Quellen der Menschheit

Suśruta-Saṃhitā · Uttaratantra

Adhyāya 60: mānuṣopasargapratiṣedho Abwehr dämonischer Heimsuchungen

Das sechzigste Kapitel des Uttaratantra behandelt die Abwehr amānuṣopasarga, der von nichtmenschlichen Wesen ausgehenden Heimsuchungen, und eröffnet damit die bhūtavidyā (Dämonenkunde) genannte letzte der acht Teildisziplinen der Heilkunde. Acht Klassen von graha (Besessenheitsdämonen) werden unterschieden – deva, asura, gandharva, yakṣa, pitṛ, bhujaṅga, rākṣasa und piśāca –, jede mit charakteristischen körperlichen und seelischen Kennzeichen des Ergriffenen sowie bevorzugten Tagen des Angriffs. Philosophisch wird klargestellt, dass nicht die Götter selbst, sondern deren zahllose, blutgierige Dienerscharen in den Menschen eindringen. Die Behandlung gliedert sich in zwei Stufen: zunächst Opfergaben (bali), die je nach Klasse an Ort, Zutat und Zeitpunkt genau abgestimmt sind, dann, falls diese wirkungslos bleiben, Rezepturen aus Tiergallen, Fellen und Kot verschiedenster Tiere, verarbeitet zu Nasentropfen, Augensalben, Räucherungen und Ölen. Ausdrücklich gewarnt wird davor, gegen die eher wohlwollenden deva-Grahas feindselig vorzugehen.

DIE ACHT KLASSEN VON BESESSENHEITSDÄMONEN (GRAHA) (Vers 7–19)
Graha-KlasseKennzeichen des ErgriffenenBevorzugter Zeitpunkt
Devazufrieden, rein, verlangt nach Duftstoffen und Blumenkränzen, wahrhaftig, ruhiger Blick, gewährt WünscheVollmondtag
Asurastarkes Schwitzen, tadelt Brahmanen, Lehrer und Götter, schielende Augen, furchtlos, böse GesinnungDämmerungsstunden
Gandharvafrohgemut, hält sich an Flussufern und in Wäldern auf, liebt Gesang, Duft und Blumenkränze, tanzt, lacht anmutigachter Tag der Mondhälfte
Yakṣakupferfarbene Augen, rot gefärbte Gewänder, tiefsinnig, wortkarg, geduldig, kraftvollerster Tag
Pitṛstreut Opferbällchen aus, spendet Wasser, ruhig, begehrt Fleisch, Sesam, Zucker und Milchreisdunkle Monatshälfte
Bhujaṅgawindet sich wie eine Schlange, leckt sich die Mundwinkel, schlafsüchtig, verlangt nach Zucker, Honig, Milch, Milchreisfünfter Tag
Rākṣasabegehrt Fleisch, Blut und berauschende Getränke, schamlos, hartherzig, jähzornig, wandelt nachts umhernachts
Piśācaerhobene Hände, abgemagert, redet wirr, riecht übel, unrein, sucht nachts einsame kalte Wasserstellen aufvierzehnter Tag
Bei deva-Grahas ist ein feindseliges Vorgehen ausdrücklich zu vermeiden (V54–55).

athāto'mānuṣopasargapratiṣedhamadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ

Nun wollen wir das Kapitel darlegen, das der Abwehr *amānuṣopasarga* (nichtmenschlicher, dämonischer Heimsuchungen) gewidmet ist.

yathovāca bhagavān dhanvantariḥ

So wie es der erhabene Dhanvantari sprach:

niśācarebhyo rakṣyastu nityameva kṣatāturaḥ iti yat prāgabhihitaṃ vistarastasya vakṣyate

Was zuvor bereits gesagt wurde – dass ein Verwundeter oder Kranker stets vor den *niśācara* (nächtlich wandelnden Wesen) zu schützen sei –, davon soll nun die ausführliche Erklärung gegeben werden.

guhyānāgatavijñānamanavasthā'sahiṣṇutā kriyā vā'mānuṣī yasmin sagrahaḥ parikīrtyate

Wenn jemand Wissen um Verborgenes und Zukünftiges zeigt, Unbeständigkeit, Unduldsamkeit oder ein Verhalten, das über menschliches Vermögen hinausgeht, so wird er als von einem *graha* (Besessenheitsdämon) ergriffen bezeichnet.

