Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Āśramavāsikaparva

Kapitel 23: kuntyāḥ pratyuttaram Kuntīs Antwort: Die Erinnerung an Draupadīs Erniedrigung

kunty uvāca evam etan mahābāho yathā vadasi pāṇḍava kṛtam uddharṣaṇaṃ pūrvaṃ mayā vaḥ sīdatāṃ nṛpa

Kuntī sprach: „So ist es, Starkarmiger, wie du sagst, o Pāṇḍava; ich habe euch, als ihr verzagt wart, früher wirklich ermutigt, o König.

Wort für Wort
evam etan mahābāho
so ist es, Starkarmiger (Adv. + Vok.)
kṛtam uddharṣaṇaṃ pūrvaṃ mayā
ich habe [euch] früher ermutigt (Nom. + Adv. + Instr.)

dyūtāpahṛtarājyānāṃ patitānāṃ sukhād api jñātibhiḥ paribhūtānāṃ kṛtam uddharṣaṇaṃ mayā

Euch, denen im Würfelspiel das Königreich geraubt worden war, die ihr aus dem Glück gefallen und von den Verwandten gedemütigt wart, habe ich Ermutigung zuteil werden lassen.

Wort für Wort
dyūtāpahṛtarājyānām
denen im Würfelspiel das Königreich geraubt worden war (Gen. Pl.)
jñātibhiḥ paribhūtānām
von den Verwandten gedemütigt (Instr. + Gen. Pl.)

kathaṃ pāṇḍor na naśyeta saṃtatiḥ puruṣarṣabhāḥ yaśaś ca vo na naśyeta iti coddharṣaṇaṃ kṛtam

So geschah die Ermutigung, dass die Nachkommenschaft Pāṇḍus, ihr Stiere unter den Männern, nicht untergehen und euer Ruhm nicht untergehen solle.

Wort für Wort
kathaṃ pāṇḍor na naśyeta saṃtatiḥ
wie soll die Nachkommenschaft Pāṇḍus nicht untergehen (Adv. + Gen. + Neg. + Opt. + Nom.)
yaśaś ca vo na naśyeta
und euer Ruhm nicht untergehen solle (Nom. + Gen. + Neg. + Opt.)

Die als direkte Zitate von Kuntīs früheren Ermutigungsworten markierten Sätze (V003-009, im Quelltext mit iti abgeschlossen) werden, da sie innerhalb ihrer bereits geöffneten jetzigen Rede liegen, gemäß der etablierten Konvention für verschachtelte Zitate indirekt wiedergegeben, ebenso das entsprechende V015.

yūyam indrasamāḥ sarve devatulyaparākramāḥ mā pareṣāṃ mukhaprekṣāḥ sthety evaṃ tat kṛtaṃ mayā

So geschah dies von mir, dass ihr alle, Indra gleich, an Tapferkeit den Göttern gleich, nicht solche sein solltet, die auf die Gesichter anderer blicken.

Wort für Wort
devatulyaparākramāḥ
an Tapferkeit den Göttern gleich (Nom. Pl.)
mā pareṣāṃ mukhaprekṣāḥ sthetha
ihr solltet nicht auf die Gesichter anderer blicken (Neg. + Gen. Pl. + Nom. + Opt.)

kathaṃ dharmabhṛtāṃ śreṣṭho rājā tvaṃ vāsavopamaḥ punar vane na duḥkhī syā iti coddharṣaṇaṃ kṛtam

So geschah die Ermutigung, dass der Beste der Pflichtbewussten, du, der König, dem Vāsava gleich, nicht wieder im Wald leidend sein solle.

Wort für Wort
dharmabhṛtāṃ śreṣṭho vāsavopamaḥ
der Beste der Pflichtbewussten, dem Vāsava gleich (Gen. Pl. + Nom.)
punar vane na duḥkhī syāt
solle nicht wieder im Wald leidend sein (Adv. + Lok. + Neg. + Nom. + Opt.)

nāgāyutasamaprāṇaḥ khyātavikramapauruṣaḥ nāyaṃ bhīmo 'tyayaṃ gacched iti coddharṣaṇaṃ kṛtam

So geschah die Ermutigung, dass dieser Bhīma, an Kraft zehntausend Elefanten gleich, von berühmter Tapferkeit und Mannheit, nicht zugrunde gehen solle.

Wort für Wort
nāgāyutasamaprāṇaḥ
an Kraft zehntausend Elefanten gleich (Nom.)
nāyaṃ bhīmo 'tyayaṃ gacchet
dieser Bhīma solle nicht zugrunde gehen (Neg. + Nom. + Akk. + Opt.)

bhīmasenād avarajas tathāyaṃ vāsavopamaḥ vijayo nāvasīdeta iti coddharṣaṇaṃ kṛtam

So geschah die Ermutigung, dass dieser Vijaya, der jüngere Bruder Bhīmasenas, dem Vāsava gleich, nicht verzagen solle.

