Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Āśramavāsikaparva

Kapitel 36: Janamejayapraśna, Vyāsavaradāna, Dhṛtarāṣṭravilāpa Janamejayas Frage; Vyāsas Angebot einer Gunst; Dhṛtarāṣṭras Klage

janamejaya uvāca vanavāsaṃ gate vipra dhṛtarāṣṭre mahīpatau sabhārye nṛpaśārdūle vadhvā kuntyā samanvite

Janamejaya sprach: Als König Dhṛtarāṣṭra, der Herr der Erde, der Tiger unter den Herrschern, ins Waldleben gegangen war, o Brahmane, zusammen mit seiner Gattin, begleitet von der Schwiegertochter Kuntī,

Wort für Wort
vanavāsaṃ gate dhṛtarāṣṭre
als Dhṛtarāṣṭra ins Waldleben gegangen war (Lok. Abs.)
mahīpatau nṛpaśārdūle
der Herr der Erde, der Tiger unter den Herrschern (Lok. Adj.)
sabhārye
zusammen mit der Gattin (Adj.)
vadhvā kuntyā samanvite
begleitet von der Schwiegertochter Kuntī (Instr. + Ptz.)

'vadhū' (Schwiegertochter/junge Frau) wird hier lose für Kuntī verwendet, die genealogisch Dhṛtarāṣṭras Schwägerin, nicht Schwiegertochter ist.[?]

vidure cāpi saṃsiddhe dharmarājaṃ vyapāśrite vasatsu pāṇḍuputreṣu sarveṣv āśramamaṇḍale

und als auch Vidura zur Vollendung gelangt war, nachdem er beim Dharma-König Zuflucht genommen hatte, während alle Söhne des Pāṇḍu im ganzen Umkreis des Āśrama weilten –

Wort für Wort
vidure ca saṃsiddhe
und als Vidura vollendet war (Lok. Abs.)
dharmarājaṃ vyapāśrite
der beim Dharma-König Zuflucht genommen hatte (Akk. + Ptz.)
vasatsu pāṇḍuputreṣu
während die Söhne des Pāṇḍu weilten (Lok. Abs.)
sarveṣv āśramamaṇḍale
im ganzen Umkreis des Āśrama (Lok.)

yat tad āścaryam iti vai kariṣyāmīty uvāca ha vyāsaḥ paramatejasvī maharṣis tad vadasva me

jenes Wunder, von dem Vyāsa, der von höchster Glut, der große Seher, fürwahr sagte: „Ich werde es vollbringen“ – das erzähle mir.

Wort für Wort
yat tad āścaryam
jenes Wunder, das (Akk.)
kariṣyāmīty uvāca ha vyāsaḥ
„Ich werde es vollbringen“, sagte fürwahr Vyāsa (Zitat + Perf.)
paramatejasvī maharṣiḥ
der von höchster Glut, der große Seher (Nom.)
tad vadasva me
das erzähle mir (Imp. + Dat.)

vanavāse ca kauravyaḥ kiyantaṃ kālam acyutaḥ yudhiṣṭhiro narapatir nyavasat sajano dvija

Und wie lange verweilte der Kaurava, der unwandelbare König Yudhiṣṭhira, im Waldleben, zusammen mit seinem Gefolge, o Zweifachgeborener?

Wort für Wort
vanavāse kiyantaṃ kālam
im Waldleben, wie lange Zeit (Lok. + Akk.)
kauravyo 'cyutaḥ yudhiṣṭhiraḥ
der unwandelbare Kaurava Yudhiṣṭhira (Nom.)
nyavasat sajano dvija
verweilte samt Gefolge, o Zweifachgeborener (Impf. + Adj. + Vok.)
narapatiḥ
der Herr der Menschen (Nom.)

kimāhārāś ca te tatra sasainyā nyavasan prabho sāntaḥpurā mahātmāna iti tad brūhi me 'nagha

Und von welcher Speise lebten sie dort, zusammen mit dem Heer, o Gebieter, die Hochherzigen, samt dem Frauengemach – das sage mir, o Schuldloser.

