Kapitel 42
Vaiśaṃpāyanas Lehre von Karma und Wiederkehr
Vaiśaṃpāyana (im Rahmen der Erzählung an Janamejaya) erklärt philosophisch, wie das Wunder der Wiederkehr der Toten mit der Lehre von Karma, Körper und Selbst zusammenhängt. Rahmen-Dialog (Vaiśaṃpāyana/Janamejaya), nach Konvention unmarkiert.
abravīc ca mudā yuktaḥ punarāgamanaṃ prati kathaṃ nu tyaktadehānāṃ punas tad rūpadarśanam
Und voll Freude sprach er im Hinblick auf die Wiederkehr: Wie geschieht wohl bei denen, die ihren Körper verlassen haben, wiederum jener Anblick in ihrer Gestalt?
Wort für Wort
abravīc ca mudā yuktaḥ punarāgamanaṃ prati
und voll Freude sprach er im Hinblick auf die Wiederkehr (Perf. + Instr.Bahuvrīhi + Akk.)
kathaṃ nu tyaktadehānāṃ punas tad rūpadarśanam
wie geschieht wohl bei denen, die ihren Körper verlassen haben, wiederum jener Anblick in ihrer Gestalt (Gen.Pl.Bahuvrīhi + Nom.)
Das Nicht-Verlorengehen aller Taten [Karmas] ist die feststehende Wahrheit, o König; ebenso sind die Körper aus den Taten geboren, wie auch die äußeren Gestalten.
Wort für Wort
avipraṇāśaḥ sarveṣāṃ karmaṇām iti niścayaḥ
das Nicht-Verlorengehen aller Taten ist die feststehende Wahrheit (Nom. + Gen.Pl. + Nom.)
karmajāni śarīrāṇi tathaivākṛtayo nṛpa
ebenso sind die Körper aus den Taten geboren, wie auch die äußeren Gestalten, o König (Nom.Pl. + Nom.Pl. + Vok.)
Nicht zum Vergehen bestimmt ist die vollzogene Tat, und deren gewünschtes Ergebnis ist die Frucht; das Selbst, mit diesen verbunden, genießt Glück und Leid.
Wort für Wort
anāśāya kṛtaṃ karma tasya ceṣṭaḥ phalāgamaḥ
nicht zum Vergehen bestimmt ist die vollzogene Tat, und deren gewünschtes Ergebnis ist die Frucht (Dat. + Nom. + Gen. + Nom.)
ātmā caibhiḥ samāyuktaḥ sukhaduḥkham upāśnute
das Selbst, mit diesen verbunden, genießt Glück und Leid (Nom. + Instr.Pl. + Nom.Part. + Akk. + Präs.Med.)
Unvergänglich und ewig ist der Feldkenner [die Seele] - so ist die feststehende Wahrheit; die Wesensnatur der Geschöpfe, die beständig ist, jene mögen die Erkennenden verstehen.
Wort für Wort
avināśī tathā nityaṃ kṣetrajña iti niścayaḥ
unvergänglich und ewig ist der Feldkenner - so die feststehende Wahrheit (Nom. + Nom. + Nom.)
bhūtānām ātmabhāvo yo dhruvo 'sau saṃvijānatām
die Wesensnatur der Geschöpfe, die beständig ist, mögen die Erkennenden verstehen (Gen.Pl. + Nom. + Gen.Pl.Part.)
Aus mannigfachem Sein gelangen sie ebenso, nachdem sie den Körper erlangt haben, vereint zur Einheit; sie sind ebenso ewig für die, die den gesonderten Zustand erkennen.
Wort für Wort
nānābhāvās tathaikatvaṃ śarīraṃ prāpya saṃhatāḥ
aus mannigfachem Sein gelangen sie ebenso, nachdem sie den Körper erlangt haben, vereint zur Einheit (Nom.Pl. + Akk. + Akk. + Absol. + Nom.Pl.Part.)
bhavanti te tathā nityāḥ pṛthagbhāvaṃ vijānatām
sie sind ebenso ewig für die, die den gesonderten Zustand erkennen (Präs. + Nom.Pl. + Nom.Pl. + Akk. + Gen.Pl.Part.)
[?] Die genaue syntaktische Fügung dieses Verses (nānābhāvāḥ...ekatvam...saṃhatāḥ) bleibt im Detail unsicher; sinngemäß auf die Vereinigung mannigfacher Elemente im Körper bezogen.
aśvamedhe śrutiś ceyam aśvasaṃjñapanaṃ prati lokāntaragatā nityaṃ prāṇā nityā hi vājinaḥ
Beim Pferdeopfer gibt es auch diese Überlieferung, in Bezug auf das Töten des Pferdes: In eine andere Welt gegangen sind die Lebenshauche stets, denn ewig ist das Ross.
Wort für Wort
aśvamedhe śrutiś ceyam aśvasaṃjñapanaṃ prati
beim Pferdeopfer gibt es auch diese Überlieferung, in Bezug auf das Töten des Pferdes (Lok. + Nom. + Akk.)
lokāntaragatā nityaṃ prāṇā nityā hi vājinaḥ
in eine andere Welt gegangen sind die Lebenshauche stets, denn ewig ist das Ross (Nom.Pl. + Nom.Pl. + Nom. + Nom.)
sukṛto yatra te yajñas tatra devā hitās tava yadā samanvitā devāḥ paśūnāṃ gamaneśvarāḥ gatimantaś ca teneṣṭvā nānye nityā bhavanti te
Wo dein Opfer wohlvollzogen ist, dort sind die Götter dir zugetan; wenn die Götter, die Herren über den Gang der Opfertiere, mit Bewegung versehen sind, so werden sie, durch dieses Opfer geehrt, nicht anders als ewig.
