Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Āśramavāsikaparva

Kapitel 13: gāndhārīsaṃvādaḥ prajāsaṃbhāṣaṇaṃ ca Gāndhārīs Frage und Dhṛtarāṣṭras Abschiedsrede an die Untertanen

yudhiṣṭhira uvāca evam etat kariṣyāmi yathāttha pṛthivīpate bhūyaś caivānuśāsyo 'haṃ bhavatā pārthivarṣabha

Yudhiṣṭhira sprach: „So werde ich es tun, wie du gesagt hast, o Herrscher der Erde; und ich bitte, von dir auch weiterhin unterwiesen zu werden, o Stier der Könige.

Wort für Wort
evam etat kariṣyāmi
so werde ich es tun (Fut.)
bhūyaś cānuśāsyo 'ham
und ich bitte, weiterhin unterwiesen zu werden (Ger.)

bhīṣme svargam anuprāpte gate ca madhusūdane vidure saṃjaye caiva ko 'nyo māṃ vaktum arhati

Nachdem Bhīṣma den Himmel erlangt hat und der Töter des Madhu gegangen ist, wer anders als Vidura und Saṃjaya wäre würdig, zu mir zu sprechen?

Wort für Wort
bhīṣme svargam anuprāpte
nachdem Bhīṣma den Himmel erlangt hat (Lok. Abs.)
ko 'nyo māṃ vaktum arhati
wer anders wäre würdig, zu mir zu sprechen (Rhet. Frage)

yat tu mām anuśāstīha bhavān adya hite sthitaḥ kartāsmy etan mahīpāla nirvṛto bhava bhārata

Doch was du mich heute hier lehrst, in meinem Wohl gegründet, das werde ich tun, o Herrscher der Erde; sei ohne Sorge, o Nachkomme Bharatas.“

Wort für Wort
hite sthitaḥ
in meinem Wohl gegründet (Nom.)
nirvṛto bhava
sei ohne Sorge (Imp.)

vaiśaṃpāyana uvāca evam uktaḥ sa rājarṣir dharmarājena dhīmatā kaunteyaṃ samanujñātum iyeṣa bharatarṣabha

Vaiśaṃpāyana sprach: So angesprochen, wünschte jener königliche Weise vom weisen Dharmarāja Abschied vom Sohn der Kuntī zu nehmen, o Stier der Bharatas.

Wort für Wort
evam uktaḥ
so angesprochen (Ptz.)
samanujñātum iyeṣa
wünschte Abschied zu nehmen (Desid.)

putra viśramyatāṃ tāvan mamāpi balavāñ śramaḥ ity uktvā prāviśad rājā gāndhāryā bhavanaṃ tadā

„Sohn, ruhe dich einstweilen aus; auch ich bin sehr müde“, so sprach er, und dann trat der König in Gāndhārīs Gemach ein.

Wort für Wort
viśramyatāṃ
ruhe dich aus (Imp. Pass.)
prāviśad rājā gāndhāryā bhavanam
trat der König in Gāndhārīs Gemach ein (Impf.)

tam āsanagataṃ devī gāndhārī dharmacāriṇī uvāca kāle kālajñā prajāpatisamaṃ patim

Zu ihm, der dort saß, sprach die tugendhafte Königin Gāndhārī, die den rechten Zeitpunkt kannte, zur rechten Zeit zu ihrem Gatten, der Prajāpati gleich war:

Wort für Wort
āsanagataṃ
der dort saß (Akk. Ptz.)
kāle kālajñā
zur rechten Zeit, die den rechten Zeitpunkt kannte (Adv. + Adj.)

anujñātaḥ svayaṃ tena vyāsenāpi maharṣiṇā yudhiṣṭhirasyānumate kadāraṇyaṃ gamiṣyasi

„Nachdem du selbst vom großen Weisen Vyāsa die Erlaubnis erhalten hast, und mit Yudhiṣṭhiras Zustimmung – wann wirst du in den Wald gehen?“

Wort für Wort
anujñātaḥ svayaṃ vyāsena
von dir selbst von Vyāsa die Erlaubnis erhalten (Ptz. + Instr.)
kadāraṇyaṃ gamiṣyasi
wann wirst du in den Wald gehen (Fut.)

dhṛtarāṣṭra uvāca gāndhāry aham anujñātaḥ svayaṃ pitrā mahātmanā yudhiṣṭhirasyānumate gantāsmi nacirād vanam

Dhṛtarāṣṭra sprach: „O Gāndhārī, ich habe selbst die Erlaubnis vom hochherzigen Vater erhalten; mit Yudhiṣṭhiras Zustimmung werde ich bald in den Wald gehen.

