„Janamejaya sprach: Als meine hochgesegneten Großväter, die Pāṇḍavas, das Königreich erlangt hatten – wie verhielten sie sich gegenüber dem großen, hochgesinnten König Dhṛtarāṣṭra?
Wort für Wort
prāpya rājyam
nachdem sie das Königreich erlangt hatten (Absol.)
mahātmani dhṛtarāṣṭre
gegenüber dem hochgesinnten Dhṛtarāṣṭra (Lok.)
Beginn des Aśramavāsikaparva: Janamejaya erkundigt sich bei Vaiśaṃpāyana nach dem Schicksal Dhṛtarāṣṭras und Gāndhārīs nach dem Ende des Krieges.
sa hi rājā hatāmātyo hataputro nirāśrayaḥ katham āsīd dhataiśvaryo gāndhārī ca yaśasvinī
Wie erging es denn diesem König, dessen Minister und Söhne getötet waren, der ohne Zuflucht und seiner Herrschermacht beraubt war, und der ruhmreichen Gāndhārī?
Vaiśaṃpāyana sprach: Nachdem die hochgesinnten Pāṇḍavas, ihrer Feinde ledig, das Königreich erlangt hatten, beschützten sie die Erde, indem sie Dhṛtarāṣṭra voranstellten.
Wort für Wort
hataśatravaḥ
ihrer Feinde ledig (Adj. Pl.)
dhṛtarāṣṭraṃ puraskṛtya
indem sie Dhṛtarāṣṭra voranstellten (Absol.)
Reine Erzähler-Wiederaufnahme ohne eigene Redeanrede an Janamejaya, daher kein eigenes CQ-Paar (vgl. Regel: bloßer Sprecherwechsel-Tag löst ohne echten Redeinhalt kein neues Markerpaar aus); ab hier unmarkierte Grundnarration.
Vidura und ebenso Saṃjaya dienten Dhṛtarāṣṭra, und auch der kluge Yuyutsu, der Sohn einer Vaiśyā, jener Kaurava.
Wort für Wort
vaiśyāputraḥ
der Sohn einer Vaiśyā (Nom.)
upātiṣṭhat
er diente/wartete auf (Impf.)
Yuyutsu: Sohn Dhṛtarāṣṭras von einer Vaiśyā-Frau, der einzige seiner Söhne, der den Krieg überlebte (er hatte sich vor der Schlacht den Pāṇḍavas angeschlossen).
sadā hi gatvā te vīrāḥ paryupāsanta taṃ nṛpam pādābhivandanaṃ kṛtvā dharmarājamate sthitāḥ te mūrdhni samupāghrātāḥ sarvakāryāṇi cakrire
Stets gingen jene Helden zu ihm und warteten dem König auf; nachdem sie seine Füße verehrt hatten, standen sie, dem Willen des Dharma-Königs folgend, vor ihm, von ihm auf das Haupt geküsst, und verrichteten alle Angelegenheiten.
Wort für Wort
pādābhivandanaṃ kṛtvā
nachdem sie die Füße verehrt hatten (Absol.)
mūrdhni samupāghrātāḥ
auf das Haupt geküsst (Ptz. Pl.)
Das Küssen auf das Haupt ist im Epos eine gängige Geste väterlichen Segens.
kuntibhojasutā caiva gāndhārīm anvavartata draupadī ca subhadrā ca yāś cānyāḥ pāṇḍavastriyaḥ samāṃ vṛttim avartanta tayoḥ śvaśrvor yathāvidhi
Die Tochter des Kuntibhoja wartete Gāndhārī auf, ebenso Draupadī und Subhadrā, und auch die anderen Frauen der Pāṇḍavas erwiesen den beiden Schwiegermüttern vorschriftsmäßig gleichen Dienst.
Wort für Wort
kuntibhojasutā
die Tochter des Kuntibhoja, Kuntī (Nom.)
śvaśrvoḥ
den beiden Schwiegermüttern (Gen./Dat. Dual)
Die Tochter des Kuntibhoja: Kuntī. „Den beiden Schwiegermüttern“: Kuntī und Gāndhārī.
