athātaḥ pakṣmakopapratiṣedhaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir das Kapitel über die Behandlung des *pakṣmakopa* (der Wimpernstörung) erklären.
Suśruta-Saṃhitā · Uttaratantra
Das sechzehnte Kapitel behandelt pakṣmakopa, die als schwer heilbar geltende Wimpernstörung, bei der fehlgeleitete, das Auge reizende Wimpern entstehen. Vier chirurgische Verfahren werden vorgestellt: ein querer Hautschnitt oberhalb des Lides mit anschließender Naht, das Herausschneiden eines gerstenkornförmigen, die Wimpern tragenden Hautstücks, die Kauterisation der fehlerhaften Hautfalte (vali) mit Feuer oder Ätzmittel sowie das Abschneiden der überzähligen Wimpernreihe (upapakṣmamālā) mit anschließender Betupfung durch Alaun oder Pathyā-Frucht. Ergänzend werden Abführmittel, Augenträufelung, Räucherung, Umschläge, Augensalben, Ölung und Säfte als begleitende Behandlung genannt. Das kurze, technisch klare Kapitel zeigt beispielhaft, wie die klassische Augenchirurgie bei chronischen, mechanisch bedingten Lidstörungen zwischen mehreren gleichwertigen operativen Zugängen wählt.
athātaḥ pakṣmakopapratiṣedhaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir das Kapitel über die Behandlung des *pakṣmakopa* (der Wimpernstörung) erklären.
yathovāca bhagavān dhanvantariḥ
So, wie es der erhabene Dhanvantari verkündet hat.
yāpyastu yo vartmabhavo vikāraḥ pakṣmaprakopo'bhihitaḥ purastāt tatropaviṣṭasya narasya carma vartmopariṣṭādanutiryageva
Bei der als *yāpya* (schwer heilbar, doch behandelbar) geltenden Störung, die vom *vartman* (Lid) ausgeht und zuvor als *pakṣmaprakopa* (Wimpernentzündung) bezeichnet wurde: Bei dem dort sitzenden Mann schneide man die Haut oberhalb des Lides der Breite nach quer ein.
bhruvoradhastāt parimucya bhāgau pakṣmāśritaṃ caikamato'vakṛntet kanīnakāpāṅgasamaṃ samantādyavākṛti snigdhatanornarasya
Nachdem man unterhalb der Augenbrauen beide Hautteile gelöst hat, soll man bei dem Mann von öliger Konstitution ringsum ein die Wimpern tragendes Stück gerstenkornförmig herausschneiden, das von der Karunkel bis zum äußeren Augenwinkel reicht.
utkṛtya śastreṇa yavapramāṇaṃ bālena sīvyedbhiṣagapramattaḥ dattvā ca darpirmadhunā'vaśeṣaṃ kuryādvidhānaṃ vihitaṃ vraṇe yat
Nachdem er es mit dem Messer in Gerstenkorngröße herausgeschnitten hat, soll der aufmerksame Arzt es mit einem Haar vernähen; und nachdem er Ghee mit Honig aufgetragen hat, soll er im Übrigen die für eine Wunde vorgeschriebene Behandlung durchführen.
lalāṭadeśe ca nibaddhapaṭṭaṃ prāksyūtamatrāpyaparaṃ ca baddhvā sthairyaṃ gate cāpyatha śastramārge bālān vimuñcet kuśalo'bhivīkṣya
An der Stirngegend soll er einen zuvor genähten Verband befestigen und einen weiteren binden; und wenn die Schnittstelle Festigkeit erlangt hat, soll der erfahrene Arzt nach genauer Prüfung das Nähhaar wieder lösen.
evaṃ na cecchāmyati tasya vartma nirbhujya doṣopahatāṃ vali ca tato'gninā vā pratisārayettāṃ kṣāreṇa vā samyagavekṣya dhīraḥ
Beruhigt sich die Störung so nicht, soll der besonnene Arzt, nachdem er dessen Lid umgestülpt hat, die vom *doṣa* befallene *vali* (Hautfalte) genau untersuchen und sie dann entweder mit Feuer oder mit *kṣāra* (Ätzmittel) kauterisieren.
chittvā samaṃ vā'pyupapakṣmamālāṃ samyaggṛhītvā baḍiśaistribhistu pathyāphalena pratisārayettu ghṛṣṭena vā tauvarakeṇa samyak
Oder er soll die *upapakṣmamālā* (Reihe der überzähligen Wimpern), nachdem er sie mit drei *baḍiśa* (Häkchen) gut gefasst hat, gleichmäßig abschneiden und sie dann sorgfältig mit geriebener *pathyā*-Frucht oder mit *tauvaraka* (einer Alaunsubstanz) betupfen.
catvāra ete vidhayo vihantuṃ pakṣmoparodhaṃ pṛthageva śastāḥ virecanāścyotanadhūmanasya lepāñjanasneharasakriyāśca
Diese vier Verfahren werden einzeln zur Beseitigung des *pakṣmoparodha* (der Wimpernbehinderung) empfohlen, ferner die Anwendung von *virecana* (Abführmitteln), *āścyotana* (Augenträufelung), *dhūmana* (Räucherung) sowie von Umschlag, Augensalbe, Ölbehandlung und Säften.