Quellen der Menschheit

Suśruta-Saṃhitā · Uttaratantra

Adhyāya 58: mūtrāghātapratiṣedho Behandlung der Harnverhaltung (Mūtrāghāta)

Das Kapitel über mūtrāghāta entfaltet eine detaillierte Nosologie der Harnverhaltung mit zwölf benannten Krankheitsbildern – darunter vātakuṇḍalikā (ringförmig gestauter Wind), aṣṭhīlā (ein wetzsteinartiger Knoten zwischen After und Blase), vātabasti, mūtrotsaṅga sowie zwei Formen des mūtraukasāda, die sich durch die Farbe des eintrocknenden Harns unterscheiden. Jede Form wird über ihren spezifischen Vāta-Mechanismus erklärt und mit Absuden, Pasten, Klistieren (uttarabasti) und harnlösenden Mitteln wie Ervāru-Samen oder Safran behandelt. Den größten Raum nimmt am Ende jedoch eine Gruppe kräftigender (bṛṃhaṇīya) ghṛta-Rezepturen ein, bereitet mit Balā, Śatāvarī und einer der pañcamūla nahestehenden Kräutergruppe, denen über die Harnheilung hinaus aphrodisierende, fruchtbarkeitsfördernde und die weibliche Unfruchtbarkeit behebende Wirkung zugeschrieben wird – ein Übergang von der urologischen zur allgemeinen Stärkungstherapie.

DIE ZWÖLF KRANKHEITSBILDER DER HARNVERHALTUNG (MĒTRĀGHĀTA) (Vers 3–26)
NameKennzeichen
VātakuṇḍalikāHarn nur tröpfchenweise oder sehr langsam unter Schmerzen; vāta ringförmig zusammengezogen
Vātāṣṭhīlāfester, unbeweglicher Knoten zwischen Kotweg und Blase, einem Wetzstein gleich; Stauung von Kot, Harn und Wind, Aufblähen
Vātabastivāta verschließt die Blasenöffnung; gepresster, schmerzhafter Blasenraum
MūtrātītaHarn kommt nach Unterdrückung des Harndrangs gar nicht oder nur mühsam, im Strahl, tröpfchenweise
Mūtrajaṭharagestörter Apāna-vāta; Aufblähen unterhalb des Nabels mit heftigem Schmerz
MūtrotsaṅgaHarn bleibt in Blase, Harnleiter oder Harnröhrenöffnung stecken, geht im Strahl ab, ggf. blutvermischt
Mūtrasaṁkṣayabrennender Schmerz und Verminderung des Harns bei ausgetrocknetem, erschöpftem Menschen (Pitta und Vāta)
Mūtragranthirunde, feste, stets schmerzhafte Geschwulst in der Blasenöffnung, verstopft den Harnweg
MūtraśukraSame tritt, mit Harn vermischt, plötzlich aus (bei Geschlechtsverkehr während bestehenden Harndrangs)
Uṣṇavātavon vāta umhülltes pitta verbrennt Blase, Glied und After; kurkumafarbener oder blutiger Harn
MūtraukasādaPitta-Form: Harn klar, gelblich, brennend, dick, trocknet wie rocanā-Pulver ein; Kapha-Form: Harn schleimig, verklumpt, weiß, trocknet wie Muschelschalenpulver ein

athāto mūtrāghātapratiṣedhamadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ

Nun wollen wir das Kapitel über die Behandlung der Harnverhaltung (*mūtrāghāta*) erklären.

yathovāca bhagavān dhanvantariḥ

So wie es der erhabene Dhanvantari verkündet hat:

vātakuṇḍalikā'ṣṭhīlā vātabastistathaiva ca mūtrātītaḥ sajaṭharo mūtrotsaṅgaḥ kṣayastathā