Wort für Wort
sukṛto yatra te yajñas tatra devā hitās tava
wo dein Opfer wohlvollzogen ist, dort sind die Götter dir zugetan (Nom. + Lok.Rel. + Nom. + Nom.Pl. + Nom.Pl.)
yadā samanvitā devāḥ paśūnāṃ gamaneśvarāḥ gatimantaś ca teneṣṭvā nānye nityā bhavanti te
wenn die Götter, die Herren über den Gang der Opfertiere, mit Bewegung versehen sind, werden sie, durch dieses Opfer geehrt, nicht anders als ewig (Nom.Pl. + Gen.Pl. + Nom.Pl.Bahuvrīhi + Absol. + Präs.)
[?] Der genaue Bezug von "gatimantaḥ" und "nānye nityāḥ" in diesem dicht komprimierten philosophischen Vers bleibt unsicher; sinngemäß wiedergegeben.
nitye 'smin pañcake varge nitye cātmani yo naraḥ asya nānāsamāyogaṃ yaḥ paśyati vṛthāmatiḥ viyoge śocate 'tyarthaṃ sa bāla iti me matiḥ
In dieser ewigen fünffachen Gruppe [der Elemente] und im ewigen Selbst - welcher Mensch deren mannigfache Verbindung erblickt, der ist irrsinnigen Denkens; wer bei der Trennung übermäßig trauert, der ist ein Kind, so ist meine Meinung.
Wort für Wort
nitye 'smin pañcake varge nitye cātmani yo naraḥ
in dieser ewigen fünffachen Gruppe und im ewigen Selbst - welcher Mensch (Lok. + Lok. + Nom.)
asya nānāsamāyogaṃ yaḥ paśyati vṛthāmatiḥ
deren mannigfache Verbindung erblickt, der ist irrsinnigen Denkens (Gen. + Akk. + Präs. + Nom.Bahuvrīhi)
viyoge śocate 'tyarthaṃ sa bāla iti me matiḥ
wer bei der Trennung übermäßig trauert, der ist ein Kind, so ist meine Meinung (Lok. + Präs.Med. + Adv. + Nom. + Gen. + Nom.)
Wer in der Trennung den Fehler sieht, der sollte hier die Verbindung meiden; wo keine Anhaftung ist, gibt es kein Zusammensein, und kein aus Trennung geborenes Leid auf Erden.
Wort für Wort
viyoge doṣadarśī yaḥ saṃyogam iha varjayet
wer in der Trennung den Fehler sieht, der sollte hier die Verbindung meiden (Lok. + Nom.Bahuvrīhi + Akk. + Opt.)
asaṅge saṃgamo nāsti duḥkhaṃ bhuvi viyogajam
wo keine Anhaftung ist, gibt es kein Zusammensein, und kein aus Trennung geborenes Leid auf Erden (Lok. + Nom. + Nom. + Lok.)
Der Mensch aber, der das Höhere und das Niedere kennt, äußert sich nicht aus Dünkel; wer nur das Niedere kennt, wird, nachdem er die höhere Einsicht berührt hat, von Verblendung befreit.
Wort für Wort
parāparajñas tu naro nābhimānād udīritaḥ
der Mensch aber, der das Höhere und das Niedere kennt, äußert sich nicht aus Dünkel (Nom.Bahuvrīhi + Nom. + Abl. + Nom.Part.Perf.Pass.)
aparajñaḥ parāṃ buddhiṃ spṛṣṭvā mohād vimucyate
wer nur das Niedere kennt, wird, nachdem er die höhere Einsicht berührt hat, von Verblendung befreit (Nom.Bahuvrīhi + Akk. + Absol. + Abl. + Präs.Pass.)
adarśanād āpatitaḥ punaś cādarśanaṃ gataḥ nāhaṃ taṃ vedmi nāsau māṃ na ca me 'sti virāgatā
Aus dem Nicht-Sichtbaren hervorgetreten, geht er wieder ins Nicht-Sichtbare ein; ich kenne ihn nicht, und jener kennt mich nicht, und doch besteht bei mir keine Abneigung.
Wort für Wort
adarśanād āpatitaḥ punaś cādarśanaṃ gataḥ
aus dem Nicht-Sichtbaren hervorgetreten, geht er wieder ins Nicht-Sichtbare ein (Abl. + Nom.Part.Perf.Pass. + Akk. + Nom.Part.Perf.Pass.)
nāhaṃ taṃ vedmi nāsau māṃ na ca me 'sti virāgatā
ich kenne ihn nicht, und jener kennt mich nicht, und doch besteht bei mir keine Abneigung (Nom. + Akk. + Präs. + Nom. + Akk. + Gen. + Nom.)
yena yena śarīreṇa karoty ayam anīśvaraḥ tena tena śarīreṇa tad avaśyam upāśnute mānasaṃ manasāpnoti śārīraṃ ca śarīravān
Mit welchem Körper auch immer dieser Machtlose handelt, mit eben jenem Körper genießt er unweigerlich dessen Frucht; das Geistige erlangt er durch den Geist, und das Körperliche der Verkörperte durch den Körper.
Wort für Wort
yena yena śarīreṇa karoty ayam anīśvaraḥ
mit welchem Körper auch immer dieser Machtlose handelt (Instr. + Präs. + Nom. + Nom.)
tena tena śarīreṇa tad avaśyam upāśnute
mit eben jenem Körper genießt er unweigerlich dessen Frucht (Instr. + Akk. + Adv. + Präs.Med.)
mānasaṃ manasāpnoti śārīraṃ ca śarīravān
das Geistige erlangt er durch den Geist, und das Körperliche der Verkörperte durch den Körper (Akk. + Instr. + Präs. + Akk. + Nom.Bahuvrīhi)