aśuciṃ bhinnamaryādaṃ kṣataṃ vā yadi vā'kṣatam hiṃsyurhiṃsāvihārārthaṃ satkārārthamathāpi vā

Den Unreinen, den, der die Grenzen des Anstands überschritten hat, den Verwundeten wie den Unverwundeten mögen sie heimsuchen – sei es aus Lust an Gewalt oder um Verehrung zu erlangen.

asaṅkhyeyā grahagaṇā grahādhipatayastu ye vyajyante vividhākārā bhidyante te tathā'ṣṭadhā

Unzählbar sind die Scharen der *graha* und ihrer Herrscher, die sich offenbaren; in mannigfaltigen Gestalten erscheinen sie, doch unterscheiden sie sich in acht Arten.

devāstathā śatrugaṇāśca teṣāṃ gandharvayakṣāḥ pitaro bhujaṅgāḥ rakṣāṃsi yā cāpi piśācajātireṣo'ṣṭako devagaṇo grahākhyaḥ

*Deva* (Götter) und ihre Feindscharen, dazu *gandharva* (himmlische Musikanten), *yakṣa* (Naturgeister), *pitṛ* (die Ahnen), *bhujaṅga* (Schlangenwesen), *rākṣasa* (Unholde) und schließlich die Gattung der *piśāca* (fleischfressenden Dämonen) – dies sind die acht Klassen jener göttlichen Scharen, die man *graha* nennt.

saṃtuṣṭaḥ śucirapi ceṣṭagandhamālyo nistandrī hyavitathasaṃskṛtaprabhāṣī tejasvī sthiranayano varapradātā brahmaṇyo bhavati naraḥ sa devajuṣṭaḥ

Zufrieden ist er, rein, verlangt nach Duftstoffen und Blumenkränzen, frei von Trägheit, spricht wahrhaftig und wohlgesetzt, ist von leuchtender Kraft, hat einen ruhigen Blick, gewährt Wünsche und ist den Brahmanen zugetan – so ist der Mensch, der von einem *deva*-*graha* ergriffen ist.

saṃsvedī dvijagurudevadoṣavaktā jihmākṣo vigatabhayo vimārgadṛṣṭiḥ santuṣṭo bhavati na cānnapānajātairduṣṭātmā bhavati ca devaśatrujuṣṭaḥ

Er schwitzt stark, spricht Tadelndes über Brahmanen, Lehrer und Götter, hat schielende Augen, ist furchtlos, blickt vom rechten Wege ab, ist mit Speise und Trank nicht zufriedenzustellen und von böser Gesinnung – so ist, wer vom Feind der Götter (Asura) ergriffen ist.

hṛṣṭātmā pulinavanāntaropasevī svācāraḥ priyaparigītagandhamālyaḥ nṛtyan vai prahasati cāru cālpaśabdaṃ gandharvagrahaparipīḍito manuṣyaḥ

Frohgemut ist er, hält sich gern an Flussufern und in Wäldern auf, ist von gutem Betragen, liebt Gesang, Duft und Blumenkränze, tanzt, lacht anmutig und spricht mit leiser Stimme – so ist der Mensch, der vom *gandharva*-*graha* bedrängt wird.

tāmrākṣaḥ priyatanuraktavastradhārī tambhīro drutamatiralpavāk sahiṣṇuḥ tejasvī vadati ca kiṃ dadāmi kasmai yo yakṣagrahaparipīḍito manuṣyaḥ

Kupferfarbene Augen hat er, trägt gern rot gefärbte Gewänder, ist tiefsinnig, raschen Verstandes, wortkarg, geduldig und kraftvoll, und spricht: 'Was soll ich wem geben?' – so ist der Mensch, der vom *yakṣa*-*graha* bedrängt wird.

pretebhyo visṛjati saṃstareṣu piṇḍān śāntātmā jalamapi cāpasavyavastraḥ māṃsepsustilaguḍapāyasābhikāmastadbhukto bhavati pitṛgrahābhibhūtaḥ

Er streut den Verstorbenen Opferbällchen auf Lagerstätten aus, spendet Wasser, das Gewand nach links gewendet, ist ruhigen Gemüts, begehrt Fleisch sowie Sesam, Zucker und Milchreis und verzehrt diese – so ist, wer vom *pitṛ*-*graha* übermannt ist.

