Quellen der Menschheit

Suśruta-Saṃhitā · Uttaratantra

Adhyāya 7: dṛṣṭigatarogavijñānīyo Diagnose der Krankheiten der Sehkraft (Dṛṣṭi)

Das siebte Kapitel beschreibt zunächst die dṛṣṭi, die Sehkraft selbst – von der Größe eines masūra-Korns, aus der Klarheit der fünf Elemente entstanden und von einer äußeren paṭala umhüllt –, um darauf die auf ihr beruhenden Krankheiten darzulegen. Zentral ist das timira (das fortschreitende Dunkelsehen), dessen Symptome sich mit dem Eindringen des doṣa in die vier Augenhäute (paṭala) stufenweise verschlimmern, von leicht unscharfem Sehen über das Wahrnehmen von Fliegen, Netzen und Kreisen bis zum vollständigen Sehverlust, liṅganāśa (auch nīlikā oder kāca, dem grauen Star, genannt). Für jede der sechs doṣa-bedingten Formen dieses grauen Stars werden charakteristische Farb- und Formeindrücke beschrieben, etwa rötlich-flackernd bei vāta oder muschelweiß-ölig bei kapha. Ergänzt werden weitere Sehstörungen wie pittavidagdhadṛṣṭi (Gelbsehen durch verkochtes pitta), naktāndhya und nakulāndhya (zwei Formen der Nachtblindheit), dhūmadarśin (das „Rauchsehen“) sowie gambhīrikā und zwei äußerlich verursachte, traumatische Formen. Das Kapitel bildet damit die diagnostische Grundlage für die im folgenden Kapitel dargelegte Behandlung, einschließlich der später beschriebenen Starstich-Operation.

Formen der Sehstörungen (dṛṣṭigataroga) (Vers 15–42)
NameUrsache/DoṣaKennzeichen
Timiravierstufig fortschreitender Doṣa in den vier paṭalavon leicht verschwommenem Sehen über das Wahrnehmen von Fliegen, Netzen und Kreisen bis zur Formverdopplung
Liṅganāśa (nīlikā/kāca)je nach Doṣa: vāta rötlich-flackernd, pitta bunt/blauschwarz, kapha weißlich-glänzend, rakta rötlich-dunkel, sannipāta vielfarbigvollständiger Verschluss der Sehkraft, grauer Star
Pittavidagdhadṛṣṭiverkochtes pittaGelbsehen
Naktāndhyageringer Doṣa in drei paṭalanachts kein Sehen, tagsüber normal
NakulāndhyaDoṣa-Befall, mungoartig flackerndtagsüber buntes, verwirrtes Sehen
DhūmadarśinKummer, Fieber, Anstrengung, Kopfhitzealle Dinge wie von Rauch umhüllt, tagsüber kurzsichtig-trüb
Gambhīrikāvom Lebensatem ergriffene Sehkrafttief durchdringender Schmerz, Sehkraft zieht sich nach innen zusammen
äußerlich verursachte Formen (2)erkennbare bzw. nicht erkennbare Ursacheu.a. durch Kopfhitze, Erscheinungen oder Schlag auf den Kopf
Zusammen mit den in den Kapiteln 2–6 genannten Krankheiten ergeben sich die insgesamt sechsundsiebzig Augenkrankheiten.

athāto dṛṣṭigatarogavijñānīyamadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ

Nun werden wir das Kapitel über die den Sehsinn betreffenden Krankheiten (*dṛṣṭigataroga*) erklären.

yathovāca bhagavān dhanvantariḥ

So wie es der erhabene Dhanvantari sprach:

masūradalamātrāṃ tu pañcabhūtaprasādajām khadyotavisphuliṅgābhāmiddhāṃ tejobhiravyayaiḥ

Von der Größe eines *masūra*-Korns, entstanden aus der Klarheit der fünf Elemente, einem Glühwürmchen oder einem Funken gleich, erleuchtet von unvergänglichen Feuerkräften,

āvṛtāṃ paṭalenākṣṇorbāhyena vivarākṛtim śītasātmyāṃ nṛṇāṃ dṛṣṭimāhurnayanacintakāḥ

umhüllt von der äußeren *paṭala* (Augenhaut), von höhlenartiger Gestalt, der Kälte zugetan – so nennen die Augenkundigen die *dṛṣṭi* (die Sehkraft) der Menschen.

