Quellen der Menschheit

Suśruta-Saṃhitā · Uttaratantra

Adhyāya 3: vartmagatarogavijñānīyo Krankheiten des Augenlids

Im dritten Kapitel werden die einundzwanzig Krankheiten behandelt, die am vartma (dem Augenlid) entstehen, wenn die doṣas sich dort in Venen und Gewebe festsetzen. Nach einer namentlichen Aufzählung – darunter utsaṅginī (eine nach innen wuchernde Bildung), kumbhīkā und pothakī (bläschenartige, juckende oder schmerzhafte Wucherungen), das sandkornartige und das lotoswurzelartige Lid, verschiedene Formen von Lidverklebung und -verdickung sowie das vom Wind (vāta) befallene, bewegungslose Lid – folgt eine ausführliche Beschreibung jeder einzelnen Erkrankung nach Aussehen, Konsistenz und Begleitsymptomen wie Brennen, Jucken oder Absonderung. Den Abschluss bildet die Wimpernstörung, bei der scharfspitzige, nachwachsende Wimpern das Auge reizen und erst durch wiederholtes Auszupfen gelindert werden. Das Kapitel liefert damit eine systematische Symptomlehre der äußeren, am Lidrand sichtbaren Augenerkrankungen.

Die einundzwanzig Krankheiten des Augenlids (vartma) (Vers 5–30)
NameKennzeichen
Utsaṅginīnach innen wuchernde Bildung am oberen Lidrand, mit Bläschen übersät
KumbhīkāBläschen wie Kumbhīka-Kürbiskörner, blähen das Lid beim Aufbrechen
Pothakīabsondernde, juckende, schmerzhafte Bläschen wie rote Senfkörner
sandkornartiges Lidraue, dicke, ringsum mit feinen Bläschen bedeckte Wucherung
AśovartmaBläschen wie Ervāru-Gurkenkörner, wenig schmerzhaft, fein, rau
trockenes Hämorrhoiden-Lidlanger, rauer, starrer, schwerer Auswuchs
Salbentrübungkupferfarbenes, brennendes und stechendes, weiches Bläschen
verdicktes Lidgleichmäßige, ringsum gleichfarbige Bläschenverdickung
Lidverklebungjuckende, wenig schmerzende Schwellung; Lid schließt nicht mehr gleichmäßig
Kliṣṭavartmaweiches, kupferfarbenes, plötzlich blutig geschwollenes Lid
Vartmakardamadurchnässte, in Verwesung übergehende Form des kliṣṭavartma
bräunliches Lidinnen wie außen bräunlich, geschwollen, Brennen und Juckreiz
durchnässtes Lidaußen schmerzlos geschwollen, innen durchnässt und absondernd
trockenes Lidwiederholt verklebend, ohne je vollständig auszureifen
vom Wind befallenes Lidan der Verbindungsstelle gelockert, bewegungslos, schließt nicht mehr
Arbudaunregelmäßige, knotige, schmerzlose, blutige, herabhängende Wucherung
Nimiṣaübermäßiges Lidzittern durch Wind in den Blinzel-Venen
blutige Hämorrhoideweiche Auswüchse, wachsen nach dem Abschneiden nach, mit Brennen und Juckreiz
wulstiger Auswuchsharter, schleimiger, juckender Knoten von der Größe einer Kola-Frucht
lotoswurzelartiges Lidgeschwollenes Lid mit vielen feinen Löchern
Wimpernstörungscharfspitzige, nachwachsende Wimpern reizen das Auge

athāto vartmagatarogavijñānīyamadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ

Nun wollen wir das Kapitel über die am Augenlid (*vartma*) entstehenden Krankheiten erläutern.

yathovāca bhagavān dhanvantariḥ

So, wie es der erhabene Dhanvantari verkündet hat.

pṛthagdoṣāḥ samastā vā yadā vartmavyapāśrayāḥ sirā vyāpyāvatiṣṭhante vartmasvadhikamūrcchitāḥ

Wenn die *doṣa* (die Körpersäfte), einzeln oder alle zusammen, sich auf die Venen (*sirā*, die Blutgefäße) stützen, die zum Augenlid gehören, und sich dort übermäßig verstärkt festsetzen, nachdem sie das Gewebe durchdrungen haben,

vivardhya māṃsaṃ raktaṃ ca tadā vartmavyapāśrayān vikārāñjanayantyāśu nāmatastānnibodhata

vermehren sie das Fleisch und das Blut und erzeugen so rasch die vom Augenlid abhängigen Krankheiten. Vernehmt nun ihre Namen.

utsaṅginyatha kumbhīkā pothakyo vartmaśarkarā tathā'śovartma śuṣkārśastathaivāñjananāmikā

