Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Āśramavāsikaparva

Kapitel 14: dhṛtarāṣṭrasya kṣamāpaṇam Dhṛtarāṣṭras Bitte um Vergebung und die Übergabe Yudhiṣṭhiras

dhṛtarāṣṭra uvāca śaṃtanuḥ pālayām āsa yathāvat pṛthivīm imām tathā vicitravīryaś ca bhīṣmeṇa paripālitaḥ pālayām āsa vas tāto viditaṃ vo nasaṃśayaḥ

Dhṛtarāṣṭra sprach: „Śaṃtanu beherrschte diese Erde, wie es sich gehörte; und ebenso beherrschte Vicitravīrya, von Bhīṣma umsorgt, euch als euer Vater – dies ist euch bekannt, ohne Zweifel.

Wort für Wort
pālayām āsa yathāvat
beherrschte, wie es sich gehörte (Perf. periphr.)
viditaṃ vo nasaṃśayaḥ
dies ist euch bekannt, ohne Zweifel (Nom.)

yathā ca pāṇḍur bhrātā me dayito bhavatām abhūt sa cāpi pālayām āsa yathāvat tac ca vettha ha

Und wie mein Bruder Pāṇḍu euch lieb und teuer war, so beherrschte auch er euch, wie es sich gehörte; und auch dies wisst ihr wohl.

Wort für Wort
bhrātā me dayito
mein lieber Bruder (Nom.)
vettha ha
ihr wisst wohl (Perf. + Partikel)

mayā ca bhavatāṃ samyak chuśrūṣā yā kṛtānaghāḥ asamyag vā mahābhāgās tat kṣantavyam atandritaiḥ

Und was ich für euch getan habe an Dienst, sei es recht gewesen oder unrecht, ihr Untadeligen, ihr Hochbeglückten – das sollt ihr, die ihr stets wachsam seid, vergeben.

Wort für Wort
samyak chuśrūṣā kṛtā
der recht geleistete Dienst (Nom.)
kṣantavyam atandritaiḥ
zu vergeben von den stets Wachsamen (Ger. + Instr.)

yac ca duryodhanenedaṃ rājyaṃ bhuktam akaṇṭakam api tatra na vo mando durbuddhir aparāddhavān

Und dass dieses Reich von Duryodhana ungehindert genossen wurde – darin hat euch der Törichte von schlechtem Verstand kein Unrecht getan.

Wort für Wort
rājyaṃ bhuktam akaṇṭakam
das ungehindert genossene Reich (Nom.)
mando durbuddhir aparāddhavān
der Törichte von schlechtem Verstand hat kein Unrecht getan (Nom. + Perf.)

tasyāparādhād durbuddher abhimānān mahīkṣitām vimardaḥ sumahān āsīd anayān matkṛtād atha

Doch aus seinem Vergehen, dem des Toren von schlechtem Verstand, aus dem Hochmut, und aus dem von mir begangenen Unrecht entstand die gewaltige Vernichtung der Herrscher der Erde.

Wort für Wort
tasyāparādhād abhimānāt
aus seinem Vergehen, aus dem Hochmut (Abl.)
mahīkṣitāṃ vimardaḥ sumahān
die gewaltige Vernichtung der Herrscher der Erde (Gen. + Nom.)

tan mayā sādhu vāpīdaṃ yadi vāsādhu vai kṛtam tad vo hṛdi na kartavyaṃ mām anujñātum arhatha

Was auch immer ich hierbei getan habe, sei es gut oder sei es nicht gut, das sollt ihr euch nicht zu Herzen nehmen; ihr möget mir vergeben.

Wort für Wort
sādhu vāsādhu vai kṛtam
sei es gut oder nicht gut getan (Nom.)
mām anujñātum arhatha
ihr möget mir vergeben (Inf. + Verb)

vṛddho 'yaṃ hataputro 'yaṃ duḥkhito 'yaṃ janādhipaḥ pūrvarājñāṃ ca putro 'yam iti kṛtvānujānata

In dem Gedanken, dass ich alt bin, meiner Söhne beraubt, leidend, der Herrscher der Menschen, und der Sohn früherer Könige – so bedenkend, gewährt mir eure Erlaubnis.

Wort für Wort
vṛddho hataputro duḥkhitaḥ
alt, seiner Söhne beraubt, leidend (Nom.)
iti kṛtvānujānata
so bedenkend, gewährt die Erlaubnis (Abs. + Imp.)

iyaṃ ca kṛpaṇā vṛddhā hataputrā tapasvinī gāndhārī putraśokārtā tulyaṃ yācati vo mayā

Und diese hier, die Bejammernswerte, Alte, ihrer Söhne Beraubte, Büßerin, Gāndhārī, vom Kummer um ihre Söhne gequält, bittet euch gleichermaßen wie ich.

Wort für Wort
kṛpaṇā vṛddhā hataputrā
die Bejammernswerte, Alte, ihrer Söhne Beraubte (Nom.)
putraśokārtā
vom Kummer um ihre Söhne gequält (Nom.)

hataputrāv imau vṛddhau viditvā duḥkhitau tathā anujānīta bhadraṃ vo vrajāvaḥ śaraṇaṃ ca vaḥ

Da ihr wisst, dass wir beide, alt und unserer Söhne beraubt, leidend sind, gewährt uns eure Erlaubnis – Segen euch! – wir werden fortgehen, und euch sei Schutz gewährt.