rogāṃstadāśrayān ghorān ṣaṭ ca ṣaṭ ca pracakṣmahe paṭalānupraviṣṭasya timirasya ca lakṣaṇam

Ich werde die schrecklichen Krankheiten, die auf ihr beruhen – sechs und wiederum sechs –, sowie die Kennzeichen des *timira* (des Dunkelsehens), das in die Augenhäute eingedrungen ist, nennen.

sirābhirabhisaṃprāpya viguṇo'bhyantare bhṛśam prathame paṭale doṣo yasya dṛṣṭau vyavasthitaḥ

Wenn der über die Äderchen herangetragene, im Übermaß gestörte *doṣa* (der Krankheitsstoff) sich innen in der ersten *paṭala* festsetzt, in der die *dṛṣṭi* sich befindet,

avyaktāni sa rūpāṇi sarvāṇyeva prapaśyati dṛṣṭirbhṛśaṃ vihvalati dvitīyaṃ paṭalaṃ gate

dann sieht der Kranke alle Gestalten undeutlich, und die Sehkraft schwankt sehr stark, wenn der *doṣa* in die zweite *paṭala* übergegangen ist.

makṣikā maśakān keśāñjālakāni ca paśyati maṇḍalāni patākāṃśca marīcīḥ kuṇḍalāni ca

Er sieht Fliegen, Mücken, Haare, Netze, Kreise, Fähnchen, Lichtstrahlen und Ringe,

pariplavāṃśca vividhān varṣamabhraṃ tamāṃsi ca dūrasthānyapi rūpāṇi manyate ca samīpataḥ

und mancherlei Umherschwebendes, Regen, Wolken und Finsternis; auch ferne Dinge hält er für nahe,

samīpasthāni dūre ca dṛṣṭergocaravibhramāt yatnavānapi cātyarthaṃ sūcīpāśaṃ na paśyati

und nahe für fern – so trügt ihn das Blickfeld der Sehkraft; selbst mit größter Anstrengung sieht er das Nadelöhr nicht.

ūrdhvaṃ paśyati nādhastāttṛtīyaṃ paṭalaṃ gate mahāntyapi ca rūpāṇi cchāditānīva vāsasā

Er sieht nach oben, nicht nach unten, wenn der *doṣa* in die dritte *paṭala* übergegangen ist; selbst große Gestalten erscheinen ihm, als wären sie mit einem Tuch verhüllt.

karṇanāsākṣiyuktāni viparītāni vīkṣate yathādoṣaṃ ca rajyeta dṛṣṭirdoṣe balīyasi

Er sieht Ohren, Nase und Augen wie verkehrt verbunden und vertauscht angeordnet; je nach Art des *doṣa* färbt sich sein Sehen, und die Sehkraft verändert sich, wenn der *doṣa* überstark ist.

adhaḥsthite samīpasthaṃ dūrasthaṃ coparisthite pārśvasthite tathā doṣe pārśvasthāni na paśyati

Sitzt der *doṣa* unten, sieht er Nahes statt Fernem; sitzt er oben, sieht er Fernes statt Nahem; sitzt er seitlich, so sieht er das seitlich Befindliche nicht.

samantataḥ sthite doṣe saṅkulānīva paśyati dṛṣṭimadhyagate doṣe sa ekaṃ manyate dvidhā

Sitzt der *doṣa* ringsum, sieht er die Dinge wie durcheinandergedrängt; sitzt der *doṣa* in der Mitte der *dṛṣṭi*, hält er eins für zwei.

dvidhāsthite tridhā paśyedbahudhā cānavasthite timirākhyaḥ sa vai doṣaḥ caturthaṃ paṭalaṃ gataḥ

Sitzt er zweifach, sieht er eins als drei, und bei völliger Unbeständigkeit als vielfach – dieser *doṣa* heißt *timira*, wenn er in die vierte *paṭala* übergegangen ist.

ruṇaddhi sarvato dṛṣṭiṃ liṅganāśaḥ sa ucyate tasminnapi tamobhūte nātirūḍhe mahāgade

