kṛpaṃ nivartayām āsa yuyutsuṃ ca mahāratham dhṛtarāṣṭro mahīpālaḥ paridāya yudhiṣṭhire
Kṛpa aber und den großen Wagenkämpfer Yuyutsu ließ der Herrscher der Erde, Dhṛtarāṣṭra, umkehren, nachdem er sie Yudhiṣṭhira übergeben hatte.
Wort für Wort
kṛpaṃ nivartayām āsa
ließ Kṛpa umkehren (Akk. + Perf. periphr.)
paridāya yudhiṣṭhire
nachdem er [sie] Yudhiṣṭhira übergeben hatte (Abs. + Lok.)
Yuyutsu ist Dhṛtarāṣṭras Sohn von einer Vaiśya-Frau, der einzige seiner Söhne, der im Krieg zu den Pāṇḍavas übergetreten war; er und Kṛpa werden hier nach Hastināpura zurückgeschickt und Yudhiṣṭhira anvertraut.
nivṛtte pauravarge tu rājā sāntaḥpuras tadā dhṛtarāṣṭrābhyanujñāto nivartitum iyeṣa saḥ
Als die Bürgerschaft zurückgekehrt war, da wünschte der König [Yudhiṣṭhira], zusammen mit dem Frauengemach, umzukehren, nachdem er von Dhṛtarāṣṭra die Erlaubnis dazu erhalten hatte.
Wort für Wort
nivṛtte pauravarge
als die Bürgerschaft zurückgekehrt war (Lok. Abs.)
dhṛtarāṣṭrābhyanujñātaḥ
von Dhṛtarāṣṭra die Erlaubnis erhalten habend (Nom.)
karṇaṃ smarethāḥ satataṃ saṃgrāmeṣv apalāyinam avakīrṇo hi sa mayā vīro duṣprajñayā tadā
Gedenke stets Karṇas, der in den Schlachten niemals floh; denn jener Held wurde von mir damals, aus schlechtem Verstand, preisgegeben.
Wort für Wort
saṃgrāmeṣv apalāyinam
der in den Schlachten nicht floh (Lok. Pl. + Akk.)
avakīrṇo mayā duṣprajñayā
von mir aus schlechtem Verstand preisgegeben (Nom. + Instr.)
Kuntī offenbart hier erstmals öffentlich, dass Karṇa, der im Krieg gefallene Gegner, in Wahrheit ihr erstgeborener, vor der Ehe geborener und ausgesetzter Sohn war.
evaṃgate tu kiṃ śakyaṃ mayā kartum ariṃdama mama doṣo 'yam atyarthaṃ khyāpito yan na sūryajaḥ tannimittaṃ mahābāho dānaṃ dadyās tvam uttamam
Da es nun so steht, was vermag ich zu tun, o Bezwinger der Feinde? Dies ist meine Schuld, die aufs Äußerste kundgemacht wurde, dass er nicht als Sohn der Sonne [erkannt wurde]; aus diesem Grunde, o Starkarmiger, sollst du ihm die höchste Totengabe geben.
Wort für Wort
mama doṣo 'yam atyarthaṃ khyāpitaḥ
dies ist meine Schuld, die aufs Äußerste kundgemacht wurde (Nom. + Adv. + Ptz.)
sadaiva bhrātṛbhiḥ sārdham agrajasyārimardana draupadyāś ca priye nityaṃ sthātavyam arikarśana
Stets zusammen mit den Brüdern, o Zermalmer der Feinde, sollst du dem Ältesten treu bleiben, und der geliebten Draupadī immerdar, o Bezwinger der Feinde.
Bhīmasena und Arjuna, und Nakula, o Erster der Kurus, sollen von dir zusammengehalten werden, o Held; auf dich ist heute das Joch der Familie übergegangen.
Wort für Wort
samādheyās tvayā vīra
sollen von dir zusammengehalten werden, o Held (Nom. Pl. + Instr.)
kuladhūr gatā
das Joch der Familie ist übergegangen (Nom. + Perf. Ptz.)
śvaśrūśvaśurayoḥ pādāñ śuśrūṣantī vane tv aham gāndhārīsahitā vatsye tāpasī malapaṅkinī
Den Füßen von Schwiegermutter und Schwiegervater dienend, werde ich im Wald, zusammen mit Gāndhārī, als Asketin wohnen, mit Schmutz und Staub bedeckt.“
Wort für Wort
śvaśrūśvaśurayoḥ pādāñ śuśrūṣantī
den Füßen von Schwiegermutter und Schwiegervater dienend (Gen. Dual + Akk. + Ptz.)
tāpasī malapaṅkinī vatsye
ich werde als Asketin, mit Schmutz bedeckt, wohnen (Nom. + Fut.)
sa muhūrtam iva dhyātvā dharmaputro yudhiṣṭhiraḥ uvāca mātaraṃ dīnaś cintāśokaparāyaṇaḥ
Nachdem er einen Augenblick wie in Gedanken verharrt hatte, sprach der Sohn des Dharma, Yudhiṣṭhira, elend, von Sorge und Kummer überwältigt, zu seiner Mutter:
Wort für Wort
muhūrtam iva dhyātvā
nachdem er einen Augenblick wie nachgesonnen hatte (Akk. + Abs.)
kim idaṃ te vyavasitaṃ naivaṃ tvaṃ vaktum arhasi na tvām abhyanujānāmi prasādaṃ kartum arhasi
„Was ist dies, das du beschlossen hast? So solltest du nicht sprechen. Ich gebe dir nicht meine Zustimmung; du solltest mir die Gunst erweisen [davon abzulassen].
