Quellen der Menschheit

Suśruta-Saṃhitā · Uttaratantra

Adhyāya 50: hikkāpratiṣedho Behandlung des Schluckaufs (Hikkā)

Das Kapitel über hikkā, den Schluckauf, beschreibt fünf Formen des durch kapha-begleiteten Vāyu erzeugten Leidens – die nahrungsbedingte, die paarweise auftretende, die geringfügige, die tiefsitzende und die große, lebensbedrohliche Form. Verursacht wird hikkā durch scharfe oder trockene Speisen, kaltes Trinken, Staub, Rauch und Überanstrengung; der Text beschreibt anschaulich den geräuschvoll aufsteigenden Wind, der Leber, Milz und Gedärme „durch den Mund herauszureißen“ scheint. Behandelt wird mit Atemanhalten, Schreckreizen und Nadelstichen zur Ablenkung, mit Nasenmitteln (nasya), Räucherungen aus Śāla-Harz oder verbranntem Rinderhorn sowie zahlreichen Latwergen aus Pippalī, Honig und Sandelholz. Auch ungewöhnliche Mittel wie das Riechen an Ziegenurin oder verbrannte Tierhaare werden genannt. Zwei Zeichen – verkrampfte Glieder mit erlöschendem Blick sowie Schwäche mit Husten – gelten als unheilbar und sind zu meiden.

DIE FÜNF FORMEN DES SCHLUCKAUFS (HIKKĀ) (Vers 7–14)
FormKennzeichen
Nahrungsbedingter Schluckaufentsteht bei hastigem Essen oder schweren Speisen, wenn der Wind, nicht von Nahrung eingehüllt, nach oben getrieben wird
Paarweise auftretender Schluckauflangsam aufeinanderfolgende, paarweise Stoße; Kopf und Nacken erzittern
Geringfügiger Schluckaufschwache Stoße in weiten zeitlichen Abständen
Tiefsitzender Schluckaufgeht vom Schlüsselbeinansatz bis zum Nabel, grausam, tiefer Ton; trocknet Lippen, Kehle, Zunge und Mund aus; Atemnot und Flankenschmerzen
Großer Schluckaufunablässig, als wolle er die marman zerdrücken; durchbiegt den Körper, großer Durst, alle Glieder zittern
Zwei Warnzeichen gelten als unheilbar (V15): verkrampfte Glieder mit erlöschendem Blick sowie Schwäche mit Husten.

athāto hikkāpratiṣedhaṃ vyākhyāsyāmaḥ

Nun wollen wir die Behandlung des Schluckaufs (*hikkā*) erläutern.

yathovāca bhagavān dhanvantariḥ

So sprach der erhabene Dhanvantari:

vidāhiguruviṣṭambhirūkṣābhiṣyandibhojanaiḥ śītapānāsanasthānarajodhūmānilānalaiḥ

Durch brennend-scharfe, schwere, verstopfende und trockene, absondernde Speisen, durch kaltes Trinken, ungünstiges Sitzen und Stehen, durch Staub, Rauch, Wind und Feuer,

vyāyāmakarmabhārādhvavegāghātāpatarpaṇaiḥ āmadoṣābhighātastrīkṣayadoṣaprapīḍanaiḥ

durch übermäßige Anstrengung, Arbeit, Lasttragen, weite Wege, das Unterdrücken natürlicher Bedürfnisse, Verletzung, unzureichende Ernährung, durch Schädigung infolge unverdauter Doṣas (*āmadoṣa*), durch Geschlechtsverkehr, Auszehrung und durch bedrängende Doṣas,

viṣamāśanādhyanaśanaistathā samaśanairapi hikkā śvāsaśca kāsaśca nṛṇāṃ samupajāyate

durch unregelmäßiges Essen, übermäßiges Fasten sowie sogar durch regelmäßiges Essen entstehen bei den Menschen *hikkā*, Atemnot (*śvāsa*) und Husten (*kāsa*).

