Mahābhārata · Āśramavāsikaparva
Kapitel 8: vyāsānumatiḥ
Vyāsas Rat und Yudhiṣṭhiras Erlaubnis
vyāsa uvāca yudhiṣṭhira mahābāho yad āha kurunandanaḥ dhṛtarāṣṭro mahātmā tvāṃ tat kuruṣvāvicārayan
„Vyāsa sprach: O Yudhiṣṭhira, Großarmiger, was der hochgesinnte Freude-der-Kurus Dhṛtarāṣṭra zu dir gesagt hat, das tue, ohne zu zögern.
Wort für Wort kurunandanaḥ die Freude der Kurus (Nom., Dhṛtarāṣṭra) kuruṣvāvicārayan tue es, ohne zu zögern (Imp. + Ptz.) ayaṃ hi vṛddho nṛpatir hataputro viśeṣataḥ nedaṃ kṛcchraṃ cirataraṃ sahed iti matir mama
Denn dieser alte König, besonders seiner Söhne beraubt, sollte diese Not nicht noch länger ertragen – so ist meine Ansicht.
Wort für Wort hataputraḥ seiner Söhne beraubt (Adj.) kṛcchraṃ sahet er sollte die Not ertragen (Akk. + Opt.) gāndhārī ca mahābhāgā prājñā karuṇavedinī putraśokaṃ mahārāja dhairyeṇodvahate bhṛśam
Und Gāndhārī, die hochgesegnete, kluge, des Mitleids kundige, trägt, o Großkönig, den Kummer um ihre Söhne mit großer Standhaftigkeit.
Wort für Wort karuṇavedinī des Mitleids kundig (Adj.) dhairyeṇodvahate sie trägt mit Standhaftigkeit (Instr. + Präs.) aham apy etad eva tvāṃ bravīmi kuru me vacaḥ anujñāṃ labhatāṃ rājā mā vṛtheha mariṣyati
Auch ich sage dir genau dies: Befolge mein Wort. Der König soll die Erlaubnis erhalten; er soll nicht vergeblich hier sterben.
Wort für Wort anujñāṃ labhatām er soll die Erlaubnis erhalten (Akk. + Imp.) mā vṛtheha mariṣyati er soll nicht vergeblich hier sterben (Fut. + Prohibitiv-Sinn) rājarṣīṇāṃ purāṇānām anuyātu gatiṃ nṛpaḥ rājarṣīṇāṃ hi sarveṣām ante vanam upāśrayaḥ
Der König soll dem Weg der alten Königsweisen folgen; denn für alle Königsweisen ist am Ende der Wald die Zuflucht.“
Wort für Wort gatiṃ anuyātu er soll dem Weg folgen (Akk. + Imp.) ante vanam upāśrayaḥ am Ende der Wald als Zuflucht (Nom.) vaiśaṃpāyana uvāca ity uktaḥ sa tadā rājā vyāsenādbhutakarmaṇā pratyuvāca mahātejā dharmarājo yudhiṣṭhiraḥ
Vaiśaṃpāyana sprach: So von Vyāsa, dem an wunderbaren Taten Reichen, angesprochen, erwiderte da jener glanzvolle König, der Dharma-König Yudhiṣṭhira:
Wort für Wort adbhutakarmaṇā dem an wunderbaren Taten Reichen (Instr., Vyāsa) pratyuvāca er erwiderte (Perf.) bhagavān eva no mānyo bhagavān eva no guruḥ bhagavān asya rājyasya kulasya ca parāyaṇam
„Der Erhabene ist unser Verehrungswürdiger, der Erhabene ist unser Lehrer, der Erhabene ist die höchste Zuflucht dieses Reiches und Geschlechts.