*Vātakuṇḍalikā*, *Aṣṭhīlā*, ebenso *Vātabasti*, *Mūtrātīta* zusammen mit *Jaṭhara* (Bauchleiden), *Mūtrotsaṅga* sowie *Kṣaya* (Schwund) —

mūtragranthirmūtraśukramuṣṇavātastathaiva ca mutraukasādau dvau cāpi rogā dvādaśa kīrtitāḥ

— *Mūtragranthi*, *Mūtraśukra*, ebenso *Uṣṇavāta*, sowie die beiden Formen des *Mūtraukasāda*: dies sind die zwölf genannten Krankheiten der Harnverhaltung.

raukṣyādvegavighātādvā vāyurantaramāśritaḥ mūtraṃ carati saṃgṛhya viguṇaḥ kuṇḍalīkṛtaḥ

Durch Trockenheit (*raukṣya*) oder durch Unterdrückung des natürlichen Drangs (*vega*) gerät der *Vāta* (Wind-Doṣa) in Unordnung, nimmt seinen Sitz in der Zwischenregion und, aus seiner Bahn geraten und ringförmig zusammengezogen (*kuṇḍalīkṛta*), hält er den Harn zurück und lässt ihn nur mühsam fließen.

sṛjedalpālpamathavā sarujaskaṃ śanaiḥ śanaiḥ vātakuṇḍalikāṃ taṃ tu vyādhiṃ vidyāt sudāruṇam

Der Kranke entlässt den Harn nur tröpfchenweise, oder er lässt ihn, von Schmerzen begleitet, ganz langsam heraus — diese Krankheit erkenne man als *Vātakuṇḍalikā*, als eine sehr schlimme.

śakṛnmārgasya basteśca vāyurantaramāśritaḥ aṣṭhīlāvadghanaṃ granthiṃ karotyacalamunnatam

Nimmt der *Vāta* seinen Sitz im Zwischenraum zwischen dem Kotweg (*śakṛnmārga*) und der Harnblase (*basti*), so erzeugt er einen festen, unbeweglichen, erhabenen Knoten (*granthi*), der einem Wetzstein (*aṣṭhīlā*) gleicht.

viṇmūtrānilasaṅgaśca tatrādhmānaṃ ca jāyate vedanā ca parā bastau vātāṣṭhīleti tāṃ viduḥ

Dabei kommt es zu einer Stauung von Kot, Harn und Wind, es entsteht ein Aufblähen (*ādhmāna*) und heftiger Schmerz in der Blasengegend — dies nennt man *Vātāṣṭhīlā*.

vegaṃ vidhārayedyastu mūtrasyākuśalo naraḥ niruṇaddhi mukhaṃ tasya basterbastigato'nilaḥ

Unterdrückt ein unkundiger Mensch den Harndrang (*mūtravega*), so verschließt der in die Blase eingedrungene *Vāta* deren Öffnung (*mukha*).

mūtrasaṅgo bhavettena bastikukṣinipīḍitaḥ vātabastiḥ sa vijñeyo vyādhiḥ kṛcchraprasādhanaḥ

Dadurch entsteht eine Harnverhaltung (*mūtrasaṅga*), bei der der Blasenraum (*bastikukṣi*) gepresst und schmerzhaft ist; diese Krankheit erkenne man als *Vātabasti*, ein Leiden, das nur mit Mühe zu heilen ist.

vegaṃ sandhārya mūtrasya yo bhūyaḥ sraṣṭumicchati tasya nābhyeti yadi vā kathañcitsaṃpravartate

Wer den Harndrang zurückgehalten hat und ihn danach wieder loslassen will, bei dem kommt der Harn entweder gar nicht oder nur mit Mühe irgendwie hervor,

pravāhato mandarujamalpamalpaṃ punaḥ punaḥ mūtrātītaṃ tu taṃ vidyānmūtravegavighātajam

und zwar im Strahl, mit mäßigem Schmerz, immer wieder nur tröpfchenweise — dies erkenne man als *Mūtrātīta*, entstanden aus der Unterdrückung des Harndrangs.

