athāta udāvartapratiṣedhamadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun werden wir das Kapitel über die Behandlung des *udāvarta* (Aufwärtsdrängen der Winde durch Unterdrückung natürlicher Bedürfnisse) erläutern.
Suśruta-Saṃhitā · Uttaratantra
Das Kapitel über udāvarta behandelt die Folgen unterdrückter natürlicher Körperregungen. Der Text zählt dreizehn Formen auf, je nachdem, ob Wind, Stuhl, Harn, Gähnen, Tränen, Niesen, Aufstoßen, Erbrechen, Hunger, Durst, Atem, Schlaf oder Samen zurückgehalten wurden, dazu eine vierzehnte, durch unzuträgliche Nahrung entstandene Form, und beschreibt für jede die charakteristischen Beschwerden – von Kopf- und Blasenschmerz bis zu Augenleiden nach unterdrückten Tränen. Die Behandlung ist entsprechend vielfältig: Ölung und Schwitzung, Klistiere (āsthāpana, anuvāsana), gezieltes Wiederauslösen der unterdrückten Regung – etwa künstliches Niesen oder Weinen – sowie zahlreiche harntreibende und windvertreibende Rezepturen mit Trivṛt, Hiṅgu und Kuṣṭha. Ein zweiter, ausführlicherer Teil behandelt den durch trockene, scharfe Speisen im Bauchraum selbst entstehenden udāvarta mit eigenen Klistier- und Zäpfchenrezepten.
| Unterdrückte Regung | Folgen |
|---|---|
| Wind (vāta) | Blähung, Kolik, Herzbeklemmung, Kopfschmerz, Atemnot, Schluckauf, Husten, Schnupfen, Halsstarre |
| Kot | Kot kann durch den Mund austreten; Blähungen, Koliken, Stuhlverhaltung |
| Harn | tröpfchenweises, schmerzhaftes Harnen; Koliken in Harnröhre, After, Leiste, Blase, Hoden, Nabel oder Kopf |
| Gähnen | Nackenstarre, Halsstarre, windbedingte Kopfleiden, Krankheiten von Ohren, Mund, Nase, Augen |
| Tränen | Schweregefühl im Kopf, heftige Augenleiden, Schnupfen |
| Niesen | Krankheiten in Kopf, Augen, Nase, Ohren; Völlegefühl in Hals und Mund, Stechen, ausbleibender Windabgang |
| Aufstoßen | schreckliche, vom Wind hervorgerufene Krankheiten |
| Erbrechen | kuṣṭha (Hautkrankheit) |
| Hunger | Mattigkeit, Gliederschmerzen, Appetitlosigkeit, Verwirrung, Schwächung des Sehvermögens |
| Durst | Trockenheit von Hals und Mund, Schwerhörigkeit, Schmerz im Herzen |
| Atem | Herzleiden, Bewusstseinstrübung, gulma (Bauchgeschwulst) |
| Schlaf | Gähnen, Gliederschmerz, Erstarrung von Gliedern, Kopf und Augen, Schläfrigkeit |
| Samen | aśmarī (Blasenstein) oder unwillkürlicher Samenerguss |
| Unzuträgliche Nahrung (Sonderform) | Schmerz in Herz und Blase, Schweregefühl, Appetitlosigkeit, Atemnot, Husten, Schnupfen, Brennen, Bewusstseinstrübung, Erbrechen, Fieber, Durst, Schluckauf, Kopfschmerz |
athāta udāvartapratiṣedhamadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun werden wir das Kapitel über die Behandlung des *udāvarta* (Aufwärtsdrängen der Winde durch Unterdrückung natürlicher Bedürfnisse) erläutern.
yathovāca bhagavān dhanvantariḥ
So wie es der erhabene Dhanvantari sprach:
adhaścordhvaṃ ca bhāvānāṃ pravṛttānāṃ svabhāvataḥ na vegān dhārayet prājño vātādīnāṃ jijīviṣuḥ
Der Weise, der leben will, unterdrücke nicht die von Natur aus nach unten oder oben drängenden Regungen — die Dränge des *vāta* (Windhumor) und der übrigen natürlichen Bedürfnisse.