Wort für Wort
kimāhārāś ca te
und von welcher Speise sie (Interr.-Adj. + Nom. Pl.)
sasainyā nyavasan prabho
verweilten samt Heer, o Gebieter (Adj. + Impf. + Vok.)
sāntaḥpurā mahātmānaḥ
samt Frauengemach, die Hochherzigen (Adj. + Nom. Pl.)
tad brūhi me 'nagha
das sage mir, o Schuldloser (Imp. + Dat. + Vok.)

vaiśaṃpāyana uvāca te 'nujñātās tadā rājan kururājena pāṇḍavāḥ vividhāny annapānāni viśrāmyānubhavanti te

Vaiśaṃpāyana sprach: Von dem Kuru-König damals entlassen, o König, genossen die Pāṇḍavas, ausruhend, mancherlei Speisen und Getränke.

Wort für Wort
te 'nujñātās tadā
sie, damals entlassen (Ptz. + Adv.)
kururājena pāṇḍavāḥ
von dem Kuru-König, die Pāṇḍavas (Instr. + Nom.)
vividhāny annapānāni
mancherlei Speisen und Getränke (Akk. Pl.)
viśrāmyānubhavanti te
sie genossen, ausruhend (Präs. + Abs.)

māsam ekaṃ vijahrus te sasainyāntaḥpurā vane atha tatrāgamad vyāso yathoktaṃ te mayānagha

Einen ganzen Monat verweilten sie vergnügt im Wald, zusammen mit Heer und Frauengemach; dann kam Vyāsa dorthin, wie ich es dir bereits gesagt habe, o Schuldloser.

Wort für Wort
māsam ekaṃ vijahrus te
einen Monat lang vergnügten sie sich (Akk. + Perf.)
sasainyāntaḥpurā vane
samt Heer und Frauengemach im Wald (Adj. + Lok.)
atha tatrāgamad vyāsaḥ
dann kam dort Vyāsa an (Impf.)
yathoktaṃ te mayānagha
wie ich es dir bereits gesagt habe, o Schuldloser (Adj. + Instr. + Vok.)

tathā tu teṣāṃ sarveṣāṃ kathābhir nṛpasaṃnidhau vyāsam anvāsatāṃ rājann ājagmur munayo 'pare

Während sie alle so mit Erzählungen in Gegenwart des Königs bei Vyāsa saßen, o König, kamen noch andere Weise hinzu,

Wort für Wort
teṣāṃ sarveṣāṃ kathābhiḥ
mit den Erzählungen von ihnen allen (Gen. + Instr.)
nṛpasaṃnidhau
in Gegenwart des Königs (Lok.)
vyāsam anvāsatāṃ rājan
während sie bei Vyāsa saßen, o König (Impf. + Vok.)
ājagmur munayo 'pare
kamen andere Weise hinzu (Perf. + Nom. Pl.)

nāradaḥ parvataś caiva devalaś ca mahātapāḥ viśvāvasus tumburuś ca citrasenaś ca bhārata

Nārada und Parvata, und Devala, der von großer Askese, Viśvāvasu und Tumburu und Citrasena, o Bhārata.

Wort für Wort
nāradaḥ parvataś caiva
Nārada und Parvata (Nom.)
devalaś ca mahātapāḥ
und Devala, der von großer Askese (Nom.)
viśvāvasus tumburuś ca
Viśvāvasu und Tumburu (Nom.)
citrasenaś ca bhārata
und Citrasena, o Bhārata (Nom. + Vok.)

teṣām api yathānyāyaṃ pūjāṃ cakre mahāmanāḥ dhṛtarāṣṭrābhyanujñātaḥ kururājo yudhiṣṭhiraḥ

Auch ihnen erwies der Kuru-König Yudhiṣṭhira, der Hochgesinnte, mit Dhṛtarāṣṭras Erlaubnis, gebührende Verehrung.

