Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Āśramavāsikaparva

Kapitel 15: brāhmaṇapratyuttaram (pūrvārdham) Die Antwort des Volkes durch den Brahmanen Sāmba (Anfang)

vaiśaṃpāyana uvāca evam uktās tu te tena paurajānapadā janāḥ vṛddhena rājñā kauravya naṣṭasaṃjñā ivābhavan

Vaiśaṃpāyana sprach: So von jenem alten König angesprochen, o Kaurava, wurden die Stadt- und Landbewohner wie ihrer Sinne beraubt.

Wort für Wort
evam uktāḥ
so angesprochen (Ptz.)
naṣṭasaṃjñā ivābhavan
wurden wie ihrer Sinne beraubt (Impf.)

tūṣṇīṃbhūtāṃs tatas tāṃs tu bāṣpakaṇṭhān mahīpatiḥ dhṛtarāṣṭro mahīpālaḥ punar evābhyabhāṣata

Da sie nun schweigend dastanden, mit von Tränen erstickter Kehle, sprach der Herrscher der Erde, Dhṛtarāṣṭra, der Beschützer der Erde, sie abermals an:

Wort für Wort
tūṣṇīṃbhūtān bāṣpakaṇṭhān
schweigend, mit von Tränen erstickter Kehle (Akk. Pl.)
punar evābhyabhāṣata
sprach sie abermals an (Impf.)

vṛddhaṃ māṃ hataputraṃ ca dharmapatnyā sahānayā vilapantaṃ bahuvidhaṃ kṛpaṇaṃ caiva sattamāḥ

„Mich, den Alten, meiner Söhne Beraubten, zusammen mit dieser meiner rechtmäßigen Gattin, der auf vielfache Weise Klagenden, den Bejammernswerten, ihr Vortrefflichen,

Wort für Wort
vṛddhaṃ hataputram
den Alten, seiner Söhne Beraubten (Akk.)
dharmapatnyā sahānayā
zusammen mit dieser rechtmäßigen Gattin (Instr.)

pitrā svayam anujñātaṃ kṛṣṇadvaipāyanena vai vanavāsāya dharmajñā dharmajñena nṛpeṇa ca

vom Vater selbst, von Kṛṣṇadvaipāyana, die Erlaubnis zum Waldleben erhalten habend, ihr des Dharma Kundigen, und auch vom des Dharma kundigen König –

Wort für Wort
pitrā svayam anujñātam
vom Vater selbst die Erlaubnis erhalten (Instr. + Ptz.)
vanavāsāya
zum Waldleben (Dat.)

so 'haṃ punaḥ punar yāce śirasāvanato 'naghāḥ gāndhāryā sahitaṃ tan māṃ samanujñātum arhatha

so bitte ich, mit gesenktem Haupt, immer wieder von neuem: Möget ihr mir, zusammen mit Gāndhārī, hierzu eure Erlaubnis gewähren, ihr Untadeligen.“

Wort für Wort
punaḥ punar yāce
ich bitte immer wieder (Präs.)
śirasāvanataḥ
mit gesenktem Haupt (Nom.)

śrutvā tu kururājasya vākyāni karuṇāni te ruruduḥ sarvato rājan sametāḥ kurujāṅgalāḥ

Als sie aber die mitleiderregenden Worte des Kuru-Königs gehört hatten, weinten die versammelten Bewohner des Kurujāṅgala-Landes von allen Seiten, o König.

Wort für Wort
vākyāni karuṇāni
die mitleiderregenden Worte (Akk. Pl.)
ruruduḥ sarvataḥ
weinten von allen Seiten (Perf.)

uttarīyaiḥ karaiś cāpi saṃchādya vadanāni te ruruduḥ śokasaṃtaptā muhūrtaṃ pitṛmātṛvat

Mit ihren Obergewändern und auch mit ihren Händen ihre Gesichter verhüllend, weinten sie, von Kummer versengt, einen Augenblick lang, wie um Vater und Mutter.

Wort für Wort
uttarīyaiḥ karaiś ca saṃchādya
mit den Obergewändern und Händen verhüllend (Instr. + Abs.)
pitṛmātṛvat
wie um Vater und Mutter (Adv.)

hṛdayaiḥ śūnyabhūtais te dhṛtarāṣṭrapravāsajam duḥkhaṃ saṃdhārayantaḥ sma naṣṭasaṃjñā ivābhavan

Mit leer gewordenem Herzen, den aus Dhṛtarāṣṭras Fortgehen entstehenden Schmerz ertragend, wurden sie wie ihrer Sinne beraubt.

Wort für Wort
hṛdayaiḥ śūnyabhūtaiḥ
mit leer gewordenem Herzen (Instr.)
dhṛtarāṣṭrapravāsajam duḥkham
der aus Dhṛtarāṣṭras Fortgehen entstehende Schmerz (Akk.)

te vinīya tam āyāsaṃ kururājaviyogajam śanaiḥ śanais tadānyonyam abruvan svamatāny uta

Nachdem sie jene aus der Trennung vom Kuru-König entstehende Qual überwunden hatten, sprachen sie dann langsam, einander ihre eigenen Meinungen mitteilend.

