Janamejaya sprach: Als König Dhṛtarāṣṭra, der Herr der Erde, der Tiger unter den Herrschern, ins Waldleben gegangen war, o Brahmane, zusammen mit seiner Gattin, begleitet von der Schwiegertochter Kuntī,
Wort für Wort
vanavāsaṃ gate dhṛtarāṣṭre
als Dhṛtarāṣṭra ins Waldleben gegangen war (Lok. Abs.)
mahīpatau nṛpaśārdūle
der Herr der Erde, der Tiger unter den Herrschern (Lok. Adj.)
sabhārye
zusammen mit der Gattin (Adj.)
vadhvā kuntyā samanvite
begleitet von der Schwiegertochter Kuntī (Instr. + Ptz.)
'vadhū' (Schwiegertochter/junge Frau) wird hier lose für Kuntī verwendet, die genealogisch Dhṛtarāṣṭras Schwägerin, nicht Schwiegertochter ist.[?]
und als auch Vidura zur Vollendung gelangt war, nachdem er beim Dharma-König Zuflucht genommen hatte, während alle Söhne des Pāṇḍu im ganzen Umkreis des Āśrama weilten –
Wort für Wort
vidure ca saṃsiddhe
und als Vidura vollendet war (Lok. Abs.)
dharmarājaṃ vyapāśrite
der beim Dharma-König Zuflucht genommen hatte (Akk. + Ptz.)
māsam ekaṃ vijahrus te sasainyāntaḥpurā vane atha tatrāgamad vyāso yathoktaṃ te mayānagha
Einen ganzen Monat verweilten sie vergnügt im Wald, zusammen mit Heer und Frauengemach; dann kam Vyāsa dorthin, wie ich es dir bereits gesagt habe, o Schuldloser.
Wort für Wort
māsam ekaṃ vijahrus te
einen Monat lang vergnügten sie sich (Akk. + Perf.)
sasainyāntaḥpurā vane
samt Heer und Frauengemach im Wald (Adj. + Lok.)
atha tatrāgamad vyāsaḥ
dann kam dort Vyāsa an (Impf.)
yathoktaṃ te mayānagha
wie ich es dir bereits gesagt habe, o Schuldloser (Adj. + Instr. + Vok.)
niṣedus te tataḥ sarve pūjāṃ prāpya yudhiṣṭhirāt āsaneṣv atha puṇyeṣu barhiṣkeṣu vareṣu ca
Dann setzten sie sich alle, nachdem sie von Yudhiṣṭhira Verehrung empfangen hatten, auf heiligen, mit Opfergras bedeckten, vortrefflichen Sitzen nieder.
Wort für Wort
niṣedus te tataḥ sarve
dann setzten sie sich alle (Perf. + Nom. Pl.)
pūjāṃ prāpya yudhiṣṭhirāt
nachdem sie von Yudhiṣṭhira Verehrung empfangen hatten (Abs. + Abl.)
āsaneṣv atha puṇyeṣu
dann auf heiligen Sitzen (Lok.)
barhiṣkeṣu vareṣu ca
mit Opfergras bedeckten, vortrefflichen (Lok. Adj.)
tataḥ kathānte vyāsas taṃ prajñācakṣuṣam īśvaram provāca vadatāṃ śreṣṭhaḥ punar eva sa tad vacaḥ prīyamāṇo mahātejāḥ sarvavedavidāṃ varaḥ
Dann, am Ende der Erzählung, sprach Vyāsa, der Beste der Redner, von großer Glut, der Vortrefflichste unter allen Kennern der Veden, erfreut, jenes Wort abermals zu jenem Herrscher mit dem Weisheitsauge.
Wort für Wort
tataḥ kathānte vyāsaḥ
dann, am Ende der Erzählung, Vyāsa (Adv. + Nom.)
taṃ prajñācakṣuṣam īśvaram
zu jenem Herrscher mit dem Weisheitsauge (Akk.)
provāca vadatāṃ śreṣṭhaḥ
sprach, der Beste der Redner (Perf. + Nom.)
prīyamāṇo mahātejāḥ sarvavedavidāṃ varaḥ
erfreut, von großer Glut, der Vortrefflichste aller Kenner der Veden (Ptz. + Nom.)
viditaṃ mama rājendra yat te hṛdi vivakṣitam dahyamānasya śokena tava putrakṛtena vai
„Bekannt ist mir, o Herrscher der Könige, was du in deinem Herzen zu sagen wünschst, während du, von Kummer verzehrt, fürwahr wegen deiner Söhne leidest.
Wort für Wort
viditaṃ mama rājendra
bekannt ist mir, o Herrscher der Könige (Ptz. + Vok.)
yat te hṛdi vivakṣitam
was du in deinem Herzen zu sagen wünschst (Rel. + Lok. + Ptz.)
dahyamānasya śokena
während du von Kummer verzehrt wirst (Ptz. + Instr.)
tava putrakṛtena vai
fürwahr wegen deiner Söhne verursacht (Adj. + Partikel)
evam uktaḥ sa rājendro vyāsenāmitabuddhinā muhūrtam iva saṃcintya vacanāyopacakrame
So von Vyāsa, dem von unermesslicher Einsicht, angesprochen, begann jener König der Könige, nachdem er einen Augenblick nachgedacht hatte, zu sprechen.