vātaviṇmūtrajṛmbhāśrukṣavodgāravamīndri yaiḥ vyāhanyamānairuditairudāvarto nirucyate
Wenn die aufsteigenden Regungen von Wind, Kot, Harn, Gähnen, Tränen, Niesen, Aufstoßen und Erbrechen unterdrückt werden, entsteht das, was man *udāvarta* nennt.
kṣuttṛṣṇāśvāsanidrā ṇāmudāvarto vidhāraṇāt tasyābhidhāsye vyāsena lakṣaṇaṃ ca cikitsitam
Ebenso entsteht *udāvarta* durch das Unterdrücken von Hunger, Durst, Atmung und Schlaf. Ich werde nun ausführlich seine Kennzeichen und seine Behandlung darlegen.
trayodaśavidhaścāsau bhinna etaistu kāraṇaiḥ apathyabhojanāccāpi vakṣyate ca tathā'paraḥ
Dreizehnfach ist er, unterschieden durch diese Ursachen; ein weiterer, der durch unzuträgliche Nahrung entsteht, wird ebenfalls noch beschrieben werden.
ādhmānaśūlau hṛdayoparodhaṃ śirorujaṃ śvāsamatīva hikkām kāsapratiśyāyagalagrahāṃśca balāsapittaprasaraṃ ca ghoram
[Die Unterdrückung des Windes] verursacht Blähung und Kolik, Beklemmung des Herzens, Kopfschmerz, heftige Atemnot, Schluckauf, Husten, Schnupfen, Halsstarre sowie ein bedrohliches Übermaß an *balāsa* (zähem Schleim, kapha) und *pitta* (Gallenhumor).
kuryādapāno'bhihataḥ svamārge hanyāt purīṣaṃ mukhataḥ kṣipedvā āṭopaśūlau parikartanaṃ ca saṅgaḥ purīṣasya tathordhvavātaḥ
Wird der *apāna* (der abwärtsgerichtete vāta) [durch Unterdrückung] geschädigt, so treibt er den Kot aus seiner natürlichen Bahn und schleudert ihn womöglich durch den Mund aus; es entstehen Blähungen und Koliken, ein schneidender Schmerz, Stuhlverhaltung sowie ein Aufsteigen des Windes.
purīṣamāsyādapi vā nireti purīṣavege'bhihate narasya mūtrasya vege'bhihate narastu kṛcchreṇa mūtraṃ kurute'lpamalpam
Wird der Stuhldrang unterdrückt, so kann der Kot sogar durch den Mund austreten; wird der Harndrang unterdrückt, so lässt der Mann den Harn nur unter Beschwerden und tröpfchenweise ab.
meḍhre gude vaṅkṣaṇabastimuṣkanābhipradeśeṣvathavā'pi mūrdhni ānaddhabastiśca bhavanti tīvrāḥ śūlāśca śūlairiva bhinnamūrteḥ
In der Harnröhre, im After, in der Leistengegend, in der Blase, in den Hoden, im Nabelbereich oder auch im Kopf treten heftige Koliken auf, dazu eine verhärtete, aufgetriebene Blase, als sei der Körper von Speeren durchbohrt.
manyāgalastambhaśirovikārā jṛmbhopaghātāt pavanātmakāḥ syuḥ śrotrānanaghrāṇavilocanotthā bhavanti tīvrāśca tathā vikārāḥ
Durch die Schädigung des Gähnens entstehen Nackenstarre, Halsstarre und Kopfleiden windhafter Natur sowie heftige Krankheiten, die von den Ohren, dem Mund, der Nase und den Augen ausgehen.