„Utsaṅginī“ (die nach innen wuchernde Bildung), „kumbhīkā“ (die Höckerbildung), „pothakī“ (das schmerzhafte Knötchen), das sandkornartige Lid, ebenso das „aśovartma“, das trockene Hämorrhoiden-Lid und die sogenannte Salbentrübung,

bahalaṃ vartma yaccāpi vyādhirvartmāvabandhakaḥ kliṣṭakardamavartmākhyau śyāvavartma tathaiva ca

das verdickte Lid, die Krankheit der Lidverklebung, die als „kliṣṭa“- und „kardama“-Lid bezeichneten Leiden, ebenso das bräunliche Lid,

praklinnamapariklinnaṃ vartma vātahataṃ tu yat arbudaṃ nimiṣaścāpi śoṇitārśaśca yat smṛtam

das durchnässte und das nicht durchnässte Lid, das vom Wind (*vāta*, dem Wind-*doṣa*) befallene Lid, das *arbuda* (die tumorartige Wucherung), das „nimiṣa“ (das unwillkürliche Blinzeln) sowie das als blutige Hämorrhoide bekannte Leiden,

lagaṇo biśanāmā ca pakṣmakopastathaiva ca ekaviṃśatirityete vikārā vartmasaṃśrayāḥ

der wulstige Auswuchs, das lotoswurzelartige Löcher-Lid und ebenso die Wimpernstörung — dies sind die einundzwanzig Krankheiten, die am Augenlid ihren Sitz haben.

nāmabhiste samuddiṣṭā lakṣaṇaistān pracakṣmahe abhyantaramukhī bāhyotsaṅge'dho vartmanaśca yā

Diese wurden nach ihren Namen aufgezählt; nun wollen wir sie nach ihren Merkmalen beschreiben. Eine Wucherung, die nach innen gerichtet ist, außen am oberen Rand entsteht und unterhalb des Augenlids liegt,

vijñeyotsaṅginī nāma tadrū papiḍakācitā kumbhīkabījapratimā piḍakā yāstu vartmajāḥ

soll als „utsaṅginī“ erkannt werden, übersät mit Bläschen von entsprechender Form. Bläschen am Augenlid, die dem Samenkorn des Kumbhīka-Kürbisses gleichen

ādhmāpayanti bhinnā yāḥ kumbhīkapiḍakāstu tāḥ srāviṇyaḥ kaṇḍurā gurvyo raktasarṣapasannibhāḥ piḍakāśca rujāvatyaḥ pothakya iti saṃjñitāḥ

und die, wenn sie aufbrechen, das Lid aufblähen — das sind die „kumbhīkā“-Bläschen. Absondernde, juckende, schwere Bläschen, die roten Senfkörnern gleichen und schmerzhaft sind, werden als „pothakī“ bezeichnet.

piḍakābhiḥ susūkṣmābhirghanābhirabhisaṃvṛtā piḍakā yā kharā sthūlā sā jñeyā vartmaśarkarā

Eine raue, dicke Wucherung, die ringsum von sehr feinen, dicht gedrängten Bläschen bedeckt ist, soll als sandkornartiges Lid erkannt werden.

ervārubījapratimāḥ piḍakā mandavedanāḥ sūkṣmāḥ kharāśca vartmasthāstadarśovartma kīrtyate

Bläschen am Augenlid, die dem Samenkorn der Ervāru-Gurke gleichen, wenig schmerzhaft, fein und rau sind — dies wird als „aśovartma“ bezeichnet.

dīrgho'ṅakuraḥ kharaḥ stabdho dāruṇo vartmasaṃbhavaḥ vyādhireṣa samākhyātaḥ śuṣkārśa iti saṃjñitaḥ

Ein langer, rauer, starrer, schwerwiegender Auswuchs, der am Augenlid entsteht — diese Krankheit wird als trockenes Hämorrhoiden-Lid bezeichnet.

dāhatodavatī tāmrā piḍakā vartmasaṃbhavā mṛdvī mandarujā sūkṣmā jñeyā sā'ñjananāmikā

Ein kupferfarbenes, von Brennen und Stechen begleitetes Bläschen, das am Augenlid entsteht, weich, wenig schmerzhaft und fein — dies soll als die sogenannte Salbentrübung erkannt werden.

vartmopacīyate yasya piḍakābhiḥ samantataḥ savarṇābhiḥ samābhiśca vidyādbahalavartma tat

Wenn sich bei jemandem das Augenlid ringsum mit gleichfarbigen, gleichmäßigen Bläschen verdickt, soll man dies als verdicktes Lid erkennen.

kaṇḍūmatā'lpatodena vartmaśophena yo naraḥ na samaṃ chādayedakṣi bhavedbandhaḥ sa vartmanaḥ

Wenn ein Mensch wegen einer juckenden, wenig schmerzenden Schwellung des Augenlids dieses nicht mehr gleichmäßig über das Auge schließen kann, so liegt eine Lidverklebung vor.

mṛdvalpavedanaṃ tāmraṃ yadvartma samameva ca akasmācca bhavedra ktaṃ kliṣṭavartma tadādiśet

