Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Āśramavāsikaparva

Kapitel 28: pāṇḍavānāṃ śoko nagare parikṣitā ca sāntvanam Die Trauer der Pāṇḍavas in der Stadt und der Trost durch Parikṣit

vaiśaṃpāyana uvāca vanaṃ gate kauravendre duḥkhaśokasamāhatāḥ babhūvuḥ pāṇḍavā rājan mātṛśokena cārditāḥ

Vaiśaṃpāyana sprach: Als der Herr der Kauravas in den Wald gegangen war, wurden die Pāṇḍavas, o König, von Kummer und Leid getroffen, und vom Kummer um die Mutter gequält.

Wort für Wort
duḥkhaśokasamāhatāḥ babhūvuḥ
wurden von Kummer und Leid getroffen (Nom. Pl. + Perf.)
mātṛśokena cārditāḥ
und vom Kummer um die Mutter gequält (Instr. + Nom. Pl.)

tathā paurajanaḥ sarvaḥ śocann āste janādhipam kurvāṇāś ca kathās tatra brāhmaṇā nṛpatiṃ prati

Ebenso saß das ganze Bürgervolk trauernd um den Herrscher der Menschen, und die Brahmanen führten dort Gespräche über den König:

Wort für Wort
paurajanaḥ śocann āste
das Bürgervolk saß trauernd (Nom. + Ptz. + Präs.)
kurvāṇāś ca kathās
und führten Gespräche (Ptz. + Akk.)

kathaṃ nu rājā vṛddhaḥ sa vane vasati nirjane gāndhārī ca mahābhāgā sā ca kuntī pṛthā katham

wie wohl jener alte König in dem menschenleeren Wald lebe, und die hochgesegnete Gāndhārī, und wie jene Kuntī, die Pṛthā;

Wort für Wort
vane vasati nirjane
lebt in dem menschenleeren Wald (Lok. + Präs. + Lok.)
mahābhāgā sā ca kuntī pṛthā
und die hochgesegnete Kuntī, die Pṛthā (Nom.)

Die Brahmanen und Bürger äußern hier keine direkt zitierte Rede (kein uvāca/iti im Quelltext), sondern der Inhalt ihrer Gespräche (V002-006) wird als indirekte Rede wiedergegeben.

sukhārhaḥ sa hi rājarṣir na sukhaṃ tan mahāvanam kimavasthaḥ samāsādya prajñācakṣur hatātmajaḥ

denn jener königliche Weise, des Glücks würdig, weile nun in jenem großen Wald, der nicht dem Glück entspreche – in welchem Zustand er wohl sei, er, der Blinde, dessen Auge die Weisheit ist, der seine Söhne verloren hat;

Wort für Wort
sukhārhaḥ na sukhaṃ mahāvanam
des Glücks würdig, in jenem großen Wald, der nicht Glück ist (Nom. + Neg. + Akk.)
prajñācakṣur hatātmajaḥ
der Blinde, dessen Auge die Weisheit ist, der seine Söhne verloren hat (Nom.)

suduṣkaraṃ kṛtavatī kuntī putrān apaśyatī rājyaśriyaṃ parityajya vanavāsam arocayat

eine überaus schwere Tat habe Kuntī vollbracht, indem sie, ohne ihre Söhne mehr zu sehen, die königliche Herrlichkeit verlassend, das Waldleben gewählt habe;

Wort für Wort
suduṣkaraṃ kṛtavatī kuntī
eine überaus schwere Tat hat Kuntī vollbracht (Akk. + Perf.Ptz. + Nom.)
rājyaśriyaṃ parityajya vanavāsam arocayat
die königliche Herrlichkeit verlassend, wählte sie das Waldleben (Akk. + Abs. + Akk. + Impf.)

viduraḥ kimavasthaś ca bhrātuḥ śuśrūṣur ātmavān sa ca gāvalgaṇir dhīmān bhartṛpiṇḍānupālakaḥ

und in welchem Zustand wohl Vidura sei, der beherrschte, seinem Bruder dienende, und jener weise Sohn Gavalgaṇas, der seinem Herrn die Treue bewahrende.

Wort für Wort
bhrātuḥ śuśrūṣur ātmavān
der beherrschte, seinem Bruder dienende (Gen. + Nom.)
bhartṛpiṇḍānupālakaḥ
der die Treue zu seinem Herrn bewahrende (Nom.)

ākumāraṃ ca paurās te cintāśokasamāhatāḥ tatra tatra kathāś cakruḥ samāsādya parasparam

Und die Bürger, vom Kind bis zum Greis, von Sorge und Kummer getroffen, führten dort und da, einander begegnend, solche Gespräche.

Wort für Wort
ākumāraṃ ca paurās
die Bürger, vom Kind bis zum Greis (Adv. + Nom. Pl.)
samāsādya parasparam
einander begegnend (Abs. + Adv.)

pāṇḍavāś caiva te sarve bhṛśaṃ śokaparāyaṇāḥ śocanto mātaraṃ vṛddhām ūṣur nāticiraṃ pure

Und auch die Pāṇḍavas, alle heftig dem Kummer ergeben, um ihre alte Mutter trauernd, weilten nur kurze Zeit unbeschwert in der Stadt.

