Quellen der Menschheit

Suśruta-Saṃhitā · Uttaratantra

Adhyāya 55: udāvartapratiṣedho Behandlung der Folgen unterdrückter Körperdränge (Udāvarta)

Das Kapitel über udāvarta behandelt die Folgen unterdrückter natürlicher Körperregungen. Der Text zählt dreizehn Formen auf, je nachdem, ob Wind, Stuhl, Harn, Gähnen, Tränen, Niesen, Aufstoßen, Erbrechen, Hunger, Durst, Atem, Schlaf oder Samen zurückgehalten wurden, dazu eine vierzehnte, durch unzuträgliche Nahrung entstandene Form, und beschreibt für jede die charakteristischen Beschwerden – von Kopf- und Blasenschmerz bis zu Augenleiden nach unterdrückten Tränen. Die Behandlung ist entsprechend vielfältig: Ölung und Schwitzung, Klistiere (āsthāpana, anuvāsana), gezieltes Wiederauslösen der unterdrückten Regung – etwa künstliches Niesen oder Weinen – sowie zahlreiche harntreibende und windvertreibende Rezepturen mit Trivṛt, Hiṅgu und Kuṣṭha. Ein zweiter, ausführlicherer Teil behandelt den durch trockene, scharfe Speisen im Bauchraum selbst entstehenden udāvarta mit eigenen Klistier- und Zäpfchenrezepten.

DIE VIERZEHN FORMEN DES UDĀVARTA NACH UNTERDRÜCKTER REGUNG (Vers 4–39)
Unterdrückte RegungFolgen
Wind (vāta)Blähung, Kolik, Herzbeklemmung, Kopfschmerz, Atemnot, Schluckauf, Husten, Schnupfen, Halsstarre
KotKot kann durch den Mund austreten; Blähungen, Koliken, Stuhlverhaltung
Harntröpfchenweises, schmerzhaftes Harnen; Koliken in Harnröhre, After, Leiste, Blase, Hoden, Nabel oder Kopf
GähnenNackenstarre, Halsstarre, windbedingte Kopfleiden, Krankheiten von Ohren, Mund, Nase, Augen
TränenSchweregefühl im Kopf, heftige Augenleiden, Schnupfen
NiesenKrankheiten in Kopf, Augen, Nase, Ohren; Völlegefühl in Hals und Mund, Stechen, ausbleibender Windabgang
Aufstoßenschreckliche, vom Wind hervorgerufene Krankheiten
Erbrechenkuṣṭha (Hautkrankheit)
HungerMattigkeit, Gliederschmerzen, Appetitlosigkeit, Verwirrung, Schwächung des Sehvermögens
DurstTrockenheit von Hals und Mund, Schwerhörigkeit, Schmerz im Herzen
AtemHerzleiden, Bewusstseinstrübung, gulma (Bauchgeschwulst)
SchlafGähnen, Gliederschmerz, Erstarrung von Gliedern, Kopf und Augen, Schläfrigkeit
Samenaśmarī (Blasenstein) oder unwillkürlicher Samenerguss
Unzuträgliche Nahrung (Sonderform)Schmerz in Herz und Blase, Schweregefühl, Appetitlosigkeit, Atemnot, Husten, Schnupfen, Brennen, Bewusstseinstrübung, Erbrechen, Fieber, Durst, Schluckauf, Kopfschmerz

athāta udāvartapratiṣedhamadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ

Nun werden wir das Kapitel über die Behandlung des *udāvarta* (Aufwärtsdrängen der Winde durch Unterdrückung natürlicher Bedürfnisse) erläutern.

yathovāca bhagavān dhanvantariḥ

So wie es der erhabene Dhanvantari sprach:

adhaścordhvaṃ ca bhāvānāṃ pravṛttānāṃ svabhāvataḥ na vegān dhārayet prājño vātādīnāṃ jijīviṣuḥ

Der Weise, der leben will, unterdrücke nicht die von Natur aus nach unten oder oben drängenden Regungen — die Dränge des *vāta* (Windhumor) und der übrigen natürlichen Bedürfnisse.