śayanāni mahārhāṇi vāsāṃsy ābharaṇāni ca rājārhāṇi ca sarvāṇi bhakṣyabhojyāny anekaśaḥ yudhiṣṭhiro mahārāja dhṛtarāṣṭre 'bhyupāharat
Kostbare Lagerstätten, Gewänder und Schmuck, und alle königswürdige Speise und Trank in Fülle – dies alles brachte Yudhiṣṭhira, o Großkönig, dem Dhṛtarāṣṭra dar.
Ebenso erwies Kuntī der Gāndhārī den Dienst, der einer Respektsperson gebührt; und Vidura und Saṃjaya und der Kaurava Yuyutsu warteten jenem alten, seiner Söhne beraubten Herrscher der Menschen auf.
Wort für Wort
guruvṛttim avartata
sie erwies den Dienst einer Respektsperson (Impf.)
hataputraṃ janādhipam
dem seiner Söhne beraubten Herrscher der Menschen (Akk.)
akarod bandhamokṣāṃś ca vadhyānāṃ mokṣaṇaṃ tathā na ca dharmātmajo rājā kadā cit kiṃ cid abravīt
Er bewirkte die Freilassung von Gefangenen und ebenso die Begnadigung von zum Tode Verurteilten, und der Dharma-Sohn-König sprach niemals auch nur ein Wort dagegen.
Wort für Wort
bandhamokṣān
die Freilassung von Gefangenen (Akk. Pl.)
dharmātmajo rājā
der Dharma-Sohn-König, Yudhiṣṭhira (Nom.)
Der Dharma-Sohn-König: Yudhiṣṭhira, Sohn des Gottes Dharma.
dhṛṣṭaketoś ca bhaginī jarāsaṃdhasya cātmajā kiṃkarāḥ smopatiṣṭhanti sarvāḥ subalajāṃ tathā
und die Schwester des Dhṛṣṭaketu, und die Tochter des Jarāsaṃdha – sie alle dienten wie Mägde der Tochter Subalas.
Wort für Wort
dhṛṣṭaketoḥ bhaginī
die Schwester des Dhṛṣṭaketu (Nom.)
subalajām
die Tochter Subalas, Gāndhārī (Akk.)
[?] Die genaue Identität der hier genannten Schwester des Dhṛṣṭaketu und der Tochter des Jarāsaṃdha (vermutlich weitere mit den Pāṇḍavas verschwägerte Frauen) ist aus dieser knappen Aufzählung nicht mit Sicherheit zu bestimmen. Die Tochter Subalas ist Gāndhārī.
So verhielten sie sich, nachdem sie das bedeutungsvolle Wort des Dharma-Königs vernommen hatten, mit besonderer Rücksicht – außer Bhīma allein, damals.
Wort für Wort
saviśeṣam avartanta
sie verhielten sich mit besonderer Rücksicht (Impf. + Adv.)
bhīmam ekaṃ vinā
außer Bhīma allein (Präp. + Akk.)
Erste Andeutung eines Risses: anders als die übrigen Brüder zeigt Bhīma keine besondere Rücksichtnahme gegenüber Dhṛtarāṣṭra (Fortsetzung in V025).
na hi tat tasya vīrasya hṛdayād apasarpati dhṛtarāṣṭrasya durbuddher yad vṛttaṃ dyūtakāritam
Denn jenem Helden wich das, was durch das Würfelspiel des übelgesinnten Dhṛtarāṣṭra geschehen war, nicht aus dem Herzen.
Wort für Wort
hṛdayād apasarpati
es weicht aus dem Herzen (Präs.)
dyūtakāritam
durch das Würfelspiel bewirkt/veranlasst (Ptz.)
Anspielung auf das betrügerische Würfelspiel (Sabhāparva), das die Pāṇḍavas ins Exil trieb – Bhīma kann Dhṛtarāṣṭras Mitverantwortung dafür nicht vergessen, was im weiteren Verlauf des Buches zu offenem Konflikt führt.