Wort für Wort
anujñātaḥ svayaṃ pitrā
von dem Vater selbst die Erlaubnis erhalten (Ptz. + Instr.)
gantāsmi nacirād vanam
werde ich bald in den Wald gehen (Fut. periphr.)

ahaṃ hi nāma sarveṣāṃ teṣāṃ durdyūtadevinām putrāṇāṃ dātum icchāmi pretyabhāvānugaṃ vasu sarvaprakṛtisāṃnidhyaṃ kārayitvā svaveśmani

Denn ich wünsche all jenen Söhnen, die dem schlimmen Würfelspiel verfallen waren, noch die für das Jenseits bestimmte Gabe zu geben, nachdem ich alle Untertanen in meinem eigenen Hause habe versammeln lassen.“

Wort für Wort
durdyūtadevinām putrāṇām
der dem schlimmen Würfelspiel verfallenen Söhne (Gen. Pl.)
pretyabhāvānugaṃ vasu
die für das Jenseits bestimmte Gabe (Akk.)

vaiśaṃpāyana uvāca ity uktvā dharmarājāya preṣayām āsa pārthivaḥ sa ca tadvacanāt sarvaṃ samāninye mahīpatiḥ

Vaiśaṃpāyana sprach: So gesprochen, sandte der König eine Botschaft an den Dharmarāja, und dieser Herrscher der Erde ließ auf jenes Wort hin alles zusammenbringen.

Wort für Wort
preṣayām āsa
sandte eine Botschaft (Perf. periphr.)
sarvaṃ samāninye
ließ alles zusammenbringen (Kaus.)

tato niṣkramya nṛpatis tasmād antaḥpurāt tadā sarvaṃ suhṛjjanaṃ caiva sarvāś ca prakṛtīs tathā samavetāṃś ca tān sarvān paurajānapadān atha

Dann trat der König aus jenem inneren Gemach heraus, und alle Freunde, alle Untertanen, und ebenso alle dort versammelten Stadt- und Landbewohner,

Wort für Wort
niṣkramya antaḥpurāt
aus dem inneren Gemach heraustretend (Abs.)
paurajānapadān
die Stadt- und Landbewohner (Akk. Pl.)

brāhmaṇāṃś ca mahīpālān nānādeśasamāgatān tataḥ prāha mahātejā dhṛtarāṣṭro mahīpatiḥ

und die Brahmanen und Herrscher, die aus verschiedenen Ländern zusammengekommen waren – zu ihnen allen sprach dann der hochenergische Dhṛtarāṣṭra, der Herrscher der Erde.

Wort für Wort
nānādeśasamāgatān
die aus verschiedenen Ländern Zusammengekommenen (Akk. Pl.)
prāha mahātejā
sprach der Hochenergische (Perf.)

śṛṇvanty ekāgramanaso brāhmaṇāḥ kurujāṅgalāḥ kṣatriyāś caiva vaiśyāś ca śūdrāś caiva samāgatāḥ

Mit gesammeltem Sinn hörten die Brahmanen des Kurujāṅgala-Landes zu, und ebenso die versammelten Kṣatriyas, Vaiśyas und Śūdras.

Wort für Wort
ekāgramanasaḥ śṛṇvanti
mit gesammeltem Sinn hören sie zu (Ptz. + Verb)
kurujāṅgalāḥ
die des Kurujāṅgala-Landes (Nom. Pl.)

bhavantaḥ kuravaś caiva bahukālaṃ sahoṣitāḥ parasparasya suhṛdaḥ parasparahite ratāḥ

„Ihr Kurus, die ihr nun schon so lange Zeit zusammen gewohnt habt, einander Freunde, dem gegenseitigen Wohl zugetan –

Wort für Wort
bhavantaḥ kuravaḥ
ihr Kurus (Vok./Nom. Pl.)
bahukālaṃ sahoṣitāḥ
die lange Zeit zusammen gewohnt haben (Akk. + Ptz.)

yad idānīm ahaṃ brūyām asmin kāla upasthite tathā bhavadbhiḥ kartavyam avicārya vaco mama

was ich nun in dieser gekommenen Stunde sagen werde, das sollt ihr tun, ohne meine Worte in Zweifel zu ziehen.