vātaviṇmūtrajṛmbhāśrukṣavodgāravamīndri yaiḥ vyāhanyamānairuditairudāvarto nirucyate

Wenn die aufsteigenden Regungen von Wind, Kot, Harn, Gähnen, Tränen, Niesen, Aufstoßen und Erbrechen unterdrückt werden, entsteht das, was man *udāvarta* nennt.

kṣuttṛṣṇāśvāsanidrā ṇāmudāvarto vidhāraṇāt tasyābhidhāsye vyāsena lakṣaṇaṃ ca cikitsitam

Ebenso entsteht *udāvarta* durch das Unterdrücken von Hunger, Durst, Atmung und Schlaf. Ich werde nun ausführlich seine Kennzeichen und seine Behandlung darlegen.

trayodaśavidhaścāsau bhinna etaistu kāraṇaiḥ apathyabhojanāccāpi vakṣyate ca tathā'paraḥ

Dreizehnfach ist er, unterschieden durch diese Ursachen; ein weiterer, der durch unzuträgliche Nahrung entsteht, wird ebenfalls noch beschrieben werden.

ādhmānaśūlau hṛdayoparodhaṃ śirorujaṃ śvāsamatīva hikkām kāsapratiśyāyagalagrahāṃśca balāsapittaprasaraṃ ca ghoram

[Die Unterdrückung des Windes] verursacht Blähung und Kolik, Beklemmung des Herzens, Kopfschmerz, heftige Atemnot, Schluckauf, Husten, Schnupfen, Halsstarre sowie ein bedrohliches Übermaß an *balāsa* (zähem Schleim, kapha) und *pitta* (Gallenhumor).

kuryādapāno'bhihataḥ svamārge hanyāt purīṣaṃ mukhataḥ kṣipedvā āṭopaśūlau parikartanaṃ ca saṅgaḥ purīṣasya tathordhvavātaḥ

Wird der *apāna* (der abwärtsgerichtete vāta) [durch Unterdrückung] geschädigt, so treibt er den Kot aus seiner natürlichen Bahn und schleudert ihn womöglich durch den Mund aus; es entstehen Blähungen und Koliken, ein schneidender Schmerz, Stuhlverhaltung sowie ein Aufsteigen des Windes.

purīṣamāsyādapi vā nireti purīṣavege'bhihate narasya mūtrasya vege'bhihate narastu kṛcchreṇa mūtraṃ kurute'lpamalpam

Wird der Stuhldrang unterdrückt, so kann der Kot sogar durch den Mund austreten; wird der Harndrang unterdrückt, so lässt der Mann den Harn nur unter Beschwerden und tröpfchenweise ab.

meḍhre gude vaṅkṣaṇabastimuṣkanābhipradeśeṣvathavā'pi mūrdhni ānaddhabastiśca bhavanti tīvrāḥ śūlāśca śūlairiva bhinnamūrteḥ

In der Harnröhre, im After, in der Leistengegend, in der Blase, in den Hoden, im Nabelbereich oder auch im Kopf treten heftige Koliken auf, dazu eine verhärtete, aufgetriebene Blase, als sei der Körper von Speeren durchbohrt.

manyāgalastambhaśirovikārā jṛmbhopaghātāt pavanātmakāḥ syuḥ śrotrānanaghrāṇavilocanotthā bhavanti tīvrāśca tathā vikārāḥ

Durch die Schädigung des Gähnens entstehen Nackenstarre, Halsstarre und Kopfleiden windhafter Natur sowie heftige Krankheiten, die von den Ohren, dem Mund, der Nase und den Augen ausgehen.