Er verschließt die Sehkraft von allen Seiten – das nennt man *liṅganāśa* (den Verlust des Sehvermögens); solange dabei die schwere Krankheit noch nicht ganz zur Dunkelheit herangewachsen ist,

candrā dityau sanakṣatrāvantarikṣe ca vidyutaḥ nirmalāni ca tejāṃsi bhrājiṣṇūni ca paśyati

sieht der Kranke Mond, Sonne mitsamt den Sternen, Blitze am Himmel sowie makellose, leuchtende Lichtgestalten.

sa eva liṅganāśastu nīlikākācasaṃjñitaḥ tatra vātena rūpāṇi bhramantīva sa paśyati

Eben dieser *liṅganāśa* heißt auch *nīlikā* oder *kāca* (grüner Star); dabei sieht der Kranke, von *vāta* (dem Wind) geprägt, Gestalten, die gleichsam umherwirbeln,

āvilānyaruṇābhāni vyāviddhāni ca mānavaḥ pittenādityakhadyotaśakracāpataḍidguṇān

trübe, rötliche, verzerrte Formen sieht der Mensch; durch *pitta* (die Galle) geprägt sieht er Formen wie Sonne, Glühwürmchen, Regenbogen und Blitz,

śikhibarhavicitrāṇi nīlakṛṣṇāni paśyati kaphena paśyedrū pāṇi snigdhāni ca sitāni ca

buntscheckig wie Pfauenfedern, blauschwarz; durch *kapha* (den Schleim) geprägt sieht er glänzende und weiße Formen,

gauracāmaragaurāṇi śvetābhrapratimāni ca paśyedasūkṣmāṇyatyarthaṃ vyabhre caivābhrasaṃplavam

hellgrau wie ein Yak-Schweif, wie weiße Wolken; er sieht sie überaus undeutlich, und am wolkenlosen Himmel wie eine Wolkenansammlung,

salilaplāvitānīva parijāḍyāni mānavaḥ tathā raktena raktāni tamāṃsi vividhāni ca

wie von Wasser überflutet und ganz erstarrt erscheint es dem Menschen; ebenso sieht er, durch *rakta* (das Blut) geprägt, rötliche, mannigfache Finsternis,

haritaśyāvakṛṣṇāni dhūmadhūmrāṇi cekṣate sannipātena citrāṇi viplutāni ca paśyati

grünlich-graue, schwarze, rauch- und rauchgraue Formen; durch *sannipāta* (die Störung aller drei *doṣa*) geprägt sieht er buntscheckige und wechselnde Formen,

bahudhā vā dvidhā vā'pi sarvāṇyeva samantataḥ hīnādhikāṅgānyathavā jyotīṃṣyapi ca paśyati

vielfach oder zweifach oder auch allseits zugleich, Formen mit fehlenden oder überzähligen Teilen, oder auch Lichterscheinungen.

pittaṃ kuryāt parimlāyi mūrcchitaṃ raktatejasā pītā diśastathodyantamādityamiva paśyati

*Pitta*, verblasst und durch die Glut des Blutes verwirrt, lässt den Kranken die Himmelsrichtungen gelb sehen, wie die aufgehende Sonne,

vikīryamāṇān khadyotairvṛkṣāṃstejobhireva ca vakṣyāmi ṣaḍvidhaṃ rāgairliṅganāśamataḥ param

Bäume, wie von Glühwürmchen und Lichtern übersät. Nun werde ich den *liṅganāśa* in sechsfacher Färbung darlegen.

rāgo'ruṇo mārutajaḥ pradiṣṭaḥ pittāt parimlāyyathavā'pi nīlaḥ kaphāt sitaḥ śoṇitajastu raktaḥ samastadoṣo'tha vicitrarūpaḥ

Rötlich ist die von *vāta* verursachte Färbung, blassgelb oder auch bläulich die von *pitta*, weiß die von *kapha*, rot die von *rakta* verursachte, und vielfarbig, wenn alle *doṣa* zugleich beteiligt sind.