ānandajaṃ śokasamudbhavaṃ vā netrodakaṃ prāptamamuñcato hi śirogurutvaṃ nayanāmayāśca bhavanti tīvrāḥ saha pīnasena
Wer die aus Freude oder aus Kummer entstandene, in die Augen tretende Träne nicht fließen lässt, bei dem entstehen Schweregefühl im Kopf sowie heftige Augenleiden zusammen mit Schnupfen.
bhavanti gāḍhaṃ kṣavathorvighātācchirokṣināsāśravaṇeṣu rogāḥ kaṇṭhāsyapūrṇatvamatīva todaḥ kūjaśca vāyoruta vā'pravṛttiḥ
Durch die heftige Unterdrückung des Niesens entstehen Krankheiten in Kopf, Augen, Nase und Ohren, ein Völlegefühl in Hals und Mund, starkes Stechen, ein Knurren [im Bauch] sowie ein Ausbleiben des Windabgangs.
udgāravege'bhihate bhavanti ghorā vikārāḥ pavanaprasūtāḥ chardervighātena bhavecca kuṣṭhaṃ yenaiva doṣeṇa vidagdhamannam
Wird der Drang zum Aufstoßen unterdrückt, entstehen schreckliche, vom Wind hervorgerufene Krankheiten; durch die Unterdrückung des Erbrechens entsteht *kuṣṭha* (eine Hautkrankheit), verursacht von demselben *doṣa* (krankheitsverursachenden Körpersaft), durch den die Speise verdorben wurde.
mūtrāśaye pāyuni muṣkayośca śopho rujo mūtravinigrahaśca śukrāśmarī tatsravaṇaṃ bhavedvā te te vikārā vihate tu śukre
In der Harnblase, im After und in den Hoden entstehen Schwellung und Schmerz sowie Harnverhaltung; bei unterdrücktem Samen entstehen *aśmarī* (Blasenstein) oder ein unwillkürlicher Samenerguss und ähnliche Störungen.
tandrā ṅgamardārucivibhramāḥ syuḥ kṣudho'bhighātāt kṛśatā ca dṛṣṭeḥ kaṇṭhāsyaśoṣaḥ śravaṇāvarodhastṛṣṇābhighātāddhṛdaye vyathā ca
Durch die Unterdrückung des Hungers entstehen Mattigkeit, Gliederschmerzen, Appetitlosigkeit und Verwirrung sowie eine Schwächung des Sehvermögens; durch die Unterdrückung des Durstes entstehen Trockenheit von Hals und Mund, Schwerhörigkeit und Schmerz im Herzen.
śrāntasya niḥśvāsavinigraheṇa hṛdro gamohāvathavā'pi gulmaḥ jṛmbhā'ṅgamardo'ṅgaśirokṣijāḍyaṃ nidrā bhighātādathavā'pi tandrā
Bei einem Erschöpften entstehen durch das Zurückhalten des Atems Herzleiden und Bewusstseinstrübung oder auch ein *gulma* (Bauchgeschwulst); durch die Unterdrückung des Schlafes entstehen Gähnen, Gliederschmerz, Erstarrung von Gliedern, Kopf und Augen, oder auch Schläfrigkeit.
tṛṣṇārditaṃ parikliṣṭaṃ kṣīṇaṃ śūlairabhidrutam śakṛdvamantaṃ matimānudāvartinamutsṛjet
Einen vom *udāvarta* Befallenen, der von Durst gequält, erschöpft, ausgezehrt und von Koliken überwältigt ist und Kot erbricht, soll der kluge Arzt aufgeben.
sarveṣveteṣu vidhivadudāvarteṣu kṛtsnaśaḥ vāyoḥ kriyā vidhātavyāḥ svamārgapratipattaye
Bei all diesen Formen des *udāvarta* insgesamt ist vorschriftsmäßig eine Behandlung des Windes durchzuführen, damit er in seine natürliche Bahn zurückkehrt.
sāmānyataḥ pṛthaktvena kriyāṃ bhūyo nibodha me āsthāpanaṃ mārutaje snigdhasvinne viśiṣyate
Vernimm nun weiter von mir die Behandlung, sowohl allgemein als auch im Einzelnen: Bei dem vom Wind [verursachten *udāvarta*] ist, nachdem der Kranke geölt und geschwitzt wurde, das *āsthāpana* (Reinigungsklistier) besonders geeignet.
