dhṛtarāṣṭra uvāca viditaṃ bhavatām etad yathā vṛttaḥ kurukṣayaḥ mamāparādhāt tat sarvam iti jñeyaṃ tu kauravāḥ
„Dhṛtarāṣṭra sprach: Bekannt ist euch dies, wie sich der Untergang der Kurus zugetragen hat; dass all dies durch meine Schuld geschah, das sollt ihr wissen, o Kauravas.
Wort für Wort
kurukṣayaḥ
der Untergang der Kurus (Nom.)
mamāparādhāt
durch meine Schuld (Abl.)
Beginn von Dhṛtarāṣṭras großem Bekenntnis- und Abschiedsmonolog vor seinen Vertrauten.
und der ich das bedeutsame Wort des Vāsudeva nicht hörte, dass dieser Böse mitsamt seinen Ministern zu Recht getötet werden solle – so übelgesinnt war ich.
Wort für Wort
vāsudevasya vākyam
das Wort des Vāsudeva, Kṛṣṇa (Akk.)
sāmātyaḥ vadhyatām
er solle samt Ministern getötet werden (Nom. + Opt. Pass.)
Kṛṣṇas frühere (im Udyogaparva berichtete) Warnung, Duryodhana rechtzeitig zu beseitigen, wird hier indirekt wiedergegeben, um keine dritte Zitatebene zu eröffnen.
Und dass ich dem Sohn Pāṇḍus, obwohl er unter den tugendhaften Hochgesinnten war, nicht die strahlende, von Vätern und Großvätern ererbte Herrschermacht übergab –
caturthe niyate kāle kadā cid api cāṣṭame tṛṣṇāvinayanaṃ bhuñje gāndhārī veda tan mama
Zu festgesetzter Zeit, am vierten Tag, manchmal auch erst am achten, nehme ich nur das zur Zügelung des Durstes Nötige zu mir; Gāndhārī weiß dies von mir.
Wort für Wort
caturthe niyate kāle
zur festgesetzten Zeit, am vierten Tag (Lok.)
tṛṣṇāvinayanaṃ bhuñje
ich nehme das zur Zügelung des Durstes Nötige zu mir (Akk. + Präs.)
Dass ich Nahrung zu mir nehme – so glaubt stets mein gesamtes Gefolge, aus Furcht vor Yudhiṣṭhira; heftig quält sich der Pāṇḍava deswegen.
Wort für Wort
āhāraṃ karoti
er nimmt Nahrung zu sich (Akk. + Präs.)
bhṛśaṃ tapyati
er quält sich heftig (Adv. + Präs.)
Das Gefolge verbirgt Dhṛtarāṣṭras wahres Fasten vor Yudhiṣṭhira, aus Furcht vor dessen Sorge/Missfallen - daher glaubt Yudhiṣṭhira, sein Onkel esse normal, quält sich aber dennoch vor Sorge.
bhūmau śaye japyaparo darbheṣv ajinasaṃvṛtaḥ niyamavyapadeśena gāndhārī ca yaśasvinī
Auf dem Boden liege ich, dem Gebetsmurmeln hingegeben, auf Darbha-Gras, in ein Fell gehüllt – unter dem Vorwand religiöser Observanz, und ebenso die ruhmreiche Gāndhārī.
Wort für Wort
darbheṣv ajinasaṃvṛtaḥ
auf Darbha-Gras, in ein Fell gehüllt (Lok. + Adj.)
niyamavyapadeśena
unter dem Vorwand religiöser Observanz (Instr.)
Darbha-Gras: heiliges Ritualgras, häufig als Lager für Asketen verwendet.
Meine hundert tapferen Söhne, die in den Schlachten nicht flohen und getötet wurden – das bereue ich nicht, denn das kennt man als den Kṣatriya-Dharma.“ So gesprochen habend, wandte sich der Kaurava an den Dharma-König:
Wort für Wort
apalāyinam
der nicht floh (Adj.)
kṣatradharmam
die Kriegerpflicht (Akk.)
Der Kṣatriya-Dharma: die Kriegerpflicht, im Kampf zu bestehen oder zu fallen, ohne zu fliehen. Mit dem narrativen Einschub „so gesprochen habend, wandte er sich an ...“ schließt der allgemeine Teil von Dhṛtarāṣṭras Rede und geht in die direkte Anrede an Yudhiṣṭhira über (ab V014).
mahādānāni dattāni śrāddhāni ca punaḥ punaḥ prakṛṣṭaṃ me vayaḥ putra puṇyaṃ cīrṇaṃ yathābalam gāndhārī hataputreyaṃ dhairyeṇodīkṣate ca mām
Große Gaben wurden gegeben, und Totenopfer immer wieder; mein Alter ist weit fortgeschritten, mein Sohn, und Verdienstvolles habe ich nach Kräften vollbracht; und diese Gāndhārī, ihrer Söhne beraubt, erträgt mich dennoch mit Standhaftigkeit.
Wort für Wort
mahādānāni dattāni
große Gaben wurden gegeben (Nom. Pl. + Ptz.)
dhairyeṇodīkṣate
sie erträgt/erwartet mit Standhaftigkeit (Instr. + Präs.)
na teṣu pratikartavyaṃ paśyāmi kurunandana sarve śastrajitāṃl lokān gatās te 'bhimukhaṃ hatāḥ
An ihnen sehe ich nichts mehr zu vergelten, o Freude der Kurus; alle sind sie, im Angesicht des Feindes erschlagen, in die durch die Waffe erstrittenen Welten eingegangen.
Wort für Wort
pratikartavyam
zu Vergeltendes (Akk.)
śastrajitāṃl lokān
die durch die Waffe erstrittenen Welten (Akk. Pl.)
Von dir ermächtigt, o Held, möchte ich mich in die Wälder begeben; in Lumpen und Baumrinde gekleidet, o König, zusammen mit dieser Gāndhārī, deinen Segen erbittend, werde ich ein Waldwanderer sein.
Es ist Brauch in unserem Geschlecht, mein Sohn, für alle, o Stier der Bharatas, am Ende ihres Lebens, nachdem sie die Herrschaft ihren Söhnen übertragen haben, in den Wald zu gehen, o König.
Wort für Wort
ucitaṃ kule
Brauch im Geschlecht (Nom. + Lok.)
putreṣv aiśvaryam ādhāya
nachdem sie die Herrschaft den Söhnen übertragen haben (Absol.)
tvaṃ cāpi phalabhāk tāta tapasaḥ pārthivo hy asi phalabhājo hi rājānaḥ kalyāṇasyetarasya vā
Und auch du, mein Sohn, wirst Anteil an der Frucht dieser Askese haben, denn du bist ein König; Könige haben ja Anteil am Guten wie am Gegenteiligen, was ihre Untertanen tun.“
Wort für Wort
phalabhāk
Anteil an der Frucht habend (Nom.)
kalyāṇasyetarasya vā
am Guten oder am Gegenteiligen (Gen.)
Alter Rechtsgedanke: der König trägt Mitverantwortung (und erhält Mitanteil) an den Taten - guten wie schlechten - seiner Untertanen.