bhūmau yaḥ prasarati sarpavat kadācit sṛkkiṇyau vilikhati jihvayā tathaiva nidrā lurguḍamadhudugdhapāyasepsurvijñeyo bhavati bhujaṅgamena juṣṭaḥ

Wer sich mitunter wie eine Schlange auf dem Boden windet, sich mit der Zunge die Mundwinkel leckt, sehr schlafsüchtig ist und nach Zucker, Honig, Milch und Milchreis verlangt, der ist, wie zu erkennen, vom *bhujaṅga*-*graha* ergriffen.

māṃsāsṛgvividhasurāvikāralipsurnirlajjo bhṛśamatiniṣṭhuro'tiśūraḥ krodhālurvipulabalo niśāvihārī śaucadviḍ bhavati ca rakṣasā gṛhītaḥ

Nach Fleisch, Blut und mancherlei berauschenden Getränken begehrt er, ist schamlos, überaus hartherzig, verwegen, jähzornig, von gewaltiger Kraft, wandelt nachts umher und verabscheut Reinheit – so ist, wer von einem *rākṣasa* ergriffen ist.

uddhastaḥ kṛśaparuṣaścirapralāpī durgandho bhṛśamaśucistathā'tilolaḥ bahvāśī vijanahimāmburātrisevī vyāvigno bhramati rudan piśācajuṣṭaḥ

Mit erhobenen Händen, abgemagert und rau, redet er lange wirr daher, riecht übel, ist überaus unrein und äußerst unstet, isst viel, sucht einsame, kalte Wasserstellen des Nachts auf und irrt verstört und weinend umher – so ist, wer vom *piśāca* ergriffen ist.

sthūlākṣastvaritagatiḥ svaphenalehī nidrā luḥ patati ca kampate ca yo'ti yaścādri dviradanagādivicyutaḥ san saṃsṛṣṭo na bhavati vārdhakena juṣṭaḥ

Großäugig ist er, von rascher Bewegung, leckt seinen eigenen Schaum, ist sehr schlafsüchtig, fällt hin und zittert heftig, als sei er von einem Berg, einem Elefanten oder einem Baum herabgestürzt – doch ist dies nicht mit dem zu verwechseln, was durch hohes Alter bedingt ist.

devagrahāḥ paurṇamāsyāmasurāḥ sandhyayorapi gandharvāḥ prāyaśo'ṣṭamyāṃ yakṣāśca pratipadyatha

Die *deva*-Grahas ergreifen bevorzugt am Vollmondtag, die Asuras in den Dämmerungsstunden, die Gandharvas meist am achten Tag der Mondhälfte, die Yakṣas am ersten Tag.

kṛṣṇakṣaye ca pitaraḥ pañcamyāmapi coragāḥ rakṣāṃsi niśi paiśācāścaturdaśyāṃ viśanti ca

Die Ahnen (*pitṛ*) dringen in der dunklen Monatshälfte ein, die Schlangenwesen am fünften Tag, die Rākṣasas des Nachts, und die Piśācas am vierzehnten Tag.

darpaṇādīn yathā chāyā śitoṣṇaṃ prāṇino yathā svamaṇiṃ bhāskarasyosrā yathā dehaṃ ca dehadhṛk viśanti ca na dṛśyante grahāstadvaccharīriṇam

Wie ein Schatten in einen Spiegel und Ähnliches eingeht, wie Kälte und Wärme in Lebewesen, wie die Strahlen der Sonne in ihren eigenen Edelstein, wie die Seele in den Körper eingeht, so dringen die *graha* in den verkörperten Menschen ein, ohne dabei sichtbar zu sein.

tapāṃsi tīvrāṇi tathaiva dānaṃ vratāni dharmo niyamāśca satyam guṇāstathā'ṣṭāvapi teṣu nityā vyastāḥ samastāśca yathāprabhāvam

Strenge Askese ebenso wie Freigebigkeit, Gelübde, Pflichterfüllung (*dharma*), Enthaltsamkeit und Wahrhaftigkeit – diese acht Tugenden sind ihnen stets eigen, sei es einzeln oder insgesamt, je nach ihrer jeweiligen Macht.

na te manuṣyaiḥ saha saṃviśanti na vā manuṣyān kvacidāviśanti ye tvāviśantīti vadanti mohātte bhūtavidyāviṣayādapohyāḥ

Sie legen sich nicht bei Menschen nieder, noch dringen sie tatsächlich in Menschen ein; wer behauptet, sie würden eindringen, redet aus Unwissenheit und ist aus dem Bereich der *bhūtavidyā* (Dämonenkunde) auszuschließen.

