Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Āśramavāsikaparva

Kapitel 16: brāhmaṇapratyuttaram (uttarārdham) Die Antwort des Volkes durch den Brahmanen Sāmba (Schluss)

brāhmaṇa uvāca na tad duryodhanakṛtaṃ na ca tad bhavatā kṛtam na karṇasaubalābhyāṃ ca kuravo yat kṣayaṃ gatāḥ

Der Brahmane sprach: Nicht ist dies von Duryodhana getan, noch ist dies von dir getan, noch von Karṇa und dem Sohn Subalas, dass die Kurus dem Untergang verfielen.

Wort für Wort
na tad duryodhanakṛtam
nicht ist dies von Duryodhana getan (Nom.)
kṣayaṃ gatāḥ
dem Untergang verfielen (Akk. + Perf.)

Fortsetzung derselben, bereits in Kap.15 V013 eröffneten Rede des Brahmanen Sāmba - kein neues CQ-Ereignis, da kein echter Sprecherwechsel vorliegt.

daivaṃ tat tu vijānīmo yan na śakyaṃ prabādhitum daivaṃ puruṣakāreṇa na śakyam ativartitum

Das ist Schicksal, das erkennen wir, was nicht abzuwenden ist; das Schicksal kann durch menschliches Handeln nicht überwunden werden.

Wort für Wort
daivaṃ vijānīmaḥ
das erkennen wir als Schicksal (Akk. + Präs.)
puruṣakāreṇa na śakyam ativartitum
durch menschliches Handeln nicht zu überwinden (Instr. + Ger.)

akṣauhiṇyo mahārāja daśāṣṭau ca samāgatāḥ aṣṭādaśāhena hatā daśabhir yodhapuṃgavaiḥ

Achtzehn Akṣauhiṇīs, o Großkönig, kamen zusammen; in achtzehn Tagen wurden sie von zehn Tiger-Kämpfern vernichtet,

Wort für Wort
akṣauhiṇyo daśāṣṭau
achtzehn Akṣauhiṇīs (Nom.)
daśabhir yodhapuṃgavaiḥ
von zehn Tiger-Kämpfern (Instr.)

bhīṣmadroṇakṛpādyaiś ca karṇena ca mahātmanā yuyudhānena vīreṇa dhṛṣṭadyumnena caiva ha

von Bhīṣma, Droṇa, Kṛpa und den anderen, und vom hochherzigen Karṇa, vom heldenhaften Yuyudhāna, und ebenso von Dhṛṣṭadyumna,

Wort für Wort
bhīṣmadroṇakṛpādyaiḥ
von Bhīṣma, Droṇa, Kṛpa und den anderen (Instr. Pl.)
karṇena mahātmanā
vom hochherzigen Karṇa (Instr.)

caturbhiḥ pāṇḍuputraiś ca bhīmārjunayamair nṛpa janakṣayo 'yaṃ nṛpate kṛto daivabalātkṛtaiḥ

und von den vier Söhnen des Pāṇḍu – Bhīma, Arjuna und den Zwillingen, o König – wurde diese Vernichtung der Menschen bewirkt, o Herrscher, durch die vom Schicksal Gezwungenen.

Wort für Wort
caturbhiḥ pāṇḍuputraiḥ
von den vier Söhnen des Pāṇḍu (Instr.)
daivabalātkṛtaiḥ
durch die vom Schicksal Gezwungenen (Instr.)

avaśyam eva saṃgrāme kṣatriyeṇa viśeṣataḥ kartavyaṃ nidhanaṃ loke śastreṇa kṣatrabandhunā

Notwendig ist es doch für den Kṣatriya, besonders in der Schlacht, dass er in der Welt den Tod durch die Waffe findet, für den, der der Kṣatriya-Familie angehört.

Wort für Wort
avaśyam eva kartavyam
notwendig zu vollbringen (Adv. + Ger.)
śastreṇa nidhanam
der Tod durch die Waffe (Instr. + Nom.)

tair iyaṃ puruṣavyāghrair vidyābāhubalānvitaiḥ pṛthivī nihatā sarvā sahayā sarathadvipā

Von jenen Tigern unter den Männern, ausgestattet mit Wissen und Armeskraft, wurde diese ganze Erde niedergeschlagen, mit ihren Pferden, Wagen und Elefanten.