Wort für Wort
kim idaṃ te vyavasitam
was ist dies, das du beschlossen hast (Nom.)
na tvām abhyanujānāmi
ich gebe dir nicht meine Zustimmung (Neg. + Akk. + Präs.)
vyarocayaḥ purā hy asmān utsāhya priyadarśane vidurāyā vacobhis tvam asmān na tyaktum arhasi
Du hast uns einst ermutigt, o Liebliche-anzuschauende, durch die Worte der Vidurā; du solltest uns nicht verlassen.
Wort für Wort
vyarocayaḥ purā utsāhya
du hast uns einst ermutigt (Impf. + Abs.)
vidurāyā vacobhiḥ
durch die Worte der Vidurā (Gen. + Instr. Pl.)
Vidurā (auch Vidulā) ist die Titelheldin einer bekannten Beispielerzählung, in der eine Mutter ihren mutlosen Sohn mit eindringlichen Worten zum Kampf ermahnt; Kuntī hatte sich einst dieser Worte bedient, um ihre eigenen Söhne vor dem Krieg zu ermutigen.
Nachdem ich die Herrscher der Erde erschlagen hatte, habe ich dieses Königreich erlangt, nachdem ich deine Weisheit, durch Vāsudeva, den Stier der Männer, vernommen hatte.
Wort für Wort
nihatya pṛthivīpālān
nachdem ich die Herrscher der Erde erschlagen hatte (Abs. + Akk.)
tava prajñām upaśrutya
nachdem ich deine Weisheit vernommen hatte (Akk. + Abs.)
kva sā buddhir iyaṃ cādya bhavatyā yā śrutā mayā kṣatradharme sthitiṃ hy uktvā tasyāś calitum icchasi
Wo ist nun jene Weisheit, die ich damals von dir vernahm? Nachdem du vom Verbleiben in der Kṣatriya-Pflicht gesprochen hast, willst du nun davon abweichen?
asmān utsṛjya rājyaṃ ca snuṣāṃ cemāṃ yaśasvinīm kathaṃ vatsyasi śūnyeṣu vaneṣv amba prasīda me
Nachdem du uns und das Königreich und diese ruhmreiche Schwiegertochter verlassen hast, wie willst du in den leeren Wäldern wohnen? O Mutter, sei mir gnädig!“
Wort für Wort
asmān utsṛjya rājyaṃ ca
nachdem du uns und das Königreich verlassen hast (Abs. + Akk.)
śūnyeṣu vaneṣv amba prasīda
sei gnädig, Mutter, [wie willst du wohnen] in den leeren Wäldern (Lok. Pl. + Imp.)
yadā rājyam idaṃ kunti bhoktavyaṃ putranirjitam prāptavyā rājadharmāś ca tadeyaṃ te kuto matiḥ
„Wenn dieses Königreich, o Kuntī, das von deinem Sohn errungen wurde, zu genießen war, und die Königspflichten zu erlangen waren — woher kommt dir jetzt dieser Sinn?
Wort für Wort
putranirjitam bhoktavyam
das von deinem Sohn errungene, zu genießende [Königreich] (Akk.)
Warum wurden wir denn, als wir Kinder waren, von dir aus dem Wald zurückgeholt, und ebenso diese beiden Söhne der Mādrī, die nun von Kummer und Leid ergriffen sind?
Wort für Wort
vanāc cāpi kim ānītā vayam
warum wurden wir aus dem Wald zurückgeholt (Abl. + Nom. Pl.)
duḥkhaśokasamāviṣṭau mādrīputrau
die beiden von Kummer und Leid ergriffenen Söhne der Mādrī (Nom. Dual)
Sei gnädig, Mutter; geh heute nicht in den Wald, du Ruhmreiche; genieße doch die Herrlichkeit Yudhiṣṭhiras, die durch die Kraft der Pārthas erworben wurde.“
Wort für Wort
prasīda mātar mā gās tvaṃ vanam
sei gnädig, Mutter, geh nicht in den Wald (Imp. + Neg. + Inj.)
śriyaṃ yaudhiṣṭhirīṃ bhuṅkṣva
genieße die Herrlichkeit Yudhiṣṭhiras (Akk. + Imp.)
draupadī cānvayāc chvaśrūṃ viṣaṇṇavadanā tadā vanavāsāya gacchantīṃ rudatī bhadrayā saha
Und Draupadī, mit betrübtem Antlitz, folgte da ihrer Schwiegermutter, die zum Waldleben aufbrach, weinend, zusammen mit Bhadrā.
Wort für Wort
viṣaṇṇavadanā chvaśrūm anvayāt
folgte mit betrübtem Antlitz der Schwiegermutter (Nom. + Akk. + Impf.)
vanavāsāya gacchantīṃ rudatī
die zum Waldleben aufbrach, weinend (Dat. + Ptz. + Nom.)
„bhadrayā“ [?] – unklar, ob hiermit eine namentlich genannte Begleiterin gemeint ist oder ob eine Kurzform für Subhadrā (Arjunas Gattin) vorliegt; die Stelle bleibt im Quelltext mehrdeutig.