Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Āśvamedhikaparva

Kapitel 81: arjunasamjivanam Der Wiederbelebungsjuwel und Arjunas Erwachen

vaiśaṃpāyana uvāca prāyopaviṣṭe nṛpatau maṇipūreśvare tadā pitṛśokasamāviṣṭe saha mātrā paraṃtapa

Vaiśaṃpāyana sprach: Während der König, der Herrscher von Maṇipūra, sich zum Fastentod niedergesetzt hatte, von Kummer um den Vater erfüllt, zusammen mit seiner Mutter, o Feindebezwinger,

Wort für Wort
prāyopaviṣṭe
sich zum Fastentod niedergesetzt habend (Ptz. Lok.)
pitṛśokasamāviṣṭe
von Kummer um den Vater erfüllt (Adj. Lok.)

ulūpī cintayām āsa tadā saṃjīvanaṃ maṇim sa copātiṣṭhata tadā pannagānāṃ parāyaṇam

da dachte Ulūpī an den belebenden Juwel, und dieser, die höchste Zuflucht der Schlangenwesen, erschien da vor ihr.

Wort für Wort
saṃjīvanaṃ maṇim
den belebenden Juwel (Akk.)
upātiṣṭhata
er erschien, trat herbei (Impf.)

taṃ gṛhītvā tu kauravya nāgarājapateḥ sutā manaḥprahlādanīṃ vācaṃ sainikānām athābravīt

Nachdem sie ihn ergriffen hatte, o Nachkomme der Kurus, sprach die Tochter des Nāgakönigs zu den Kriegern ein herzerfreuendes Wort:

Wort für Wort
nāgarājapateḥ sutā
die Tochter des Nāgakönigs (Nom., Ulūpī)
manaḥprahlādanīṃ vācam
ein herzerfreuendes Wort (Akk.)

uttiṣṭha mā śucaḥ putra naiṣa jiṣṇus tvayā hataḥ ajeyaḥ puruṣair eṣa devair vāpi savāsavaiḥ

„Steh auf, trauere nicht, mein Sohn; dieser Jiṣṇu ist nicht von dir erschlagen worden – er ist unbesiegbar, weder durch Menschen noch durch die Götter samt Vāsava.

Wort für Wort
mā śucaḥ
trauere nicht (Inj.)
ajeyaḥ
unbesiegbar (Adj.)

mayā tu mohinī nāma māyaiṣā saṃprayojitā priyārthaṃ puruṣendrasya pitus te 'dya yaśasvinaḥ

Von mir vielmehr wurde diese sogenannte betörende Illusion heute angewandt, zum Vorteil deines ruhmreichen Vaters, des Herrschers der Männer.

Wort für Wort
mohinī māyā
die betörende Illusion (Nom.)
priyārtham
zum Vorteil, zum Wohlgefallen (Akk.)

jijñāsur hy eṣa vai putra balasya tava kauravaḥ saṃgrāme yudhyato rājann āgataḥ paravīrahā

Denn dieser Kaurava, der Feindeshelden-Töter, war gekommen, um deine Kraft im Kampf zu erproben, mein Sohn, o König, indem er kämpfte.

Wort für Wort
jijñāsuḥ
der zu erproben Wünschende (Nom.)
paravīrahā
der Feindeshelden-Töter (Nom., Beiname Arjunas)

tasmād asi mayā putra yuddhārthaṃ paricoditaḥ mā pāpam ātmanaḥ putra śaṅkethās tv aṇv api prabho

Deshalb bist du von mir zum Kampf angestachelt worden, mein Sohn; vermute nicht die geringste Sünde bei dir selbst, mein Sohn, Gebieter.

Wort für Wort
paricoditaḥ
angestachelt (Ptz.)
aṇv api
auch nur die geringste (Adv.)

ṛṣir eṣa mahātejāḥ puruṣaḥ śāśvato 'vyayaḥ nainaṃ śakto hi saṃgrāme jetuṃ śakro 'pi putraka

Dieser ist ein Seher, überaus glanzvoll, ein ewiger, unvergänglicher Mensch; nicht einmal Śakra vermag ihn im Kampf zu besiegen, mein Söhnchen.

Wort für Wort
śāśvato 'vyayaḥ
ewig, unvergänglich (Adj.)
jetuṃ na śaktaḥ
nicht imstande zu besiegen (Adj. + Inf.)

ayaṃ tu me maṇir divyaḥ samānīto viśāṃ pate mṛtān mṛtān pannagendrān yo jīvayati nityadā

Dieser göttliche Juwel aber, o Herr der Völker, den ich herbeigeholt habe, belebt stets die toten, toten Schlangenfürsten wieder.