mūtrasya vihate vege tadudāvartahetunā apānaḥ kupito vāyurudaraṃ pūrayedbhṛśam

Wird der Harndrang unterdrückt, so gerät dadurch, als Ursache eines *Udāvarta* (Aufwärtsstauung), der *Apāna*-Vāta (der abwärtsgerichtete Wind) in Unordnung und füllt den Bauch heftig auf,

nābheradhastādādhmānaṃ janayettīvravedanam taṃ mūtrajaṭharaṃ vidyādadhaḥsrotonirodhanam

er erzeugt unterhalb des Nabels ein Aufblähen mit heftigem Schmerz — dies erkenne man als *Mūtrajaṭhara*, eine Verstopfung der unteren Kanäle (*adhaḥsrotas*).

bastau vā'pyathavā nāle maṇau vā yasya dehinaḥ mūtraṃ mpravṛttaṃ sajjeta saraktaṃ vā pravāhataḥ

Wessen Harn in der Blase, im Harnleiter (*nāla*) oder an der Harnröhrenöffnung (*maṇi*) stecken bleibt, während er im Strahl abgeht, unter Umständen mit Blut vermischt,

sravecchanairalpamalpaṃ sarujaṃ vā'tha nīrujam viguṇānilajo vyādhiḥ sa mūtrotsaṅgasaṃjñitaḥ

und nur langsam, tröpfchenweise, mit oder auch ohne Schmerz austritt — diese durch einen gestörten *Vāta* entstandene Krankheit heißt *Mūtrotsaṅga*.

rūkṣasya klāntadehasya bastisthau pittamārutau sadāhavedanaṃ kṛcchraṃ kuryātāṃ mūtrasaṃkṣayam

Bei einem durch Diät ausgetrockneten, erschöpften Menschen erzeugen *Pitta* (Feuer-Doṣa) und *Vāta*, wenn sie sich in der Blase festsetzen, unter brennendem Schmerz eine schwer zu behandelnde Verminderung des Harns (*mūtrasaṃkṣaya*).

abhyantare bastimukhe vṛtto'lpaḥ sthira eva ca vedanāvānati sadā mūtramārganirodhanaḥ

Entsteht im Innern der Blasenöffnung eine runde, kleine, feste Geschwulst, die stets schmerzhaft ist und den Harnweg verstopft,

jāyate sahasā yasya granthiraśmarilakṣaṇaḥ sa mutragranthirityevamucyate vedanādibhiḥ

und entsteht sie plötzlich als ein Knoten mit den Merkmalen eines Blasensteins (*aśmarī*), begleitet von Schmerzen und dergleichen, so nennt man das *Mūtragranthi*.

pratyupasthitamūtrastu maithunaṃ yo'bhinandati tasya mūtrayutaṃ retaḥ sahasā saṃpravartate

Wer sich, während der Harndrang bereits eingesetzt hat, dem Geschlechtsverkehr hingibt, bei dem tritt der Samen (*retas*) plötzlich mit Harn vermischt aus —

purastādvā'pi mūtrasya paścādvā'pi kadācana bhasmodakapratīkāśaṃ mūtraśukraṃ taducyate

sei es noch vor, sei es auch einmal nach dem Harn — dieser Ausfluss, der aschwassrigem Wasser gleicht, wird *Mūtraśukra* genannt.

vyāyāmādhvātapaiḥ pittaṃ bastiṃ prāpyānilāvṛtam bastiṃ meḍhraṃ gudaṃ caiva pradahan srāvayedadhaḥ

Durch Anstrengung, Reisen und Sonnenhitze gerät *Pitta*, das von *Vāta* umhüllt ist, in die Blase, verbrennt Blase, Glied (*meḍhra*) und After (*guda*) und lässt Sekret nach unten abfließen —

mūtraṃ hāridra mathavā saraktaṃ raktameva vā kṛcchrāt pravartate jantoruṣṇavātaṃ vadanti tam

kommt dabei der Harn kurkumafarben (*hāridra*), mit Blut vermischt oder ganz blutig, und nur mit Mühe heraus, so nennt man das bei dem Kranken *Uṣṇavāta*.

