Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Āśramavāsikaparva

Kapitel 20: dhṛtarāṣṭrasya mahādānam Dhṛtarāṣṭras großes Almosenfest

vaiśaṃpāyana uvāca vidureṇaivam uktas tu dhṛtarāṣṭro janādhipaḥ prītimān abhavad rājā rājño jiṣṇoś ca karmaṇā

Vaiśaṃpāyana sprach: So von Vidura angesprochen, wurde König Dhṛtarāṣṭra, der Herrscher der Menschen, erfreut durch das Handeln des Königs und Jiṣṇus.

Wort für Wort
vidureṇaivam uktaḥ
so von Vidura angesprochen (Instr. + Ptz.)
prītimān abhavat
wurde erfreut (Nom. + Impf.)

tato 'bhirūpān bhīṣmāya brāhmaṇān ṛṣisattamān putrārthe suhṛdāṃ caiva sa samīkṣya sahasraśaḥ

Dann, nachdem er zu Tausenden geeignete Brahmanen, die Vortrefflichsten der Seher, für Bhīṣma ausgewählt hatte, und ebenso für die Söhne und Freunde,

Wort für Wort
abhirūpān brāhmaṇān
geeignete Brahmanen (Akk. Pl.)
samīkṣya sahasraśaḥ
zu Tausenden ausgewählt (Abs. + Adv.)

kārayitvānnapānāni yānāny ācchādanāni ca suvarṇamaṇiratnāni dāsīdāsaparicchadān

ließ er Speisen und Getränke bereiten, Fahrzeuge und Gewänder, Gold, Edelsteine und Juwelen, Sklavinnen und Sklaven, Hausrat,

Wort für Wort
kārayitvānnapānāni
ließ Speisen und Getränke bereiten (Abs. + Akk.)
dāsīdāsaparicchadān
Sklavinnen, Sklaven, Hausrat (Akk.)

kambalājinaratnāni grāmān kṣetrān ajāvikam alaṃkārān gajān aśvān kanyāś caiva varastriyaḥ ādiśyādiśya viprebhyo dadau sa nṛpasattamaḥ

Wolldecken, Felle, Juwelen, Dörfer, Felder, Ziegen und Schafe, Schmuckstücke, Elefanten, Pferde, und auch Mädchen und erlesene Frauen – Stück für Stück zuweisend, gab sie jener Beste der Könige den Brahmanen.

Wort für Wort
kambalājinaratnāni
Wolldecken, Felle, Juwelen (Akk.)
ādiśyādiśya dadau
Stück für Stück zuweisend gab er (Abs. wdh. + Perf.)

droṇaṃ saṃkīrtya bhīṣmaṃ ca somadattaṃ ca bāhlikam duryodhanaṃ ca rājānaṃ putrāṃś caiva pṛthak pṛthak jayadrathapurogāṃś ca suhṛdaś caiva sarvaśaḥ

Droṇa nennend, und Bhīṣma, und Somadatta, und Bāhlīka, und König Duryodhana, und die Söhne, einen jeden einzeln, und die von Jayadratha Angeführten, und alle Freunde,

Wort für Wort
droṇaṃ saṃkīrtya
Droṇa nennend (Akk. + Abs.)
putrāṃś ca pṛthak pṛthak
und die Söhne, einen jeden einzeln (Akk. + Adv.)

sa śrāddhayajño vavṛdhe bahugodhanadakṣiṇaḥ anekadhanaratnaugho yudhiṣṭhiramate tadā

wuchs jenes Totenopfer-Opfer an, reich an Kühen als Opfergabe, mit einer Flut vielfältiger Reichtümer und Juwelen, damals mit Yudhiṣṭhiras Billigung.

Wort für Wort
śrāddhayajño vavṛdhe
das Totenopfer-Opfer wuchs an (Nom. + Impf.)
yudhiṣṭhiramate
mit Yudhiṣṭhiras Billigung (Lok.)

aniśaṃ yatra puruṣā gaṇakā lekhakās tathā yudhiṣṭhirasya vacanāt tad āpṛcchanti taṃ nṛpam

Wo unaufhörlich die Männer, die Rechner und ebenso die Schreiber, auf Yudhiṣṭhiras Wort hin, jenen König befragten:

Wort für Wort
gaṇakā lekhakāḥ
die Rechner und Schreiber (Nom. Pl.)
āpṛcchanti taṃ nṛpam
befragten jenen König (Präs. + Akk.)

ājñāpaya kim etebhyaḥ pradeyaṃ dīyatām iti tad upasthitam evātra vacanānte pradṛśyate

„Befiehl, was diesen zu geben sei; es werde gegeben.“ Das dort Bereitgestellte zeigt sich dann jeweils gleich nach dem Wort.

Wort für Wort
ājñāpaya kim etebhyaḥ pradeyam
befiehl, was diesen zu geben sei (Imp. + Dat. + Ger.)
vacanānte pradṛśyate
zeigt sich nach dem Wort (Lok. + Präs. Pass.)

śate deye daśaśataṃ sahasre cāyutaṃ tathā dīyate vacanād rājñaḥ kuntīputrasya dhīmataḥ

Wo hundert zu geben wären, wird tausend gegeben, und wo tausend, zehntausend, auf das Wort des weisen Königs, des Sohnes der Kuntī.

