalaḥ syāt puṭapāka eva ca manaḥśilātryūṣaṇaśaṅkhamākṣikaiḥ sasindhukāsīsarasāñjanaiḥ kriyāḥ

Mit *magadhā* versehen, reich an *mākṣika* (Pyrit) und *saindhava*, mit Landwildfleisch bereitet, sei auch ein *puṭapāka*; ferner Behandlungen mit *manaḥśilā*, den drei Scharfstoffen, Muschelpulver, *mākṣika*, *sindhu*-Salz, *kāsīsa* (Eisenvitriol) und *rasāñjana*.

hite ca kāsīsarasāñjane tathā vadanti pathye guḍanāgarairyute yadañjanaṃ vā bahuśo niṣecitaṃ samūtravarge triphalodake śṛte

Ebenso gilt bei *kāsīsa* und *rasāñjana* eine mit *guḍa* (Rohrzucker) und *nāgara* versetzte, zuträgliche Rezeptur; oder eine Augensalbe, die vielfach mit dem Harn verschiedener Tiere sowie mit gekochtem Triphalā-Wasser benetzt wurde.

niśācarāsthisthitametadañjanaṃ kṣipecca māsaṃ salile'sthire punaḥ meṣasya puṣpairmadhukena saṃyutaṃ tadañjanaṃ sarvakṛte prayojayet

Diese in einem Nachttier-Knochen aufbewahrte Salbe lege man einen Monat lang in fließendes Wasser; mit den Blüten des Widders und mit Süßholz versetzt, wende man sie für alle Formen an.

kriyāśca sarvāḥ kṣatajodbhave hitaḥ kramaḥ parimlāyini cāpi pittahṛt kramo hitaḥ syandaharaḥ prayojitaḥ samīkṣya doṣeṣu yathāsvameva ca

Bei der aus Blutverletzung (*kṣataja*) entstandenen Form sind alle diese Behandlungen zuträglich; bei der 'Erblassenden' (*parimlāyin*) Form ist die *pitta*-vertreibende Methode zuträglich; die den Fluss (*syanda*) hemmende Methode wende man an, nachdem man den *doṣa* jeweils genau geprüft hat.

doṣodaye naiva ca viplutiṃgate dra vyāṇi nasyādiṣu yojayedbudhaḥ punaśca kalpe'ñjanavistaraḥ śubhaḥ pravakṣyate'nyastamapīha yojayet

Solange der *doṣa* nur aufsteigt und nicht in Verwirrung geraten ist, wende der Kundige die entsprechenden Mittel bei *nasya* und dergleichen an. Ferner wird im folgenden Kapitel eine ausführliche, heilsame Darstellung der Augensalben gegeben werden; auch diese wende man hier an.

ghṛtaṃ purāṇaṃ triphalāṃ śatāvarīṃ paṭolamudgāmalakaṃ yavānapi niṣevamāṇasya narasya yatnato bhayaṃ sughorāttimirānna vidyate

Für den Menschen, der sorgfältig altes Ghee, Triphalā, *śatāvarī*, *paṭola*, Mungbohnen und Gerste zu sich nimmt, besteht keine Furcht vor dem schrecklichen *timira*.

śatāvarīpāyasa eva kevalastathā kṛto vā'malakeṣu pāyasaḥ prabhūtasarpistriphalodakottaro yavaudano vā timiraṃ vyapohati

Allein schon ein mit *śatāvarī* bereiteter Milchreis (*pāyasa*), oder ebenso einer mit *āmalaka*, reichlich mit Ghee versehen, oder Gerstenbrei, dem Triphalā-Wasser zugegeben wurde, vertreibt das *timira*.

jīvantiśākaṃ suniṣaṇṇakaṃ ca sataṇḍulīyaṃ varavāstukaṃ ca cillī tathā mūlakapotikā ca dṛṣṭerhitaṃ śākunajāṅgalaṃ ca

Das Gemüse *jīvantī*, *suniṣaṇṇaka*, *taṇḍulīya*, edler *vāstuka*, *cillī* sowie *mūlakapotikā* – ebenso das Fleisch von Vögeln und Landwild – sind der Sehkraft zuträglich.

