vaiśaṃpāyana uvāca etat pūrvaṃ na pṛṣṭo 'haṃ na cāsmābhiḥ prabhāṣitam śrūyatāṃ nakulo yo 'sau yathā vāg asya mānuṣī
„Vaiśaṃpāyana sprach: Danach wurde ich zuvor nicht gefragt, und auch von uns wurde es nicht ausgesprochen; so höre, wer jener Mungo ist und wie seine Rede menschlich wurde.“
tat kṣīraṃ sthāpayām āsa nave bhāṇḍe dṛḍhe śucau tac ca krodhaḥ svarūpeṇa piṭharaṃ paryavartayat
Diese Milch stellte er in einem neuen, festen, reinen Gefäß ab; da stürzte Krodha in eigener Gestalt den Topf um.
Wort für Wort
nave bhāṇḍe dṛḍhe śucau
in einem neuen, festen, reinen Gefäß (Lok.)
krodhaḥ svarūpeṇa
Krodha in eigener Gestalt (Nom. + Instr.)
Krodha (‚der Zorn‘) tritt hier als personifiziertes Wesen auf, wie in der epischen Dichtung häufig Leidenschaften und Kräfte als eigenständige Gestalten handeln.
tam ājñāya muniḥ krodhaṃ naivāsya cukupe tataḥ sa tu krodhas tam āhedaṃ prāñjalir mūrtimān sthitaḥ
Als der Weise diesen Krodha erkannte, wurde er dennoch nicht zornig auf ihn; da sprach jener Krodha, in verkörperter Gestalt vor ihm stehend, mit gefalteten Händen zu ihm dies:
Wort für Wort
naivāsya cukupe
er wurde nicht zornig auf ihn (Perf.)
mūrtimān prāñjaliḥ sthitaḥ
in verkörperter Gestalt, mit gefalteten Händen dastehend (Ptz.)
„Besiegt bin ich, o bester der Bhṛgus – denn die Bhṛgus gelten in der Welt als überaus jähzornig; eine Lüge ist es, dass ich von dir besiegt worden sei.
Wort für Wort
bhṛguśreṣṭha
bester der Bhṛgus (Vok., Anrede an Jamadagni)
atiroṣaṇāḥ
überaus jähzornig (Adj. Pl.)
Krodha spielt darauf an, dass er als personifizierter Zorn erwartet hätte, den ebenfalls dem Bhṛgu-Geschlecht entstammenden, für Jähzorn bekannten Jamadagni zu erzürnen – was dieser aber gerade nicht zulässt.
janamejaya uvāca sākṣād dṛṣṭo 'si me krodha gaccha tvaṃ vigatajvaraḥ na mamāpakṛtaṃ te 'dya na manyur vidyate mama
„Sichtbar leibhaftig bist du mir erschienen, Krodha; geh nun, frei von Unruhe; du hast mir heute kein Unrecht getan, kein Zorn ist in mir.
Wort für Wort
vigatajvaraḥ
frei von Fieber/Unruhe (Adj., Vok.)
na manyur vidyate mama
kein Zorn ist in mir vorhanden
[?] Die Quelle weist diese Rede fälschlich mit der Sprecherformel ‚janamejaya uvāca‘ aus; nach dem Sinn des Textes kann hier aber nur Jamadagni sprechen, der den vor ihm stehenden Krodha anredet – Janamejaya befindet sich außerhalb dieser eingebetteten Erzählung. Es handelt sich offenbar um eine Verwechslung der Sprecherformel in der Textüberlieferung; die Übersetzung folgt daher der erzählerisch zwingenden Zuordnung an Jamadagni.
yān uddiśya tu saṃkalpaḥ payaso 'sya kṛto mayā pitaras te mahābhāgās tebhyo budhyasva gamyatām
Diejenigen, für die ich die Widmung dieser Milch vollzogen habe, meine hochgesegneten Vorfahren – von ihnen sollst du Verständnis erlangen; geh zu ihnen.“
ity ukto jātasaṃtrāsaḥ sa tatrāntaradhīyata pitṝṇām abhiṣaṅgāt tu nakulatvam upāgataḥ
Als so gesprochen war, von Schrecken ergriffen, verschwand er dort; doch durch die Berührung/den Fluch der Ahnen gelangte er in den Zustand eines Mungos.
Wort für Wort
jātasaṃtrāsaḥ
von Schrecken ergriffen (Ptz. Nom.)
nakulatvam upāgataḥ
er gelangte in den Zustand eines Mungos (Ptz. + Akk.)
abhiṣaṅga: hier im Sinne eines durch Berührung mit der verunreinigten Opfermilch der Ahnen wirksam gewordenen Fluches.
Er versuchte, die Ahnen zu besänftigen, damit das Ende des Fluches komme; und von ihnen wurde ihm gesagt: „Wenn du Dharma berührst, dann wirst du erlöst sein.“
Wort für Wort
śāpasyānto bhaved
damit das Ende des Fluches komme (Opt.)
dharmaṃ kṣepsyase
du wirst Dharma berühren (Fut. Med.)
Ein Wortspiel kündigt sich hier an: ‚Dharma‘ meint zugleich die rechte Ordnung und – wie sich in Vers 14 zeigt – konkret Yudhiṣṭhira, den ‚Sohn des Dharma‘ (Dharmaputra).