Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Āśramavāsikaparva

Kapitel 17: śrāddhaprastāvo bhīmakopaś ca Der Antrag auf die Totenopfer und Bhīmas Zorn

vaiśaṃpāyana uvāca vyuṣitāyāṃ rajanyāṃ tu dhṛtarāṣṭro 'mbikāsutaḥ viduraṃ preṣayām āsa yudhiṣṭhiraniveśanam

Vaiśaṃpāyana sprach: Als die Nacht verstrichen war, sandte Dhṛtarāṣṭra, der Sohn der Ambikā, Vidura zu Yudhiṣṭhiras Wohnstatt.

Wort für Wort
vyuṣitāyāṃ rajanyām
als die Nacht verstrichen war (Lok. Abs.)
preṣayām āsa
sandte (Perf. periphr.)

sa gatvā rājavacanād uvācācyutam īśvaram yudhiṣṭhiraṃ mahātejāḥ sarvabuddhimatāṃ varaḥ

Jener, dorthin gegangen, sprach auf das Wort des Königs hin zu dem unerschütterlichen Herrscher Yudhiṣṭhira, der hochenergische, Beste aller Weisen:

Wort für Wort
gatvā rājavacanāt
dorthin gegangen, auf das Wort des Königs hin (Abs. + Abl.)
sarvabuddhimatāṃ varaḥ
der Beste aller Weisen (Nom.)

dhṛtarāṣṭro mahārāja vanavāsāya dīkṣitaḥ gamiṣyati vanaṃ rājan kārttikīm āgatām imām

„O Großkönig, Dhṛtarāṣṭra, zum Waldleben geweiht, wird in den Wald gehen, o König, sobald dieser Kārttika-Vollmond gekommen ist.

Wort für Wort
vanavāsāya dīkṣitaḥ
zum Waldleben geweiht (Dat. + Nom.)
kārttikīm āgatām imām
sobald dieser Kārttika-Vollmond gekommen ist (Akk.)

sa tvā kurukulaśreṣṭha kiṃ cid artham abhīpsati śrāddham icchati dātuṃ sa gāṅgeyasya mahātmanaḥ

Er begehrt von dir, o Bester des Kuru-Geschlechts, etwas: Er wünscht, das Totenopfer für den hochherzigen Sohn der Gaṅgā darzubringen,

Wort für Wort
kiṃ cid artham abhīpsati
er begehrt etwas (Akk. + Präs.)
śrāddham dātum icchati
wünscht das Totenopfer darzubringen (Akk. + Inf. + Präs.)

droṇasya somadattasya bāhlīkasya ca dhīmataḥ putrāṇāṃ caiva sarveṣāṃ ye cāsya suhṛdo hatāḥ yadi cābhyanujānīṣe saindhavāpasadasya ca

für Droṇa, für Somadatta, und für den weisen Bāhlīka, und für alle Söhne, und für alle seine gefallenen Freunde, und, wenn du es gewährst, auch für den Unwürdigen von Sindhu.“

Wort für Wort
droṇasya somadattasya bāhlīkasya
für Droṇa, Somadatta, Bāhlīka (Gen.)
saindhavāpasadasya
für den Unwürdigen von Sindhu (Gen.)

Mit dem „Unwürdigen von Sindhu“ (saindhavāpasada) ist abwertend Jayadratha, der König von Sindhu, gemeint, Draupadīs einstiger Entführer, von Arjuna im Krieg getötet.

etac chrutvā tu vacanaṃ vidurasya yudhiṣṭhiraḥ hṛṣṭaḥ saṃpūjayām āsa guḍākeśaś ca pāṇḍavaḥ

Nachdem sie dieses Wort Viduras gehört hatten, ehrten es freudig Yudhiṣṭhira und der Pāṇḍava Guḍākeśa.

Wort für Wort
etac chrutvā vacanam
nachdem sie dieses Wort gehört hatten (Abs.)
hṛṣṭaḥ saṃpūjayām āsa
ehrte es freudig (Nom. + Perf. periphr.)

na tu bhīmo dṛḍhakrodhas tad vaco jagṛhe tadā vidurasya mahātejā duryodhanakṛtaṃ smaran

Doch Bhīma, von festem Zorn, der Hochenergische, nahm jenes Wort Viduras damals nicht an, da er sich an Duryodhanas Taten erinnerte.