paṭolakarkoṭakakāravellavārtākutarkārikarīrajāni śākāni śigrvārtagalāni caiva hitāni dṛṣṭerghṛtasādhitāni

Die Gemüse aus *paṭola*, *karkoṭaka*, *kāravella*, Aubergine, *tarkārī* und *karīra*, sowie aus *śigru* und *vārtaga*, in Ghee zubereitet, sind der Sehkraft ebenfalls zuträglich.

vivarjayetsirāmokṣaṃ timire rāgamāgate yantreṇotpīḍito doṣo nihanyādāśu darśanam

Man unterlasse den Aderlass (*sirāmokṣa*) bei *timira*, wenn bereits Rötung (*rāga*) eingetreten ist; denn der durch das Instrument (*yantra*) herausgepresste *doṣa* könnte rasch die Sehkraft zerstören.

arāgi timiraṃ sādhyamādyaṃ paṭalamāśritam kṛcchraṃ dvitīye rāgi syāttṛtīye yāpyamucyate

Nicht gerötetes *timira*, das erste Häutchen (*paṭala*) betreffend, ist heilbar; gerötetes im zweiten Stadium gilt als schwer heilbar (*kṛcchra*); im dritten wird es als nur zu lindern (*yāpya*) bezeichnet.

rāgaprāpteṣvapi hitāstimireṣu tathā kriyāḥ yāpanārthaṃ yathoddiṣṭāḥ sevyāścāpi jalaukasaḥ

Auch bei bereits gerötetem *timira* sind, wie oben angegeben, die genannten Behandlungen zum Zweck der Linderung (*yāpana*) zuträglich; auch Blutegel (*jalaukas*) sollen dabei angewandt werden.

ślaiṣmike liṅganāśe tu karma vakṣyāmi siddhaye na cedardhendugharmāmbubindumuktākṛtiḥ sthiraḥ

Bei der durch *kapha* bedingten *liṅganāśa* (dem Verlust des kennzeichnenden Pupillenmerkmals, einer Form des grauen Stars) will ich nun die zum Erfolg führende Behandlung darlegen: wenn der *doṣa* nicht mehr die feste Gestalt eines Halbmonds, eines Sonnentropfens oder einer Perle zeigt,

viṣamo vā tanurmadhye rājimān vā bahuprabhaḥ dṛṣṭistho lakṣyate doṣaḥ sarujo vā salohitaḥ

sondern der in der *dṛṣṭi* sitzende *doṣa* unregelmäßig, in der Mitte dünn, gestreift oder von starkem Glanz erscheint, oder schmerzhaft und blutig,

snigdhasvinnasya tasyātha kāle nātyuṣṇaśītale yantritasyopaviṣṭasya svāṃ nāsāṃ paśyataḥ samam

dann behandle man jenen Patienten, der geölt und schwitzbehandelt wurde, zu einer Zeit, die weder zu heiß noch zu kalt ist, während er, fixiert (*yantrita*) sitzend, gerade auf seine eigene Nase blickt.

matimān śuklabhāgau dvau kṛṣṇānmuktvā hyapāṅgataḥ unmīlya nayane samyak sirājālavivarjite

Der Kundige öffne beide Augen sorgfältig und halte die beiden weißen Bereiche vom schwarzen Bereich und vom äußeren Augenwinkel (*apāṅga*) getrennt, an einer Stelle, die frei von einem Geflecht von Blutgefäßen (*sirājāla*) ist.

nādho nordhvaṃ na pārśvābhyāṃ chidre daivakṛte tataḥ śalākayā prayatnena viśvastaṃ yavavakrayā

Er steche weder nach unten noch nach oben noch von den Seiten her, sondern in die von Natur geschaffene Öffnung, sorgfältig, mit einer vertrauenerweckenden, gerstenkornförmig gebogenen Sonde (*śalākā*).