ānandajaṃ śokasamudbhavaṃ vā netrodakaṃ prāptamamuñcato hi śirogurutvaṃ nayanāmayāśca bhavanti tīvrāḥ saha pīnasena

Wer die aus Freude oder aus Kummer entstandene, in die Augen tretende Träne nicht fließen lässt, bei dem entstehen Schweregefühl im Kopf sowie heftige Augenleiden zusammen mit Schnupfen.

bhavanti gāḍhaṃ kṣavathorvighātācchirokṣināsāśravaṇeṣu rogāḥ kaṇṭhāsyapūrṇatvamatīva todaḥ kūjaśca vāyoruta vā'pravṛttiḥ

Durch die heftige Unterdrückung des Niesens entstehen Krankheiten in Kopf, Augen, Nase und Ohren, ein Völlegefühl in Hals und Mund, starkes Stechen, ein Knurren [im Bauch] sowie ein Ausbleiben des Windabgangs.

udgāravege'bhihate bhavanti ghorā vikārāḥ pavanaprasūtāḥ chardervighātena bhavecca kuṣṭhaṃ yenaiva doṣeṇa vidagdhamannam

Wird der Drang zum Aufstoßen unterdrückt, entstehen schreckliche, vom Wind hervorgerufene Krankheiten; durch die Unterdrückung des Erbrechens entsteht *kuṣṭha* (eine Hautkrankheit), verursacht von demselben *doṣa* (krankheitsverursachenden Körpersaft), durch den die Speise verdorben wurde.

mūtrāśaye pāyuni muṣkayośca śopho rujo mūtravinigrahaśca śukrāśmarī tatsravaṇaṃ bhavedvā te te vikārā vihate tu śukre

In der Harnblase, im After und in den Hoden entstehen Schwellung und Schmerz sowie Harnverhaltung; bei unterdrücktem Samen entstehen *aśmarī* (Blasenstein) oder ein unwillkürlicher Samenerguss und ähnliche Störungen.

tandrā ṅgamardārucivibhramāḥ syuḥ kṣudho'bhighātāt kṛśatā ca dṛṣṭeḥ kaṇṭhāsyaśoṣaḥ śravaṇāvarodhastṛṣṇābhighātāddhṛdaye vyathā ca

Durch die Unterdrückung des Hungers entstehen Mattigkeit, Gliederschmerzen, Appetitlosigkeit und Verwirrung sowie eine Schwächung des Sehvermögens; durch die Unterdrückung des Durstes entstehen Trockenheit von Hals und Mund, Schwerhörigkeit und Schmerz im Herzen.

śrāntasya niḥśvāsavinigraheṇa hṛdro gamohāvathavā'pi gulmaḥ jṛmbhā'ṅgamardo'ṅgaśirokṣijāḍyaṃ nidrā bhighātādathavā'pi tandrā

Bei einem Erschöpften entstehen durch das Zurückhalten des Atems Herzleiden und Bewusstseinstrübung oder auch ein *gulma* (Bauchgeschwulst); durch die Unterdrückung des Schlafes entstehen Gähnen, Gliederschmerz, Erstarrung von Gliedern, Kopf und Augen, oder auch Schläfrigkeit.

tṛṣṇārditaṃ parikliṣṭaṃ kṣīṇaṃ śūlairabhidrutam śakṛdvamantaṃ matimānudāvartinamutsṛjet

Einen vom *udāvarta* Befallenen, der von Durst gequält, erschöpft, ausgezehrt und von Koliken überwältigt ist und Kot erbricht, soll der kluge Arzt aufgeben.

sarveṣveteṣu vidhivadudāvarteṣu kṛtsnaśaḥ vāyoḥ kriyā vidhātavyāḥ svamārgapratipattaye

Bei all diesen Formen des *udāvarta* insgesamt ist vorschriftsmäßig eine Behandlung des Windes durchzuführen, damit er in seine natürliche Bahn zurückkehrt.

sāmānyataḥ pṛthaktvena kriyāṃ bhūyo nibodha me āsthāpanaṃ mārutaje snigdhasvinne viśiṣyate

Vernimm nun weiter von mir die Behandlung, sowohl allgemein als auch im Einzelnen: Bei dem vom Wind [verursachten *udāvarta*] ist, nachdem der Kranke geölt und geschwitzt wurde, das *āsthāpana* (Reinigungsklistier) besonders geeignet.

purīṣaje tu kartavyo vidhirānāhiko bhavet sauvarcalāḍhyāṃ madirāṃ mūtre tvabhihate pibet