viśadaṃ pītakaṃ mūtraṃ sadāhaṃ bahalaṃ tathā śuṣkaṃ bhavati yaccāpi rocanācūrṇasannibham

Ist der Harn klar und gelblich, mit Brennen verbunden, dick, und trocknet er ein, so dass er wie *Rocanā*-Pulver (gelbes Pigment) aussieht,

mūtraukasādaṃ taṃ vidyādro gaṃ pittakṛtaṃ budhaḥ picchilaṃ saṃhataṃ śvetaṃ tathā kṛcchrapravartanam

so erkenne der Kundige diese Krankheit als die durch *Pitta* verursachte Form des *Mūtraukasāda*. Ist der Harn hingegen schleimig, verklumpt und weiß, und geht er nur mühsam ab,

śuṣkaṃ bhavati yaccāpi śaṅkhacūrṇaprapāṇḍuram mūtraukasādaṃ taṃ vidyādāmayaṃ dvādaśaṃ kaphāt

und trocknet er ein, so dass er wie Muschelschalenpulver (*śaṅkhacūrṇa*) blass-weiß erscheint, so erkenne man dies als die durch *Kapha* verursachte Form des *Mūtraukasāda* — die zwölfte dieser Krankheiten.

kaṣāyakalkasarpīṃṣi bhakṣyān lehān payāṃsi ca kṣāramadyāsavasvedān bastīṃścottarasaṃjñitān

Absude (*kaṣāya*), Pasten (*kalka*) und Ghee-Zubereitungen, Speisen, Latwergen (*leha*) und Milchgetränke, alkalische Mittel (*kṣāra*), Weine (*madya*), Fermente (*āsava*) und Schwitzbehandlungen (*sveda*), sowie die als *Uttarabasti* (Harnröhren-Klistier) bezeichneten Einläufe —

vidadhyānmatimāṃstatra vidhiṃ cāśmarināśanam mūtrodāvartayogāṃśca kārtsnyenātra prayojayet

all dies wende der kundige Arzt hier an, ebenso das Verfahren zur Zerstörung von Blasensteinen (*aśmarī*), und er setze die Mittel gegen *Mūtrodāvarta* (Harnstauung) vollständig ein.

kalkamervārubījānāmakṣamātraṃ sasaindhavam dhānyāmlayuktaṃ pītvaiva mūtrakṛcchrāt pramucyate

Trinkt man eine Paste (*kalka*) aus *Ervāru*-Samen im Gewicht eines *Akṣa*, mit Steinsalz und *Dhānyāmla* (saurem Getreidewasser) vermengt, so wird man von schmerzhafter Harnverhaltung (*mūtrakṛcchra*) befreit.

surāṃ sauvarcalavatīṃ mūtrakṛcchrī pibennaraḥ madhu māṃsopadaṃśaṃ vā pibedvā'pyatha gauḍikam

Der an *Mūtrakṛcchra* Leidende trinke *Surā* (Reisbier) mit *Sauvarcala*-Salz, dazu Honig und Fleisch als Beikost, oder er trinke *Gauḍika* (Zuckerrohrwein).

pibet kuṅkumakarṣaṃ vā madhūdakasamāyutam rātriparyuṣitaṃ prātastathā sukhamavāpnuyāt

Oder er trinke Safran (*kuṅkuma*) im Gewicht eines *Karṣa*, mit Honigwasser vermischt, das eine Nacht lang gestanden hat, am Morgen — so erlangt er Linderung.

dāḍimāmlāṃ yutāṃ mukhyāmelājīrakanāgaraiḥ pītvā surāṃ salavaṇāṃ mūtrakṛcchrāt pramucyate