Wort für Wort
kāla upasthite
da die Stunde gekommen ist (Lok. Abs.)
avicārya vaco mama
ohne meine Worte in Zweifel zu ziehen (Abs. + Akk.)

araṇyagamane buddhir gāndhārīsahitasya me vyāsasyānumate rājñas tathā kuntīsutasya ca bhavanto 'py anujānantu mā vo 'nyā bhūd vicāraṇā

Mein Entschluss, zusammen mit Gāndhārī in den Wald zu ziehen, ist mit Zustimmung des Weisen Vyāsa und des Königs, des Sohnes der Kuntī, gefasst; so möget auch ihr eure Erlaubnis geben, es soll bei euch keine andere Erwägung sein.

Wort für Wort
araṇyagamane buddhiḥ
der Entschluss, in den Wald zu ziehen (Lok. + Nom.)
bhavanto 'py anujānantu
so möget auch ihr eure Erlaubnis geben (Imp.)

asmākaṃ bhavatāṃ caiva yeyaṃ prītir hi śāśvatī na cānyeṣv asti deśeṣu rājñām iti matir mama

Diese Zuneigung zwischen uns und euch ist eine ewige; in anderen Ländern gibt es sie bei Königen nicht in gleicher Weise, so ist meine Meinung.

Wort für Wort
prītir hi śāśvatī
die Zuneigung ist ewig (Nom.)
deśeṣu rājñām
bei Königen in anderen Ländern (Lok. + Gen.)

śrānto 'smi vayasānena tathā putravinākṛtaḥ upavāsakṛśaś cāsmi gāndhārīsahito 'naghāḥ

Ich bin erschöpft durch mein Alter, und ebenso beraubt meiner Söhne; ich bin abgemagert durch Fasten, zusammen mit Gāndhārī, ihr Untadeligen.

Wort für Wort
śrānto vayasānena
erschöpft durch das Alter (Nom. + Instr.)
upavāsakṛśaḥ
abgemagert durch Fasten (Nom.)

yudhiṣṭhiragate rājye prāptaś cāsmi sukhaṃ mahat manye duryodhanaiśvaryād viśiṣṭam iti sattamāḥ

Seit das Königreich an Yudhiṣṭhira übergegangen ist, habe ich großes Glück erlangt; ich halte es für vorzüglicher als Duryodhanas Herrschaft, ihr Vortrefflichen.

Wort für Wort
yudhiṣṭhiragate rājye
seit das Königreich an Yudhiṣṭhira übergegangen ist (Lok. Abs.)
duryodhanaiśvaryād viśiṣṭam
vorzüglicher als Duryodhanas Herrschaft (Abl. + Adj.)

mama tv andhasya vṛddhasya hataputrasya kā gatiḥ ṛte vanaṃ mahābhāgās tan mānujñātum arhatha

Doch welchen Ausweg gibt es für mich, den Blinden, den Alten, den seiner Söhne Beraubten, außer dem Wald, ihr Hochbeglückten? So möget ihr mir dies erlauben.“

Wort für Wort
andhasya vṛddhasya hataputrasya
des Blinden, Alten, seiner Söhne Beraubten (Gen.)
tan mānujñātum arhatha
so möget ihr mir dies erlauben (Imp.)

tasya tad vacanaṃ śrutvā sarve te kurujāṅgalāḥ bāṣpasaṃdigdhayā vācā rurudur bharatarṣabha

Als sie dieses seine Wort gehört hatten, weinten alle jene Bewohner des Kurujāṅgala-Landes mit von Tränen erstickter Stimme, o Nachkomme Bharatas.

Wort für Wort
tad vacanaṃ śrutvā
als sie dieses Wort gehört hatten (Abs.)
bāṣpasaṃdigdhayā vācā
mit von Tränen erstickter Stimme (Instr.)

tān avibruvataḥ kiṃ cid duḥkhaśokaparāyaṇān punar eva mahātejā dhṛtarāṣṭro 'bravīd idam

Zu ihnen, die, ganz von Kummer und Trauer erfüllt, kein Wort erwiderten, sprach der hochenergische Dhṛtarāṣṭra abermals dies:

Wort für Wort
avibruvataḥ
die nicht erwiderten (Gen./Akk. Ptz.)
punar eva 'bravīd idam
sprach abermals dies (Impf.)

Kapitel endet offen: die eigentliche Rede beginnt erst zu Beginn von Kap.14, das unmittelbar mit "dhṛtarāṣṭra uvāca" und echtem Redeinhalt fortsetzt (verifiziert).

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