Wort für Wort
hataputrāv imau vṛddhau
wir beide, alt und unserer Söhne beraubt (Nom. Dual)
śaraṇaṃ ca vaḥ
und euch Zuflucht/Schutz (Akk. + Dat., unsicher [?])

Der genaue Sinn von „śaraṇaṃ ca vaḥ“ (wörtl. „und euch Zuflucht/Schutz“) am Versende bleibt unklar - möglicherweise ein wechselseitiger Segenswunsch [?].

ayaṃ ca kauravo rājā kuntīputro yudhiṣṭhiraḥ sarvair bhavadbhir draṣṭavyaḥ sameṣu viṣameṣu ca na jātu viṣamaṃ caiva gamiṣyati kadā cana

Und dieser kauravische König, Yudhiṣṭhira, der Sohn der Kuntī, soll von euch allen angesehen werden, in guten wie in schlechten Zeiten; niemals wird er sich je Unrecht zuwenden.

Wort für Wort
sameṣu viṣameṣu ca
in guten wie in schlechten Zeiten (Lok. Pl.)
na jātu viṣamaṃ gamiṣyati
niemals wird er sich Unrecht zuwenden (Fut.)

catvāraḥ sacivā yasya bhrātaro vipulaujasaḥ lokapālopamā hy ete sarve dharmārthadarśinaḥ

Vier Berater hat er, seine Brüder von gewaltiger Kraft; diese alle sind den Weltenhütern gleich und kundig von Recht und Nutzen.

Wort für Wort
catvāraḥ sacivā bhrātaraḥ
vier Berater, die Brüder (Nom. Pl.)
lokapālopamā dharmārthadarśinaḥ
den Weltenhütern gleich, kundig von Recht und Nutzen (Nom. Pl.)

brahmeva bhagavān eṣa sarvabhūtajagatpatiḥ yudhiṣṭhiro mahātejā bhavataḥ pālayiṣyati

Wie Brahman selbst, der Herr aller Wesen und der Welt, wird der hochenergische Yudhiṣṭhira euch beschützen.

Wort für Wort
brahmeva bhagavān
wie Brahman selbst (Vergleich)
pālayiṣyati
wird beschützen (Fut.)

avaśyam eva vaktavyam iti kṛtvā bravīmi vaḥ eṣa nyāso mayā dattaḥ sarveṣāṃ vo yudhiṣṭhiraḥ bhavanto 'sya ca vīrasya nyāsabhūtā mayā kṛtāḥ

In dem Gedanken, dass dies unbedingt gesagt werden muss, sage ich euch: Dieser Yudhiṣṭhira ist von mir euch allen als anvertrautes Gut übergeben; und auch ihr seid von mir zum anvertrauten Gut für diesen Helden gemacht worden.

Wort für Wort
eṣa nyāso mayā dattaḥ
dies ist von mir als anvertrautes Gut übergeben (Nom. + Ptz.)
nyāsabhūtā mayā kṛtāḥ
von mir zum anvertrauten Gut gemacht (Nom. Pl. + Ptz.)

yady eva taiḥ kṛtaṃ kiṃ cid vyalīkaṃ vā sutair mama yady anyena madīyena tad anujñātum arhatha

Wenn irgendetwas Unrechtes von ihnen, meinen Söhnen, getan wurde, oder von irgendjemand anderem der Meinigen, so möget ihr mir dies vergeben.

Wort für Wort
kṛtaṃ kiṃ cid vyalīkam
irgendetwas Unrechtes getan (Nom.)
tad anujñātum arhatha
so möget ihr dies vergeben (Inf. + Verb)

bhavadbhir hi na me manyuḥ kṛtapūrvaḥ kathaṃ cana atyantagurubhaktānām eṣo 'ñjalir idaṃ namaḥ

Denn niemals zuvor wurde mir von euch Zorn zugefügt; euch, den überaus den Alten Ergebenen, gilt diese meine gefaltete Hand, diese meine Verneigung.

Wort für Wort
na me manyuḥ kṛtapūrvaḥ
mir wurde niemals zuvor Zorn zugefügt (Nom. + Ptz.)
añjalir idaṃ namaḥ
die gefaltete Hand, diese Verneigung (Nom.)

teṣām asthirabuddhīnāṃ lubdhānāṃ kāmacāriṇām kṛte yācāmi vaḥ sarvān gāndhārīsahito 'naghāḥ

Für jene von unsteter Gesinnung, die Gierigen, die nach eigenem Belieben Handelnden, bitte ich euch alle, zusammen mit Gāndhārī, ihr Untadeligen.“

Wort für Wort
asthirabuddhīnāṃ lubdhānām
der von unsteter Gesinnung, der Gierigen (Gen. Pl.)
yācāmi vaḥ sarvān
bitte ich euch alle (Präs.)

ity uktās tena te rājñā paurajānapadā janāḥ nocur bāṣpakalāḥ kiṃ cid vīkṣāṃ cakruḥ parasparam

So von jenem König angesprochen, sagten die Stadt- und Landbewohner nichts, von Tränen erstickt, und blickten einander an.

Wort für Wort
ity uktās tena rājñā
so von jenem König angesprochen (Ptz. + Instr.)
vīkṣāṃ cakruḥ parasparam
blickten einander an (Perf. periphr.)

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