Wort für Wort
bhīmasenād avarajaḥ
der jüngere Bruder Bhīmasenas (Abl. + Nom.)
vijayo nāvasīdeta
Vijaya solle nicht verzagen (Nom. + Neg. + Opt.)

nakulaḥ sahadevaś ca tathemau guruvartinau kṣudhā kathaṃ na sīdetām iti coddharṣaṇaṃ kṛtam

So geschah die Ermutigung, dass Nakula und Sahadeva, diese beiden, die den Älteren gehorsam sind, nicht durch Hunger verzagen sollten.

Wort für Wort
guruvartinau
die den Älteren gehorsam sind (Nom. Dual)
kṣudhā kathaṃ na sīdetām
wie sollen sie nicht durch Hunger verzagen (Instr. + Adv. + Neg. + Opt. Dual)

iyaṃ ca bṛhatī śyāmā śrīmaty āyatalocanā vṛthā sabhātale kliṣṭā mā bhūd iti ca tat kṛtam

Und auch dies geschah, dass diese Große, Dunkle, Glückhafte mit den großen Augen nicht vergeblich auf dem Boden der Versammlungshalle gequält worden sein solle.

Wort für Wort
bṛhatī śyāmā śrīmaty āyatalocanā
die Große, Dunkle, Glückhafte mit den großen Augen (Nom.)
vṛthā sabhātale kliṣṭā mā bhūt
möge nicht vergeblich auf dem Boden der Versammlungshalle gequält worden sein (Adv. + Lok. + Nom. + Neg. + Opt.)

prekṣantyā me tadā hīmāṃ vepantīṃ kadalīm iva strīdharmiṇīm anindyāṅgīṃ tathā dyūtaparājitām

Als ich sie damals ansah, zitternd wie eine Bananenstaude, in ihrer Frauenzeit, von tadellosem Körper, so durch das Würfelspiel erniedrigt —

Wort für Wort
vepantīṃ kadalīm iva
zitternd wie eine Bananenstaude (Akk. + Vergleich)
dyūtaparājitām
durch das Würfelspiel besiegt (Akk.)

duḥśāsano yadā mauḍhyād dāsīvat paryakarṣata tadaiva viditaṃ mahyaṃ parābhūtam idaṃ kulam

als Duḥśāsana sie aus Torheit wie eine Sklavin herumzerrte, da schon wusste ich, dass dieses Geschlecht besiegt war.

Wort für Wort
dāsīvat paryakarṣata
zerrte wie eine Sklavin herum (Adv. + Impf.)
parābhūtam idaṃ kulam
dieses Geschlecht war besiegt (Nom.)

viṣaṇṇāḥ kuravaś caiva tadā me śvaśurādayaḥ yadaiṣā nātham icchantī vyalapat kurarī yathā

Und betrübt waren die Kurus, angefangen mit meinem Schwiegervater, als sie, einen Beschützer suchend, klagte wie ein Fischreiher-Weibchen.

Wort für Wort
viṣaṇṇāḥ kuravaś caiva
und betrübt waren die Kurus (Nom. Pl.)
nātham icchantī vyalapat kurarī yathā
klagte, einen Beschützer suchend, wie ein Fischreiher-Weibchen (Ptz. + Impf. + Vergleich)

keśapakṣe parāmṛṣṭā pāpena hatabuddhinā yadā duḥśāsanenaiṣā tadā muhyāmy ahaṃ nṛpa

Als sie an den Haarflechten gepackt wurde von dem Bösen, dem Verstandlosen, von Duḥśāsana, da wurde ich ohnmächtig, o König.

Wort für Wort
keśapakṣe parāmṛṣṭā
an den Haarflechten gepackt (Lok. + Nom.)
tadā muhyāmy ahaṃ nṛpa
da wurde ich ohnmächtig, o König (Adv. + Präs. + Vok.)

yuṣmattejovivṛddhyarthaṃ mayā hy uddharṣaṇaṃ kṛtam tadānīṃ vidurāvākyair iti tad vitta putrakāḥ

Um eure Kraft zu mehren, habe ich damals mit den Worten der Vidurā Ermutigung geschaffen; wisset dies, meine Söhne.

Wort für Wort
yuṣmattejovivṛddhyartham
um eure Kraft zu mehren (Akk., Zweck)
vidurāvākyair uddharṣaṇaṃ kṛtam
mit den Worten der Vidurā Ermutigung geschaffen (Instr. + Nom.)

