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Suśruta-Saṃhitā · Uttaratantra

Adhyāya 5: kṛṣṇagatarogavijñānīyo Krankheiten der Hornhaut

Das fünfte Kapitel widmet sich den vier an der kṛṣṇa, der Hornhaut, sitzenden Krankheiten: savraṇaśukra (die geschwürige weiße Trübung, auch klimivraṇa genannt), akṣipākātyaya (die aus heftiger Augenentzündung entstehende, äußerst schmerzhafte Eiterung) und ajakājāta (eine schmerzhafte, blutig-schleimige Wucherung, die die Hornhaut aufreißt). Besonderes Gewicht liegt auf der Prognose des Hornhautgeschwürs: Ein oberflächliches, von der Pupille entferntes, schmerzloses und nicht doppelt auftretendes Geschwür gilt als heilbar, während ein tiefes, mit Fleisch oder Gefäßen verbundenes, sehschädigendes oder lange bestehendes Geschwür als unheilbar eingestuft wird; auch die vollständige weißliche Überziehung der Hornhaut gilt als schwer heilbar. Das kurze Kapitel zeigt exemplarisch, wie in der śālākya-Tradition Lokalisation, Tiefe und Erscheinungsbild einer Läsion unmittelbar über Heilungsaussicht und Behandelbarkeit entscheiden.

Die vier Krankheiten der Hornhaut (kṛṣṇa) (Vers 3–10)
NameKennzeichenPrognose
Savraṇaśukraeingesenkte, nadelstichartige Stelle, heißes Sekret, heftiger Schmerzheilbar, wenn oberflächlich, schmerzlos, nicht pupillennah und nicht doppelt; unheilbar bei Tiefe, Verbindung mit Fleisch/Venen oder langer Dauer
weiße Trübung (ohne Geschwür)geschwürfrei, einer klaren Wolke gleichendam besten heilbar; tief und lange bestehend gilt sie als schwer heilbar
Akṣipākātyayaaus heftiger Augenentzündung entstanden, überaus schmerzhaft—
Ajakājātaschmerzhafte, blutig-schleimige Wucherung, die die Hornhaut aufreißt—

athātaḥ kṛṣṇagatarogavijñānīyamadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ

Nun wollen wir das Kapitel über die an der Hornhaut (*kṛṣṇa*, dem Schwarzen des Auges) entstehenden Krankheiten erläutern.

yathovāca bhagavān dhanvantariḥ

So, wie es der erhabene Dhanvantari verkündet hat.

yat savraṇaṃ śukraklimithāvraṇaṃ vā pākātyayaścāpyajakā tathaiva catvāra ete'bhihitā vikārāḥ kṛṣṇāśrayāḥ saṃgrahataḥ purastāt

Das „savraṇaśukra“ (die mit Geschwür verbundene weiße Trübung, auch „klimivraṇa“, das Wurm-Geschwür, genannt), das schwere „pākātyaya“ und das „ajakājāta“ — diese vier Krankheiten wurden bereits zuvor zusammenfassend als an der Hornhaut sitzend genannt.

nimagnarūpaṃ hi bhavettu kṛṣṇe sūcyeva viddhaṃ pratibhāti yadvai srāvaṃ sraveduṣṇamatīva ruk ca tat savraṇaṃ śukraklīvamudāharanti

Wenn an der Hornhaut eine eingesenkte Stelle erscheint, die wie mit einer Nadel gestochen wirkt, wenn sie heißes Sekret absondert und heftiger Schmerz besteht, so nennt man dies „savraṇaśukra“ oder „klimivraṇa“.

dṛṣṭeḥ samīpe na bhavettu yacca na cāvagāḍhaṃ na ca saṃsraveddhi avedanāvanna ca yugmaśukraṃ tatsiddhimāpnoti kadācideva

Wenn dieses Geschwür nicht in der Nähe der Pupille liegt, nicht tief eingesenkt ist, nicht absondert, schmerzlos ist und nicht doppelt als Zwillingstrübung auftritt, erlangt es zuweilen Heilung.

vicchinnamadhyaṃ piśitāvṛtaṃ vā calaṃ sirāsaktamadṛṣṭikṛcca dvitvaggataṃ lohitamantataśca cirotthitaṃ cāpi vivarjanīyam

Ist es hingegen in der Mitte unterbrochen, von Fleisch umgeben, beweglich, mit Venen verbunden, sehschädigend, zweischichtig, im Inneren blutig oder von langer Dauer, so soll es als unheilbar gemieden werden.

uṣṇāśrupātaḥ piḍakā ca kṛṣṇe yasmin bhavenmudganibhaṃ ca śukram tadapyasādhyaṃ pravadanti kecidanyacca yattittiripakṣatulyam

Wenn an der Hornhaut heißer Tränenfluss und ein Bläschen auftreten und die weiße Trübung der Mungobohne gleicht, so gilt dies, wie manche sagen, ebenfalls als unheilbar; ebenso jenes, das dem Flügel eines Rebhuhns gleicht.

sitaṃ yadā bhātyasitapradeśe syandātmakaṃ nātirugaśruyuktam vihāyasīvācchaghanānukāri tadavraṇaṃ sādhyatamaṃ vadanti

Wenn hingegen im schwarzen Bereich ein weißes Gebilde erscheint, das mit Augenausfluss einhergeht, nicht allzu schmerzhaft und tränend ist und einer klaren, am Himmel ziehenden Wolke gleicht, so nennt man dieses geschwürfreie Leiden am besten heilbar.

gambhīrajātaṃ bahalaṃ ca śukraṃ cirotthitaṃ cāpi vadanti kṛcchram saṃcchādyate śvetanibhena sarvaṃ doṣeṇa yasyāsitamaṇḍalaṃ tu

Eine tief entstandene, dicke weiße Trübung, die zudem schon lange besteht, gilt als schwer heilbar; ebenso, wenn bei jemandem der ganze schwarze Kreis von einem weißlich erscheinenden *doṣa* vollständig überzogen wird.

tamakṣipākātyayamakṣikopasamutthitaṃ tīvrarujaṃ vadanti ajāpurīṣapratimo rujāvān salohito lohitapicchilāśruḥ vidārya kṛṣṇaṃ pracayo'bhyupaiti taṃ cājakājātamiti vyavasyet

Jenes aus heftiger Augenentzündung entstandene, überaus schmerzhafte Leiden nennt man „akṣipākātyaya“. Wenn eine schmerzhafte, blutig-rote, mit blutig-schleimigen Tränen einhergehende Wucherung die Hornhaut aufreißt und sich darauf ausbreitet, soll man dies als „ajakājāta“ (die ziegenkotartige Wucherung) bestimmen.

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