Trinkt man vorzügliche *Surā*, gesäuert mit Granatapfel (*dāḍima*), versetzt mit *Elā*, *Jīraka* und *Nāgara*, sowie mit Salz, so wird man von *Mūtrakṛcchra* befreit.

pṛthakparṇyādivargasya mūlaṃ gokṣurakasya ca ardhaprasthena toyasya pacet kṣīracaturguṇam

Man koche die Wurzel der *Pṛthakparṇī*-Gruppe sowie von *Gokṣura*, mit einem halben *Prastha* Wasser und der vierfachen Menge Milch,

kṣīrāvaśiṣṭaṃ tacchītaṃ sitākṣaudra yutaṃ pibet naro mārutapittotthamūtrāghātanivāraṇam

bis nur die Milch übrigbleibt; diese trinke man abgekühlt, mit Kandiszucker und Honig versetzt — so lindert man die durch *Vāta* und *Pitta* entstandene Harnverhaltung (*mūtrāghāta*).

niṣpīḍya vāsasā samyagvarco rāsabhavājinoḥ rasasya kuḍavaṃ tasya pibenmūtrarujāpaham

Man presse sorgfältig durch ein Tuch den Kot von Esel und Ziegenbock aus und trinke von diesem Saft (*rasa*) einen *Kuḍava* — so vertreibt man den Schmerz beim Harnen.

mustābhayādevadārumūrvāṇāṃ madhukasya ca pibedakṣasamaṃ kalkaṃ mūtradoṣanivāraṇam

Man trinke eine Paste aus *Mustā*, *Abhayā*, *Devadāru*, *Mūrvā* und *Madhuka* im Gewicht eines *Akṣa* — zur Beseitigung der Harnstörung (*mūtradoṣa*).

abhayāmalakākṣāṇāṃ kalkaṃ badarasaṃmitam ambhasā'lavaṇopetaṃ pibenmūtrarujāpaham

Man trinke eine Paste aus *Abhayā*, *Āmalaka* und *Akṣa* im Gewicht einer Jujube (*badara*), ungesalzen, mit Wasser — so vertreibt man den Harnschmerz.

udumbarasamaṃ kalkaṃ drā kṣāyā jalasaṃyutam pibet paryuṣitaṃ rātrau śītaṃ mūtrarujāpaham

Man trinke eine Paste aus *Drākṣā* im Gewicht einer *Udumbara*-Frucht, mit Wasser vermengt, das eine Nacht gestanden hat, kalt — so vertreibt man den Harnschmerz.

nidigdhikāyāḥ svarasaṃ pibet kuḍavasaṃmitam mūtradoṣaharaṃ kalyamathavā kṣaudra saṃyutam

Man trinke morgens den frisch ausgepressten Saft (*svarasa*) der *Nidigdhikā* im Maß eines *Kuḍava*, das beseitigt die Harnstörung, oder man vermenge ihn mit Honig.

prapīḍyāmalakānāṃ tu rasaṃ kuḍavasaṃmitam pītvā'gadī bhavejjanturmūtradoṣarujāturaḥ

Wer an Harnstörung und ihren Schmerzen leidet, werde gesund, wenn er den ausgepressten Saft von *Āmalaka*-Früchten im Maß eines *Kuḍava* trinkt.

dhātrīphalarasenaivaṃ sūkṣmailāṃ vā pibennaraḥ piṣṭva'thavā suśītena śālitaṇḍulavāriṇā

Ebenso trinke man *Sūkṣmailā* (kleinen Kardamom), zerrieben mit dem Saft der *Dhātrī*-Frucht (*Āmalaka*), oder mit sehr kaltem Reiswasser (*śālitaṇḍulavāri*).

tālasya taruṇaṃ mūlaṃ trapusasya rasaṃ tathā śvetaṃ karkaṭakaṃ caiva prātastu payasā pibet

Die zarte Wurzel der Palmyrapalme (*tāla*), ebenso den Saft der Gurke (*trapusa*) und den weißen *Karkaṭaka* trinke man morgens mit Milch.