Wort für Wort
vinīya tam āyāsam
nachdem sie jene Qual überwunden hatten (Abs.)
śanaiḥ śanais tadānyonyam abruvan
sprachen sie dann langsam einander (Impf.)

tataḥ saṃdhāya te sarve vākyāny atha samāsataḥ ekasmin brāhmaṇe rājann āveśyocur narādhipam

Dann, nachdem sie alle ihre Worte zusammengefasst und in Kürze vereinigt hatten, o König, übertrugen sie es einem einzigen Brahmanen und richteten das Wort an den Herrscher der Menschen.

Wort für Wort
saṃdhāya vākyāny samāsataḥ
die Worte zusammengefasst und in Kürze vereinigt (Abs. + Adv.)
ekasmin brāhmaṇe āveśya
einem einzigen Brahmanen übertragen (Lok. + Abs.)

tataḥ svacaraṇe vṛddhaḥ saṃmato 'rthaviśāradaḥ sāmbākhyo bahvṛco rājan vaktuṃ samupacakrame

Da begann jener in seinem eigenen Wandel Bewährte, Angesehene, im rechten Nutzen Erfahrene, mit Namen Sāmba, kundig vieler Ṛcas, o König, zu sprechen.

Wort für Wort
svacaraṇe saṃmato 'rthaviśāradaḥ
in seinem Wandel bewährt, im Nutzen erfahren (Lok. + Nom.)
vaktuṃ samupacakrame
begann zu sprechen (Inf. + Perf.)

anumānya mahārājaṃ tat sadaḥ saṃprabhāṣya ca vipraḥ pragalbho medhāvī sa rājānam uvāca ha

Nachdem er den Großkönig um Erlaubnis gebeten und jene Versammlung angesprochen hatte, sprach jener kühne, kluge Brahmane zu dem König:

Wort für Wort
anumānya mahārājam
nachdem er den Großkönig um Erlaubnis gebeten hatte (Abs.)
pragalbho medhāvī
kühn, klug (Nom.)

rājan vākyaṃ janasyāsya mayi sarvaṃ samarpitam vakṣyāmi tad ahaṃ vīra taj juṣasva narādhipa

„O König, das Wort dieses Volkes ist mir gänzlich anvertraut; ich werde es sprechen, o Held; höre es an, o Herrscher der Menschen.

Wort für Wort
mayi sarvaṃ samarpitam
mir gänzlich anvertraut (Lok. + Nom.)
taj juṣasva
höre es an (Imp.)

yathā vadasi rājendra sarvam etat tathā vibho nātra mithyā vacaḥ kiṃ cit suhṛt tvaṃ naḥ parasparam

Wie du sprichst, o Herrscher der Könige, so ist dies alles, o Gebieter; darin ist kein falsches Wort, du bist uns ein Freund, gegenseitig.

Wort für Wort
yathā vadasi tathā
wie du sprichst, so (Vergleich)
suhṛt naḥ parasparam
uns gegenseitig ein Freund (Nom.)

na jātv asya tu vaṃśasya rājñāṃ kaś cit kadā cana rājāsīd yaḥ prajāpālaḥ prajānām apriyo bhavet

Niemals war irgendein König dieses Geschlechts jemals ein Beschützer der Untertanen, der den Untertanen unlieb gewesen wäre.

Wort für Wort
asya vaṃśasya rājñām
der Könige dieses Geschlechts (Gen.)
prajānām apriyo bhavet
der den Untertanen unlieb wäre (Opt.)

pitṛvad bhrātṛvac caiva bhavantaḥ pālayanti naḥ na ca duryodhanaḥ kiṃ cid ayuktaṃ kṛtavān nṛpa

Wie ein Vater und wie ein Bruder habt ihr uns beschützt; und auch Duryodhana hat nichts Unrechtes getan, o König.

Wort für Wort
pitṛvad bhrātṛvac ca
wie ein Vater und wie ein Bruder (Adv.)
ayuktaṃ kṛtavān
Unrechtes getan (Akk. + Perf.)

yathā bravīti dharmajño muniḥ satyavatīsutaḥ tathā kuru mahārāja sa hi naḥ paramo guruḥ

Wie es der des Dharma kundige Weise, der Sohn der Satyavatī, spricht, so handle, o Großkönig; denn er ist unser höchster Lehrer.

Wort für Wort
dharmajño muniḥ satyavatīsutaḥ
der des Dharma kundige Weise, der Sohn der Satyavatī (Nom.)
sa hi naḥ paramo guruḥ
denn er ist unser höchster Lehrer (Nom.)

tyaktā vayaṃ tu bhavatā duḥkhaśokaparāyaṇāḥ bhaviṣyāmaś ciraṃ rājan bhavadguṇaśatair hṛtāḥ

Verlassen von dir werden wir lange Zeit dem Kummer und der Trauer verfallen sein, o König, hingerissen von deinen hundertfachen Vorzügen.