Wenn das Augenlid weich, wenig schmerzhaft, kupferfarben und gleichmäßig geschwollen ist und plötzlich blutig wird, soll man dies als „kliṣṭavartma“ (entzündetes Lid) bezeichnen.

kliṣṭaṃ punaḥ pittayutaṃ vidahecchoṇitaṃ yadā tadā klinnatvamāpannamucyate vartmakardamaḥ

Wenn das entzündete Lid weiter von *pitta* durchdrungen wird und das Blut in Verwesung übergeht, dann nennt man den Zustand, der Durchnässung erreicht hat, „vartmakardama“ (Schlamm-Lid).

yadvartma bāhyato'ntaśca śyāvaṃ śūnaṃ savedanam dāhakaṇḍūparikledi śyāvavartmeti tanmatam

Ein Augenlid, das außen wie innen bräunlich verfärbt, geschwollen und schmerzhaft ist, von Brennen und Juckreiz begleitet und durchnässt — dies gilt als bräunliches Lid.

arujaṃ bāhyataḥ śūnamantaḥ klinnaṃ sravatyapi kaṇḍūnistodabhūyiṣṭhaṃ klinnavartma taducyate

Ein Augenlid, das äußerlich schmerzlos geschwollen, innen durchnässt ist und sogar absondert, überwiegend von Juckreiz und stechendem Schmerz begleitet — das nennt man durchnässtes Lid.

yasya dhautāni dhautāni saṃbadhyante punaḥ punaḥ vartmānyaparipakvāni vidyādaklinnavartma tat

Wenn bei jemandem die scheinbar gereinigten Augenlider immer wieder von neuem verkleben, ohne dabei je vollständig auszureifen, soll man dies als trockenes Lid erkennen.

vimuktasandhi niśceṣṭaṃ vartma yasya na mīlyate etadvātahataṃ vidyāt sarujaṃ yadi vā'rujam

Wenn bei jemandem das Augenlid an seiner Verbindungsstelle gelockert, bewegungslos ist und sich nicht mehr schließen lässt, soll man dies, ob mit oder ohne Schmerz, als vom Wind befallen erkennen.

vartmāntarasthaṃ viṣamaṃ granthibhūtamavedanam vijñeyamarbudaṃ puṃsāṃ saraktamavalambitam

Eine im Inneren des Augenlids sitzende, unregelmäßige, knotige, schmerzlose Wucherung, blutig und herabhängend, soll man bei den Menschen als *arbuda* erkennen.

nimeṣaṇīḥ sirā vāyuḥ praviṣṭo vartmasaṃśrayāḥ cālayatyati vartmāni nimeṣaḥ sa gado mataḥ

Wenn der Wind in die zum Blinzeln dienenden, am Augenlid gelegenen Venen eindringt und die Lider übermäßig zittern lässt, gilt dies als die Krankheit „nimiṣa“.

chinnāśchinnā vivardhante vartmasthā mṛdavo'ṅakurāḥ dāhakaṇḍūrujopetāste'śa śoṇitasaṃbhavāḥ

Weiche, am Augenlid sitzende Auswüchse, die nach dem Abschneiden immer wieder nachwachsen, begleitet von Brennen, Juckreiz und Schmerz — dies ist die blutige Hämorrhoide.

apākaḥ kaṭhinaḥ sthūlo granthirvartmabhavo'rujaḥ sakaṇḍūḥ picchilaḥ kolapramāṇo lagaṇastu saḥ

Ein nicht ausreifender, harter, dicker, am Augenlid entstandener, schmerzloser Knoten, juckend, schleimig und von der Größe einer Kola-Frucht (Brustbeere) — das ist der wulstige Auswuchs.

śūnaṃ yadvartma bahubhiḥ sūkṣmaiśchidraiḥ samanvitam bisamantarjala iva bisavartmeti tanmatam

Ein geschwollenes Augenlid, das mit vielen feinen Löchern versehen ist, gleich einer Lotoswurzel im Wasser — dies gilt als lotoswurzelartiges Lid.

doṣāḥ pakṣmāśayagatāstīkṣṇāgrāṇi kharāṇi ca nirvartayanti pakṣmāṇi tairghuṣṭaṃ cākṣi dūyate

Wenn die *doṣa* in den Wimpernwurzeln sitzen, lassen sie scharfspitzige, raue Wimpern nachwachsen; durch diese wird das Auge gereizt und schmerzt.

uddhṛtairuddhṛtaiḥ śāntiḥ pakṣmabhiścopajāyate vātātapānaladveṣī pakṣmakopaḥ sa ucyate

Erst wenn diese Wimpern immer wieder ausgezupft werden, tritt Linderung ein. Dieses Leiden, das Wind, Sonnenlicht und Feuer nicht verträgt, wird als Wimpernstörung bezeichnet.

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