purīṣaje tu kartavyo vidhirānāhiko bhavet sauvarcalāḍhyāṃ madirāṃ mūtre tvabhihate pibet
Bei dem durch Kot [verursachten *udāvarta*] ist die für Stuhlverhaltung vorgeschriebene Behandlung anzuwenden; bei unterdrücktem Harndrang trinke man mit Sauvarcala-Salz angereicherten Branntwein,
elāṃ vā'pyatha madyena kṣīraṃ vā'pi pibennaraḥ dhātrīphalānāṃ svarasaṃ sajalaṃ vā pibettryaham
oder Kardamom mit Wein, oder man trinke Milch; oder man trinke drei Tage lang den mit Wasser vermischten Frischsaft von Āmalaka-Früchten.
rasamaśvapurīṣasya gardabhasyāthavā pibet māṃsopadaṃśaṃ madhu vā pibedvā sīdhu gauḍikam
Oder man trinke den ausgepressten Saft von Pferde- oder Eselsmist, mit Fleisch als Zukost, oder Honig, oder man trinke Melassewein.
bhadra dāru ghanaṃ mūrvā haridrā madhukaṃ tathā kolapramāṇāni pibedāntarikṣeṇa vāriṇā
Bhadradāru, Musta, Mūrvā, Kurkuma und ebenso Süßholz, je in der Menge einer Brustbeere, trinke man mit Regenwasser.
duḥsparśāsvarasaṃ vā'pi kaṣāyaṃ kuṅkumasya ca ervārubījaṃ toyena pibedvā'lavaṇīkṛtam
Oder man trinke den Frischsaft von Duḥsparśā oder einen Sud aus Safran; oder man trinke Gurkensamen mit Wasser, ungesalzen.
pañcamūlīśṛtaṃ kṣīraṃ drā kṣārasamathāpi vā yogāṃśca vitaredatra pūrvoktānaśmarībhidaḥ
Mit den fünf Wurzeln gekochte Milch, oder ebenso Weintraubensaft, trinke man; auch verabreiche man hierbei die früher genannten *aśmarībhid* (steinauflösenden) Mittel.
mūtrakṛcchrakramaṃ cāpi kuryānniravaśeṣataḥ bhūyo vakṣyāmi yogān yān mūtrāghātopaśāntaye snehaiḥ svedairudāvartaṃ jṛmbhājaṃ samupācaret aśrumokṣo'śruje kāryaḥ snigdhasvinnasya dehinaḥ
Man wende auch die vollständige Behandlung für *mūtrakṛcchra* (schmerzhaften Harndrang) an. Ich werde ferner die Mittel nennen, die zur Beruhigung der Harnverhaltung dienen. Den durch Unterdrückung des Gähnens entstandenen *udāvarta* behandle man mit Ölungen und Schwitzungen; bei dem durch unterdrückte Tränen entstandenen lasse man den geölten und geschwitzten Kranken Tränen vergießen.
tīkṣṇāñjanāvapīḍābhyāṃ tīkṣṇagandhopaśiṅghanaiḥ vartiprayogairathavā kṣavasaktiṃ pravartayet
Mit scharfem *añjana* (Augensalbe) und *avapīḍa* (Nasenpressung), mit dem Einatmen scharf riechender Stoffe oder mit dem Gebrauch von Räucherstäbchen bringe man den Niesreiz in Gang.
udgāraje kramopetaṃ snaihikaṃ dhūmamācaret
Bei dem durch unterdrücktes Aufstoßen entstandenen [*udāvarta*] wende man ordnungsgemäß eine ölige *dhūma* (Rauchtherapie) an.
surāṃ sauvarcalavatīṃ bījapūrarasānvitām chardyāghātaṃ yathādoṣaṃ samyak snehādibhirjayet
Branntwein mit Sauvarcala-Salz, versetzt mit dem Saft der Zitronatzitrone — damit überwinde man die durch Unterdrückung des Erbrechens entstandene Störung entsprechend dem beteiligten *doṣa* gründlich mit Ölungen und Ähnlichem.
sakṣāralavaṇopetamabhyaṅgaṃ cātra dāpayet bastiśuddhikarāvāpaṃ caturguṇajalaṃ payaḥ
Hierbei verordne man eine mit *kṣāra* (Ätzlauge) und Salz versetzte Einreibung; ferner Milch mit der vierfachen Menge Wasser,
āvārināśāt kvathitaṃ pītavantaṃ prakāmataḥ ramayeyuḥ priyā nāryaḥ śukrodāvartinaṃ naram
gekocht bis das Āvāri-Kraut vergangen ist, nach Belieben getrunken; danach mögen die geliebten Frauen den vom Samen-*udāvarta* befallenen Mann [zum Beischlaf] erfreuen.