raktajaṃ maṇḍalaṃ dṛṣṭau sthūlakācānalaprabham parimlāyini roge syānmlāyyānīlaṃ ca maṇḍalam

Der von *rakta* verursachte Fleck in der Sehkraft gleicht grobem Glas oder Feuer; bei der verblassenden Krankheit ist der blasse, bläuliche Fleck zu sehen.

doṣakṣayāt kadācit syātsvayaṃ tatra ca darśanam aruṇaṃ maṇḍalaṃ vātāccañcalaṃ paruṣaṃ tathā

Bisweilen kann durch das Abklingen des *doṣa* dort von selbst wieder Sehen entstehen. Der von *vāta* verursachte Fleck ist rötlich, flackernd und rau,

pittānmaṇḍalamānīlaṃ kāṃsyābhaṃ pītameva vā śleṣmaṇā bahalaṃ snigdhaṃ śaṅkhakundendupāṇḍuram

der von *pitta* verursachte Fleck bläulich, bronzefarben oder auch gelb; der von *kapha* verursachte dicht, ölig, weiß wie Muschel, Jasmin oder Mond,

calatpadmapalāśasthaḥ śuklo bindurivāmbhasaḥ saṃkucatyātape'ttha chāyāyāṃ vistṛto bhavet

wie ein weißer Wassertropfen, der auf einem sich bewegenden Lotosblatt sitzt; er zieht sich in der Sonne zusammen, im Schatten weitet er sich.

mṛdyamāne ca nayane maṇḍalaṃ tadvisarpati pravālapadmapatrābhaṃ maṇḍalaṃ śoṇitātmakam

Wird das Auge gerieben, breitet sich der Fleck aus; der aus *rakta* bestehende Fleck gleicht einer Koralle oder einem Lotosblatt.

dṛṣṭirāgo bhaveccitro liṅganāśe tridoṣaje yathāsvaṃ doṣaliṅgāni sarveṣveva bhavanti hi

Bunt ist die Färbung der Sehkraft beim *liṅganāśa*, wenn alle drei *doṣa* beteiligt sind; entsprechend zeigen sich bei allen Formen die jeweiligen Kennzeichen der *doṣa*.

ṣaḍ liṅganāśāḥ ṣaḍime ca rogā dṛṣṭyāśrayāḥ ṣaṭ ca ṣaḍeva ca syuḥ tathā naraḥ pittavidagdhadṛṣṭiḥ kaphena cānyastvatha dhūmadarśī

Sechs Arten von *liṅganāśa* gibt es, und ebenso sechs Krankheiten, die auf der Sehkraft beruhen, wiederum sechs und sechs; ebenso gibt es den Menschen, dessen Sehkraft von *pitta* verkocht ist, und einen anderen, durch *kapha* betroffenen, den *dhūmadarśin* (den Rauchseher).

yo hrasvajāḍyo nakulāndhatā ca gambhīrasaṃjñā ca tathaiva dṛṣṭiḥ pittena duṣṭena gatena dṛṣṭiṃ pītā bhavedyasya narasya dṛṣṭiḥ

Es gibt den *hrasvajāḍya* (die kurzsichtige Trübung), den *nakulāndhatā* (die Mungo-Nachtblindheit) und die sogenannte *gambhīrikā* (die Tiefliegende); ebenso ist da die Sehkraft des Menschen, dessen Sehvermögen von entartetem, dorthin gelangtem *pitta* gelb wird.

pītāni rūpāṇi ca manyate yaḥ sa mānavaḥ pittavidagdhadṛṣṭiḥ prāpte tṛtīyaṃ paṭalaṃ tu doṣe divā na paśyenniśi vīkṣate ca

Wer gelbe Gestalten wahrnimmt, dessen Sehkraft heißt *pittavidagdhadṛṣṭi* (von *pitta* verkochtes Sehen); ist der *doṣa* in die dritte *paṭala* gelangt, sieht der Kranke tagsüber nicht, nachts hingegen sieht er.

rātrau sa śītānugṛhītadṛṣṭiḥ pittālpabhāvādapi tāni paśyet tathā naraḥ śleṣmavidagdhadṛṣṭistānyeva śuklāni hi manyate tu