Wort für Wort mānyaḥ der Verehrungswürdige (Nom.) parāyaṇam die höchste Zuflucht (Nom.) Der Erhabene (bhagavān): hier Vyāsa.
ahaṃ tu putro bhagavān pitā rājā guruś ca me nideśavartī ca pituḥ putro bhavati dharmataḥ
Ich aber bin der Sohn; der Erhabene und der König sind mir Vater und Lehrer; und dem Gebot des Vaters gemäß handelnd wird der Sohn dem Dharma gerecht.“
Wort für Wort pitā ... guruḥ Vater ... Lehrer (Nom.) nideśavartī dem Gebot gemäß handelnd (Adj.) ity uktaḥ sa tu taṃ prāha vyāso dharmabhṛtāṃ varaḥ yudhiṣṭhiraṃ mahātejāḥ punar eva viśāṃ pate
So angesprochen, sagte da Vyāsa, der Beste der Dharma-Hüter, der Glanzvolle, wiederum zu Yudhiṣṭhira, o Herrscher der Völker:
Wort für Wort dharmabhṛtāṃ varaḥ der Beste der Dharma-Hüter (Nom., Vyāsa) punar eva prāha er sagte wiederum (Adv. + Perf.) evam etan mahābāho yathā vadasi bhārata rājāyaṃ vṛddhatāṃ prāptaḥ pramāṇe parame sthitaḥ
„So ist es, Großarmiger, wie du sagst, o Bhārata; dieser König hat das hohe Alter erreicht, er steht in höchster Autorität.
Wort für Wort vṛddhatāṃ prāptaḥ der das hohe Alter erreicht hat (Akk. + Ptz.) pramāṇe parame sthitaḥ in höchster Autorität stehend (Lok. + Ptz.) so 'yaṃ mayābhyanujñātas tvayā ca pṛthivīpate karotu svam abhiprāyaṃ māsya vighnakaro bhava
Er ist von mir ermächtigt, und sei es auch von dir, o Herrscher der Erde; er soll seine eigene Absicht ausführen – werde ihm kein Hindernis!
Wort für Wort mayābhyanujñātaḥ von mir ermächtigt (Instr. + Ptz.) vighnakaraḥ mā bhava werde kein Hindernis (Prohibitiv) eṣa eva paro dharmo rājarṣīṇāṃ yudhiṣṭhira samare vā bhaven mṛtyur vane vā vidhipūrvakam
Dies eben ist der höchste Dharma der Königsweisen, o Yudhiṣṭhira: der Tod, sei es in der Schlacht, sei es vorschriftsgemäß im Wald.
Wort für Wort paro dharmaḥ der höchste Dharma (Nom.) vidhipūrvakam vorschriftsgemäß (Adv.) pitrā tu tava rājendra pāṇḍunā pṛthivīkṣitā śiṣyabhūtena rājāyaṃ guruvat paryupāsitaḥ
Von deinem Vater aber, o Fürst der Könige, von Pāṇḍu, dem Herrscher der Erde, wurde dieser König, gleichsam als Schüler, wie ein Lehrer verehrt.
Wort für Wort śiṣyabhūtena gleichsam als Schüler (Instr.) guruvat paryupāsitaḥ wie ein Lehrer verehrt (Adv. + Ptz.) kratubhir dakṣiṇāvadbhir annaparvataśobhitaiḥ mahadbhir iṣṭaṃ bhogāś ca bhuktāḥ putrāś ca pālitāḥ
Mit großen Opfern, reich an Priestergaben, geschmückt mit bergehohen Speisen, wurde geopfert, Genüsse wurden genossen und Söhne aufgezogen.
Wort für Wort dakṣiṇāvadbhiḥ reich an Priestergaben (Adj. Pl.) annaparvataśobhitaiḥ geschmückt mit bergehohen Speisen (Adj. Pl.) putrasaṃsthaṃ ca vipulaṃ rājyaṃ viproṣite tvayi trayodaśasamā bhuktaṃ dattaṃ ca vividhaṃ vasu
Und während du in der Fremde weiltest, wurde das weite, auf den Söhnen Dhṛtarāṣṭras beruhende Königreich dreizehn Jahre lang genossen, und mannigfacher Reichtum wurde gegeben.
