Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Āśramavāsikaparva

Kapitel 21: dhṛtarāṣṭrasya vananirgamanam Dhṛtarāṣṭras Aufbruch in den Wald

vaiśaṃpāyana uvāca tataḥ prabhāte rājā sa dhṛtarāṣṭro 'mbikāsutaḥ āhūya pāṇḍavān vīrān vanavāsakṛtakṣaṇaḥ

Vaiśaṃpāyana sprach: Dann, im Morgengrauen, rief jener König Dhṛtarāṣṭra, der Sohn der Ambikā, der für das Waldleben die Stunde bestimmt hatte, die heldenhaften Pāṇḍavas herbei,

Wort für Wort
vanavāsakṛtakṣaṇaḥ
der für das Waldleben die Stunde bestimmt hatte (Nom.)
āhūya pāṇḍavān vīrān
die heldenhaften Pāṇḍavas herbeirufend (Abs. + Akk.)

gāndhārīsahito dhīmān abhinandya yathāvidhi kārttikyāṃ kārayitveṣṭiṃ brāhmaṇair vedapāragaiḥ

zusammen mit Gāndhārī, der Weise, nachdem er sie vorschriftsgemäß geehrt hatte, und nachdem er am Kārttika-Vollmond ein Opfer hatte vollziehen lassen durch Brahmanen, die im Veda bewandert waren,

Wort für Wort
abhinandya yathāvidhi
vorschriftsgemäß geehrt habend (Abs. + Adv.)
kārayitveṣṭiṃ brāhmaṇaiḥ
das Opfer durch Brahmanen vollziehen lassend (Abs. + Instr.)

agnihotraṃ puraskṛtya valkalājinasaṃvṛtaḥ vadhūparivṛto rājā niryayau bhavanāt tataḥ

nachdem er das Agnihotra-Feueropfer vorangestellt hatte, in Baumrinde und Antilopenfell gehüllt, von den Schwiegertöchtern umringt, zog der König dann aus dem Palast hinaus.

Wort für Wort
agnihotraṃ puraskṛtya
das Feueropfer vorangestellt habend (Abs. + Akk.)
valkalājinasaṃvṛtaḥ
in Baumrinde und Antilopenfell gehüllt (Nom.)

tataḥ striyaḥ kauravapāṇḍavānāṃ; yāś cāpy anyāḥ kauravarājavaṃśyāḥ tāsāṃ nādaḥ prādurāsīt tadānīṃ; vaicitravīrye nṛpatau prayāte

Da erhob sich der Klageruf der Frauen der Kauravas und Pāṇḍavas, und auch der anderen, die dem Kaurava-Königsgeschlecht angehörten, in jenem Augenblick, als der König, der Sohn Vicitravīryas, auszog.

Wort für Wort
nādaḥ prādurāsīt
der Klageruf erhob sich (Nom. + Impf.)
vaicitravīrye nṛpatau prayāte
als der König, der Sohn Vicitravīryas, auszog (Lok. Abs.)

tato lājaiḥ sumanobhiś ca rājā; vicitrābhis tad gṛhaṃ pūjayitvā saṃyojyārthair bhṛtyajanaṃ ca sarvaṃ; tataḥ samutsṛjya yayau narendraḥ

Dann, nachdem der König jenes Haus mit geröstetem Korn und mit vielfältigen schönen Blumen geehrt, und nachdem er alle Dienerschaft mit Mitteln versorgt hatte, zog der Herrscher der Menschen darauf, alles zurücklassend, fort.

Wort für Wort
lājaiḥ sumanobhiḥ pūjayitvā
mit geröstetem Korn und Blumen geehrt habend (Instr. + Abs.)
samutsṛjya yayau
alles zurücklassend zog er fort (Abs. + Impf.)

tato rājā prāñjalir vepamāno; yudhiṣṭhiraḥ sasvanaṃ bāṣpakaṇṭhaḥ vilapyoccair hā mahārāja sādho; kva gantāsīty apatat tāta bhūmau

Da fiel König Yudhiṣṭhira, mit gefalteten Händen, zitternd, mit lautem Schluchzen, die Kehle von Tränen erstickt, laut klagend: „Ach, Großkönig, du Tugendhafter, wohin willst du gehen?“ – zu Boden, o Vater.

Wort für Wort
prāñjalir vepamānaḥ
mit gefalteten Händen, zitternd (Nom.)
kva gantāsi
wohin willst du gehen (Fut. periphr.)

tathārjunas tīvraduḥkhābhitapto; muhur muhur niḥśvasan bhāratāgryaḥ yudhiṣṭhiraṃ maivam ity evam uktvā; nigṛhyāthodīdharat sīdamānaḥ

Ebenso sprach Arjuna, von heftigem Kummer versengt, immer wieder seufzend, der Erste der Bharatas, zu Yudhiṣṭhira, er solle nicht so klagen; und ihn zurückhaltend, richtete er ihn auf, selbst dabei in sich zusammensinkend.

Wort für Wort
tīvraduḥkhābhitaptaḥ
von heftigem Kummer versengt (Nom.)
nigṛhyodīdharat sīdamānaḥ
zurückhaltend richtete er ihn auf, selbst zusammensinkend (Abs. + Impf. + Ptz.)