kṣudvighāte hitaṃ snigdhamuṣṇamalpaṃ ca bhojanam tṛṣṇāghāte pibenmanthaṃ yavāgūṃ vā'pi śītalām
Bei Unterdrückung des Hungers ist ölige, warme und geringe Nahrung zuträglich; bei Unterdrückung des Durstes trinke man ein Rührgetränk oder kühlen Gerstenschleim.
bhojyo rasena viśrāntaḥ śramaśvāsāturo naraḥ nidrā ghāte pibet kṣīraṃ svapyācceṣṭakathā naraḥ
Ein von Erschöpfung und Atemnot geplagter Mann werde, nachdem er sich ausgeruht hat, mit Fleischbrühe gespeist; bei Unterdrückung des Schlafes trinke er Milch, und man lasse ihn schlafen, indem man ihm von angenehmen Dingen erzählt.
ādhmānādyeṣu rogeṣu yathāsvaṃ prayateta hi yacca yatra bhavetprāptaṃ tacca tasmin prayojayet
Bei Blähung und den übrigen genannten Krankheiten bemühe man sich jeweils entsprechend; was immer wo angezeigt ist, das wende man dort auch an.
vāyuḥ koṣṭhānugo rūkṣaiḥ kaṣāyakaṭutiktakaiḥ bhojanaiḥ kupitaḥ sadya udāvartaṃ karoti hi
Der im Bauchraum befindliche Wind, durch trockene, herbe, scharfe und bittere Speisen erregt, verursacht sogleich [einen weiteren] *udāvarta*.
vātamūtrapurīṣāsṛkkaphamedovahāni vai srotāṃsyudāvartayati purīṣaṃ cātivartayet
Er lässt die *srotas* (Körperkanäle), die Wind, Harn, Kot, Blut, *kapha* (Schleimhumor) und Fett führen, [in verkehrter Richtung] hochsteigen und treibt den Kot über sein normales Maß hinaus.
tato hṛdbastiśūlārto gauravārucipīḍitaḥ vātamūtrapurīṣāṇi kṛcchreṇa kurute naraḥ
Dadurch von Schmerzen in Herz und Blase geplagt sowie von Schweregefühl und Appetitlosigkeit gequält, entlässt der Mann Wind, Harn und Kot nur unter Beschwerden.
śvāsakāsapratiśyāyadāhamohavamijvarān tṛṣṇāhikkāśirorogamanaḥśravaṇavibhramān
[Er erleidet] Atemnot, Husten, Schnupfen, Brennen, Bewusstseinstrübung, Erbrechen, Fieber, Durst, Schluckauf, Kopfschmerz sowie Verwirrung von Geist und Gehör,
labhate ca bahūnanyān vikārān vātakopajān taṃ tailalavaṇābhyaktaṃ snigdhaṃ svinnaṃ nirūhayet
und noch viele weitere, aus erregtem Wind entstehende Krankheiten. Diesen [Kranken] salbe man mit Öl und Salz ein, öle und schwitze ihn und behandle ihn dann mit einem *nirūha* (Dekokt-Klistier).
doṣato bhinnavarcaskaṃ bhuktaṃ cāpyanuvāsayet na cecchāntiṃ vrajatyevamudāvartaḥ sudāruṇaḥ
Je nach dem beteiligten *doṣa* gebe man ihm, nachdem der Stuhl gelöst ist und er gegessen hat, ein *anuvāsana* (ölendes Klistier); kommt der überaus schreckliche *udāvarta* so dennoch nicht zur Ruhe,
athainaṃ bahuśaḥ svinnaṃ yuñjyāt snehavirecanaiḥ pāyayeta trivṛtpīluyavānīramlapācanaiḥ
so behandle man ihn, nachdem man ihn wiederholt geschwitzt hat, mit öligen Abführmitteln; man gebe ihm Trivṛt, Pīlu und Ajowan mit sauren, verdauungsfördernden Zutaten zu trinken,
hiṅgukuṣṭhavacāsvarjiviḍaṅgaṃ vā dviruttaram yogāvetāvudāvartaṃ śūlaṃ cānilajaṃ hataḥ
oder Hiṅgu, Kuṣṭha, Vacā, Svarjikā-Lauge und Viḍaṅga in doppelt zunehmender Menge. Diese beiden Rezepturen vernichten den *udāvarta* und die vom Wind erzeugte Kolik.