Bei dem durch Kot [verursachten *udāvarta*] ist die für Stuhlverhaltung vorgeschriebene Behandlung anzuwenden; bei unterdrücktem Harndrang trinke man mit Sauvarcala-Salz angereicherten Branntwein,

elāṃ vā'pyatha madyena kṣīraṃ vā'pi pibennaraḥ dhātrīphalānāṃ svarasaṃ sajalaṃ vā pibettryaham

oder Kardamom mit Wein, oder man trinke Milch; oder man trinke drei Tage lang den mit Wasser vermischten Frischsaft von Āmalaka-Früchten.

rasamaśvapurīṣasya gardabhasyāthavā pibet māṃsopadaṃśaṃ madhu vā pibedvā sīdhu gauḍikam

Oder man trinke den ausgepressten Saft von Pferde- oder Eselsmist, mit Fleisch als Zukost, oder Honig, oder man trinke Melassewein.

bhadra dāru ghanaṃ mūrvā haridrā madhukaṃ tathā kolapramāṇāni pibedāntarikṣeṇa vāriṇā

Bhadradāru, Musta, Mūrvā, Kurkuma und ebenso Süßholz, je in der Menge einer Brustbeere, trinke man mit Regenwasser.

duḥsparśāsvarasaṃ vā'pi kaṣāyaṃ kuṅkumasya ca ervārubījaṃ toyena pibedvā'lavaṇīkṛtam

Oder man trinke den Frischsaft von Duḥsparśā oder einen Sud aus Safran; oder man trinke Gurkensamen mit Wasser, ungesalzen.

pañcamūlīśṛtaṃ kṣīraṃ drā kṣārasamathāpi vā yogāṃśca vitaredatra pūrvoktānaśmarībhidaḥ

Mit den fünf Wurzeln gekochte Milch, oder ebenso Weintraubensaft, trinke man; auch verabreiche man hierbei die früher genannten *aśmarībhid* (steinauflösenden) Mittel.

mūtrakṛcchrakramaṃ cāpi kuryānniravaśeṣataḥ bhūyo vakṣyāmi yogān yān mūtrāghātopaśāntaye snehaiḥ svedairudāvartaṃ jṛmbhājaṃ samupācaret aśrumokṣo'śruje kāryaḥ snigdhasvinnasya dehinaḥ

Man wende auch die vollständige Behandlung für *mūtrakṛcchra* (schmerzhaften Harndrang) an. Ich werde ferner die Mittel nennen, die zur Beruhigung der Harnverhaltung dienen. Den durch Unterdrückung des Gähnens entstandenen *udāvarta* behandle man mit Ölungen und Schwitzungen; bei dem durch unterdrückte Tränen entstandenen lasse man den geölten und geschwitzten Kranken Tränen vergießen.

tīkṣṇāñjanāvapīḍābhyāṃ tīkṣṇagandhopaśiṅghanaiḥ vartiprayogairathavā kṣavasaktiṃ pravartayet

Mit scharfem *añjana* (Augensalbe) und *avapīḍa* (Nasenpressung), mit dem Einatmen scharf riechender Stoffe oder mit dem Gebrauch von Räucherstäbchen bringe man den Niesreiz in Gang.

udgāraje kramopetaṃ snaihikaṃ dhūmamācaret

Bei dem durch unterdrücktes Aufstoßen entstandenen [*udāvarta*] wende man ordnungsgemäß eine ölige *dhūma* (Rauchtherapie) an.

surāṃ sauvarcalavatīṃ bījapūrarasānvitām chardyāghātaṃ yathādoṣaṃ samyak snehādibhirjayet

Branntwein mit Sauvarcala-Salz, versetzt mit dem Saft der Zitronatzitrone — damit überwinde man die durch Unterdrückung des Erbrechens entstandene Störung entsprechend dem beteiligten *doṣa* gründlich mit Ölungen und Ähnlichem.

sakṣāralavaṇopetamabhyaṅgaṃ cātra dāpayet bastiśuddhikarāvāpaṃ caturguṇajalaṃ payaḥ

Hierbei verordne man eine mit *kṣāra* (Ätzlauge) und Salz versetzte Einreibung; ferner Milch mit der vierfachen Menge Wasser,