Wort für Wort
teṣām api yathānyāyam
auch ihnen, gebührend (Gen. + Adv.)
pūjāṃ cakre mahāmanāḥ
erwies Verehrung, der Hochgesinnte (Akk. + Perf. + Nom.)
dhṛtarāṣṭrābhyanujñātaḥ
mit Dhṛtarāṣṭras Erlaubnis (Ptz.)
kururājo yudhiṣṭhiraḥ
der Kuru-König Yudhiṣṭhira (Nom.)

niṣedus te tataḥ sarve pūjāṃ prāpya yudhiṣṭhirāt āsaneṣv atha puṇyeṣu barhiṣkeṣu vareṣu ca

Dann setzten sie sich alle, nachdem sie von Yudhiṣṭhira Verehrung empfangen hatten, auf heiligen, mit Opfergras bedeckten, vortrefflichen Sitzen nieder.

Wort für Wort
niṣedus te tataḥ sarve
dann setzten sie sich alle (Perf. + Nom. Pl.)
pūjāṃ prāpya yudhiṣṭhirāt
nachdem sie von Yudhiṣṭhira Verehrung empfangen hatten (Abs. + Abl.)
āsaneṣv atha puṇyeṣu
dann auf heiligen Sitzen (Lok.)
barhiṣkeṣu vareṣu ca
mit Opfergras bedeckten, vortrefflichen (Lok. Adj.)

teṣu tatropaviṣṭeṣu sa tu rājā mahāmatiḥ pāṇḍuputraiḥ parivṛto niṣasāda kurūdvahaḥ

Als sie dort saßen, setzte sich jener König von großer Einsicht, der Erste der Kurus, umgeben von den Söhnen des Pāṇḍu, nieder.

Wort für Wort
teṣu tatropaviṣṭeṣu
als sie dort saßen (Lok. Abs.)
sa tu rājā mahāmatiḥ
jener König aber, von großer Einsicht (Nom.)
pāṇḍuputraiḥ parivṛtaḥ
umgeben von den Söhnen des Pāṇḍu (Instr. + Ptz.)
niṣasāda kurūdvahaḥ
setzte sich nieder, der Erste der Kurus (Perf. + Nom.)

gāndhārī caiva kuntī ca draupadī sātvatī tathā striyaś cānyās tathānyābhiḥ sahopaviviśus tataḥ

Und Gāndhārī und Kuntī und Draupadī, und ebenso die Sātvatī [Subhadrā], und andere Frauen setzten sich dann zusammen mit weiteren nieder.

Wort für Wort
gāndhārī caiva kuntī ca
und Gāndhārī und Kuntī (Nom.)
draupadī sātvatī tathā
Draupadī und ebenso die Sātvatī [Subhadrā] (Nom.)
striyaś cānyāḥ
und andere Frauen (Nom. Pl.)
tathānyābhiḥ sahopaviviśuḥ
setzten sich ebenso zusammen mit weiteren nieder (Instr. + Perf.)

'sātvatī' (die Sātvatin) bezeichnet Subhadrā, Kṛṣṇas Schwester aus dem Sātvata-Geschlecht, vgl. V018.

teṣāṃ tatra kathā divyā dharmiṣṭhāś cābhavan nṛpa ṛṣīṇāṃ ca purāṇānāṃ devāsuravimiśritāḥ

Dort entstanden ihre göttlichen, überaus dharmakundigen Erzählungen, o König, von den alten Sehern, vermischt mit Geschichten von Göttern und Asuras.

Wort für Wort
teṣāṃ tatra kathā divyāḥ
ihre dortigen göttlichen Erzählungen (Gen. + Nom. Pl.)
dharmiṣṭhāś cābhavan nṛpa
wurden überaus dharmakundig, o König (Nom. + Impf. + Vok.)
ṛṣīṇāṃ ca purāṇānām
der alten Seher (Gen. Pl.)
devāsuravimiśritāḥ
vermischt mit Göttern und Asuras (Adj.)

tataḥ kathānte vyāsas taṃ prajñācakṣuṣam īśvaram provāca vadatāṃ śreṣṭhaḥ punar eva sa tad vacaḥ prīyamāṇo mahātejāḥ sarvavedavidāṃ varaḥ

Dann, am Ende der Erzählung, sprach Vyāsa, der Beste der Redner, von großer Glut, der Vortrefflichste unter allen Kennern der Veden, erfreut, jenes Wort abermals zu jenem Herrscher mit dem Weisheitsauge.