Zur Vidurā-Erzählung siehe bereits die Anmerkung zu Kap.22, V020.

kathaṃ na rājavaṃśo 'yaṃ naśyet prāpya sutān mama pāṇḍor iti mayā putra tasmād uddharṣaṇaṃ kṛtam

Deshalb, mein Sohn, habe ich Ermutigung geschaffen, dass dieses Königsgeschlecht Pāṇḍus, obwohl es meine Söhne hat, nicht untergehen solle.

Wort für Wort
kathaṃ na rājavaṃśo 'yaṃ naśyet
wie soll dieses Königsgeschlecht nicht untergehen (Adv. + Neg. + Nom. + Opt.)
prāpya sutān mama
obwohl es meine Söhne hat (Abs. + Akk.)

na tasya putraḥ pautrau vā kuta eva sa pārthiva labhate sukṛtāṃl lokān yasmād vaṃśaḥ praṇaśyati

Denn dessen Sohn oder Enkel, o Fürst, woher sollte der überhaupt gute Welten erlangen, durch den das Geschlecht zugrunde geht.

Wort für Wort
kuta eva sa labhate sukṛtāṃl lokān
woher sollte der gute Welten erlangen (Adv. + Präs. + Akk. Pl.)
yasmād vaṃśaḥ praṇaśyati
durch den das Geschlecht zugrunde geht (Abl. + Nom. + Präs.)

bhuktaṃ rājyaphalaṃ putrā bhartur me vipulaṃ purā mahādānāni dattāni pītaḥ somo yathāvidhi

Genossen wurde die reiche Frucht des Königreichs meines Gatten einst, ihr Söhne; große Gaben wurden gegeben, der Soma wurde vorschriftsgemäß getrunken.

Wort für Wort
bhuktaṃ rājyaphalaṃ vipulam purā
genossen wurde die reiche Frucht des Königreichs einst (Nom. + Adv.)
pītaḥ somo yathāvidhi
der Soma wurde vorschriftsgemäß getrunken (Nom. + Adv.)

sāhaṃ nātmaphalārthaṃ vai vāsudevam acūcudam vidurāyāḥ pralāpais taiḥ plāvanārthaṃ tu tat kṛtam

Ich also habe nicht um meiner eigenen Frucht willen Vāsudeva angetrieben; mit jenen Klagereden der Vidurā aber geschah dies, um euch mitzureißen.

Wort für Wort
nātmaphalārthaṃ vāsudevam acūcudam
nicht um meiner eigenen Frucht willen habe ich Vāsudeva angetrieben (Neg. + Akk. + Akk. + Kaus. Impf.)
vidurāyāḥ pralāpais plāvanārtham
mit den Klagereden der Vidurā, um [euch] mitzureißen (Gen. + Instr. Pl. + Akk.)

nāhaṃ rājyaphalaṃ putra kāmaye putranirjitam patilokān ahaṃ puṇyān kāmaye tapasā vibho

Nicht begehre ich, mein Sohn, die Frucht des Königreichs, die von meinem Sohn errungen wurde; die verdienstvollen Welten meines Gatten begehre ich durch Askese, o Gebieter.

Wort für Wort
na kāmaye rājyaphalaṃ putranirjitam
nicht begehre ich die vom Sohn errungene Frucht des Königreichs (Neg. + Präs. + Akk.)
patilokān puṇyān kāmaye tapasā
die verdienstvollen Welten meines Gatten begehre ich durch Askese (Akk. + Präs. + Instr.)

śvaśrūśvaśurayoḥ kṛtvā śuśrūṣāṃ vanavāsinoḥ tapasā śoṣayiṣyāmi yudhiṣṭhira kalevaram

Nachdem ich Schwiegermutter und Schwiegervater, die im Wald Wohnenden, gedient habe, werde ich durch Askese meinen Körper auszehren, o Yudhiṣṭhira.

Wort für Wort
śuśrūṣāṃ kṛtvā vanavāsinoḥ
nachdem ich [ihnen], den im Wald Wohnenden, gedient habe (Akk. + Abs. + Gen. Dual)
tapasā śoṣayiṣyāmi kalevaram
werde ich durch Askese den Körper auszehren (Instr. + Fut. + Akk.)

nivartasva kuruśreṣṭha bhīmasenādibhiḥ saha dharme te dhīyatāṃ buddhir manas te mahad astu ca

Kehre um, Bester der Kurus, zusammen mit Bhīmasena und den anderen; möge dein Verstand auf die Pflicht gerichtet sein, und möge dein Sinn groß sein.“

Wort für Wort
nivartasva kuruśreṣṭha
kehre um, Bester der Kurus (Imp. + Vok.)
dharme te dhīyatāṃ buddhir
möge dein Verstand auf die Pflicht gerichtet sein (Lok. + Nom. + Präs. Pass. Imp.)

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