muhurmuhurvāyurudeti sasvano yakṛtplihāntrāṇi mukhādivākṣipan sa ghoṣavānāśu hinastyasūn yatastatastu hikketi bhiṣagbhirucyate

Immer wieder steigt geräuschvoll der Wind (*vāyu*) auf, als wolle er Leber, Milz und Gedärme durch den Mund herausreißen; dieser geräuschvoll auftretende Wind vernichtet rasch das Leben – daher wird dieses Leiden von den Ärzten „*hikkā*“ genannt.

annajāṃ yamalāṃ kṣudrāṃ gambhīrāṃ mahatīṃ tathā vāyuḥ kaphenānugataḥ pañca hikkāḥ karoti hi

Von *kapha* begleitet erzeugt der *vāyu* fünf Arten von *hikkā*: die durch Nahrung entstandene, die paarweise auftretende, die geringfügige, die tiefsitzende und die heftige.

mukhaṃ kaṣāyamaratirgauravaṃ kaṇṭhavakṣasoḥ pūrvarūpāṇi hikkānāmāṭopo jaṭharasya ca

Ein zusammenziehender Mundgeschmack, Unruhe, Schwere in Kehle und Brust sowie Blähung des Bauches sind die Vorzeichen des *hikkā*.

tvaramāṇasya cāhāraṃ bhuñjānasyāthavā ghanam vāyurannairavastīrṇaḥ kaṭukairardito bhṛśam

Bei jemandem, der hastig isst oder schwere Speisen zu sich nimmt, wird der *vāyu*, nicht von der Nahrung eingehüllt und durch Schärfe heftig gereizt, nach oben getrieben.

hikkayatyūrdhvago bhūtvā tāṃ vidyādannajāṃ bhiṣak cireṇa yamalairvegairyā hikkā saṃpravartate

Er steigt empor und verursacht *hikkā*; diesen erkenne der Arzt als den durch Nahrung entstandenen. Der *hikkā*, der sich in langsam aufeinanderfolgenden, paarweisen Stößen einstellt,

kampayantī śirogrīvaṃ yamalāṃ tāṃ vinirdiśet vikṛṣṭakālairyā vegairmandaiḥ samabhivartate

und dabei Kopf und Nacken erzittern lässt, werde als der paarweise auftretende bezeichnet. Der *hikkā*, der in weiten zeitlichen Abständen mit schwachen Stößen auftritt,

kṣudri kā nāma sā hikkā jatrumūlāt pradhāvitā nābhipravṛttā yā hikkā ghorā gambhīranādinī

heißt der geringfügige Schluckauf. Der *hikkā* jedoch, der vom Schlüsselbeinansatz ausgeht, sich bis zum Nabel erstreckt, grausam ist und mit tiefem Ton ertönt,

śuṣkauṣṭhakaṇṭhajihvāsyaśvāsapārśvarujākarī anekopadra vayutā gambhīrā nāma sā smṛtā

Lippen, Kehle, Zunge und Mund austrocknet, Atemnot und Flankenschmerzen hervorruft und mit zahlreichen Begleiterscheinungen einhergeht, wird als der tiefsitzende *hikkā* bezeichnet.

marmāṇyāpīḍayantīva satataṃ yā pravartate dehamāyamya vegena ghoṣayatyatitṛṣyataḥ mahāhikketi sā jñeyā sarvagātraprakampinī

Der *hikkā*, der unablässig auftritt, als wolle er die lebenswichtigen Punkte (*marman*) zerdrücken, der den Körper mit Wucht durchbiegt und ihn mit Getöse in großen Durst versetzt, wobei alle Glieder erzittern, ist als der große Schluckauf zu erkennen.