Wort für Wort
tyaktā vayaṃ bhavatā
von dir verlassen (Nom. Pl. + Instr.)
bhavadguṇaśatair hṛtāḥ
hingerissen von deinen hundertfachen Vorzügen (Instr. + Ptz.)

yathā śaṃtanunā guptā rājñā citrāṅgadena ca bhīṣmavīryopagūḍhena pitrā ca tava pārthiva

Wie wir vom König Śaṃtanu beschützt wurden, und von Citrāṅgada, dem von Bhīṣmas Tapferkeit Umhüllten, und von deinem Vater, o Herrscher der Erde,

Wort für Wort
śaṃtanunā guptā
von Śaṃtanu beschützt (Instr. + Nom.)
bhīṣmavīryopagūḍhena
dem von Bhīṣmas Tapferkeit Umhüllten (Instr.)

bhavadbuddhiyujā caiva pāṇḍunā pṛthivīkṣitā tathā duryodhanenāpi rājñā suparipālitāḥ

und ebenso von Pāṇḍu, dem mit deiner eigenen Weisheit Verbundenen, dem Herrscher der Erde, und ebenso von König Duryodhana wurden wir wohl beschützt.

Wort für Wort
bhavadbuddhiyujā pāṇḍunā
von Pāṇḍu, dem mit deiner Weisheit Verbundenen (Instr.)
suparipālitāḥ
wohl beschützt (Nom. Pl.)

na svalpam api putras te vyalīkaṃ kṛtavān nṛpa pitarīva suviśvastās tasminn api narādhipe vayam āsma yathā samyag bhavato viditaṃ tathā

Nicht das Geringste hat dein Sohn uns Unrechtes getan, o König; wie einem Vater vertrauten wir auch jenem Herrscher der Menschen völlig, so wie es dir wohlbekannt ist.

Wort für Wort
na svalpam api vyalīkam
nicht das Geringste an Unrecht (Akk.)
pitarīva suviśvastāḥ
wie einem Vater völlig vertrauend (Vergleich + Nom.)

tathā varṣasahasrāya kuntīputreṇa dhīmatā pālyamānā dhṛtimatā sukhaṃ vindāmahe nṛpa

Ebenso, seit gefühlt tausend Jahren, vom weisen, standhaften Sohn der Kuntī beschützt, finden wir Glück, o König.

Wort für Wort
varṣasahasrāya
seit tausend Jahren (hyperbolisch, Dat.)
kuntīputreṇa pālyamānāḥ
vom Sohn der Kuntī beschützt (Instr. + Ptz.)

„Seit tausend Jahren“ (varṣasahasrāya) ist vermutlich eine formelhaft-hyperbolische Wendung für eine sehr lange Zeitspanne, nicht wörtlich gemeint.

rājarṣīṇāṃ purāṇānāṃ bhavatāṃ vaṃśadhāriṇām kurusaṃvaraṇādīnāṃ bharatasya ca dhīmataḥ

Der alten königlichen Weisen, die euer Geschlecht trugen, angefangen mit Kuru und Saṃvaraṇa, und des weisen Bharata,

Wort für Wort
rājarṣīṇāṃ purāṇānām
der alten königlichen Weisen (Gen. Pl.)
kurusaṃvaraṇādīnām
angefangen mit Kuru und Saṃvaraṇa (Gen. Pl.)

vṛttaṃ samanuyāty eṣa dharmātmā bhūridakṣiṇaḥ nātra vācyaṃ mahārāja susūkṣmam api vidyate

deren Wandel folgt dieser Fromme, der reiche Opfergaben Spendende; hierin gibt es nichts zu sagen, o Großkönig, auch nicht das Geringste.

Wort für Wort
vṛttaṃ samanuyāti
folgt dem Wandel (Akk. + Präs.)
susūkṣmam api vidyate
auch nicht das Geringste gibt es (Nom. + Präs.)

uṣitāḥ sma sukhaṃ nityaṃ bhavatā paripālitāḥ susūkṣmaṃ ca vyalīkaṃ te saputrasya na vidyate

Wir haben stets glücklich gelebt, von dir beschützt; und auch nicht das Geringste an Unrecht gibt es bei dir, zusammen mit deinem Sohn.

Wort für Wort
uṣitāḥ sma sukhaṃ nityam
wir haben stets glücklich gelebt (Perf.)
te saputrasya
bei dir, zusammen mit dem Sohn (Gen.)

yat tu jñātivimarde 'sminn āttha duryodhanaṃ prati bhavantam anuneṣyāmi tatrāpi kurunandana

Was du aber bei dieser Vernichtung der Verwandten in Bezug auf Duryodhana gesagt hast, darin werde ich auch dich besänftigen, o Freude der Kurus.

Wort für Wort
jñātivimarde 'smin
bei dieser Vernichtung der Verwandten (Lok.)
anuneṣyāmi
ich werde besänftigen (Fut.)

Kapitel endet offen: dieselbe Brahmanen-Rede setzt sich in Kap.16 unmittelbar fort (Sprechertag "brāhmaṇa uvāca" ohne echten Sprecherwechsel, verifiziert).

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