Wort für Wort
puruṣavyāghrair vidyābāhubalānvitaiḥ
von den Männer-Tigern, mit Wissen und Armeskraft ausgestattet (Instr.)
sahayā sarathadvipā
mit Pferden, Wagen und Elefanten (Nom.)

na sa rājāparādhnoti putras tava mahāmanāḥ na bhavān na ca te bhṛtyā na karṇo na ca saubalaḥ

Nicht trägt jener König Schuld, dein hochherziger Sohn; nicht du, und nicht deine Diener, nicht Karṇa, und nicht der Sohn Subalas.

Wort für Wort
na sa rājāparādhnoti
nicht trägt jener König Schuld (Präs.)
putras tava mahāmanāḥ
dein hochherziger Sohn (Nom.)

yad vinaṣṭāḥ kuruśreṣṭhā rājānaś ca sahasraśaḥ sarvaṃ daivakṛtaṃ tad vai ko 'tra kiṃ vaktum arhati

Dass die Besten der Kurus und die Könige zu Tausenden umkamen – all dies ist vom Schicksal bewirkt; wer könnte hier etwas dazu sagen?

Wort für Wort
vinaṣṭāḥ sahasraśaḥ
zu Tausenden umgekommen (Nom. Pl.)
sarvaṃ daivakṛtam
all dies ist vom Schicksal bewirkt (Nom.)

gurur mato bhavān asya kṛtsnasya jagataḥ prabhuḥ dharmātmānam atas tubhyam anujānīmahe sutam

Du wirst als Lehrer angesehen, als Herr dieser ganzen Welt; daher erteilen wir dir unsere Zustimmung bezüglich deines frommen Sohnes.

Wort für Wort
gurur mato bhavān
du wirst als Lehrer angesehen (Nom.)
anujānīmahe sutam
wir erteilen Zustimmung bezüglich des Sohnes (Präs. + Akk.)

Der genaue Bezug von „anujānīmahe... sutam“ (vermutlich eine Segens-/Zustimmungsformel bezüglich Duryodhanas jenseitigem Los, im Anschluss an V011) bleibt syntaktisch nicht ganz eindeutig [?].

labhatāṃ vīralokān sa sasahāyo narādhipaḥ dvijāgryaiḥ samanujñātas tridive modatāṃ sukhī

Möge jener Herrscher der Menschen, zusammen mit seinen Gefährten, die Welten der Helden erlangen; von den Ersten der Zweimalgeborenen dazu ermächtigt, möge er glücklich im dritten Himmel frohlocken.

Wort für Wort
labhatāṃ vīralokān
möge er die Welten der Helden erlangen (Opt.)
dvijāgryaiḥ samanujñātaḥ
von den Ersten der Zweimalgeborenen ermächtigt (Instr. + Ptz.)

prāpsyate ca bhavān puṇyaṃ dharme ca paramāṃ sthitim veda puṇyaṃ ca kārtsnyena samyag bharatasattama

Und du wirst Verdienst erlangen, und höchsten Stand im Dharma; und du kennst das heilige Wissen vollständig und richtig, o Bester der Bharatas.

Wort für Wort
prāpsyate puṇyam
wird Verdienst erlangen (Fut.)
veda puṇyaṃ kārtsnyena
kennst das heilige Wissen vollständig (Perf. + Instr.)

dṛṣṭāpadānāś cāsmābhiḥ pāṇḍavāḥ puruṣarṣabhāḥ samarthās tridivasyāpi pālane kiṃ punaḥ kṣiteḥ

Von uns wurden die Heldentaten der Pāṇḍavas, der Stiere unter den Männern, gesehen; fähig sind sie sogar, den dritten Himmel zu beschützen – wie viel mehr die Erde!

Wort für Wort
dṛṣṭāpadānāḥ pāṇḍavāḥ
die Pāṇḍavas, deren Heldentaten gesehen wurden (Nom.)
tridivasyāpi pālane samarthāḥ
fähig sogar zum Schutz des dritten Himmels (Gen. + Lok. + Nom.)

anuvatsyanti cāpīmāḥ sameṣu viṣameṣu ca prajāḥ kurukulaśreṣṭha pāṇḍavāñ śīlabhūṣaṇān

Und diese Untertanen werden, in guten wie in schlechten Zeiten, den Pāṇḍavas folgen, o Bester des Kuru-Geschlechts, ihnen, die mit gutem Charakter geschmückt sind.