teṣāṃ grahāṇāṃ paricārakā ye koṭīsahasrāyutapadmasaṃkhyāḥ asṛgvasāmāṃsabhujaḥ subhīmā niśāvihārāśca tamāviśanti

Deren Diener aber, die an Zahl Millionen, Tausende, Myriaden und noch mehr betragen, die sich von Blut, Fett und Fleisch nähren, überaus furchterregend sind und des Nachts umherstreifen, sind es, die in den Menschen eindringen.

niśācarāṇāṃ teṣāṃ hi ye devagaṇamāśritāḥ te tu tatsattvasaṃsargādvijñeyāstu tadañjanāḥ

Von jenen nächtlich wandelnden Wesen sind diejenigen, die sich den Götterscharen angeschlossen haben, durch ihre Verbindung mit deren Wesensart zu erkennen und tragen deren Kennzeichen.

devagrahā iti punaḥ procyante'śucayaśca ye devavacca namasyante pratyarthyante ca devavat

Sie werden wiederum als *deva*-Grahas bezeichnet, obwohl sie unrein sind, weil sie wie Götter verehrt und wie Götter angefleht werden.

svāmiśīlakriyācārāḥ krama eṣa surādiṣu nirṛteryā duhitarastāsāṃ sa prasavaḥ smṛtaḥ

Wesensart, Handeln und Verhalten richten sich nach ihrem jeweiligen Herrn – so verhält es sich der Reihe nach bei den Göttern und den übrigen; als Nachkommenschaft der Töchter der Nirṛti, der Göttin des Unheils, gelten sie.

satyatvādapavṛtteṣu vṛttisteṣāṃ gaṇaiḥ kṛtā hiṃsāvihārā ye keciddevabhāvamupāśritāḥ

Weil sie von der Wahrhaftigkeit abgewichen sind, wurde ihr Broterwerb durch die Götterscharen bestimmt; manche von ihnen, die an Gewalt Freude finden, haben sich dennoch dem Wesen von Göttern angeschlossen.

bhūtānīti kṛtā saṃjñā teṣāṃ saṃjñāpravaktṛbhiḥ grahasaṃjñāni bhūtāni yasmādvettyanayā bhiṣak

'*Bhūta*' (Wesen) werden sie von denen genannt, die diese Bezeichnung geprägt haben; da der Arzt vermittels dieser Wissenschaft die als Grahas bezeichneten Wesen erkennt,

vidyayā bhūtavidyātvamata eva nirucyate teṣāṃ śāntyarthamanvicchan vaidyastu susamāhitaḥ

wird diese Wissenschaft eben deshalb '*bhūtavidyā*' genannt. Wer nun deren Besänftigung erstrebt, der Arzt, soll wohlgesammelt sein

japaiḥ saniyamairhomairārabheta cikitsitum raktāni gandhamālyāni bījāni madhusarpiṣī

und die Behandlung mit *japa* (Rezitationen), Observanzen und *homa* (Feueropfern) beginnen, mit roten Blumen, mit Duftstoffen und Kränzen, mit Samen, Honig und Ghee.

bhakṣyāśca sarve sarveṣāṃ sāmānyo vidhirucyate vastrāṇi gandhamālyāni māṃsāni rudhirāṇi ca

Speisen aller Art sind für alle vorgesehen – dies gilt als die allgemeine Vorschrift; ebenso Gewänder, Duftstoffe, Kränze, Fleisch und Blut.

yāni yeṣāṃ yatheṣṭāni tāni tebhyaḥ pradāpayet hiṃsanti manujān yeṣu prāyaśo divaseṣu tu

Was einem jeden genehm ist, das soll man ihm darbringen; an den Tagen, an denen sie den Menschen zumeist Schaden zufügen,

dineṣu teṣu deyāni tadbhūtavinivṛttaye devagrahe devagṛhe hutvā'gniṃ prāpayedbalim

an eben diesen Tagen sollen die Gaben erfolgen, um jenes Wesen zum Weichen zu bringen. Bei einem *deva*-*graha* bringe man im Tempel nach dem Feueropfer die Opfergabe dar.

kuśasvastikapūpājyacchatrapāyasasaṃbhṛtam asurāya yathākālaṃ vidadhyāccatvarādiṣu