śṛtaṃ vā madhuraiḥ kṣīraṃ sarpirmiśraṃ pibennaraḥ mūtradoṣaviśuddhyarthaṃ tathaivāśmarināśanam

Oder man trinke mit süßen Mitteln gekochte Milch, mit Ghee vermischt, zur Reinigung von Harnstörungen und ebenso zur Auflösung von Blasensteinen (*aśmarī*).

balāśvadaṃṣṭrākrauñcāsthikokilākṣakataṇḍulān śataparvakamūlaṃ ca devadāru sacitrakam

*Balā*, *Śvadaṃṣṭrā*, *Krauñcāsthi*, *Kokilākṣa*-Samen, die Wurzel von *Śataparvaka*, *Devadāru* zusammen mit *Citraka* —

akṣabījaṃ ca surayā kalkīkṛtya pibennaraḥ mūtradoṣaviśuddhyarthaṃ tathaivāśmarināśanam

— und *Akṣa*-Samen zerreibe man mit *Surā* zu einer Paste und trinke sie zur Reinigung von Harnstörungen und ebenso zur Auflösung von Blasensteinen.

pāṭalākṣāramāhṛtya saptakṛtvaḥ parisrutam pibenmūtravikāraghnaṃ saṃsṛṣṭaṃ tailamātrayā

Man hole *Pāṭalā*-Alkali (*kṣāra*), das siebenmal filtriert wurde, und trinke es, mit einer geringen Menge Öl versetzt — es vertreibt Harnstörungen.

nalāśmabhedadarbhekṣutrapusairvārubījakān kṣīre pariśṛtān tatra pibet sarpiḥsamāyutān

*Nala* (Schilfrohr), *Aśmabhedā*, *Darbha*-Gras, Zuckerrohr, Gurke und *Ervāru*-Samen, in Milch gekocht, trinke man dort mit Ghee vermischt.

pāṭalyā yāvaśūkācca pāribhadrā ttilādapi kṣārodakena matimān tvageloṣaṇacūrṇakam

Der Kundige bereite aus *Pāṭalā*, Gerstengrannen, *Pāribhadra* und *Tila* (Sesam) ein alkalisches Wasser (*kṣārodaka*); dazu ein Pulver aus *Tvak* (Zimtrinde), *Elā* und *Uṣaṇa* (Pfeffer),

pibedguḍena miśraṃ vā lihyāllekhān pṛthak pṛthak ata ūrdhvaṃ pravakṣyāmi mūtradoṣe kramaṃ hitam

das trinke man, mit Melassezucker vermischt, oder man lecke die genannten Zubereitungen einzeln nacheinander. Von nun an will ich das heilsame Vorgehen bei Harnstörungen (*mūtradoṣa*) im Weiteren darlegen.

snehasvedopapannānāṃ hitaṃ teṣu virecanam tataḥ saṃśuddhadehānāṃ hitāścottarabastayaḥ

Für jene, die mit Ölung (*sneha*) und Schwitzbehandlung (*sveda*) vorbereitet sind, ist ein Abführmittel (*virecana*) heilsam; für die dann gereinigten Körper sind sodann *Uttarabastis* heilsam.

strīṇāmatiprasaṅgena śoṇitaṃ yasya dṛśyate maithunoparamastasya bṛṃhaṇaśca vidhiḥ smṛtaḥ

Wessen Harn durch übermäßigen Geschlechtsverkehr mit Frauen blutig erscheint, dem ist Enthaltung vom Geschlechtsverkehr sowie eine kräftigende Behandlung (*bṛṃhaṇa*) überliefert.