madhyapradeśinyaṅguṣṭhasthirahastagṛhītayā dakṣiṇena bhiṣak savyaṃ vidhyet savyena cetarat

Mit der mittig, vom Daumen fest gehaltenen Sonde steche der Arzt mit der rechten Hand das linke Auge und mit der linken Hand das rechte.

vāribindvāgamaḥ samyag bhavecchabdastathā vyadhe saṃsicya viddhamātraṃ tu yoṣitstanyena kovidaḥ

Beim Stich soll richtig ein Wassertropfen austreten, ebenso ein Geräusch entstehen; sobald gestochen ist, benetze der Kundige die Stelle sogleich mit Frauenmilch.

sthire doṣe cale vā'pi svedayedakṣi bāhyataḥ samyak śalākāṃ saṃsthāpya bhaṅgairanilanāśanaiḥ

Ist der *doṣa* fest oder beweglich, so bähe (*sveda*) man das Auge von außen sorgfältig, während man die Sonde im Auge fixiert hält, mit den den Wind (*anila*) beseitigenden Kräutersträußen.

śalākāgreṇa tu tato nirlikheddṛṣṭimaṇḍalam vidhyato yo'nyapārśve'kṣṇastaṃ ruddhvā nāsikāpuṭam

Dann kratze man mit der Spitze der Sonde die Fläche der *dṛṣṭi* sauber ab; während man sticht, verschließe man das Nasenloch der anderen Seite des Auges.

ucchiṅghanena hartavyo dṛṣṭimaṇḍalagaḥ kaphaḥ nirabhra iva gharmāṃśuryadā dṛṣṭiḥ prakāśate

Durch kräftiges Hochziehen der Luft durch die Nase (*ucchiṅghana*) soll der in der Pupillenfläche sitzende *kapha* entfernt werden, bis die *dṛṣṭi* leuchtet wie die Sonne an wolkenlosem Himmel.

tadā'sau likhitā samyag jñeyā yā cāpi nirvyathā evaṃ tvaśakye nirhartuṃ doṣe pratyāgate'pi vā

Dann erkenne man, dass sie richtig abgeschabt und schmerzfrei ist. Ist es aber so nicht möglich, den *doṣa* zu entfernen, oder kehrt er zurück,

snehādyairupapannasya vyadho bhūyo vidhīyate tato dṛṣṭeṣu rūpeṣu śalākāmāharecchanaiḥ

so werde bei dem, der mit Ölung und dergleichen behandelt wurde, der Stich erneut ausgeführt; sind dann die erwünschten Zeichen sichtbar, ziehe man die Sonde langsam heraus.

ghṛtenābhyajya nayanaṃ vastrapaṭṭena veṣṭayet tato gṛhe nirābādhe śayītottāna eva ca

Man salbe das Auge mit Ghee ein und umwickele es mit einem Tuchstreifen; danach liege der Patient in einem ungestörten Raum, und zwar auf dem Rücken.

udgārakāsakṣavathuṣṭhīvanotkampanāni ca tatkālaṃ nācaredūrdhvaṃ yantraṇā snehapītavat

Aufstoßen, Husten, Niesen, Spucken und Zittern vermeide er zu dieser Zeit; die Einschränkung gelte wie bei einem, der Öl getrunken hat.

tryahāt tryahācca dhāveta kaṣāyairanilāpahaiḥ vāyorbhayāt tryahādūrdhvaṃ svedayedakṣi pūrvavat

Von Tag drei zu Tag drei spüle man das Auge mit windvertreibenden Abkochungen (*kaṣāya*) aus; aus Furcht vor *vāta* bähe man das Auge nach dem dritten Tag wie zuvor.

daśāhamevaṃ saṃyamya hitaṃ dṛṣṭiprasādanam paścātkarma ca seveta laghvannaṃ cāpi mātrayā

Nachdem man so zehn Tage lang die Vorschriften eingehalten hat, folge die der *dṛṣṭi* zuträgliche Klärungsbehandlung (*dṛṣṭiprasādana*); danach befolge man die Nachbehandlung und nehme leichte Kost in angemessenem Maß zu sich.