Aus Kuśa-Gras, Svastika-Gebäck, Ghee, Schirmkuchen und Milchreis bestehend, soll man dem Asura zur rechten Zeit an Kreuzungen und ähnlichen Orten die Opfergabe darbringen.

gandharvasya gavāṃ madhye madyamāṃsāmbujāṅgalam hṛdye veśmani yakṣasya kulmāṣāsṛksurādibhiḥ

Dem Gandharva bringe man inmitten von Kühen Wein, Fleisch sowie Wasser- und Landkost dar; dem Yakṣa in einem angenehmen Haus mit Bohnenbrei, Blut, Branntwein und Ähnlichem.

atimuktakakundābjaiḥ puṣpaiśca vitaredbalim nadyāṃ pitṛgrahāyeṣṭaṃ kuśāstaraṇabhūṣitam

Mit Atimuktaka-, Kunda- und Lotosblüten sowie anderen Blumen reiche man die Opfergabe dar; dem *pitṛ*-*graha* bringe man am Fluss das ihm Liebe dar, mit einer Unterlage aus Kuśa-Gras geschmückt.

tatraivopahareccāpi nāgāya vividhaṃ balim catuṣpathe rākṣasasya bhīmeṣu gahaneṣu vā

Ebendort bringe man auch dem Nāga mannigfaltige Opfergaben dar; dem Rākṣasa an einer Straßenkreuzung oder an furchterregenden, dichten Orten.

śūnyāgāre piśācasya tīvraṃ balimupāharet pūrvamācaritairmantrairbhūtavidyānidarśitaiḥ

In einem verlassenen Haus bringe man dem Piśāca eine scharfe Opfergabe dar, begleitet von den zuvor überlieferten, in der *bhūtavidyā* dargelegten *mantra* (Zaubersprüchen).

na śakyā balibhirjetuṃ yogaistān samupācaret ajarkṣacarmaromāṇi śalyakolūkayostathā

Wer durch Opfergaben nicht zu bezwingen ist, den behandle man mit Heilrezepturen (*yoga*): Fell und Haare von Ziege und Bär sowie von Stachelschwein und Eule,

hiṅgu mūtraṃ ca bastasya dhūmamasya prayojayet etena śāmyati kṣipraṃ balavānapi yo grahaḥ

Asafoetida und den Urin eines Ziegenbocks verwende man als Räucherung; dadurch wird auch ein starker *graha* rasch besänftigt.

gajāhvapippalīmūlavyoṣāmalakasarṣapān godhānakulamārjāraṛṣyapittaprapeṣitān

Elefantenwurz, Pippalī-Wurzel, die drei Scharfstoffe, Amalaka und Senfkörner, zerrieben mit der Galle von Waran, Mungo und Katze sowie des Ṛṣya-Hirsches,

nasyābhyañjanasekeṣu vidadhyādyogatattvavit kharāśvāśvatarolūkakarabhaśvaśṛgālajam

soll der Kundige der Rezepturen für *nasya* (Nasalia), *abhyañjana* (Einreibungen) und Übergießungen verwenden; dazu die Galle von Esel, Pferd, Maultier, Eule, Kamel, Hund und Schakal,

purīṣaṃ gṛdhrakākānāṃ varāhasya ca peṣayet bastamūtreṇa tatsiddhaṃ tailaṃ syāt pūrvavaddhitam

sowie den Kot von Geier, Krähe und Schwein zerreibe man; mit Ziegenurin daraus zubereitet ergibt sich ein Öl, das wie zuvor heilsam wirkt.

śirīṣabījaṃ laśunaṃ śuṇṭhīṃ siddhārthakaṃ vacām mañjiṣṭhāṃ rajanīṃ kṛṣṇāṃ bastamūtreṇa peṣayet

Śirīṣa-Samen, Knoblauch, getrockneten Ingwer, weißen Senf, Kalmus, Färberröte sowie gelbe und schwarze Kurkuma zerreibe man mit Ziegenurin.

vartyaśchāyāviśuṣkāstāḥ sapittā nayanāñjanam naktamālaphalaṃ vyoṣaṃ mūlaṃ śyonākabilvayoḥ