Wort für Wort
śate deye daśaśatam
wo hundert zu geben wäre, tausend (Lok. + Nom.)
dīyate vacanād rājñaḥ
wird auf das Wort des Königs gegeben (Präs. Pass. + Abl.)

evaṃ sa vasudhārābhir varṣamāṇo nṛpāmbudaḥ tarpayām āsa viprāṃs tān varṣan bhūmim ivāmbudaḥ

So sättigte jene Königswolke, Reichtumsströme herabregnend, jene Brahmanen, wie eine Wolke, die die Erde beregnet.

Wort für Wort
nṛpāmbudaḥ
die Königswolke (Nom., Bildwort)
tarpayām āsa viprān
sättigte die Brahmanen (Perf. periphr. + Akk.)

tato 'nantaram evātra sarvavarṇān mahīpatiḥ annapānarasaughena plāvayām āsa pārthivaḥ

Danach unmittelbar überflutete der Herrscher der Erde alle Stände mit einer Flut von Speise, Trank und Säften.

Wort für Wort
sarvavarṇān
alle Stände (Akk. Pl.)
annapānarasaughena plāvayām āsa
überflutete mit einer Flut von Speise, Trank, Säften (Instr. + Perf. periphr.)

savastraphenaratnaugho mṛdaṅganinadasvanaḥ gavāśvamakarāvarto nārīratnamahākaraḥ

Mit Gewändern als Schaum und Juwelen als Flut, mit dem Klang der Trommeln als Getöse, mit Kühen und Pferden als Wirbeln, mit erlesenen Frauen als großer Fundgrube –

Wort für Wort
savastraphenaratnaughaḥ
mit Gewändern als Schaum, Juwelen als Flut (Nom., Bildwort)
nārīratnamahākaraḥ
mit erlesenen Frauen als großer Fundgrube (Nom., Bildwort)

Das Almosenfest wird über mehrere Verse hinweg als Ozean-Metapher ausgestaltet (Gewänder=Schaum, Juwelen=Flut, Trommelklang=Getöse, Kühe/Pferde=Strudel, Frauen=Fundgrube).

grāmāgrahārakulyāḍhyo maṇihemajalārṇavaḥ jagat saṃplāvayām āsa dhṛtarāṣṭradayāmbudhiḥ

reich an Dörfern, Landgütern und Kanälen, ein Ozean von Wasser aus Juwelen und Gold – so überflutete der Mitleidsozean Dhṛtarāṣṭras die Welt.

Wort für Wort
maṇihemajalārṇavaḥ
ein Ozean von Wasser aus Juwelen und Gold (Nom., Bildwort)
dhṛtarāṣṭradayāmbudhiḥ
der Mitleidsozean Dhṛtarāṣṭras (Nom., Bildwort)

evaṃ sa putrapautrāṇāṃ pitṝṇām ātmanas tathā gāndhāryāś ca mahārāja pradadāv aurdhvadehikam

So gab er, o Großkönig, die Totenopfer für seine Söhne und Enkel, für seine eigenen Vorfahren, und für Gāndhārī.

Wort für Wort
putrapautrāṇāṃ pitṝṇām
für Söhne, Enkel, Vorfahren (Gen. Pl.)
pradadāv aurdhvadehikam
gab die Totenopfer (Perf. + Akk.)

pariśrānto yadāsīt sa dadad dānāny anekaśaḥ tato nirvartayām āsa dānayajñaṃ kurūdvahaḥ

Als er erschöpft war vom vielfachen Geben der Gaben, da beendete der Erste der Kurus das Gaben-Opfer.

Wort für Wort
pariśrānto dadad dānāny anekaśaḥ
erschöpft vom vielfachen Geben der Gaben (Nom. + Ptz. + Adv.)
nirvartayām āsa dānayajñam
beendete das Gaben-Opfer (Perf. periphr. + Akk.)

evaṃ sa rājā kauravyaś cakre dānamahotsavam naṭanartakalāsyāḍhyaṃ bahvannarasadakṣiṇam

So veranstaltete jener kauravische König das große Fest der Freigebigkeit, reich an Schauspielern, Tänzern und Tanzdarbietungen, mit reichlich Speise, Säften und Opfergaben.

Wort für Wort
dānamahotsavam
das große Fest der Freigebigkeit (Akk.)
naṭanartakalāsyāḍhyam
reich an Schauspielern, Tänzern, Tanzdarbietungen (Akk.)

daśāham evaṃ dānāni dattvā rājāmbikāsutaḥ babhūva putrapautrāṇām anṛṇo bharatarṣabha

Nachdem er so zehn Tage lang Gaben gegeben hatte, wurde der König, der Sohn der Ambikā, frei von seiner Schuld gegenüber Söhnen und Enkeln, o Stier der Bharatas.

Wort für Wort
daśāham dānāni dattvā
nachdem er zehn Tage lang Gaben gegeben hatte (Akk. + Abs.)
putrapautrāṇām anṛṇo
frei von Schuld gegenüber Söhnen und Enkeln (Gen. + Nom.)

Dieses Kapitel in der Leseansicht