tāmracūḍavasā tailaṃ hitaṃ cottarabastiṣu vidhānaṃ tasya pūrvaṃ hi vyāsataḥ parikīrtitam

Bei *Uttarabastis* ist Öl mit dem Fett des Hahnes (*tāmracūḍa*) heilsam; die Zubereitung davon wurde bereits früher ausführlich dargelegt.

kṣaudrā rdhapātraṃ dattvā ca pātraṃ tu kṣīrasarpiṣaḥ śarkarāyāśca cūrṇaṃ ca drā kṣācūrṇaṃ ca tatsamam

Man nehme ein halbes Gefäß Honig, ein Gefäß Milch und Ghee, ein Gefäß Zuckerpulver und ebenso viel *Drākṣā*-Pulver,

svayaṅguptāphalaṃ caiva tathaivekṣurakasya ca pippalīcūrṇasaṃyuktamardhabhāgaṃ prakalpayet

dazu die Frucht der *Svayaṅguptā* und ebenso von *Ikṣuraka*, sowie *Pippalī*-Pulver, jeweils zur Hälfte der übrigen Menge bereite man.

tadaikadhyaṃ samānīya khajenābhipramanthayet tataḥ pāṇitalaṃ cūrṇaṃ līḍhvā kṣīraṃ tataḥ pibet

Dies alles vereinige man und rühre es mit dem Quirlstab gut durch; dann lecke man eine Handfläche voll von diesem Pulver und trinke darauf Milch.

etat sarpiḥ prayuñjānaḥ śuddhadeho naraḥ sadā mūtradoṣāñjayet sarvānanyayogaiḥ sudurjayān

Wer, mit gereinigtem Körper, stets dieses Ghee anwendet, besiegt alle Harnstörungen, auch solche, die mit anderen Mitteln nur schwer zu bezwingen sind.

jayecchoṇitadoṣāṃśca vandhyā garbhaṃ labheta ca nārī caitat prayuñjānā yonidoṣāt pramucyate

Er besiegt auch Blutstörungen (*śoṇitadoṣa*); eine unfruchtbare Frau, die dieses Ghee anwendet, empfängt ein Kind und wird von Gebärmutterleiden (*yonidoṣa*) befreit.

balā kolāsthi madhukaṃ śvadaṃṣṭrā'tha śatāvarī mṛṇālaṃ ca kaśeruśca bījānīkṣurakasya ca

*Balā*, der Kern der *Kola*-Frucht, *Madhuka*, *Śvadaṃṣṭrā*, *Śatāvarī*, Lotoswurzelfaser (*mṛṇāla*), *Kaśeru* sowie die Samen von *Ikṣuraka* —

sahasravīryāṃ'śumatī payasyā saha kālayā śṛgālavinnā'tibalā bṛṃhaṇīyo gaṇastathā

— *Sahasravīryā*, *Aṃśumatī*, zusammen mit *Payasyā* und *Kālā*, *Śṛgālavinnā* und *Atibalā*: dies ist die kräftigende (*bṛṃhaṇīya*) Kräutergruppe.

etāni samabhāgāni matimān saha sādhayet caturguṇena payasā guḍasya tulayā saha

Diese Kräuter koche der Kundige in gleichen Teilen zusammen, mit der vierfachen Menge Milch, zusammen mit einer *Tula* Melassezucker,

dro ṇāvaśiṣṭaṃ tat pūtaṃ pacettena ghṛtāḍhakam tat siddhaṃ kalaśe sthāpyaṃ kṣaudra prasthena saṃyutam

bis noch ein *Droṇa* übrigbleibt; dies seihe man und koche darin ein *Āḍhaka* Ghee. Ist es fertig, bewahre man es in einem Gefäß auf, mit einem *Prastha* Honig versetzt.

sarpiretat prayuñjāno mūtradoṣāt pramucyate tugākṣīryāśca cūrṇāni śarkarāyāstathaiva ca

Wer dieses Ghee anwendet, wird von Harnstörungen befreit. Ebenso bereite man Pulver von *Tugākṣīrī* (Bambusmanna) und ebenso von Zucker,

kṣaudre ṇa tulyānyāloḍya praśaste'hani lehayet tasya khādedyathāśakti mātrāṃ kṣīraṃ tataḥ pibet

mische diese zu gleichen Teilen mit Honig und lasse den Kranken an einem günstigen Tag davon lecken; er esse davon nach Vermögen die rechte Menge und trinke danach Milch.