Wort für Wort
evam uktaḥ sa rājendraḥ
so angesprochen, jener König der Könige (Ptz. + Nom.)
vyāsenāmitabuddhinā
von Vyāsa, dem von unermesslicher Einsicht (Instr.)
muhūrtam iva saṃcintya
nachdem er einen Augenblick nachgedacht hatte (Akk. + Abs.)
darśanād eva bhavatāṃ pūto 'haṃ nātra saṃśayaḥ vidyate na bhayaṃ cāpi paralokān mamānaghāḥ
Allein durch euren Anblick bin ich gereinigt, daran besteht kein Zweifel; und auch keine Furcht vor der jenseitigen Welt gibt es für mich, ihr Schuldlosen.
Wort für Wort
darśanād eva bhavatām
allein durch euren Anblick (Abl. + Gen.)
pūto 'haṃ nātra saṃśayaḥ
bin ich gereinigt, daran besteht kein Zweifel (Ptz. + Nom.)
vidyate na bhayaṃ cāpi
und auch keine Furcht gibt es (Präs. + Nom.)
paralokān mamānaghāḥ
vor der jenseitigen Welt für mich, ihr Schuldlosen (Abl. + Vok.)
kiṃ tu tasya sudurbuddher mandasyāpanayair bhṛśam dūyate me mano nityaṃ smarataḥ putragṛddhinaḥ
Doch durch die Verfehlungen jenes von sehr schlechtem Verstand, des Törichten, schmerzt mein Herz heftig, immer wenn ich mich an meinen nach Herrschaft gierigen Sohn erinnere.
Wort für Wort
kiṃ tu tasya sudurbuddheḥ
doch durch die Verfehlungen jenes von sehr schlechtem Verstand (Gen.)
mandasyāpanayair bhṛśam
des Törichten, heftig (Gen. + Instr. Pl. + Adv.)
dūyate me mano nityam
schmerzt mein Herz beständig (Präs. + Gen. + Nom.)
smarataḥ putragṛddhinaḥ
wenn ich mich an meinen herrschsüchtigen Sohn erinnere (Ptz. + Gen.)
durch den die schuldlosen Pāṇḍavas, den von sündiger Gesinnung, betrogen wurden, und durch den diese Erde samt Menschen und Elefanten jäh vernichtet wurde,
Wort für Wort
apāpāḥ pāṇḍavā yena
die schuldlosen Pāṇḍavas, durch den (Nom. Pl. + Instr.)
nikṛtāḥ pāpabuddhinā
betrogen, den von sündiger Gesinnung (Ptz. + Instr.)
kā nu teṣāṃ gatir brahman mitrārthe ye hatā mṛdhe tathaiva putrapautrāṇāṃ mama ye nihatā yudhi
welches Los, o Brahmane, ist wohl jenen beschieden, die um der Freunde willen im Kampf erschlagen wurden, ebenso wie das Los meiner Söhne und Enkel, die im Krieg getötet wurden?
Wort für Wort
kā nu teṣāṃ gatir brahman
welches Los ist wohl ihnen beschieden, o Brahmane (Interr. + Gen. + Nom. + Vok.)
mitrārthe ye hatā mṛdhe
die um der Freunde willen im Kampf getötet wurden (Lok. + Rel. + Ptz. + Lok.)
tathaiva putrapautrāṇām
ebenso wie das Los der Söhne und Enkel (Gen. Pl.)
mama ye nihatā yudhi
meiner, die im Krieg getötet wurden (Gen. + Rel. + Ptz. + Lok.)
dūyate me mano 'bhīkṣṇaṃ ghātayitvā mahābalam bhīṣmaṃ śāṃtanavaṃ vṛddhaṃ droṇaṃ ca dvijasattamam
Beständig schmerzt mein Herz, da ich den Gewaltigen habe töten lassen, Bhīṣma, den Sohn des Śaṃtanu, den Greisen, und Droṇa, den Besten der Zweifachgeborenen,
durch meinen törichten, sündigen Sohn, den Hasser seiner eigenen Freunde, der das strahlende Geschlecht dem Untergang zuführte, in seinem Verlangen nach der Herrschaft über die Erde.
Wort für Wort
mama putreṇa mūḍhena
durch meinen törichten Sohn (Instr.)
pāpena suhṛdadviṣā
den sündigen, den Hasser der eigenen Freunde (Instr.)
kṣayaṃ nītaṃ kulaṃ dīptam
das strahlende Geschlecht wurde dem Untergang zugeführt (Akk. + Ptz. + Nom.)
pṛthivīrājyam icchatā
der die Herrschaft über die Erde begehrte (Instr. Ptz.)
etat sarvam anusmṛtya dahyamāno divāniśam na śāntim adhigacchāmi duḥkhaśokasamāhataḥ iti me cintayānasya pitaḥ śarma na vidyate
All dies bedenkend, Tag und Nacht verbrennend, finde ich keinen Frieden, von Leid und Kummer niedergeschlagen; so, o Vater, während ich dies bedenke, gibt es für mich kein Glück.“
Wort für Wort
etat sarvam anusmṛtya
all dies bedenkend (Akk. + Abs.)
dahyamāno divāniśam
Tag und Nacht verbrennend (Ptz. + Adv.)
na śāntim adhigacchāmi
finde ich keinen Frieden (Akk. + Präs.)
duḥkhaśokasamāhataḥ
von Leid und Kummer niedergeschlagen (Adj.)
iti me cintayānasya pitaḥ śarma na vidyate
so, o Vater, während ich dies bedenke, gibt es für mich kein Glück (Zitat + Gen. + Vok. + Nom. + Präs.)