sirāvyadhavidhau pūrvaṃ narā ye ca vivarjitāḥ na teṣāṃ nīlikāṃ vidhyedanyatrābhihitādbhiṣak

Bei denjenigen Menschen, die von der Vorschrift des Aderlass-Stichs (*sirāvyadha*) von vornherein ausgenommen wurden, steche der Arzt nicht in die *nīlikā* (die bläuliche Pupillenzone), außer wenn es anderweitig ausdrücklich angegeben ist.

pūryate śoṇitenākṣi sirāvedhādvisarpatā tatra strīstanyayaṣṭyāhvapakvaṃ seke hitaṃ ghṛtam

Füllt sich das Auge nach dem Aderlass-Stich mit sich ausbreitendem Blut, so ist dabei zur Übergießung Ghee zuträglich, das mit Frauenmilch und Süßholz gekocht wurde.

apāṅgāsannaviddhe tu śophaśūlāśruraktatāḥ tatropanāhaṃ bhrūmadhye kuryāccoṣṇājyasecanam

Ist der Stich nahe dem äußeren Augenwinkel gesetzt worden und entstehen Schwellung, Schmerz, Tränenfluss und Rötung, so lege man dort zwischen den Augenbrauen einen Umschlag (*upanāha*) an und übergieße mit warmem Ghee.

vyadhenāsannakṛṣṇena rāgaḥ kṛṣṇaṃ ca pīḍyate tatrādhaḥśodhanaṃ sekaḥ sarpiṣā raktamokṣaṇam

Ist der Stich nahe der schwarzen Iris gesetzt worden, so entsteht Rötung, und die schwarze Iris wird bedrängt; dabei wende man eine nach unten reinigende Behandlung an, eine Übergießung mit Ghee und einen Aderlass.

athāpyupari viddhe tu kaṣṭā ruk saṃpravartate tatra koṣṇena haviṣā pariṣekaḥ praśasyate

Ist aber der Stich oberhalb gesetzt worden, so entsteht heftiger Schmerz; dabei wird eine Übergießung mit lauwarmem Ghee empfohlen.

śūlāśrurāgāstvatyarthamadhovedhena picchilaḥ śalākāmanu cāsrāvastatra pūrvacikitsitam

Bei einem Stich zu weit unten entstehen übermäßiger Schmerz, Tränenfluss, Rötung und ein schleimiger, der Sonde folgender Ausfluss; dabei gelte die zuvor genannte Behandlung.

rāgāśruvedanāstambhaharṣāścātivighaṭṭite snehasvedau hitau tatra hitaṃ cāpyanuvāsanam

Ist das Auge übermäßig gereizt worden, entstehen Rötung, Tränenfluss, Schmerz, Steifheit und Kribbeln (*harṣa*); dabei sind Ölung und Schwitzbehandlung zuträglich, ebenso ein *anuvāsana* (eine ölbasierte Nachbehandlung).

doṣastvadho'pakṛṣṭo'pi taruṇaḥ punarūrdhvagaḥ kuryācchuklāruṇaṃ netraṃ tīvraruṅnaṣṭadarśanam

Wird der *doṣa*, obwohl nach unten abgeleitet, aber noch jung und frisch, erneut nach oben getrieben, so macht er das Auge weiß-rötlich, mit heftigem Schmerz und verlorenem Sehvermögen.

madhuraistatra siddhena ghṛtenākṣṇaḥ prasecanam śirobastiṃ ca tenaiva dadyānmāṃsaiśca bhojanam

Dabei wende man eine Übergießung des Auges mit Ghee an, das mit süßen Drogen bereitet wurde; man gebe damit auch einen Kopf-*basti* (Kopfölbad) sowie Fleischspeisen zu essen.

doṣastu saṃjātabalo ghanaḥ saṃpūrṇamaṇḍalaḥ prāpya naśyecchalākāgraṃ tanvabhramiva mārutam

Hat der *doṣa* aber schon Kraft gewonnen, ist er dicht und füllt die ganze Pupillenfläche aus, so weicht er bei Berührung mit der Sondenspitze wie eine dünne Wolke vor dem Wind.

mūrdhābhighātavyāyāmavyavāyavamimūrcchanaiḥ doṣaḥ pratyeti kopācca viddho'titaruṇaśca yaḥ

Durch Stoß auf den Kopf, Anstrengung, Geschlechtsverkehr, Erbrechen und Ohnmacht kehrt der *doṣa* – zumal wenn er allzu jung und frisch gestochen wurde – infolge seiner Erregung zurück.