Arjunas kurzer Zuruf „maivam“ (,nicht so!') wird gemäß der etablierten Konvention für formelhafte Kurzausrufe indirekt wiedergegeben, ohne eigene Anführungszeichen.

vṛkodaraḥ phalgunaś caiva vīrau; mādrīputrau viduraḥ saṃjayaś ca vaiśyāputraḥ sahito gautamena; dhaumyo viprāś cānvayur bāṣpakaṇṭhāḥ

Vṛkodara und Phalguna, die beiden Helden, die beiden Söhne der Mādrī, Vidura und Saṃjaya, der Sohn der Vaiśyā-Frau, zusammen mit Gautama, Dhaumya und die Brahmanen folgten, die Kehlen von Tränen erstickt.

Wort für Wort
mādrīputrau
die beiden Söhne der Mādrī (Nom. Dual)
anvayur bāṣpakaṇṭhāḥ
folgten, die Kehlen von Tränen erstickt (Perf. + Nom. Pl.)

„Der Sohn der Vaiśyā-Frau“ (vaiśyāputra) bezeichnet hier vermutlich Yuyutsu, Dhṛtarāṣṭras Sohn von einer Vaiśya-Dienerin, den einzigen überlebenden Sohn, der zu den Pāṇḍavas übergetreten war [?].

kuntī gāndhārīṃ baddhanetrāṃ vrajantīṃ; skandhāsaktaṃ hastam athodvahantī rājā gāndhāryāḥ skandhadeśe 'vasajya; pāṇiṃ yayau dhṛtarāṣṭraḥ pratītaḥ

Kuntī, die der Gāndhārī, deren Augen verbunden waren und die so dahinschritt, die an ihrer Schulter ruhende Hand trug; und König Dhṛtarāṣṭra, seine Hand an Gāndhārīs Schulter gelegt, ging, gefasst, ihre Hand haltend.

Wort für Wort
baddhanetrāṃ vrajantīm
deren Augen verbunden waren, dahinschreitend (Akk.)
skandhadeśe 'vasajya
an der Schulter gelegt (Lok. + Abs.)

tathā kṛṣṇā draupadī yādavī ca; bālāpatyā cottarā kauravī ca citrāṅgadā yāś ca kāś cit striyo 'nyāḥ; sārdhaṃ rājñā prasthitās tā vadhūbhiḥ

Ebenso Kṛṣṇā Draupadī, und die Yādavī, und Uttarā mit ihrem kleinen Kind, und die Kauravī, und Citrāṅgadā, und welche anderen Frauen es sonst noch gab – sie alle zogen zusammen mit dem König aus, mit den Schwiegertöchtern.

Wort für Wort
bālāpatyā cottarā
Uttarā mit ihrem kleinen Kind (Nom.)
sārdhaṃ rājñā prasthitāḥ
zogen zusammen mit dem König aus (Instr. + Nom. Pl.)

tāsāṃ nādo rudatīnāṃ tadāsīd; rājan duḥkhāt kurarīṇām ivoccaiḥ tato niṣpetur brāhmaṇakṣatriyāṇāṃ; viṭśūdrāṇāṃ caiva nāryaḥ samantāt

Der Klageruf jener weinenden Frauen erhob sich damals, o König, aus Kummer laut, wie der der Fischreiher-Weibchen; dann strömten von allen Seiten die Frauen der Brahmanen, Kṣatriyas, Vaiśyas und Śūdras herbei.

Wort für Wort
kurarīṇām ivoccaiḥ
laut wie der der Fischreiher-Weibchen (Gen. + Adv., Vergleich)
niṣpetur nāryaḥ samantāt
die Frauen strömten von allen Seiten herbei (Perf. + Adv.)

tanniryāṇe duḥkhitaḥ pauravargo; gajāhvaye 'tīva babhūva rājan yathā pūrvaṃ gacchatāṃ pāṇḍavānāṃ; dyūte rājan kauravāṇāṃ sabhāyām

Bei jenem Auszug wurde die Bürgerschaft in Gajāhvaya überaus bekümmert, o König, so wie einst, als die Pāṇḍavas fortzogen, nach dem Würfelspiel in der Versammlungshalle der Kauravas, o König.

Wort für Wort
tanniryāṇe duḥkhitaḥ pauravargaḥ
bei jenem Auszug wurde die Bürgerschaft bekümmert (Lok. + Nom.)
dyūte kauravāṇāṃ sabhāyām
nach dem Würfelspiel in der Versammlungshalle der Kauravas (Lok.)

yā nāpaśyac candramā naiva sūryo; rāmāḥ kadā cid api tasmin narendre mahāvanaṃ gacchati kauravendre; śokenārtā rājamārgaṃ prapeduḥ

Jene Frauen, die weder der Mond noch die Sonne jemals erblickt hatten, traten, von Kummer gequält, auf die Königsstraße hinaus, als jener Herrscher der Menschen, der Kaurava-Fürst, in den großen Wald zog.

Wort für Wort
yā nāpaśyac candramā naiva sūryaḥ
die weder Mond noch Sonne erblickt hatten (Nom. Pl. + Impf.)
śokenārtā rājamārgaṃ prapeduḥ
von Kummer gequält traten sie auf die Königsstraße (Instr. + Akk. + Perf.)

Die Verse V004, V011-013 stehen im Triṣṭubh-Versmaß statt des sonst üblichen Śloka, wie im Quelltext an der abweichenden Zeilenstruktur erkennbar.

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