„Yudhiṣṭhira sprach: Nicht erfreut mich die Herrschaft, solange du, o König, derart leidest; Schande über mich, den überaus Übelgesinnten, am Königreich Haftenden, Nachlässigen!
Wort für Wort
na māṃ prīṇayate rājyam
die Herrschaft erfreut mich nicht (Präs.)
rājyasaktaṃ pramādinam
am Königreich haftend, nachlässig (Akk., auf sich selbst bezogen)
yo 'haṃ bhavantaṃ duḥkhārtam upavāsakṛśaṃ nṛpa yatāhāraṃ kṣitiśayaṃ nāvindaṃ bhrātṛbhiḥ saha
Ich, der ich dich, o König, von Leid geplagt, vom Fasten abgemagert, mit gezügelter Nahrung, auf dem Boden liegend, nicht bemerkt habe, samt meinen Brüdern –
kiṃ me rājyena bhogair vā kiṃ yajñaiḥ kiṃ sukhena vā yasya me tvaṃ mahīpāla duḥkhāny etāny avāptavān
Was nützt mir das Königreich, oder die Genüsse? Was die Opfer, was das Glück, wenn du, o Herrscher der Erde, um meinetwillen diese Leiden erlitten hast?
ahaṃ vanaṃ gamiṣyāmi bhavān rājyaṃ praśāstv idam na mām ayaśasā dagdhaṃ bhūyas tvaṃ dagdhum arhasi
Ich werde in den Wald gehen, du sollst dieses Königreich beherrschen; nicht sollst du mich, der ich schon von Schande verbrannt bin, noch weiter verbrennen.
Nicht ich bin der König, du bist der König; von dir bin ich abhängig. Wie könnte ich es wagen, dir, meinem dharmakundigen Lehrer, hier die Erlaubnis zu erteilen?
bhavadīyam idaṃ sarvaṃ śirasā tvāṃ prasādaye tvadadhīnāḥ sma rājendra vyetu te mānaso jvaraḥ
All dies ist dein; mit gesenktem Haupt bitte ich dich um Gnade; wir sind von dir abhängig, o Fürst der Könige – möge dein Geistesfieber von dir weichen.
Wort für Wort
śirasā prasādaye
mit gesenktem Haupt bitte ich um Gnade (Instr. + Präs.)
mānaso jvaraḥ
das Geistesfieber, der seelische Schmerz (Nom.)
Geistesfieber (mānasa jvara): Bildwort für seelischen Schmerz/Gram.
Ich denke, dass dich das Unabwendbare erreicht hat, o Herrscher der Menschen; durch glückliches Geschick werde ich, dir dienend, dein Geistesfieber lösen.“
dhṛtarāṣṭra uvāca tāpasye me manas tāta vartate kurunandana ucitaṃ hi kule 'smākam araṇyagamanaṃ prabho
„Dhṛtarāṣṭra sprach: Auf Askese ist mein Sinn gerichtet, mein Sohn, o Freude der Kurus; denn es ist Brauch in unserem Geschlecht, in den Wald zu gehen, o Herr.
Vaiśaṃpāyana sprach: So zum Dharma-König gesprochen habend, zitternd, mit gefalteten Händen, sprach der König Dhṛtarāṣṭra, der Sohn der Ambikā, noch dieses Wort:
Wort für Wort
vepamānaḥ kṛtāñjaliḥ
zitternd, mit gefalteten Händen (Ptz.)
vacanam uvāca
er sprach das Wort (Akk. + Perf.)
Kurze Erzähler-Brücke innerhalb von Dhṛtarāṣṭras fortlaufender Rede, bevor er in V019-020 einen weiteren kurzen Gedanken äußert.
saṃjayaṃ ca mahāmātraṃ kṛpaṃ cāpi mahāratham anunetum ihecchāmi bhavadbhiḥ pṛthivīpatim
„Saṃjaya, den großen Minister, und auch Kṛpa, den großen Wagenkämpfer, möchte ich hier von euch gewonnen sehen, für den Herrscher der Erde.
Wort für Wort
mahāmātram
den großen Minister (Akk., Saṃjaya)
anunetum icchāmi
ich möchte gewinnen/besänftigen (Inf. + Präs.)
[?] Der genaue Bezug von "pṛthivīpatim" ("für/an den Herrscher der Erde") in diesem Vers ist syntaktisch nicht restlos eindeutig - vermutlich ist gemeint, dass Yudhiṣṭhira (oder der designierte Nachfolger Yuyutsu) Saṃjaya und Kṛpa dafür gewinnen möge, im Reich zu bleiben und weiterhin zu dienen.
āyasī pratimā yena bhīmasenasya vai purā cūrṇīkṛtā balavatā sa balārthī śritaḥ striyam
Er, von dem einst die eiserne Statue Bhīmasenas zermalmt wurde, er, der Starke, nach Kraft strebend, lehnt sich jetzt an eine Frau!
Wort für Wort
āyasī pratimā
die eiserne Statue (Nom.)
cūrṇīkṛtā
zermalmt (Ptz.)
Anspielung auf eine frühere Episode (Udyogaparva): Dhṛtarāṣṭra zerdrückte im Zorn eine ihm untergeschobene eiserne Bhīma-Statue mit bloßer Körperkraft, im Glauben, es sei Bhīma selbst.
dhig astu mām adharmajñaṃ dhig buddhiṃ dhik ca me śrutam yatkṛte pṛthivīpālaḥ śete 'yam atathocitaḥ
Schande über mich, den Dharma-Unkundigen! Schande über meinen Verstand, und Schande über mein Wissen – durch dessentwillen dieser Herrscher der Erde, dem solches nicht gebührt, so daliegt!