Wort für Wort
dṛḍhakrodhaḥ
von festem Zorn (Nom.)
duryodhanakṛtaṃ smaran
sich an Duryodhanas Taten erinnernd (Akk. + Ptz.)

abhiprāyaṃ viditvā tu bhīmasenasya phalgunaḥ kirīṭī kiṃ cid ānamya bhīmaṃ vacanam abravīt

Doch als er Bhīmasenas Absicht erkannt hatte, verneigte sich Phalguna, der Diademträger, ein wenig und sprach ein Wort zu Bhīma:

Wort für Wort
abhiprāyaṃ viditvā
die Absicht erkannt habend (Abs.)
kiṃ cid ānamya
sich ein wenig verneigend (Abs.)

bhīma rājā pitā vṛddho vanavāsāya dīkṣitaḥ dātum icchati sarveṣāṃ suhṛdām aurdhvadehikam

„O Bhīma, der König, unser alter Vater, zum Waldleben geweiht, wünscht allen Freunden die Totenopfer darzubringen.

Wort für Wort
pitā vṛddho
unser alter Vater (Nom.)
aurdhvadehikam
die Totenopfer (Akk.)

bhavatā nirjitaṃ vittaṃ dātum icchati kauravaḥ bhīṣmādīnāṃ mahābāho tad anujñātum arhasi

Den von dir errungenen Reichtum wünscht der Kaurava für Bhīṣma und die anderen zu geben, o Starkarmiger; das sollst du gewähren.

Wort für Wort
bhavatā nirjitaṃ vittam
der von dir errungene Reichtum (Akk.)
tad anujñātum arhasi
das sollst du gewähren (Inf. + Verb)

diṣṭyā tv adya mahābāho dhṛtarāṣṭraḥ prayācati yācito yaḥ purāsmābhiḥ paśya kālasya paryayam

Durch Fügung bittet heute, o Starkarmiger, Dhṛtarāṣṭra, der einst von uns gebeten wurde; sieh den Wandel der Zeit!

Wort für Wort
diṣṭyā prayācati
durch Fügung bittet (Adv. + Präs.)
kālasya paryayam
den Wandel der Zeit (Akk.)

yo 'sau pṛthivyāḥ kṛtsnāyā bhartā bhūtvā narādhipaḥ parair vinihatāpatyo vanaṃ gantum abhīpsati

Er, der einst Herr der gesamten Erde war, der Herrscher der Menschen, dessen Nachkommenschaft von Feinden vernichtet wurde, begehrt nun, in den Wald zu gehen.

Wort für Wort
pṛthivyāḥ kṛtsnāyā bhartā
Herr der gesamten Erde (Gen. + Nom.)
parair vinihatāpatyaḥ
dessen Nachkommenschaft von Feinden vernichtet wurde (Instr. + Nom.)

mā te 'nyat puruṣavyāghra dānād bhavatu darśanam ayaśasyam ato 'nyat syād adharmyaṃ ca mahābhuja

Nichts anderes als das Geben soll dir, o Tiger unter den Männern, als rechte Sicht erscheinen; alles andere wäre unrühmlich und dharmwidrig, o Starkarmiger.

Wort für Wort
dānād bhavatu darśanam
das Geben soll als rechte Sicht erscheinen (Abl. + Imp.)
ayaśasyam adharmyaṃ ca
unrühmlich und dharmwidrig (Nom.)

rājānam upatiṣṭhasva jyeṣṭhaṃ bhrātaram īśvaram arhas tvam asi dātuṃ vai nādātuṃ bharatarṣabha evaṃ bruvāṇaṃ kaunteyaṃ dharmarājo 'bhyapūjayat

Diene dem König, dem älteren Bruder, dem Herrscher; du bist würdig zu geben, nicht, es zu verweigern, o Stier der Bharatas.“ Den so sprechenden Sohn der Kuntī ehrte der Dharmarāja.

Wort für Wort
upatiṣṭhasva rājānam
diene dem König (Imp. + Akk.)
evaṃ bruvāṇaṃ abhyapūjayat
den so Sprechenden ehrte er (Akk. Ptz. + Impf.)

bhīmasenas tu sakrodhaḥ provācedaṃ vacas tadā vayaṃ bhīṣmasya kurmeha pretakāryāṇi phalguna

Bhīmasena aber, zornig, sprach damals dieses Wort: „Sollen wir hier Bhīṣmas Totenriten vollziehen, o Phalguna,

Wort für Wort
sakrodhaḥ provāca
zornig sprach er (Nom. + Perf.)
pretakāryāṇi kurmaḥ
sollen wir die Totenriten vollziehen (Akk. + Präs.)

somadattasya nṛpater bhūriśravasa eva ca bāhlīkasya ca rājarṣer droṇasya ca mahātmanaḥ

für den König Somadatta, und ebenso für Bhūriśravas, und für den königlichen Weisen Bāhlīka, und für den hochherzigen Droṇa,

Wort für Wort
somadattasya nṛpateḥ
für den König Somadatta (Gen.)
droṇasya mahātmanaḥ
für den hochherzigen Droṇa (Gen.)

anyeṣāṃ caiva suhṛdāṃ kuntī karṇāya dāsyati śrāddhāni puruṣavyāghra mādāt kauravako nṛpaḥ

und für die anderen Freunde? Kuntī möge dem Karṇa die Totenopfer geben, o Tiger unter den Männern; von mir soll der kauravische König nichts erhalten.