āyamyate hikkato'ṅgāni yasya dṛṣṭiścordhvaṃ tāmyate yasya gāḍham kṣīṇo'nnadviṭ kāsate yaśca hikkī tau dvāvantyau varjayeddhikkamānau

Zwei der von *hikkā* betroffenen Kranken meide man als unheilbar: denjenigen, dessen Glieder sich durch den *hikkā* verkrampfen und dessen Blick sich nach oben verdreht und heftig erlischt, sowie denjenigen, der geschwächt, appetitlos ist und dabei hustet.

prāṇāyāmodvejanatrāsanāni sūcītodaiḥ saṃmbhramaścātra śastaḥ yaṣṭyāhvaṃ vā mākṣikeṇāvapīḍe pippalyo vā śarkarācūrṇayuktāḥ

Angezeigt sind hier Atemanhalten (*prāṇāyāma*), Erschreckung und plötzliches Erschrecken durch Nadelstiche sowie ein herbeigeführtes Durcheinander; ebenso Süßholz mit Honig als Nasentropfen (*avapīḍa*), oder Pippalī, mit Zuckerpulver versetzt.

sarpiḥ koṣṇaṃ kṣīramikṣo raso vā nātikṣīṇe chardanaṃ śāntihetoḥ nārīpayaḥpiṣṭamaśuklacandanaṃ ghṛtaṃ sukhoṣṇaṃ ca sasaindhavaṃ tathā

Angenehm warmes Ghee, Milch oder Zuckerrohrsaft; bei einem nicht allzu geschwächten Kranken auch ein Brechmittel zur Beruhigung; ferner mit Frauenmilch verriebenes rotes Sandelholz sowie angenehm warmes, mit Steinsalz (*saindhava*) versetztes Ghee.

cūrṇīkṛtaṃ saindhavamambhasā'thavā nihanti hikkāṃ ca hitaṃ ca nasyataḥ yuñjyāddhūmaṃ śālaniryāsajātaṃ naipālaṃ vā goviṣāṇodbhavaṃ vā

Auch pulverisiertes, in Wasser gelöstes *saindhava* vertreibt den *hikkā*; heilsam ist auch eine Nasenmedikation (*nasya*); man wende ferner ein Räucherwerk aus Śāla-Harz an, oder aus nepalesischem Harz, oder aus verbranntem Rinderhorn.

sarpiḥsnigdhaiścarmabālaiḥ kṛtaṃ vā hikkāsthāne svedanaṃ cāpi kāryam kṣaudro petaṃ gairikaṃ kāñcanāhvaṃ lihyādbhasma grāmyasattvāsthijaṃ vā

Man kann auch mit Ghee getränkten Fellhaaren eine Schwitzbehandlung (*svedana*) an der Stelle des *hikkā* durchführen; man lecke mit Honig versetzte rote Ockererde, Kāñcanāhva, oder Asche aus den Knochen von Haustieren.

tadvacchvāvinmeṣagośalyakānāṃ romāṇyantardhūmadagdhāni cātra madhvājyāktaṃ barhipatraprasūtamevaṃ bhasmaudumbaraṃ tailvakaṃ vā

Ebenso nützlich sind die im Verborgenen verbrannten Haare von Hund, Schaf, Rind und Stachelschwein; ebenso mit Honig und Ghee vermengte Asche aus Pfauenfedern oder aus Udumbara-Holz, oder *tailvaka*-Ghee.

svarjikṣāraṃ bījapūrādra sena kṣaudro petaṃ hanti līḍhvā''śu hikkām sarpiḥ snigdhā ghnanti hikkāṃ yavāgvaḥ koṣṇagrāsāḥ pāyaso vā sukhoṣṇaḥ

Svarjikṣāra, mit Zitronensaft und Honig versetzt und geleckt, vertreibt rasch den *hikkā*; öliges Ghee sowie angenehm warmer, in kleinen Schlucken genommener Getreideschleim oder angenehm warmer Milchreis vertreiben ebenfalls den *hikkā*.