Wort für Wort
tataḥ kathānte vyāsaḥ
dann, am Ende der Erzählung, Vyāsa (Adv. + Nom.)
taṃ prajñācakṣuṣam īśvaram
zu jenem Herrscher mit dem Weisheitsauge (Akk.)
provāca vadatāṃ śreṣṭhaḥ
sprach, der Beste der Redner (Perf. + Nom.)
prīyamāṇo mahātejāḥ sarvavedavidāṃ varaḥ
erfreut, von großer Glut, der Vortrefflichste aller Kenner der Veden (Ptz. + Nom.)

viditaṃ mama rājendra yat te hṛdi vivakṣitam dahyamānasya śokena tava putrakṛtena vai

„Bekannt ist mir, o Herrscher der Könige, was du in deinem Herzen zu sagen wünschst, während du, von Kummer verzehrt, fürwahr wegen deiner Söhne leidest.

Wort für Wort
viditaṃ mama rājendra
bekannt ist mir, o Herrscher der Könige (Ptz. + Vok.)
yat te hṛdi vivakṣitam
was du in deinem Herzen zu sagen wünschst (Rel. + Lok. + Ptz.)
dahyamānasya śokena
während du von Kummer verzehrt wirst (Ptz. + Instr.)
tava putrakṛtena vai
fürwahr wegen deiner Söhne verursacht (Adj. + Partikel)

gāndhāryāś caiva yad duḥkhaṃ hṛdi tiṣṭhati pārthiva kuntyāś ca yan mahārāja draupadyāś ca hṛdi sthitam

Und was für Leid Gāndhārīs Herz erfüllt, o Herrscher, und was, o Großkönig, in Kuntīs und Draupadīs Herzen wohnt,

Wort für Wort
gāndhāryāś caiva yad duḥkham
und welches Leid Gāndhārīs (Gen. + Rel. + Nom.)
hṛdi tiṣṭhati pārthiva
in ihrem Herzen wohnt, o Herrscher (Lok. + Präs. + Vok.)
kuntyāś ca yan mahārāja
und was, o Großkönig, Kuntīs (Gen. + Rel. + Vok.)
draupadyāś ca hṛdi sthitam
und was in Draupadīs Herzen weilt (Gen. + Lok. + Ptz.)

yac ca dhārayate tīvraṃ duḥkhaṃ putravināśajam subhadrā kṛṣṇabhaginī tac cāpi viditaṃ mama

und welch heftiges Leid, entstanden aus dem Untergang ihres Sohnes, Subhadrā, die Schwester Kṛṣṇas, trägt – auch das ist mir bekannt.

Wort für Wort
yac ca dhārayate tīvram
und welch heftiges [Leid] sie trägt (Rel. + Präs. + Akk.)
duḥkhaṃ putravināśajam
Leid, entstanden aus dem Untergang des Sohnes (Akk.)
subhadrā kṛṣṇabhaginī
Subhadrā, die Schwester Kṛṣṇas (Nom.)
tac cāpi viditaṃ mama
auch das ist mir bekannt (Nom. + Ptz.)

śrutvā samāgamam imaṃ sarveṣāṃ vas tato nṛpa saṃśayacchedanāyāhaṃ prāptaḥ kauravanandana

Nachdem ich von diesem Zusammentreffen euer aller gehört hatte, o König, bin ich gekommen, um Zweifel zu zerschneiden, o Freude der Kauravas.