Wort für Wort
bhṛśaṃ śokaparāyaṇāḥ
heftig dem Kummer ergeben (Adv. + Nom. Pl.)
ūṣur nāticiraṃ pure
weilten nicht lange unbeschwert in der Stadt (Perf. + Adv. + Lok.)

tathaiva pitaraṃ vṛddhaṃ hataputraṃ janeśvaram gāndhārīṃ ca mahābhāgāṃ viduraṃ ca mahāmatim

Ebenso dachten sie an den alten Vater, den seine Söhne verloren habenden Herrscher der Menschen, und an die hochgesegnete Gāndhārī, und an den hochweisen Vidura.

Wort für Wort
hataputraṃ janeśvaram
den seine Söhne verloren habenden Herrscher der Menschen (Akk.)
viduraṃ ca mahāmatim
und den hochweisen Vidura (Akk.)

naiṣāṃ babhūva saṃprītis tān vicintayatāṃ tadā na rājye na ca nārīṣu na vedādhyayane tathā

Es gab für sie, die so nachdachten, damals keine Freude mehr – weder am Königreich, noch an den Frauen, noch ebenso am Studium der Veden.

Wort für Wort
naiṣāṃ babhūva saṃprītiḥ
es gab für sie keine Freude mehr (Neg. + Gen. Pl. + Nom. + Perf.)
na rājye na nārīṣu
weder am Königreich noch an den Frauen (Neg. + Lok.)

paraṃ nirvedam agamaṃś cintayanto narādhipam tac ca jñātivadhaṃ ghoraṃ saṃsmarantaḥ punaḥ punaḥ

Sie gerieten in höchste Verzagtheit, an den Herrscher der Menschen denkend, und immer wieder jenes furchtbare Blutvergießen der Verwandten erinnernd,

Wort für Wort
paraṃ nirvedam agaman
sie gerieten in höchste Verzagtheit (Akk. + Impf.)
jñātivadhaṃ ghoraṃ saṃsmarantaḥ
das furchtbare Blutvergießen der Verwandten erinnernd (Akk. + Ptz.)

abhimanyoś ca bālasya vināśaṃ raṇamūrdhani karṇasya ca mahābāhoḥ saṃgrāmeṣv apalāyinaḥ

und den Untergang des jungen Abhimanyu an der Spitze der Schlacht, und den des starkarmigen Karṇa, der in den Kämpfen nie floh,

Wort für Wort
abhimanyoś ca bālasya vināśam
den Untergang des jungen Abhimanyu (Gen. + Akk.)
saṃgrāmeṣv apalāyinaḥ
der in den Kämpfen nie floh (Lok. Pl. + Gen.)

tathaiva draupadeyānām anyeṣāṃ suhṛdām api vadhaṃ saṃsmṛtya te vīrā nātipramanaso 'bhavan

und ebenso, nachdem sie sich des Todes der Söhne Draupadīs und auch anderer Freunde erinnert hatten, wurden jene Helden nicht sehr frohgemut.

Wort für Wort
draupadeyānām vadhaṃ saṃsmṛtya
nachdem sie sich des Todes der Söhne Draupadīs erinnert hatten (Gen. Pl. + Akk. + Abs.)
nātipramanaso 'bhavan
wurden nicht sehr frohgemut (Neg. + Nom. Pl. + Impf.)

hatapravīrāṃ pṛthivīṃ hataratnāṃ ca bhārata sadaiva cintayantas te na nidrām upalebhire

An die Erde denkend, die ihrer besten Helden und ihrer Juwelen beraubt war, o Bhārata, fanden sie stets keinen Schlaf.

Wort für Wort
hatapravīrāṃ hataratnām pṛthivīm
die Erde, beraubt ihrer besten Helden und Juwelen (Akk.)
na nidrām upalebhire
fanden keinen Schlaf (Neg. + Akk. + Perf.)

draupadī hataputrā ca subhadrā caiva bhāminī nātiprītiyute devyau tadāstām aprahṛṣṭavat

Draupadī, die ihre Söhne verloren hatte, und die schöne Subhadrā, beide Fürstinnen ohne rechte Freude, verweilten damals unerfreut.

Wort für Wort
hataputrā draupadī
Draupadī, die ihre Söhne verloren hatte (Nom.)
nātiprītiyute devyau aprahṛṣṭavat
die beiden Fürstinnen ohne rechte Freude, unerfreut (Nom. Dual + Adv.)

vairāṭyās tu sutaṃ dṛṣṭvā pitaraṃ te parikṣitam dhārayanti sma te prāṇāṃs tava pūrvapitāmahāḥ

Doch als sie den Sohn der Tochter Virāṭas erblickten, deinen Vater Parikṣit, erhielten sie, deine Vorväter, ihr Leben aufrecht.

Wort für Wort
vairāṭyās sutaṃ dṛṣṭvā
nachdem sie den Sohn der Tochter Virāṭas erblickt hatten (Gen. + Akk. + Abs.)
dhārayanti sma te prāṇān
erhielten sie ihr Leben aufrecht (Präs. + Partikel + Nom. Pl. + Akk.)

Vaiśaṃpāyana wendet sich hier direkt an seinen Zuhörer König Janamejaya, dessen Vater Parikṣit (Sohn Abhimanyus und Uttarās, der Tochter Virāṭas) als einziger überlebender Erbe des Geschlechts den trauernden Pāṇḍavas neuen Lebenswillen gab.

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