śukradoṣāñjayenmartyaḥ prāśya samyak suyantritaḥ vyavāyakṣīṇaretāstu sadyaḥ saṃlabhate sukham

Nimmt der Mensch dies richtig und diszipliniert ein, so besiegt er Samenstörungen (*śukradoṣa*); wer durch Geschlechtsverkehr an Samenschwund leidet, erlangt sogleich Linderung.

ojasvī balavānmartyaḥ pibanneva ca hṛṣyati citrakaḥ sārivā caiva balā kālānusārivā

Der Mensch wird kraftvoll (*ojasvin*) und stark und erfreut sich schon beim Trinken. Man nehme *Citraka*, *Sārivā*, *Balā*, *Kālānusārivā*,

drā kṣā viśālā pippalyastathā citraphalā bhavet tathaiva madhukaṃ pathyāṃ dadyādāmalakāni ca

*Drākṣā*, *Viśālā*, *Pippalī* sowie *Citraphalā*, ebenso *Madhuka*, *Pathyā* und *Āmalaka*-Früchte gebe man hinzu.

ghṛtāḍhakaṃ pacedebhiḥ kalkaiḥ karṣasamanvitaiḥ kṣīradro ṇe jaladro ṇe tatsiddhamavatārayet

Mit diesen Pasten, je im Gewicht eines *Karṣa*, koche man ein *Āḍhaka* Ghee, in einem *Droṇa* Milch und einem *Droṇa* Wasser; ist es fertig gekocht, nehme man es vom Feuer.

śītaṃ parisrutaṃ caiva śarkarāprasthasaṃyutam tugākṣīryāśca tat sarvaṃ matimān parimiśrayet

Abgekühlt und filtriert, mit einem *Prastha* Zucker sowie mit *Tugākṣīrī* vermenge der Kundige alles gut miteinander.

tato mitaṃ pibetkāle yathādoṣaṃ yathābalam vātaretāḥ śleṣmaretāḥ pittaretāstu yo bhavet

Danach trinke man davon zur rechten Zeit eine bemessene Menge, entsprechend dem *Doṣa* und der Kraft des Kranken. Wer an *vāta*-, *kapha*- oder *pitta*-bedingter Samenstörung leidet,

raktaretā granthiretāḥ pibedicchannarogatām jīvanīyaṃ ca vṛṣyaṃ ca sarpiretadbalāvaham

oder an blutigem oder knotigem Samen, trinke dieses Ghee, wenn er Genesung wünscht — dieses Ghee ist lebenskräftigend (*jīvanīya*), aphrodisierend (*vṛṣya*) und kraftbringend.

prajñāhitaṃ ca dhanyaṃ ca sarvarogāpahaṃ śivam sarpiretat prayuñjānā strī garbhaṃ labhate'cirāt

Es ist der Erkenntniskraft (*prajñā*) zuträglich, segensreich, vertreibt alle Krankheiten und ist heilsam; eine Frau, die dieses Ghee anwendet, empfängt binnen kurzem ein Kind.

asṛgdoṣāñjayeccāpi yonidoṣāṃśca saṃhatān mūtradoṣeṣu sarveṣu kuryādetaccikitsitam

Es besiegt auch Blutstörungen (*asṛgdoṣa*) sowie hartnäckige Gebärmutterleiden (*yonidoṣa*); bei allen Harnstörungen wende man diese Behandlung an.

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