āvārināśāt kvathitaṃ pītavantaṃ prakāmataḥ ramayeyuḥ priyā nāryaḥ śukrodāvartinaṃ naram

gekocht bis das Āvāri-Kraut vergangen ist, nach Belieben getrunken; danach mögen die geliebten Frauen den vom Samen-*udāvarta* befallenen Mann [zum Beischlaf] erfreuen.

kṣudvighāte hitaṃ snigdhamuṣṇamalpaṃ ca bhojanam tṛṣṇāghāte pibenmanthaṃ yavāgūṃ vā'pi śītalām

Bei Unterdrückung des Hungers ist ölige, warme und geringe Nahrung zuträglich; bei Unterdrückung des Durstes trinke man ein Rührgetränk oder kühlen Gerstenschleim.

bhojyo rasena viśrāntaḥ śramaśvāsāturo naraḥ nidrā ghāte pibet kṣīraṃ svapyācceṣṭakathā naraḥ

Ein von Erschöpfung und Atemnot geplagter Mann werde, nachdem er sich ausgeruht hat, mit Fleischbrühe gespeist; bei Unterdrückung des Schlafes trinke er Milch, und man lasse ihn schlafen, indem man ihm von angenehmen Dingen erzählt.

ādhmānādyeṣu rogeṣu yathāsvaṃ prayateta hi yacca yatra bhavetprāptaṃ tacca tasmin prayojayet

Bei Blähung und den übrigen genannten Krankheiten bemühe man sich jeweils entsprechend; was immer wo angezeigt ist, das wende man dort auch an.

vāyuḥ koṣṭhānugo rūkṣaiḥ kaṣāyakaṭutiktakaiḥ bhojanaiḥ kupitaḥ sadya udāvartaṃ karoti hi

Der im Bauchraum befindliche Wind, durch trockene, herbe, scharfe und bittere Speisen erregt, verursacht sogleich [einen weiteren] *udāvarta*.

vātamūtrapurīṣāsṛkkaphamedovahāni vai srotāṃsyudāvartayati purīṣaṃ cātivartayet

Er lässt die *srotas* (Körperkanäle), die Wind, Harn, Kot, Blut, *kapha* (Schleimhumor) und Fett führen, [in verkehrter Richtung] hochsteigen und treibt den Kot über sein normales Maß hinaus.

tato hṛdbastiśūlārto gauravārucipīḍitaḥ vātamūtrapurīṣāṇi kṛcchreṇa kurute naraḥ

Dadurch von Schmerzen in Herz und Blase geplagt sowie von Schweregefühl und Appetitlosigkeit gequält, entlässt der Mann Wind, Harn und Kot nur unter Beschwerden.

śvāsakāsapratiśyāyadāhamohavamijvarān tṛṣṇāhikkāśirorogamanaḥśravaṇavibhramān

[Er erleidet] Atemnot, Husten, Schnupfen, Brennen, Bewusstseinstrübung, Erbrechen, Fieber, Durst, Schluckauf, Kopfschmerz sowie Verwirrung von Geist und Gehör,

labhate ca bahūnanyān vikārān vātakopajān taṃ tailalavaṇābhyaktaṃ snigdhaṃ svinnaṃ nirūhayet

und noch viele weitere, aus erregtem Wind entstehende Krankheiten. Diesen [Kranken] salbe man mit Öl und Salz ein, öle und schwitze ihn und behandle ihn dann mit einem *nirūha* (Dekokt-Klistier).

doṣato bhinnavarcaskaṃ bhuktaṃ cāpyanuvāsayet na cecchāntiṃ vrajatyevamudāvartaḥ sudāruṇaḥ

Je nach dem beteiligten *doṣa* gebe man ihm, nachdem der Stuhl gelöst ist und er gegessen hat, ein *anuvāsana* (ölendes Klistier); kommt der überaus schreckliche *udāvarta* so dennoch nicht zur Ruhe,

athainaṃ bahuśaḥ svinnaṃ yuñjyāt snehavirecanaiḥ pāyayeta trivṛtpīluyavānīramlapācanaiḥ

so behandle man ihn, nachdem man ihn wiederholt geschwitzt hat, mit öligen Abführmitteln; man gebe ihm Trivṛt, Pīlu und Ajowan mit sauren, verdauungsfördernden Zutaten zu trinken,

hiṅgukuṣṭhavacāsvarjiviḍaṅgaṃ vā dviruttaram yogāvetāvudāvartaṃ śūlaṃ cānilajaṃ hataḥ

oder Hiṅgu, Kuṣṭha, Vacā, Svarjikā-Lauge und Viḍaṅga in doppelt zunehmender Menge. Diese beiden Rezepturen vernichten den *udāvarta* und die vom Wind erzeugte Kolik.