Wort für Wort
anuvatsyanti prajāḥ
die Untertanen werden folgen (Fut.)
śīlabhūṣaṇān
die mit gutem Charakter Geschmückten (Akk. Pl.)

brahmadeyāgrahārāṃś ca parihārāṃś ca pārthiva pūrvarājātisargāṃś ca pālayaty eva pāṇḍavaḥ

Und die den Brahmanen geschenkten Landgüter, die Abgabenbefreiungen, und die von früheren Königen gewährten Vergünstigungen schützt der Pāṇḍava-König fürwahr.

Wort für Wort
brahmadeyāgrahārān
die den Brahmanen geschenkten Landgüter (Akk. Pl.)
pūrvarājātisargān
die von früheren Königen gewährten Vergünstigungen (Akk. Pl.)

dīrghadarśī kṛtaprajñaḥ sadā vaiśravaṇo yathā akṣudrasacivaś cāyaṃ kuntīputro mahāmanāḥ

Weitblickend, von vollendeter Weisheit, stets wie Vaiśravaṇa; und von nicht-kleinlichen Beratern umgeben ist dieser hochherzige Sohn der Kuntī.

Wort für Wort
dīrghadarśī kṛtaprajñaḥ
weitblickend, von vollendeter Weisheit (Nom.)
akṣudrasacivaḥ
von nicht-kleinlichen Beratern umgeben (Nom.)

apy amitre dayāvāṃś ca śuciś ca bharatarṣabha ṛju paśyati medhāvī putravat pāti naḥ sadā

Auch dem Feind gegenüber mitleidsvoll und rein, o Stier der Bharatas, schaut er gerade und unparteiisch, der Kluge, und beschützt uns stets wie seine eigenen Söhne.

Wort für Wort
amitre dayāvāṃś ca śuciḥ
dem Feind gegenüber mitleidsvoll und rein (Lok. + Nom.)
putravat pāti naḥ sadā
beschützt uns stets wie Söhne (Adv. + Präs.)

vipriyaṃ ca janasyāsya saṃsargād dharmajasya vai na kariṣyanti rājarṣe tathā bhīmārjunādayaḥ

Und Unliebes werden diesem Volk, aus Verbundenheit mit dem Sohn des Dharma, weder er noch Bhīma, Arjuna und die anderen antun, o königlicher Weiser.

Wort für Wort
dharmajasya saṃsargāt
aus Verbundenheit mit dem Sohn des Dharma (Gen. + Abl.)
na kariṣyanti vipriyam
werden nichts Unliebes antun (Fut.)

mandā mṛduṣu kauravyās tīkṣṇeṣv āśīviṣopamāḥ vīryavanto mahātmānaḥ paurāṇāṃ ca hite ratāḥ

Sanftmütig gegenüber den Sanften sind die Kauravyas, den Giftschlangen gleich gegenüber den Scharfen; kraftvoll, hochherzig, und dem Wohl der Stadtbewohner zugetan.

Wort für Wort
mandā mṛduṣu
sanftmütig gegenüber den Sanften (Nom. + Lok.)
tīkṣṇeṣv āśīviṣopamāḥ
den Giftschlangen gleich gegenüber den Scharfen (Lok. + Nom.)

na kuntī na ca pāñcālī na colūpī na sātvatī asmiñ jane kariṣyanti pratikūlāni karhi cit

Weder Kuntī noch die Pāñcālī, noch Ulūpī, noch die Sātvatī werden diesem Volk jemals etwas Feindseliges antun.

Wort für Wort
pāñcālī colūpī sātvatī
die Pāñcālī, Ulūpī, die Sātvatī (Nom.)
kariṣyanti pratikūlāni
werden Feindseliges antun (Fut.)

bhavatkṛtam imaṃ snehaṃ yudhiṣṭhiravivardhitam na pṛṣṭhataḥ kariṣyanti paurajānapadā janāḥ

Diese von dir geschaffene, von Yudhiṣṭhira weiter genährte Zuneigung werden die Stadt- und Landbewohner nicht hinter sich lassen.