Daraus im Schatten getrocknete Stäbchen, mit Galle versetzt, dienen als *añjana* (Augensalbe). Ferner Naktamāla-Frucht, die drei Scharfstoffe, die Wurzel von Śyonāka und Bilva,

haridre ca kṛtā vartyaḥ pūrvavannayanāñjanam saindhavaṃ kaṭukāṃ hiṅguṃ vayaḥsthāṃ ca vacāmapi bastamūtreṇa saṃpiṣṭaṃ matsyapittena pūrvavat

sowie beide Kurkumaarten – daraus bereitete Stäbchen dienen wie zuvor als Augensalbe. Steinsalz, Kaṭukā, Asafoetida, Vayaḥsthā und Kalmus, mit Ziegenurin zerrieben und mit Fischgalle versetzt wie zuvor,

ye ye grahā na sidhyanti sarveṣāṃ nayanāñjanam purāṇasarpirlaśunaṃ hiṅgu siddhārthakaṃ vacā

dient als Augensalbe für alle jene Grahas, die sich sonst nicht besänftigen lassen. Ferner altes Ghee, Knoblauch, Asafoetida, weißer Senf und Kalmus,

golomī cājalomī ca bhūtakeśī jaṭā tathā kukkuṭā sarpagandhā ca tathā kāṇavikāṇike

Golomī, Ajalomī, Bhūtakeśī, Jaṭā, Kukkuṭā, Sarpagandhā sowie Kāṇā und Vikāṇikā,

vajraproktā vayaḥsthā ca śṛṅgī mohanavallikā arkamūlaṃ trikaṭukaṃ latā srotojamañjanam

Vajraproktā, Vayaḥsthā, Śṛṅgī, Mohanavallī, Arka-Wurzel, die drei Scharfstoffe, eine Kletterpflanze sowie Srotoja-Antimon,

naipālī haritālaṃ ca rakṣoghnā ye ca kīrtitāḥ siṃhavyāghrarkṣamārjāradvīpivājinavāṃ tathā

Naipālī, Auripigment und was sonst als dämonenbannend gilt, ferner die Galle von Löwe, Tiger, Bär, Katze, Panther und Pferd,

śvāvicchalyakagodhānāmuṣṭrasya nakulasya ca viṭtvagromavasāmūtraraktapittanakhādayaḥ

von Stachelschwein, Igel, Waran, Kamel und Mungo – Kot, Haut, Haare, Fett, Urin, Blut, Galle, Krallen und dergleichen mehr –

asmin varge bhiṣak kuryāttailāni ca ghṛtāni ca pānābhyañjananasyeṣu tāni yojyāni jānatā

aus all diesen Bestandteilen soll der Arzt Öle und Gheepräparate herstellen; diese sind vom Kundigen für Trank, Einreibung und *nasya* zu verwenden.

avapīḍe'ñjane caiva vidadhyādguṭikīkṛtam vidadhīta parīṣeke kvathitaṃ cūrṇitaṃ tathā

Für Nasentropfen (*avapīḍa*) und Augensalbe bereite man sie zu Pillen; für Übergießungen bereite man einen Absud, ebenso als Pulver

uddhūlane ślakṣṇapiṣṭaṃ pradehe cāvacārayet eṣa sarvavikārāṃstu mānāsānaparājitaḥ

zum Bestäuben fein zerrieben, und für Salbenauflagen (*pradeha*) wende man es an. Diesem Mittel, das gegen alle Widrigkeiten gewachsen ist, unterliegen sämtliche Störungen, auch die geistigen,

hanyādalpena kālena snehādirapi ca kramaḥ na cācaukṣaṃ prayuñjīta prayogaṃ devatāgrahe

und es vernichtet sie binnen kurzer Zeit; auch die Abfolge, beginnend mit Ölbehandlungen (*sneha*), ist ebenso anzuwenden. Man wende jedoch bei einem *deva*-*graha* keine unreine Anwendung an.

ṛte piśācādanyatra pratikūlaṃ na cācaret vaidyāturau nihanyuste dhruvaṃ kruddhā mahaujasaḥ

Außer beim Piśāca vermeide man bei allen anderen ein feindseliges Vorgehen; erzürnt vernichten sie sonst mit Sicherheit sowohl den Arzt als auch den Kranken, denn gewaltig ist ihre Kraft.

hitāhitīye yaccoktaṃ nityameva samācaret tataḥ prāpsyati siddhiṃ ca yaśaśca vipulaṃ bhiṣak

Was im Kapitel über Zuträgliches und Unzuträgliches gesagt wurde, soll man stets befolgen; dadurch wird der Arzt Erfolg sowie großen Ruhm erlangen.

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