Wort für Wort
śrutvā samāgamam imam
nachdem ich von diesem Zusammentreffen gehört hatte (Abs. + Akk.)
sarveṣāṃ vas tato nṛpa
euer aller, o König (Gen. + Vok.)
saṃśayacchedanāyāham
ich, um Zweifel zu zerschneiden (Dat. + Nom.)
prāptaḥ kauravanandana
bin gekommen, o Freude der Kauravas (Ptz. + Vok.)

ime ca devagandharvāḥ sarve caiva maharṣayaḥ paśyantu tapaso vīryam adya me cirasaṃbhṛtam

Und diese Götter und Gandharvas, und alle großen Seher, mögen heute die Kraft meiner Askese sehen, die lange angesammelte.

Wort für Wort
ime ca devagandharvāḥ
und diese Götter und Gandharvas (Nom. Pl.)
sarve caiva maharṣayaḥ
und alle großen Seher (Nom. Pl.)
paśyantu tapaso vīryam
mögen sehen die Kraft der Askese (Imp. + Gen. + Akk.)
adya me cirasaṃbhṛtam
heute, die von mir lange angesammelte (Adv. + Akk.)

tad ucyatāṃ mahābāho kaṃ kāmaṃ pradiśāmi te pravaṇo 'smi varaṃ dātuṃ paśya me tapaso balam

So sage denn, Starkarmiger, welchen Wunsch soll ich dir gewähren? Ich bin bereit, eine Gunst zu geben – sieh die Kraft meiner Askese.“

Wort für Wort
tad ucyatāṃ mahābāho
so sage, Starkarmiger (Imp. + Vok.)
kaṃ kāmaṃ pradiśāmi te
welchen Wunsch soll ich dir gewähren (Akk. + Präs. + Dat.)
pravaṇo 'smi varaṃ dātum
ich bin bereit, eine Gunst zu geben (Nom. + Akk. + Inf.)
paśya me tapaso balam
sieh die Kraft meiner Askese (Imp. + Gen. + Akk.)

evam uktaḥ sa rājendro vyāsenāmitabuddhinā muhūrtam iva saṃcintya vacanāyopacakrame

So von Vyāsa, dem von unermesslicher Einsicht, angesprochen, begann jener König der Könige, nachdem er einen Augenblick nachgedacht hatte, zu sprechen.

Wort für Wort
evam uktaḥ sa rājendraḥ
so angesprochen, jener König der Könige (Ptz. + Nom.)
vyāsenāmitabuddhinā
von Vyāsa, dem von unermesslicher Einsicht (Instr.)
muhūrtam iva saṃcintya
nachdem er einen Augenblick nachgedacht hatte (Akk. + Abs.)
vacanāyopacakrame
begann zu sprechen (Dat. + Perf.)

dhanyo 'smy anugṛhīto 'smi saphalaṃ jīvitaṃ ca me yan me samāgamo 'dyeha bhavadbhiḥ saha sādhubhiḥ

„Gesegnet bin ich, begnadet bin ich, und mein Leben trägt Frucht, da mir heute hier die Begegnung mit euch Guten zuteil wurde.

Wort für Wort
dhanyo 'smy anugṛhīto 'smi
gesegnet bin ich, begnadet bin ich (Nom. + Präs.)
saphalaṃ jīvitaṃ ca me
und mein Leben trägt Frucht (Nom. + Nom.)
yan me samāgamo 'dyeha
da mir heute hier die Begegnung (Rel. + Nom. + Adv.)
bhavadbhiḥ saha sādhubhiḥ
mit euch Guten (Instr.)

adya cāpy avagacchāmi gatim iṣṭām ihātmanaḥ bhavadbhir brahmakalpair yat sameto 'haṃ tapodhanāḥ

Und heute erkenne ich das erwünschte Ziel meiner Seele hier, da ich mit euch, den Brahman-Gleichen, zusammengekommen bin, ihr an Askese Reichen.