Wort für Wort
bhavatkṛtam yudhiṣṭhiravivardhitam
von dir geschaffen, von Yudhiṣṭhira weiter genährt (Akk.)
na pṛṣṭhataḥ kariṣyanti
werden nicht hinter sich lassen (Fut.)

adharmiṣṭhān api sataḥ kuntīputrā mahārathāḥ mānavān pālayiṣyanti bhūtvā dharmaparāyaṇāḥ

Auch die Menschen, die nicht dem Dharma treu sind, werden die Söhne der Kuntī, die großen Wagenkämpfer, beschützen, indem sie selbst dem Dharma ergeben bleiben.

Wort für Wort
adharmiṣṭhān api
auch die dem Dharma nicht Treuen (Akk.)
dharmaparāyaṇāḥ bhūtvā
indem sie dem Dharma ergeben bleiben (Nom. + Abs.)

sa rājan mānasaṃ duḥkham apanīya yudhiṣṭhirāt kuru kāryāṇi dharmyāṇi namas te bharatarṣabha

So vertreibe, o König, den seelischen Schmerz wegen Yudhiṣṭhira, und vollbringe die dem Dharma gemäßen Pflichten; Verehrung dir, o Stier der Bharatas.“

Wort für Wort
mānasaṃ duḥkham apanīya
den seelischen Schmerz vertreibend (Akk. + Abs.)
namas te
Verehrung dir (Nom.)

Hier endet die in Kap.15 V013 begonnene Rede des Brahmanen Sāmba; Kap.16 setzt mit reiner Erzählung fort (bestätigt).

vaiśaṃpāyana uvāca tasya tad vacanaṃ dharmyam anubandhaguṇottaram sādhu sādhv iti sarvaḥ sa janaḥ pratigṛhītavān

Vaiśaṃpāyana sprach: Jenes dharmagemäße, an Vorzügen überreiche Wort nahm das ganze Volk lobend als wohlgesprochen an.

Wort für Wort
dharmyam anubandhaguṇottaram
dharmagemäß, an Vorzügen überreich (Akk.)
sādhu sādhv iti pratigṛhītavān
nahm es als wohlgesprochen an (indirekt wiedergegeben)

Die formelhafte Zustimmungsfloskel „sādhu sādhu“ (‚wohl gesprochen‘) wird gemäß Konvention als indirekte Paraphrase wiedergegeben, ohne eigene Anführungszeichen.

dhṛtarāṣṭraś ca tad vākyam abhipūjya punaḥ punaḥ visarjayām āsa tadā sarvās tu prakṛtīḥ śanaiḥ

Und Dhṛtarāṣṭra, nachdem er jenes Wort immer wieder gepriesen hatte, entließ darauf alle Untertanen langsam.

Wort für Wort
tad vākyam abhipūjya
nachdem er jenes Wort gepriesen hatte (Abs.)
visarjayām āsa prakṛtīḥ
entließ die Untertanen (Perf. periphr.)

sa taiḥ saṃpūjito rājā śivenāvekṣitas tadā prāñjaliḥ pūjayām āsa taṃ janaṃ bharatarṣabha

Von ihnen geehrt, und mit gütigem Blick betrachtet, ehrte der König mit gefalteten Händen jenes Volk, o Stier der Bharatas.

Wort für Wort
śivenāvekṣitaḥ
mit gütigem Blick betrachtet (Instr. + Ptz.)
prāñjaliḥ pūjayām āsa
ehrte mit gefalteten Händen (Nom. + Perf. periphr.)

tato viveśa bhuvanaṃ gāndhāryā sahito nṛpaḥ vyuṣṭāyāṃ caiva śarvaryāṃ yac cakāra nibodha tat

Dann betrat der König, zusammen mit Gāndhārī, sein Gemach; und was er tat, als die Nacht verstrichen war, das höre nun.

Wort für Wort
viveśa bhuvanam
betrat sein Gemach (Perf.)
vyuṣṭāyāṃ śarvaryām
als die Nacht verstrichen war (Lok. Abs.)

Dieses Kapitel in der Leseansicht