Wort für Wort viproṣite tvayi während du in der Fremde weiltest (Lok. abs.) trayodaśasamāḥ dreizehn Jahre (Akk., Zeitdauer) Anspielung auf die dreizehn Jahre des Exils der Pāṇḍavas.
tvayā cāyaṃ naravyāghra guruśuśrūṣayā nṛpaḥ ārādhitaḥ sabhṛtyena gāndhārī ca yaśasvinī
Und von dir, o Tiger unter den Menschen, wurde dieser König, durch den Dienst am Lehrer, samt Gefolge zufriedengestellt, und ebenso die ruhmreiche Gāndhārī.
Wort für Wort guruśuśrūṣayā durch den Dienst am Lehrer (Instr.) ārādhitaḥ zufriedengestellt (Ptz.) anujānīhi pitaraṃ samayo 'sya tapovidhau na manyur vidyate cāsya susūkṣmo 'pi yudhiṣṭhira
Erlaube dem Vater zu gehen; die Zeit für ihn ist gekommen, sich der Askese-Ordnung zuzuwenden; und nicht der geringste Zorn ist in ihm vorhanden, o Yudhiṣṭhira.“
Wort für Wort tapovidhau samayaḥ die Zeit für die Askese-Ordnung (Nom.) susūkṣmo 'pi manyuḥ auch nur der geringste Zorn (Nom.) etāvad uktvā vacanam anujñāpya ca pārthivam tathāstv iti ca tenoktaḥ kaunteyena yayau vanam
So viel gesprochen habend, und nachdem er sich vom König hatte verabschieden lassen, und von jenem Sohn der Kuntī die Zustimmung erhalten hatte, ging er in den Wald.
Wort für Wort anujñāpya pārthivam nachdem er sich vom König hatte verabschieden lassen (Absol.) yayau vanam er ging in den Wald (Aor.) Die kurze Zustimmungsformel Yudhiṣṭhiras (im Original wörtlich „so sei es“) wird indirekt wiedergegeben, gemäß Konvention für sehr kurze formelhafte Einwürfe.
gate bhagavati vyāse rājā pāṇḍusutas tataḥ provāca pitaraṃ vṛddhaṃ mandaṃ mandam ivānataḥ
Nachdem der erhabene Vyāsa gegangen war, sprach der König, der Sohn Pāṇḍus, da zu seinem alten Vater, leise, wie gebeugt vor Trauer, gedämpft:
Wort für Wort gate bhagavati vyāse nachdem der erhabene Vyāsa gegangen war (Lok. abs.) mandaṃ mandam ivānataḥ leise, wie gebeugt, gedämpft (Adv. + Ptz.) yad āha bhagavān vyāso yac cāpi bhavato matam yad āha ca maheṣvāsaḥ kṛpo vidura eva ca
„Was der erhabene Vyāsa gesagt hat, und was auch deine eigene Ansicht ist, und was der große Bogenschütze Kṛpa gesagt hat, und ebenso Vidura,
Wort für Wort bhavato matam deine eigene Ansicht (Nom.) maheṣvāsaḥ der große Bogenschütze, Kṛpa (Nom.) yuyutsuḥ saṃjayaś caiva tat kartāsmy aham añjasā sarve hy ete 'numānyā me kulasyāsya hitaiṣiṇaḥ
und Yuyutsu und Saṃjaya – das werde ich geradewegs ausführen; denn all diese sind für mich maßgeblich, dem Wohl dieses Geschlechts zugetan.
Wort für Wort añjasā kartāsmi ich werde geradewegs ausführen (Adv. + Fut.-Periphrase) kulasyāsya hitaiṣiṇaḥ dem Wohl dieses Geschlechts zugetan (Adj. Pl.) idaṃ tu yāce nṛpate tvām ahaṃ śirasā nataḥ kriyatāṃ tāvad āhāras tato gacchāśramaṃ prati
Doch dies erbitte ich von dir, o König, mit gesenktem Haupt: Nimm zunächst Nahrung zu dir, danach geh zur Einsiedelei.“
Wort für Wort śirasā nataḥ mit gesenktem Haupt (Instr. + Ptz.) āśramaṃ prati zur Einsiedelei hin (Präp. + Akk.) Chapter schließt sauber: Kap.9 setzt mit reiner Erzähler-Narration (Dhṛtarāṣṭras Heimkehr und Mahlzeit) fort.
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