athātaḥ svarabhedapratiṣedhamadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir das Kapitel über die Behandlung der Stimmstörung (*svarabheda*, Heiserkeit) erläutern.
Suśruta-Saṃhitā · Uttaratantra
Das dreiundfünfzigste Kapitel behandelt, trotz seiner überlieferten Titelbezeichnung, tatsächlich svarabheda, die Stimmstörung oder Heiserkeit. Der Text unterscheidet sechs Formen: die drei doṣa-bedingten, eine durch Auszehrung (kṣaya) mit rauchig-heiserer, schwindender Stimme, eine durch Fettansammlung (medas) mit verklebter Kehle und eine von allen Doṣas zugleich verursachte, unheilbare Form; auch bei Erschöpften, Greisen und von Geburt an Fettleibigen gilt die Störung als nicht heilbar. Die Behandlung folgt zunächst dem allgemeinen Schema aus Ölung, Brech-, Abführ- und Klistiertherapie sowie Nasenmitteln, wie es bereits bei śvāsa und kāsa dargelegt wurde, und wird dann doṣa-spezifisch ergänzt: Ghṛta mit Kāsamarda oder Devadāru bei Vāta, Milchreis mit Süßholz bei Pitta, scharfe Mittel mit Harn bei Kapha. Für Stimmschäden durch allzu lautes Sprechen wird abschließend mit süßen Kräutern gekochte, gezuckerte Milch empfohlen.
| Form | Kennzeichen |
|---|---|
| vātaja | dunkle Augen, Gesicht, Harn und Stuhl; langsame, gebrochene, stotternde Stimme |
| pittaja | gelbliche Verfärbung von Mund, Augen, Stuhl und Harn; Sprechen unter brennendem Kehlschmerz |
| kaphaja | Kehle ständig vom Schleim verlegt; leise, langsame, mühsame Sprache; verschlimmert sich tagsüber |
| sānnipātika | Zeichen aller Störungen zugleich, Sprache gänzlich unverständlich – unheilbar |
| kṣayaja | rauchig-heisere, zunehmend schwindende Stimme |
| durch medas (Fettansammlung) | beschmiert wirkende Kehle, Lippen und Gaumen; innere, undeutliche, langsame, kaum erkennbare Stimme |
athātaḥ svarabhedapratiṣedhamadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir das Kapitel über die Behandlung der Stimmstörung (*svarabheda*, Heiserkeit) erläutern.
yathovāca bhagavān dhanvantariḥ
So sprach der erhabene Dhanvantari:
atyuccabhāṣaṇaviṣādhyayanātigītaśītādibhiḥ prakupitāḥ pavanādayastu srotaḥsu te svaravaheṣu gatāḥ pratiṣṭhāṃ hanyuḥ svaraṃ bhavati cāpi hi ṣaḍvidhaḥ saḥ
Durch allzu lautes Sprechen, Gift, angestrengtes Rezitieren, übermäßiges Singen, Kälte und Ähnliches werden Vāta und die übrigen *doṣas* (Körpersäfte) erregt; gelangen sie in die stimmführenden Kanäle (*srotas*), so zerstören sie deren Halt, und die dadurch entstehende Stimmstörung tritt in sechs Formen auf.
vātena kṛṣṇanayanānanamūtravarcā bhinnaṃ śanairvadati gadgadavat svaraṃ ca pittena pītavadanākṣipurīṣamūtro brūyādgalena paridāhasamanvitena
Bei der durch *vāta* (den Wind-Doṣa) verursachten Form werden Augen, Gesicht, Harn und Stuhl dunkel, und der Kranke spricht langsam, mit gebrochener, stotternder Stimme. Bei der durch *pitta* (den Gallen-Doṣa) verursachten Form werden Mund, Augen, Stuhl und Harn gelblich, und er spricht mit einer Kehle, die von brennendem Schmerz begleitet ist.
kṛcchrāt kaphena satataṃ kapharuddhakaṇṭho mandaṃ śanairvadati cāpi divā viśeṣaḥ sarvātmake bhavati sarvavikārasaṃpadavyaktatā ca vacasastamasādhyamāhuḥ
Bei der durch *kapha* (den Schleim-Doṣa) verursachten Form spricht der Kranke, dessen Kehle beständig vom Schleim verlegt ist, nur mit Mühe, leise und langsam, und die Beschwerden verschlimmern sich tagsüber besonders. Bei der von allen drei *doṣas* zugleich verursachten Form treten die Zeichen aller Störungen zutage, und die Sprache ist ganz unverständlich; diese Form gilt als unheilbar.
dhūpyeta vāk kṣayakṛte kṣayamāpnuyācca vāgeṣa cāpi hatavāk parivarjanīyaḥ antargalaṃ svaramalakṣyapadaṃ cireṇa medaścayādvadati digdhagalauṣṭhatāluḥ
Bei der durch Auszehrung (*kṣaya*) entstandenen Form wird die Stimme rauchig-heiser und schwindet zunehmend dahin; ein Kranker, dessen Stimme so gänzlich zerstört ist, sollte gemieden werden. Bei der durch Fettansammlung (*medas*) entstandenen Form spricht er, mit wie beschmiert wirkender Kehle sowie Lippen und Gaumen, nur mit innerer, undeutlicher, langsamer und kaum erkennbarer Stimme.