śalākā karkaśā śūlaṃ kharā doṣapariplutim vraṇaṃ viśālaṃ sthūlāgrā tīkṣṇā hiṃsyādanekadhā

Eine raue Sonde verursacht Schmerz, eine grobe eine Überflutung durch den *doṣa*, eine mit dickem Ende eine ausgedehnte Wunde, eine allzu scharfe kann auf vielfältige Weise Schaden anrichten.

jalāsrāvaṃ tu viṣamā kriyāsaṅgamathāsthirā karoti varjitā doṣaistasmādebhirhitā bhavet

Eine unregelmäßige Sonde verursacht wässrigen Ausfluss und ein Hindernis bei der Behandlung, eine unstete Ähnliches. Daher sei die Sonde, frei von diesen Fehlern, die geeignete.

aṣṭāṅgulāyatā madhye sūtreṇa pariveṣṭitā aṅguṣṭhaparvasamitā vaktrayormukulākṛtiḥ

Acht *aṅgula* (Fingerbreiten) lang, in der Mitte mit einem Faden umwickelt, von der Größe eines Daumengelenks, an beiden Enden knospenförmig gestaltet – so sei die Sonde.

tāmrāyasī śātakumbhī śalākā syādaninditā rāgaḥ śopho'budaṃ coṣo budbudaṃ śūkarākṣitā

Aus Kupfer, Eisen oder Gold gefertigt, sei sie tadellos. Bei fehlerhafter Anwendung entstehen Rötung, Schwellung, ein Knötchen (*abuda*), Brennen, ein Bläschen (*budbuda*) und 'Schweinsauge' (eine bestimmte Verletzung des Augapfels).

adhimanthādayaścānye rogāḥ syurvyadhadoṣajāḥ ahitācārato vā'pi yathāsvaṃ tānupācaret

*Adhimantha* (ein akutes, glaukomähnliches Leiden) und andere Krankheiten können durch den vom Stich verursachten *doṣa* oder auch durch unzuträgliches Verhalten entstehen; man behandle sie je nach ihrer Eigenart.

rujāyāmakṣirāge vā yogān bhūyo nibodha me gairikaṃ sārivā dūrvā yavapiṣṭaṃ ghṛtaṃ payaḥ

Vernimm nun von mir weitere Rezepturen bei Augenschmerz oder Augenrötung: *gairika*, *sārivā*, *dūrvā*, Gerstenmehl, Ghee und Milch,

sukhālepaḥ prayojyo'ya vedanārāgaśāntaye mṛdubhṛṣṭaistilairvā'pi siddhārthakasamāyutaiḥ

dies werde als wohltuende Auflage (*sukhālepa*) zur Beruhigung von Schmerz und Rötung angewandt; oder mit sanft gerösteten Sesamkörnern, versetzt mit *siddhārthaka* (weißem Senf).

mātuluṅgarasopetaiḥ sukhālepastadarthakṛt payasyāsārivāpatramañjiṣṭhāmadhukairapi

Mit dem Saft der *mātuluṅga* versehen, dient eine wohltuende Auflage demselben Zweck; ebenso mit *payasyā*, *sārivā*-Blatt, *mañjiṣṭhā* und Süßholz.

ajākṣīrānvitairlepaḥ sukhoṣṇaḥ pathya ucyate dārupadmakaśuṇṭhībhirevameva kṛto'pi vā