Wort für Wort
kuntī karṇāya dāsyati śrāddhāni
Kuntī möge Karṇa die Totenopfer geben (Nom. + Fut. + Dat.)
mādāt
nicht von mir (Abl., elliptisch)

iti me vartate buddhir mā vo nandantu śatravaḥ kaṣṭāt kaṣṭataraṃ yāntu sarve duryodhanādayaḥ yair iyaṃ pṛthivī sarvā ghātitā kulapāṃsanaiḥ

So steht mein Entschluss: Nicht sollen sich eure Feinde freuen; von Schlimmen zu Schlimmerem mögen sie alle gehen, Duryodhana und die anderen, durch die, den Schändern des Geschlechts, diese ganze Erde vernichtet wurde.

Wort für Wort
iti me vartate buddhiḥ
so steht mein Entschluss (Nom.)
kaṣṭāt kaṣṭataraṃ yāntu
von Schlimmen zu Schlimmerem mögen sie gehen (Abl. + Opt.)

kutas tvam adya vismṛtya vairaṃ dvādaśavārṣikam ajñātavāsagamanaṃ draupadīśokavardhanam kva tadā dhṛtarāṣṭrasya sneho 'smāsv abhavat tadā

Wie kannst du heute die zwölfjährige Feindschaft vergessen haben, den Gang ins unerkannte Exil, das Draupadīs Kummer mehrte? Wo war da Dhṛtarāṣṭras Zuneigung zu uns damals?

Wort für Wort
vairaṃ dvādaśavārṣikam
die zwölfjährige Feindschaft (Akk.)
dhṛtarāṣṭrasya sneho 'smāsu
Dhṛtarāṣṭras Zuneigung zu uns (Gen. + Nom. + Lok.)

kṛṣṇājinopasaṃvīto hṛtābharaṇabhūṣaṇaḥ sārdhaṃ pāñcālaputryā tvaṃ rājānam upajagmivān kva tadā droṇabhīṣmau tau somadatto 'pi vābhavat

In ein schwarzes Antilopenfell gehüllt, deines Schmucks und deiner Zierde beraubt, kamst du zusammen mit der Tochter des Pāñcāla-Königs zum König – wo waren da jene Droṇa und Bhīṣma, oder auch Somadatta?

Wort für Wort
kṛṣṇājinopasaṃvītaḥ
in ein schwarzes Antilopenfell gehüllt (Nom.)
hṛtābharaṇabhūṣaṇaḥ
deines Schmucks und deiner Zierde beraubt (Nom.)

yatra trayodaśa samā vane vanyena jīvasi na tadā tvā pitā jyeṣṭhaḥ pitṛtvenābhivīkṣate

Wo du dreizehn Jahre im Wald von Waldfrüchten lebtest – da sah dich jener ältere Vater damals nicht mit väterlichem Blick an.

Wort für Wort
trayodaśa samā vane
dreizehn Jahre im Wald (Akk. + Lok.)
pitṛtvenābhivīkṣate
sah mit väterlichem Blick an (Instr. + Präs.)

kiṃ te tad vismṛtaṃ pārtha yad eṣa kulapāṃsanaḥ durvṛtto viduraṃ prāha dyūte kiṃ jitam ity uta

Hast du das vergessen, o Pārtha, dass dieser Schänder des Geschlechts, der Übelgesinnte, zu Vidura beim Würfelspiel höhnisch fragte, was denn gewonnen sei?“

Wort für Wort
kulapāṃsanaḥ durvṛttaḥ
der Schänder des Geschlechts, der Übelgesinnte (Nom.)
dyūte kiṃ jitam
beim Würfelspiel, was gewonnen sei (Lok. + Nom.)

Duryodhanas höhnische Frage an Vidura wird, da es sich um ein Zitat innerhalb der bereits offenen Rede Bhīmas handelt (dritte Zitatebene), indirekt statt mit eigenen Anführungszeichen wiedergegeben.

tam evaṃvādinaṃ rājā kuntīputro yudhiṣṭhiraḥ uvāca bhrātaraṃ dhīmāñ joṣam āsveti bhartsayan

Zu ihm, der so sprach, sagte der König, der Sohn der Kuntī, Yudhiṣṭhira, der Weise, zu seinem Bruder, ihn tadelnd: „Sei still!“

Wort für Wort
evaṃvādinaṃ
zu ihm, der so sprach (Akk. Ptz.)
joṣam āsveti bhartsayan
ihn tadelnd, sagend: sei still (Ger. + Ptz.)

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