kṣīṇasya vṛddhasya kṛśasya cāpi cirotthito yaśca sahopajātaḥ medasvinaḥ sarvasamudbhavaśca svarāmayo yo na sa siddhimeti
Die Stimmstörung, die bei einem Erschöpften, einem Greis oder einem Abgemagerten entsteht, ebenso die, die sich lange hinzieht, die, die einem Fettleibigen von Geburt an eigen ist, und die, die von allen Doṣas zugleich verursacht wird – keine dieser Stimmkrankheiten führt zur Heilung.
snigdhān svarāturanarānapakṛṣṭadoṣān nyāyena tān vamanarecanabastibhiśca nasyāvapīḍamukhadhāvanadhūmalehaiḥ saṃpādayecca vividhaiḥ kavalagrahaiśca
Man behandle die von *svarabheda* betroffenen Menschen, sofern ihre *doṣas* nicht zu weit fortgeschritten sind, zunächst mit *sneha* (ölig machenden Mitteln) und entferne die *doṣas* dann vorschriftsmäßig durch *vamana* (Brechmittel), *virecana* (Abführmittel) und *basti* (Klistiere); ferner behandle man sie mit *nasya* (Nasenmitteln), *avapīḍa* (Kopf-Stirn-Übergüssen), Mundspülungen, *dhūma* (Rauchbehandlungen), *leha* (Latwergen) und vielfältigen *kavalagraha* (Mundspülmitteln).
yaḥ śvāsakāsavidhirādita eva coktastaṃ cāpyaśeṣamavatārayituṃ yateta vaiśeṣikaṃ ca vidhimūrdhvamato vadāmi taṃ vai svarāturahitaṃ nikhilaṃ nibodha
Man bemühe sich, die bereits eingangs für *śvāsa* (Atemnot) und *kāsa* (Husten) dargelegte Behandlung auch hier vollständig anzuwenden; darüber hinaus will ich nun die besondere Behandlung darlegen – vernimm sie vollständig als das, was den von *svarabheda* Befallenen zuträglich ist.
svaropaghāte'nilaje bhuktopari ghṛtaṃ pibet kāsamardakavārtākamārkavasvarase śṛtam
Bei der durch Vāta verursachten Beeinträchtigung der Stimme trinke man nach dem Essen Ghee, das im Saft von Kāsamarda, Vārtāka und Mārkava gekocht wurde.
pītaṃ ghṛtaṃ hantyanilaṃ siddhamārtagale rase yavakṣārājamodābhyāṃ citrakāmalakeṣu vā
Getrunken vertreibt auch Ghee, das im Saft der Ārtagala gekocht wurde, den Vāta; ebenso Ghee, das mit Yavakṣāra und Ajamodā oder im Saft von Citraka und Āmalaka bereitet wurde,
devadārvagnikābhyāṃ vā siddhamājaṃ samākṣikam sukhodakānupāno vā sasarpiṣko guḍaudanaḥ
oder mit Devadāru und Citraka (*agnikā*) gekocht und mit Ziegenmilch sowie Honig versetzt; als Nachtrunk diene angenehm warmes Wasser, oder man esse mit Ghee bereiteten Rohzucker-Reisbrei (*guḍaudana*).
kṣīrānupānaṃ pitte tu pibet sarpiratandri taḥ aśnīyācca sasarpiṣkaṃ yaṣṭīmadhukapāyasam
Bei der durch Pitta verursachten Form trinke man unermüdlich Ghee mit Milch als Nachtrunk und esse mit Ghee bereiteten Milchreis (*pāyasa*) mit Süßholz (*yaṣṭīmadhu*).
lihyānmadhurakāṇāṃ vā cūrṇaṃ madhughṛtāplutam śatāvarīcūrṇayogaṃ valācūrṇamathāpi vā
Oder man lecke das mit Honig und Ghee getränkte Pulver süßer Kräuter (*madhuraka*), oder eine Zubereitung aus Śatāvarī-Pulver, oder auch Balā-Pulver.
pibet kaṭūni mūtreṇa kaphaje svarasaṃkṣaye lihyādvā madhutailābhyāṃ bhuktvā khādet kaṭūni vā
Bei dem durch Kapha entstandenen Schwund der Stimme trinke man scharfe Mittel mit Harn, oder man lecke sie mit Honig und Öl, oder verzehre nach dem Essen scharfe Substanzen.
svaropaghāte medoje kaphavadvidhiriṣyate sarvaje kṣayaje cāpi pratyākhyāyācaret kriyām
Bei der durch Fettansammlung verursachten Stimmbeeinträchtigung gilt dieselbe Behandlung wie bei der Kapha-Form als geboten; bei der von allen Doṣas zugleich sowie bei der durch Auszehrung verursachten Form soll der Arzt, nachdem er die Unheilbarkeit erklärt hat, dennoch eine Behandlung durchführen.
śarkarāmadhumiśrāṇi śṛtāni madhuraiḥ saha pibet payāṃsi yasyoccairvadato'bhihataḥ svaraḥ
Wessen Stimme durch allzu lautes Sprechen geschädigt wurde, der trinke mit süßen Kräutern gekochte, mit Zucker und Honig vermischte Milch.