devadārvagnikau kuṣṭhaṃ śuṇṭhīṃ pathyāṃ palaṅkaṣām pauṣkarāṇi ca mūlāni toyasyardhāḍhake pacet

Devadāru, Citraka, Kuṣṭha, Trockenen Ingwer, Harītakī, Palaṅkaṣā und Pauṣkara-Wurzeln koche man in einem halben Āḍhaka Wasser ein,

pādāvaśiṣṭaṃ tat pītamudāvartamapohati mūlakaṃ śuṣkamārdraṃ ca varṣābhūḥ pañcamūlakam

bis nur noch ein Viertel übrig ist; getrunken beseitigt dies den *udāvarta*. Auch Rettich, getrocknet oder frisch, Varṣābhū und die fünf kleinen Wurzeln,

ārevataphalaṃ cāpsu paktvā tena ghṛtaṃ pacet tat pīyamānaṃ śāstyugramudāvartamaśeṣataḥ

sowie die Frucht des Ārevata koche man in Wasser, und mit diesem Sud koche man Ghee ein; getrunken beruhigt dies den heftigen *udāvarta* vollständig.

vacāmativiṣāṃ kuṣṭhaṃ yavakṣāraṃ harītakīm kṛṣṇāṃ nirdahanīṃ cāpi pibeduṣṇena vāriṇā

Vacā, Ativiṣā, Kuṣṭha, Gersten-*kṣāra*, Harītakī, Pippalī und Nirdahanī trinke man mit warmem Wasser.

ikṣvākumūlaṃ madanaṃ viśalyātiviṣe vacām kuṣṭhaṃ kiṇvāgnikau caiva pibettulyāni pūrvavat

Ikṣvāku-Wurzel, Madana, Viśalyā, Ativiṣā, Vacā, Kuṣṭha, Hefe und Citraka trinke man zu gleichen Teilen wie zuvor.

mūtreṇa devadārvagnitriphalābṛhatīḥ pibet yavaprasthaṃ phalaiḥ sārdhaṃ kaṇṭakāryā jalāḍhake

Mit Urin trinke man Devadāru, Citraka, Triphalā und die beiden Bṛhatī-Pflanzen; einen Prastha Gerste zusammen mit den Früchten der Kaṇṭakārī koche man in einem Āḍhaka Wasser,

paktvā'rdhaprasthaśeṣaṃ tu pibeddhiṅgusamanvitam madanālābubījāni pippalīṃ sanidigdhikām

bis ein halber Prastha übrig ist, und trinke dies mit Hiṅgu versetzt. Ebenso die Samen von Madana und Alābu, Pippalī zusammen mit Nidigdhikā,

saṃcūrṇya pradhamennāḍyā viśatyetadyathā gudam cūrṇaṃ nikumbhakampillaśyāmekṣvākvagnikodbhavam

zerreibe man zu Pulver und blase es mit einem Röhrchen ein, so dass es in den After eindringt; ebenso ein Pulver aus Nikumbha, Kampilla, Śyāmā, Ikṣvāku und Citraka,

kṛtavedhanamāgadhyorlavaṇānāṃ ca sādhayet gavāṃ mūtreṇa tā vartīḥ kārayettu gudānugāḥ sadyaḥ śarmakarāvetau yogāvamṛtasaṃmatau

sowie durchbohrte [Körner] von Pippalī und den Salzen bereite man mit Kuhurin zu Stäbchen, die man in den After einführt. Diese beiden Rezepturen wirken sogleich heilsam und gelten als einem Nektar (*amṛta*) gleich.

Interaktive Leseansicht des ganzen Werks