Nachts, von der Kühle begünstigt, sieht seine Sehkraft jene Gestalten, obwohl das *pitta* dann schwach ist; ebenso hält der Mensch mit von *kapha* verkochter Sehkraft eben jene Gestalten für weiß.

triṣu sthitolpaḥ paṭaleṣu doṣo naktāndhyamāpādayati prasahya divā sa sūryānugṛhītacakṣurīkṣeta rūpāṇi kaphālpabhāvāt

Sitzt der geringe *doṣa* in nur drei *paṭala*, verursacht er zwangsläufig *naktāndhya* (Nachtblindheit); tagsüber sieht der Kranke, von der Sonne begünstigt, die Gestalten, da das *kapha* dann schwach ist.

śokajvarāyāsaśirobhitāpairabhyāhatā yasya narasya dṛṣṭiḥ sadhūmakān paśyati sarvabhāvāṃstaṃ dhūmadarśīti vadanti rogam

Die Sehkraft des Menschen, die durch Kummer, Fieber, Anstrengung und Kopfhitze getroffen ist – wer alle Dinge wie von Rauch umhüllt sieht, dessen Krankheit nennt man *dhūmadarśin*.

sa hrasvajāḍyo divaseṣu kṛcchrāddhrasvāni rūpāṇi ca yena paśyet vidyotate yena narasya dṛṣṭirdoṣābhipannā nakulasya yadvat

Er ist tagsüber kurzsichtig-trüb und sieht die Formen nur mit Mühe klein; wessen Sehkraft, vom *doṣa* befallen, flackert wie die eines Mungos,

citrāṇi rūpāṇi divā sa paśyet sa vai vikāro nakulāndhyasaṃjñaḥ dṛṣṭirvirūpā śvasanopasṛṣṭā saṅkucyate'bhyantarataśca yāti

der sieht tagsüber bunte Gestalten – diese Störung heißt *nakulāndhya*; die Sehkraft ist entstellt, vom Lebensatem ergriffen, zieht sich zusammen und wandert nach innen.

rujāvagāḍhā ca tamakṣirogaṃ gambhīriketi pravadanti tajjñāḥ bāhyau punardvāviha saṃpradiṣṭau nimittataścāpyanimittataśca

Die Kundigen nennen diese von tiefem Schmerz durchdrungene Augenkrankheit *gambhīrikā*. Ferner gibt es zwei äußerlich bedingte Formen, die man unterscheidet: die mit erkennbarer Ursache und die ohne erkennbare Ursache.

nimittatastatra śirobhitāpājjñeyastvabhiṣyandanidarśanaiśca surarṣigandharvamahoragāṇāṃ sandarśanenāpi ca bhāsvarāṇām

Die mit erkennbarer Ursache erkennt man an Kopfhitze und an den Zeichen des *abhiṣyanda* (des Augenausflusses), sowie am Erblicken von Göttern, Sehern, Gandharvas, großen Schlangenwesen oder auch leuchtender Erscheinungen,

hanyeta dṛṣṭirmanujasya yasya sa liṅganāśastvanimittasaṃjñaḥ tatrākṣi vispaṣṭamivāvabhāti vaidūryavarṇā vimalā ca dṛṣṭiḥ

wodurch die Sehkraft des Menschen zerstört wird – das ist der *liṅganāśa* ohne erkennbare Ursache; dabei erscheint das Auge völlig klar, und die Sehkraft ist *vaidūrya*-farben (beryllfarben) und makellos.

vidīryate sīdati hīyate vā nṛṇāmabhīghātahatā tu dṛṣṭiḥ

Die durch einen Schlag getroffene Sehkraft der Menschen zerreißt, sinkt ein oder schwindet.

ityete nayanagatā mayā vikārāḥ saṃkhyātāḥ pṛthagiha ṣaṭ ca saptatiśca eteṣāṃ pṛthagiha vistareṇa sarvaṃ vakṣye'ha tadanu cikitsitaṃ yathāvat

So habe ich diese Augenkrankheiten aufgezählt – im Einzelnen sechsundsiebzig an der Zahl; von jeder Einzelnen werde ich nun ausführlich, und danach auch die entsprechende Behandlung, der Reihe nach darlegen.

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