athāto naigameṣapratiṣedhaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir die Abwehr des naigameṣa (eines Kinderdämons) erläutern.
Suśruta-Saṃhitā · Uttaratantra
Mit dem 36. Kapitel und der Abwehr des Naigameṣa schließt die Reihe der neun Kindergrahas des Uttaratantra. Zur Besprengung dienen Bilva, Agnimantha und Pūtīka sowie Reisbier und saurer Getreidesud, zur Ölbereitung Priyaṅgu und Śatapuṣpā mit Rinderharn und Molke; zur Räucherung wird unter anderem Kot von Affe, Eule und Geier verwendet, ausdrücklich nachts, während die Menschen schlafen, beim frisch ergriffenen Kind. Das Kapitel benennt Naigameṣa als „Vater des Knaben mit dem Widderhaupt“ (kumārapitṛ): Ihm wird eine Sesam-Reis-Girlande am Fuß eines Baumes dargebracht, das Bad findet unter einem Banyan-Baum statt, die eigentliche Opfergabe am sechsten Tag des Mondmonats (ṣaṣṭhī) bei Nyagrodha-Bäumen. Der Schlussvers beschreibt den Gott mit Ziegenkopf, rollenden Augen und Brauen als gestaltwandelnden „Vater der Kinder“, der das Kind beschützen möge – ein passgenauer Abschluss der ganzen Graha-Reihe, bevor das folgende Kapitel deren mythologischen Ursprung erklärt.
| Schritt | Mittel |
|---|---|
| Besprengung (pariṣecana) | Bilva, Agnimantha, Pūtīka, surā mit Körnern, saurer Getreidesud (dhānyāmla) |
| Öl | Priyaṅgu, Sarala, Anantā, Śatapuṣpā, Akuṭannaṭa, Rinderharn, Dickmilchmolke, saures Kāñjika |
| Ghee | beide Pañcamūla-Gruppen, Milch, süße Drogen, oder Kharjūrī-Palmmark |
| Amulett | Vacā, Vayaḥsthā, Golomī, Jaṭilā |
| Räucherung (uddhūpana) | weißer Senf, Vacā, Hiṅgu, Kuṣṭha, ungeschälter Reis, Bhallātaka, Ajamodā; nachts auch Kot von Affe, Eule, Geier |
| Opfergabe (bali) | Sesam-Reis-Girlande und Speisen am Fuß eines Baumes; am sechsten Tag (ṣaṣṭhī) bei Nyagrodha-Bäumen |
| Bad | unter einem Vaṭa-Baum (Banyan) |
athāto naigameṣapratiṣedhaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir die Abwehr des naigameṣa (eines Kinderdämons) erläutern.
yathovāca bhagavān dhanvantariḥ
So wie es der erhabene Dhanvantari (der Gott der Heilkunde) verkündet hat.
bilvāgnimanthapūtīkāḥ kāryāḥ syuḥ pariṣecane surā sabījaṃ dhānyāmlaṃ pariṣeke ca śasyate
Bilva, Agnimantha und Pūtīka sind zum Besprengen (pariṣecana) zu verwenden; auch surā (Reisbier) samt Körnern und saurer Getreidesud (dhānyāmla) werden zum Besprengen empfohlen.
priyaṅgusaralānantāśatapuṣpākuṭannaṭaiḥ pacettailaṃ sagomūtrairdadhimastvamlakāñjikaiḥ
Mit Priyaṅgu, Sarala, Anantā, Śatapuṣpā und Akuṭannaṭa, dazu Rinderharn, Dickmilchmolke (dadhimastu) und saurem Kāñjika soll man Öl (taila) kochen.
pañcamūladvayakvāthe kṣīre madhurakeṣu ca pacedghṛtaṃ ca medhāvī kharjūrīmastake'pi vā
Im Absud (kvātha) der beiden Pañcamūla-Gruppen, in Milch und in den süß wirkenden Drogen, oder auch im Mark der Kharjūrī-Palme, soll der kundige Arzt Ghṛta kochen.
vacāṃ vayaḥsthāṃ golomīṃ jaṭilāṃ cāpi dhārayet utsādanaṃ hitaṃ cātra skandāpasmāranāśanam
Vacā, Vayaḥsthā, Golomī und Jaṭilā soll man als Amulett tragen lassen; auch die schon beim skandāpasmāra genannte, ihn vernichtende Einreibpaste (utsādana) ist hier heilsam.
siddhārthakavacāhiṅgukuṣṭhaṃ caivākṣataiḥ saha bhallātakājamodāśca hitamuddhūpanaṃ śiśoḥ
Weißer Senf (siddhārthaka), Vacā, Hiṅgu und Kuṣṭha zusammen mit ungeschältem Reis (akṣata) sowie Bhallātaka und Ajamodā sind dem Säugling als Räucherung (uddhūpana) heilsam.
markaṭolūkagṛdhrāṇāṃ purīṣāṇi navagrahe dhūpaḥ supte jane kāryo bālasya hitamicchatā
Kot von Affe, Eule und Geier – diese Räucherung (dhūpa) soll, wer dem Kind Wohl wünscht, beim frisch ergriffenen (navagraha) Kind vollziehen, während die Menschen schlafen.
tilataṇḍulakaṃ mālyaṃ bhakṣyāṃśca vividhānapi kumārapitṛmeṣāya vṛkṣamūle nivedayet
Eine Girlande aus Sesam und Reiskörnern sowie mancherlei Speisen soll man dem „Vater des Knaben mit dem Widderhaupt“ (kumārapitṛ, d. h. Naigameṣa) am Fuß eines Baumes darbringen.
adhastādvaṭavṛkṣasya snapanaṃ copadiśyate bali nyagrodhavṛkṣeṣu tithau ṣaṣṭhyāṃ nivedayet
Unter einem Vaṭa-Baum (Banyan) wird auch die Waschung (snapana) empfohlen; die Opfergabe (bali) soll man am sechsten Tag (ṣaṣṭhī) des Mondmonats bei Nyagrodha-Bäumen darbringen.
ajānanaścalākṣibhrūḥ kāmarūpī mahāyaśāḥ bālaṃ bālapitā devo naigameṣo'bhirakṣatu
Mit dem Kopf einer Ziege (aja), mit rollenden Augen und Brauen, nach Belieben seine Gestalt wandelnd, hochberühmt – der Gott Naigameṣa, der „Vater der Kinder“, möge das Kind beschützen.