Wort für Wort
adya cāpy avagacchāmi
und heute erkenne ich (Adv. + Präs.)
gatim iṣṭām ihātmanaḥ
das erwünschte Ziel meiner Seele hier (Akk. + Gen.)
bhavadbhir brahmakalpaiḥ
mit euch, den Brahman-Gleichen (Instr.)
yat sameto 'haṃ tapodhanāḥ
da ich zusammengekommen bin, ihr an Askese Reichen (Rel. + Ptz. + Vok.)

darśanād eva bhavatāṃ pūto 'haṃ nātra saṃśayaḥ vidyate na bhayaṃ cāpi paralokān mamānaghāḥ

Allein durch euren Anblick bin ich gereinigt, daran besteht kein Zweifel; und auch keine Furcht vor der jenseitigen Welt gibt es für mich, ihr Schuldlosen.

Wort für Wort
darśanād eva bhavatām
allein durch euren Anblick (Abl. + Gen.)
pūto 'haṃ nātra saṃśayaḥ
bin ich gereinigt, daran besteht kein Zweifel (Ptz. + Nom.)
vidyate na bhayaṃ cāpi
und auch keine Furcht gibt es (Präs. + Nom.)
paralokān mamānaghāḥ
vor der jenseitigen Welt für mich, ihr Schuldlosen (Abl. + Vok.)

kiṃ tu tasya sudurbuddher mandasyāpanayair bhṛśam dūyate me mano nityaṃ smarataḥ putragṛddhinaḥ

Doch durch die Verfehlungen jenes von sehr schlechtem Verstand, des Törichten, schmerzt mein Herz heftig, immer wenn ich mich an meinen nach Herrschaft gierigen Sohn erinnere.

Wort für Wort
kiṃ tu tasya sudurbuddheḥ
doch durch die Verfehlungen jenes von sehr schlechtem Verstand (Gen.)
mandasyāpanayair bhṛśam
des Törichten, heftig (Gen. + Instr. Pl. + Adv.)
dūyate me mano nityam
schmerzt mein Herz beständig (Präs. + Gen. + Nom.)
smarataḥ putragṛddhinaḥ
wenn ich mich an meinen herrschsüchtigen Sohn erinnere (Ptz. + Gen.)

apāpāḥ pāṇḍavā yena nikṛtāḥ pāpabuddhinā ghātitā pṛthivī ceyaṃ sahasā sanaradvipā

durch den die schuldlosen Pāṇḍavas, den von sündiger Gesinnung, betrogen wurden, und durch den diese Erde samt Menschen und Elefanten jäh vernichtet wurde,

Wort für Wort
apāpāḥ pāṇḍavā yena
die schuldlosen Pāṇḍavas, durch den (Nom. Pl. + Instr.)
nikṛtāḥ pāpabuddhinā
betrogen, den von sündiger Gesinnung (Ptz. + Instr.)
ghātitā pṛthivī ceyam
und diese Erde wurde vernichtet (Ptz. + Nom.)
sahasā sanaradvipā
jäh, samt Menschen und Elefanten (Adv. + Adj.)

rājānaś ca mahātmāno nānājanapadeśvarāḥ āgamya mama putrārthe sarve mṛtyuvaśaṃ gatāḥ

und die hochherzigen Könige, die Herrscher vieler Länder, die um meines Sohnes willen gekommen waren, alle der Macht des Todes verfielen.

Wort für Wort
rājānaś ca mahātmānaḥ
und die hochherzigen Könige (Nom. Pl.)
nānājanapadeśvarāḥ
die Herrscher vieler Länder (Nom. Pl.)
āgamya mama putrārthe
gekommen um meines Sohnes willen (Abs. + Lok.)
sarve mṛtyuvaśaṃ gatāḥ
alle verfielen der Macht des Todes (Nom. Pl. + Akk. + Ptz.)

ye te putrāṃś ca dārāś ca prāṇāṃś ca manasaḥ priyān parityajya gatāḥ śūrāḥ pretarājaniveśanam

jene Helden, die ihre Söhne, ihre Gattinnen und die ihrem Herzen teuren Leben aufgaben und in die Behausung des Königs der Toten eingingen,

Wort für Wort
ye te putrāṃś ca dārāś ca
jene, die ihre Söhne und Gattinnen (Rel. Pl. + Akk.)
prāṇāṃś ca manasaḥ priyān
und die dem Herzen teuren Leben (Akk.)
parityajya gatāḥ śūrāḥ
aufgaben und gingen, die Helden (Abs. + Ptz. + Nom.)
pretarājaniveśanam
in die Behausung des Königs der Toten (Akk.)

kā nu teṣāṃ gatir brahman mitrārthe ye hatā mṛdhe tathaiva putrapautrāṇāṃ mama ye nihatā yudhi

welches Los, o Brahmane, ist wohl jenen beschieden, die um der Freunde willen im Kampf erschlagen wurden, ebenso wie das Los meiner Söhne und Enkel, die im Krieg getötet wurden?