Mit Ziegenmilch versehen, gilt eine angenehm warme Auflage als zuträglich; ebenso auch eine, die auf dieselbe Weise mit *dāru*, *padmaka* und getrocknetem Ingwer bereitet wurde,

drā kṣāmadhukakuṣṭhairvā tadvat saindhavasaṃyutaiḥ rodhrasaindhavamṛdvīkāmadhukairvā'pyajāpayaḥ

oder mit *drākṣā* (Weintraube), Süßholz und *kuṣṭha*, ebenso mit *saindhava* versetzt; oder mit *lodhra*, *saindhava*, *mṛdvīkā* und Süßholz, dazu Ziegenmilch,

śṛtaṃ seke prayoktavyaṃ rujārāganivāraṇam madhukotpalakuṣṭhairvā drā kṣālākṣāsitāyutaiḥ sasaindhavaiḥ śṛtaṃ kṣīraṃ rujārāganibarhaṇam

gekocht, werde zur Übergießung angewandt, um Schmerz und Rötung abzuwehren. Oder Milch, gekocht mit Süßholz, *utpala*, *kuṣṭha*, *drākṣā*, *lākṣā* (Lack) und Zucker, mit *saindhava* versetzt, vertreibt Schmerz und Rötung.

śatāvarīpṛthakparṇīmustāmalakapadmakaiḥ sājakṣīraiḥ śṛtaṃ sarpirdāhaśūlanibarhaṇam

Mit Ziegenmilch gekochtes Ghee aus *śatāvarī*, *pṛthakparṇī*, *mustā*, *āmalaka* und *padmaka* vertreibt Brennen und Schmerz.

vātaghnasiddhe payasi siddhaṃ sarpiścaturguṇe kākolyādipratīvāpaṃ tadyuñjyāt sarvakarmasu

In vierfach so viel mit *vāta* besänftigenden Kräutern gekochter Milch bereitetes Ghee, versetzt mit einem Zusatz aus *kākolī* und dergleichen, wende man bei allen genannten Behandlungen an.

śāmyatyevaṃ na cecchūlaṃ snigdhasvinnasya mokṣayet tataḥ sirāṃ dahedvā'pi matimān kīrtitaṃ yathā

Beruhigt sich der Schmerz auf diese Weise nicht, so lasse man bei dem Geölten und Schwitzbehandelten Blut ab, oder der Kundige kauterisiere die Vene, wie es dargelegt wurde.

dṛṣṭerataḥ prasādārthamañjane śṛṇu me śubhe meṣaśṛṅgasya puṣpāṇi śirīṣadhavayorapi

Höre nun von mir, du Holde, über die Augensalbe zur Klärung (*prasāda*) der *dṛṣṭi*: die Blüten von *meṣaśṛṅga*, ebenso von *śirīṣa* und *dhava*,

sumanāyāśca puṣpāṇi muktā vaidūryameva ca ajākṣīreṇa saṃpiṣya tāmre saptāhamāvapet

und die Blüten des *sumanas* (Jasmin), Perlen und Katzenauge (*vaidūrya*) – dies zermahle man mit Ziegenmilch und lasse es sieben Tage lang in einem Kupfergefäß einweichen.

pravidhāya ca tadvartīryojayeccāñjane bhiṣak srotojaṃ vidrumaṃ phenaṃ sāgarasya manaḥśilām

Daraus bereite der Arzt Stäbchen und verwende sie als Augensalbe; ebenso *srotoja*, Koralle (*vidruma*), Meeresschaum und *manaḥśilā*.

maricāni ca tadvartīḥ kārayeccāpi pūrvavat dṛṣṭisthairyārthametattu vidadhyādañjane hitam

Auch mit Pfefferkörnern bereite man wie zuvor Stäbchen daraus; dies wende man als der Festigung der *dṛṣṭi* zuträgliche Augensalbe an.

bhūyo vakṣyāmi mukhyāni vistareṇāñjanāni ca kalpe nānāprakārāṇi tānyapīha prayojayet

Ferner werde ich die wichtigsten Augensalben ausführlich im folgenden Kapitel darlegen, in mannigfacher Art; auch diese wende man hier an.

Interaktive Leseansicht des ganzen Werks