śuṇṭhītoye sādhitaṃ kṣīramājaṃ tadvat pītaṃ śarkarāsaṃyutaṃ vā ātṛptervā sevyamānaṃ nihanyād ghrātaṃ hikkāmāśu mūtraṃ tvajāvyoḥ

Mit Ingwerwasser gekochte Ziegenmilch, getrunken oder mit Zucker versetzt, bis zur Sättigung eingenommen, vertreibt den *hikkā*; auch das Riechen an Ziegen- oder Schafsurin vertreibt ihn rasch.

sapūtikīṭaṃ laśunogragandhāhiṅgvabjamācūrṇya subhāvitaṃ tat kṣaudraṃ sitāṃ vāraṇakeśaraṃ ca pibedra senekṣumadhūkajena

Man zerstoße Pūtikīṭa zusammen mit Knoblauch, Ugragandhā, Asant und Alaun, bereite dies gut zu und trinke es mit Honig, Zucker und Vāraṇakeśara, versetzt mit dem Saft von Zuckerrohr oder Madhūka.

pibet palaṃ vā lavaṇottamasya dvābhyāṃ palābhyāṃ haviṣaḥ samagram harītakīṃ koṣṇajalānupānāṃ pibedghṛtaṃ kṣāramadhūpapannam

Man trinke ein Pala des vortrefflichsten Salzes zusammen mit zwei Pala Ghee, vollständig aufgelöst; man esse Harītakī, gefolgt von angenehm warmem Wasser als Nachtrunk, oder trinke Ghee, versetzt mit Alkaliasche (*kṣāra*) und Honig.

rasaṃ kapitthānmadhupippalībhyāṃ śuktipramāṇaṃ prapibet sukhāya

Zum Wohlbefinden trinke man den Saft der *kapittha*-Frucht in der Menge einer Muschelschale, versetzt mit Honig und Pippalī.

kṛṣṇāṃ sitāṃ cāmalakaṃ ca līḍhaṃ saśṛṅgaveraṃ madhunā'thavā'pi kolāsthimajjāñjanalājacūrṇaṃ hikkā nihanyānmadhunā'valīḍham

Pippalī, Zucker und Āmalakī, zusammen mit Ingwer und Honig geleckt, oder ein mit Honig geleckter Pulver aus dem Kernmark der *kola*-Frucht, Augensalbe (*añjana*) und geröstetem Reis vertreibt den *hikkā*.

pāṭalāyāḥ phalaṃ puṣpaṃ gairikaṃ kaṭurohiṇī kharjūramadhyaṃ māgadhyaḥ kāśīśaṃ dadhināma ca

Frucht und Blüte der Pāṭalā, rote Ockererde, Kaṭurohiṇī, das Mark der Dattel, Pippalī, Kāśīśa (Eisenvitriol) und Dickmilch –

catvāra ete yogāḥ syuḥ pratipādapradarśitāḥ madhudvitīyāḥ kartavyāste hikkāsu vijānatā

aus diesen Mitteln soll der Kundige vier Rezepturen bilden, wie sie hier je einzeln aufgezeigt wurden, jeweils mit Honig als zweitem Bestandteil, und sie bei *hikkā* anwenden.

kapotapārāvatalāvaśakaśvadaṃṣṭragodhāvṛṣadaṃśajān rasān pibet phalāmlānahimān sasaindhavān snigdhāṃstathaivarṣyamṛgadvijodbhavān

Man trinke die mit Fruchtsäure gewürzten, nicht gekühlten, mit *saindhava* versetzten und öligen Fleischbrühen von Taube, Ringeltaube, Wachtel, Rebhuhn, Śvadaṃṣṭra-Vogel, Waran und Vṛṣadaṃśa, ebenso solche von Bergtieren, Wildtieren und Vögeln.

virecanaṃ pathyatamaṃ sasaindhavaṃ ghṛtaṃ sukhoṣṇaṃ ca sitopalāyutam sadāgatāvūrdhvagate'nuvāsanaṃ vadanti kecicca hitāya hikkinām

Ein Abführmittel (*virecana*) ist am zuträglichsten; ebenso angenehm warmes, mit *saindhava* und Kandiszucker versetztes Ghee. Manche empfehlen zum Wohl der *hikkā*-Kranken auch ein Ölklistier (*anuvāsana*), wenn der Wind ständig nach oben strebt.

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