athātaḥ sandhigatarogavijñānīyamadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir das Kapitel über die an den Verbindungsstellen (*sandhi*, den Übergangszonen des Auges) entstehenden Krankheiten erläutern.
Suśruta-Saṃhitā · Uttaratantra
Das zweite Kapitel des Uttaratantra wendet sich den neun Krankheiten zu, die an den sandhi (den Verbindungsstellen des Auges, etwa zwischen Lid und Sklera) entstehen: pūyālasa (die eiterträge Entzündung), upanāha (die schmerzlose Umhüllungsentzündung), vier Formen von Augenfisteln bzw. -ausflüssen (netranāḍī) – Eiter-, Schleim-, Blut- und Gallenausfluss –, ferner parvaṇikā (eine kupferfarbene, brennende Schwellung), alajī (eine gerstenkornartige Schwellung am Übergang von Schwarzem und Weißem des Auges) sowie krimigranthi, ein von Würmern verursachter, juckender Knoten. Für jede Krankheit werden knapp Entstehung und charakteristische Merkmale – Farbe, Konsistenz und Art der Absonderung – benannt, wodurch das Kapitel als kompakter differentialdiagnostischer Katalog für diesen eng umgrenzten anatomischen Bereich des Auges dient.
| Name | Kennzeichen |
|---|---|
| Pūyālasa | ausreifende Schwellung mit dickflüssigem, übelriechendem Eiter |
| Upanāha | nicht ausreifender, juckender, schmerzloser Knoten nahe der Pupille |
| Pūyāsrāva | Eiterausfluss unterschiedlicher Form (eine Form der netranāḍī) |
| Śleṣmāsrāva | weißer, dickflüssiger, schmerzloser Schleimausfluss |
| Raktāsrāva | reichliches, heißes, blutiges Sekret |
| Pittāsrāva | gelblich-bläuliches, heißes, wässriges Sekret aus der Mitte der Verbindungsstelle |
| Parvaṇī | kupferfarbene, dünne Schwellung mit Brennen und Stechen, aus Blut entstanden |
| Alajī | runde Schwellung zwischen Schwarzem und Weißem des Auges |
| Krimigranthi | von Würmern verursachter, juckender Knoten, der das Augeninnere schädigt |
athātaḥ sandhigatarogavijñānīyamadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir das Kapitel über die an den Verbindungsstellen (*sandhi*, den Übergangszonen des Auges) entstehenden Krankheiten erläutern.
yathovāca bhagavān dhanvantariḥ
So, wie es der erhabene Dhanvantari verkündet hat.
pūyālasaṃ sopanāhaḥ srāvāḥ parvaṇikā'lajī krimigranthiśca vijñeyā rogāḥ sandhigatā nava
„Pūyālasa“ (die eiterträge Entzündung), „upanāha“ (die Umhüllungsentzündung), die verschiedenen Ausflüsse, „parvaṇikā“ (die Knotenbildung am Gelenk), „alajī“ (das gerstenkornartige Leiden) und „krimigranthi“ (der Wurmknoten) — dies sind, so soll man wissen, die neun an den Verbindungsstellen entstehenden Krankheiten.
pakvaḥ śophaḥ sandhijaḥ saṃsravedyaḥ sāndraṃ pūyaṃ pūti pūyālasaḥ saḥ granthirnālpo dṛṣṭisandhāvapākaḥ kaṇḍūprāyo nīrujastūpanāhaḥ
Wenn eine an der Verbindungsstelle entstandene Schwellung ausreift und dickflüssigen, übelriechenden Eiter absondert, ist dies der „pūyālasa“. Ein nicht kleiner Knoten an der Verbindungsstelle nahe der Pupille, der nicht ausreift, überwiegend von Juckreiz begleitet und schmerzlos ist, das ist der „upanāha“.
gatvā sandhīnaśrumārgeṇa doṣāḥ kuryuḥ srāvān rugvihīnān kanīnāt tān vai srāvān netranāḍīmathaike tasyā liṅgaṃ kīrtayiṣye caturdhā
Wenn die *doṣa* (die Körpersäfte) über den Tränenkanal zu den Verbindungsstellen gelangen, verursachen sie vom inneren Augenwinkel her schmerzlose Ausflüsse; manche nennen diese Ausflüsse „netranāḍī“ (Augenfistel). Ihre Kennzeichen werde ich nun in vier Arten darlegen.
pākaḥ sandhau saṃsravedyaśca pūyaṃ pūyāsrāvo naikarūpaḥ pradiṣṭaḥ śvetaḥ sāndraṃ picchilaṃ saṃsravedyaḥ śleṣmāsrāvo nīrujaḥ sa pradiṣṭaḥ
Reift eine Entzündung an der Verbindungsstelle und sondert sie Eiter unterschiedlicher Form ab, so wird dies als „pūyāsrāva“ (Eiterausfluss) bezeichnet. Fließt hingegen ein weißer, dickflüssiger, schleimiger Ausfluss, so gilt dies als der schmerzlose „śleṣmāsrāva“ (Schleimausfluss).
raktāsrāvaḥ śoṇitotthaḥ saraktamuṣṇaṃ nālpaṃ saṃsravennātisāndra m pītābhāsaṃ nīlamuṣṇaṃ jalābhaṃ pittāsrāvaḥ saṃsravet sandhimadhyāt
Der „raktāsrāva“ (Blutausfluss) entsteht aus dem Blut: Er sondert reichlich blutiges, heißes, nicht allzu dickflüssiges Sekret ab. Fließt hingegen aus der Mitte der Verbindungsstelle ein gelblich schimmerndes, bläuliches, heißes, wässriges Sekret, so ist dies der „pittāsrāva“ (Gallenausfluss).
tāmrā tanvī dāhaśūlopapannā raktājjñeyā parvaṇī vṛttaśophā jātā sandhau kṛṣṇaśukle'lajī syāttasminneva khyāpitā pūrvaliṅgaiḥ
Eine kupferfarbene, dünne, von Brennen und stechendem Schmerz begleitete Schwellung soll man als „parvaṇī“, aus Blut entstanden, erkennen. Eine runde Schwellung, die an der Verbindungsstelle zwischen Schwarzem und Weißem entsteht, ist die „alajī“, erkennbar an denselben zuvor genannten Merkmalen.
krimigranthirvartmanaḥ pakṣmaṇaśca kaṇḍūṃ kuryuḥ krimayaḥ sandhijātāḥ nānārūpā vartmaśuklasya sandhau caranto'ntarnayanaṃ dūṣayanti
Der „krimigranthi“: An der Verbindungsstelle entstandene Würmer verschiedener Gestalt verursachen Juckreiz an Augenlid und Wimpern; indem sie an der Verbindungsstelle zwischen Lid und Sklera umherwandern, verderben sie das Innere des Auges.