Wort für Wort
kā nu teṣāṃ gatir brahman
welches Los ist wohl ihnen beschieden, o Brahmane (Interr. + Gen. + Nom. + Vok.)
mitrārthe ye hatā mṛdhe
die um der Freunde willen im Kampf getötet wurden (Lok. + Rel. + Ptz. + Lok.)
tathaiva putrapautrāṇām
ebenso wie das Los der Söhne und Enkel (Gen. Pl.)
mama ye nihatā yudhi
meiner, die im Krieg getötet wurden (Gen. + Rel. + Ptz. + Lok.)

dūyate me mano 'bhīkṣṇaṃ ghātayitvā mahābalam bhīṣmaṃ śāṃtanavaṃ vṛddhaṃ droṇaṃ ca dvijasattamam

Beständig schmerzt mein Herz, da ich den Gewaltigen habe töten lassen, Bhīṣma, den Sohn des Śaṃtanu, den Greisen, und Droṇa, den Besten der Zweifachgeborenen,

Wort für Wort
dūyate me mano 'bhīkṣṇam
beständig schmerzt mein Herz (Präs. + Gen. + Nom. + Adv.)
ghātayitvā mahābalam
nachdem ich den Gewaltigen habe töten lassen (Abs. + Akk.)
bhīṣmaṃ śāṃtanavaṃ vṛddham
Bhīṣma, den Sohn des Śaṃtanu, den Greisen (Akk.)
droṇaṃ ca dvijasattamam
und Droṇa, den Besten der Zweifachgeborenen (Akk.)

mama putreṇa mūḍhena pāpena suhṛdadviṣā kṣayaṃ nītaṃ kulaṃ dīptaṃ pṛthivīrājyam icchatā

durch meinen törichten, sündigen Sohn, den Hasser seiner eigenen Freunde, der das strahlende Geschlecht dem Untergang zuführte, in seinem Verlangen nach der Herrschaft über die Erde.

Wort für Wort
mama putreṇa mūḍhena
durch meinen törichten Sohn (Instr.)
pāpena suhṛdadviṣā
den sündigen, den Hasser der eigenen Freunde (Instr.)
kṣayaṃ nītaṃ kulaṃ dīptam
das strahlende Geschlecht wurde dem Untergang zugeführt (Akk. + Ptz. + Nom.)
pṛthivīrājyam icchatā
der die Herrschaft über die Erde begehrte (Instr. Ptz.)

etat sarvam anusmṛtya dahyamāno divāniśam na śāntim adhigacchāmi duḥkhaśokasamāhataḥ iti me cintayānasya pitaḥ śarma na vidyate

All dies bedenkend, Tag und Nacht verbrennend, finde ich keinen Frieden, von Leid und Kummer niedergeschlagen; so, o Vater, während ich dies bedenke, gibt es für mich kein Glück.“

Wort für Wort
etat sarvam anusmṛtya
all dies bedenkend (Akk. + Abs.)
dahyamāno divāniśam
Tag und Nacht verbrennend (Ptz. + Adv.)
na śāntim adhigacchāmi
finde ich keinen Frieden (Akk. + Präs.)
duḥkhaśokasamāhataḥ
von Leid und Kummer niedergeschlagen (Adj.)
iti me cintayānasya pitaḥ śarma na vidyate
so, o Vater, während ich dies bedenke, gibt es für mich kein Glück (Zitat + Gen. + Vok. + Nom. + Präs.)

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