devadārvagnikau kuṣṭhaṃ śuṇṭhīṃ pathyāṃ palaṅkaṣām pauṣkarāṇi ca mūlāni toyasyardhāḍhake pacet
Devadāru, Citraka, Kuṣṭha, Trockenen Ingwer, Harītakī, Palaṅkaṣā und Pauṣkara-Wurzeln koche man in einem halben Āḍhaka Wasser ein,
pādāvaśiṣṭaṃ tat pītamudāvartamapohati mūlakaṃ śuṣkamārdraṃ ca varṣābhūḥ pañcamūlakam
bis nur noch ein Viertel übrig ist; getrunken beseitigt dies den *udāvarta*. Auch Rettich, getrocknet oder frisch, Varṣābhū und die fünf kleinen Wurzeln,
ārevataphalaṃ cāpsu paktvā tena ghṛtaṃ pacet tat pīyamānaṃ śāstyugramudāvartamaśeṣataḥ
sowie die Frucht des Ārevata koche man in Wasser, und mit diesem Sud koche man Ghee ein; getrunken beruhigt dies den heftigen *udāvarta* vollständig.
vacāmativiṣāṃ kuṣṭhaṃ yavakṣāraṃ harītakīm kṛṣṇāṃ nirdahanīṃ cāpi pibeduṣṇena vāriṇā
Vacā, Ativiṣā, Kuṣṭha, Gersten-*kṣāra*, Harītakī, Pippalī und Nirdahanī trinke man mit warmem Wasser.
ikṣvākumūlaṃ madanaṃ viśalyātiviṣe vacām kuṣṭhaṃ kiṇvāgnikau caiva pibettulyāni pūrvavat
Ikṣvāku-Wurzel, Madana, Viśalyā, Ativiṣā, Vacā, Kuṣṭha, Hefe und Citraka trinke man zu gleichen Teilen wie zuvor.
mūtreṇa devadārvagnitriphalābṛhatīḥ pibet yavaprasthaṃ phalaiḥ sārdhaṃ kaṇṭakāryā jalāḍhake
Mit Urin trinke man Devadāru, Citraka, Triphalā und die beiden Bṛhatī-Pflanzen; einen Prastha Gerste zusammen mit den Früchten der Kaṇṭakārī koche man in einem Āḍhaka Wasser,
paktvā'rdhaprasthaśeṣaṃ tu pibeddhiṅgusamanvitam madanālābubījāni pippalīṃ sanidigdhikām
bis ein halber Prastha übrig ist, und trinke dies mit Hiṅgu versetzt. Ebenso die Samen von Madana und Alābu, Pippalī zusammen mit Nidigdhikā,
saṃcūrṇya pradhamennāḍyā viśatyetadyathā gudam cūrṇaṃ nikumbhakampillaśyāmekṣvākvagnikodbhavam
zerreibe man zu Pulver und blase es mit einem Röhrchen ein, so dass es in den After eindringt; ebenso ein Pulver aus Nikumbha, Kampilla, Śyāmā, Ikṣvāku und Citraka,
kṛtavedhanamāgadhyorlavaṇānāṃ ca sādhayet gavāṃ mūtreṇa tā vartīḥ kārayettu gudānugāḥ sadyaḥ śarmakarāvetau yogāvamṛtasaṃmatau
sowie durchbohrte [Körner] von Pippalī und den Salzen bereite man mit Kuhurin zu Stäbchen, die man in den After einführt. Diese beiden Rezepturen wirken sogleich heilsam und gelten als einem Nektar (*amṛta*) gleich.