Auch Bündnis und Krieg sollst du hierbei erkennen, o Bester der Könige – von zweifachem Ursprung, mit dreifachem Mittel, mit vielfacher Gestalt, o Yudhiṣṭhira.
Wort für Wort
saṃdhivigraham
Bündnis und Krieg (Akk.)
dviyoniṃ trividhopāyam
von zweifachem Ursprung, mit dreifachem Mittel (Akk.)
O Herrscher der Könige, du sollst abwarten, nachdem du deine eigene Unentschlossenheit überwunden hast; und du sollst bedenken: Der Feind ist zufrieden, an Kraft wohlgenährt und selbstbeherrscht.
Wort für Wort
chittvā dvaividhyam ātmanaḥ
nachdem du deine eigene Unentschlossenheit überwunden hast (Abs.)
utsāhaprabhuśaktibhyāṃ mantraśaktyā ca bhārata upapanno naro yāyād viparītam ato 'nyathā
Ausgestattet mit der Kraft des Eifers, der Kraft der Herrschaft und der Kraft des Rates, o Nachkomme Bharatas, soll ein Mann ausziehen; wer dies nicht hat, dem ist das Gegenteil geraten.
Wort für Wort
utsāhaprabhuśaktibhyāṃ mantraśaktyā
mit der Kraft des Eifers, der Herrschaft und des Rates (Instr.)
upapannaḥ
ausgestattet (Nom.)
Die drei genannten „Kräfte" (utsāha-, prabhu-, mantra-śakti) sind die klassischen drei Machtquellen eines Herrschers in der Staatskunst.
Der König soll die Streitkräfte heranziehen: die Stammtruppen, ebenso die Bundesgenossentruppen, die Waldstämme-Truppen, die Söldnertruppen, und ebenso die Zunfttruppen.
Und ebenso soll die Spähertruppe, o König, als den anderen gleichwertig erkannt werden, wenn für den König in Zeiten des Truppeneinsatzes die rechte Zeit gekommen ist.
Auch die Gefahren, die vielgestaltig sind und den Königen widerfahren, o Herrscher der Menschen, sollen erkannt werden; höre nun von ihnen einzeln, o Kaurava.
Viele sind die Arten der Gefahren, o König, Sohn des Pāṇḍu; durch die Mittel, beginnend mit der Versöhnung, angewandt, soll der König sie stets besänftigen.
Wort für Wort
vikalpā bahavaḥ āpadām
viele Arten der Gefahren (Nom.)
sāmādibhir upanyasya
durch die Mittel, beginnend mit der Versöhnung, angewandt (Abs.)
Den Feldzug soll der König antreten, ausgerüstet mit den sechs Truppenarten, o Feindebezwinger, verbunden mit der rechten Zeit und dem rechten Ort, mit Streitkräften und eigenen Vorzügen.
Der König, dessen Kraft zufrieden und wohlgenährt ist, dem Aufstieg zugetan, soll ausziehen; und auch wenn er herausgefordert wird, soll der Herrscher der Erde ausziehen, selbst zur unpassenden Jahreszeit.
Wie einen Fluss – mit Pfeilern und Steinen aus Rossen und Wagen als Hauptbestandteil, mit Bannern wie Bäumen, die die Ufer verhüllen, mit Fußvolk und Elefanten reich an Schlamm – soll der König zur Vernichtung des Feindes ausziehen.
Wort für Wort
sthūṇāśmānaṃ vājirathapradhānām
mit Pfeilern und Steinen aus Rossen und Wagen (Bildvergleich, Akk.)
sapatnanāśe prayāyāt
zur Vernichtung des Feindes soll er ausziehen (Lok. + Opt.)
Das eigene Heer wird bildhaft als reißender Strom beschrieben: Rosse und Wagen als Pfeiler und Steine, Banner als Uferbäume, Fußvolk und Elefanten als Schlamm.
athopapattyā śakaṭaṃ padmaṃ vajraṃ ca bhārata uśanā veda yac chāstraṃ tatraitad vihitaṃ vibho
Und ferner, den Umständen entsprechend, die Wagenburg-Formation, die Lotus-Formation und die Donnerkeil-Formation, o Nachkomme Bharatas – dies ist in jener Lehrschrift vorgeschrieben, die Uśanas verfasst hat, o Herr.
Wort für Wort
śakaṭaṃ padmaṃ vajram
Wagenburg-, Lotus- und Donnerkeil-Formation (Akk.)
uśanā veda yac chāstram
die Lehrschrift, die Uśanas verfasst hat (Rel.)
Śakaṭa, padma und vajra sind klassische Namen von Heeresaufstellungen (vyūha); Uśanas (Śukra) gilt als legendärer Verfasser eines Staatslehrbuchs.
sādayitvā parabalaṃ kṛtvā ca balaharṣaṇam svabhūmau yojayed yuddhaṃ parabhūmau tathaiva ca
Nachdem er die feindliche Streitmacht erschöpft und die eigene Streitmacht ermutigt hat, soll er die Schlacht auf eigenem Boden führen, und ebenso auch auf feindlichem Boden.
Wort für Wort
sādayitvā parabalam
nachdem er die feindliche Streitmacht erschöpft hat (Abs.)
balaharṣaṇam kṛtvā
nachdem er die eigene Streitmacht ermutigt hat (Abs.)
Das Errungene soll der König befrieden; wohlhabende Männer soll er dort ansiedeln; und nachdem er jenes Gebiet als das eigene erkannt hat, soll er es durch die Mittel, beginnend mit der Versöhnung, in Angriff nehmen.
Auf jede Weise, o Großkönig, soll man hier den Leib erhalten; sowohl für das Jenseits als auch für das Diesseits ist das höchste Heil der eigenen Seele zu erwirken.
Wer so handelt, hört in dieser Welt gute Worte, o König; und nach dem Tod erlangt er ebenso den Himmel, wenn er die Untertanen nach dem Dharma beschützt.
bhīṣmeṇa pūrvam ukto 'si kṛṣṇena vidureṇa ca mayāpy avaśyaṃ vaktavyaṃ prītyā te nṛpasattama
Von Bhīṣma wurdest du dies zuvor schon gesagt, von Kṛṣṇa und von Vidura; auch ich musste es dir notwendigerweise aus Zuneigung sagen, o Bester der Könige.
Wort für Wort
bhīṣmeṇa pūrvam uktaḥ 'si
von Bhīṣma wurdest du zuvor schon gesagt (Passiv Perf.)
Dies alles sollst du dem Recht gemäß vollbringen, o du, der reiche Opfergaben spendet; so wirst du den Untertanen lieb sein und im Himmel Glück erlangen.
Wer als Herrscher der Erde mit tausend Aśvamedha-Opfern opfern würde, oder wer die Untertanen nach dem Dharma beschützt – beide erlangen gleichen Lohn.“
Wort für Wort
aśvamedhasahasreṇa
mit tausend Aśvamedha-Opfern (Instr.)
tulyaṃ phalaṃ labhet
beide erlangen gleichen Lohn (Opt.)
Hier endet Dhṛtarāṣṭras große Rājadharma-Lehrrede, die in Kap.9 V008 begann und sich ohne Unterbrechung über vier Kapitel (9-12) erstreckte; Kap.13 beginnt mit Yudhiṣṭhiras Antwort (bestätigt).