Wort für Wort
samānītaḥ
herbeigeholt (Ptz.)
jīvayati nityadā
er belebt stets wieder (Kaus. Präs.)

etam asyorasi tvaṃ tu sthāpayasva pituḥ prabho saṃjīvitaṃ punaḥ putra tato draṣṭāsi pāṇḍavam

Diesen lege du auf die Brust deines Vaters, Gebieter; wiederbelebt wirst du dann, mein Sohn, den Pāṇḍava sehen.“

Wort für Wort
urasi sthāpayasva
lege auf die Brust (Imp.)
saṃjīvitam draṣṭāsi
wiederbelebt wirst du sehen (Fut.)

ity uktaḥ sthāpayām āsa tasyorasi maṇiṃ tadā pārthasyāmitatejāḥ sa pituḥ snehād apāpakṛt

So angesprochen, legte er, der an Glanz Unermessliche, Sündlose, aus Liebe zu seinem Vater den Juwel auf die Brust Pārthas.

Wort für Wort
apāpakṛt
der Sündlose (Nom.)
snehāt
aus Liebe (Abl.)

tasmin nyaste maṇau vīra jiṣṇur ujjīvitaḥ prabhuḥ suptotthita ivottasthau mṛṣṭalohitalocanaḥ

Als jener Juwel aufgelegt war, o Held, wurde Jiṣṇu, der Gebieter, wiederbelebt; wie aus dem Schlaf Erwachend erhob er sich, mit klaren, rötlichen Augen.

Wort für Wort
ujjīvitaḥ
wiederbelebt (Ptz.)
mṛṣṭalohitalocanaḥ
mit klaren, rötlichen Augen (Adj.)

tam utthitaṃ mahātmānaṃ labdhasaṃjñaṃ manasvinam samīkṣya pitaraṃ svasthaṃ vavande babhruvāhanaḥ

Als er seinen sich erhebenden, großmütigen, wieder zur Besinnung gekommenen, weisen Vater wohlauf erblickte, verneigte sich Babhruvāhana.

Wort für Wort
labdhasaṃjñam
wieder zur Besinnung gekommen (Adj.)
vavande
er verneigte sich (Perf.)

utthite puruṣavyāghre punar lakṣmīvati prabho divyāḥ sumanasaḥ puṇyā vavṛṣe pākaśāsanaḥ

Als der Tiger unter den Männern, der Glanzvolle, wieder aufgestanden war, o Gebieter, ließ Pākaśāsana göttliche, wohlriechende, heilige Blüten herabregnen.

Wort für Wort
lakṣmīvati
dem Glanzvollen (Adj. Lok.)
pākaśāsanaḥ
Pākaśāsana, Beiname Indras (Nom.)

'Pākaśāsana' ('Bezwinger des Pāka') ist ein Beiname Indras.

anāhatā dundubhayaḥ praṇedur meghanisvanāḥ sādhu sādhv iti cākāśe babhūva sumahān svanaḥ

Ungeschlagene Kesselpauken dröhnten, wolkengleich tönend, und am Himmel erhob sich ein gewaltiger Beifallsruf.

Wort für Wort
anāhatāḥ dundubhayaḥ
ungeschlagene Kesselpauken (Nom. Pl., ein Wunderzeichen)
meghanisvanāḥ
wolkengleich tönend (Adj.)

utthāya tu mahābāhuḥ paryāśvasto dhanaṃjayaḥ babhruvāhanam āliṅgya samājighrata mūrdhani

Aufgestanden, wieder zu Atem gekommen, umarmte der großarmige Dhanaṃjaya Babhruvāhana und küsste ihn auf das Haupt.

Wort für Wort
paryāśvastaḥ
wieder zu Atem gekommen (Ptz.)
mūrdhani samājighrata
er küsste auf das Haupt (Impf., wörtl. 'roch an')

dadarśa cāvidūre 'sya mātaraṃ śokakarśitām ulūpyā saha tiṣṭhantīṃ tato 'pṛcchad dhanaṃjayaḥ

Und er erblickte unweit von ihm seine von Kummer abgezehrte Mutter, zusammen mit Ulūpī dastehend; da fragte Dhanaṃjaya:

Wort für Wort
śokakarśitām
von Kummer abgezehrt (Adj. Fem. Akk.)
apṛcchat
er fragte (Impf.)

kim idaṃ lakṣyate sarvaṃ śokavismayaharṣavat raṇājiram amitraghna yadi jānāsi śaṃsa me

„Warum erscheint dies alles auf dem Schlachtfeld wie von Kummer, Erstaunen und Freude erfüllt, Feindevernichter? Wenn du es weißt, sag es mir.

Wort für Wort
śokavismayaharṣavat
wie von Kummer, Erstaunen und Freude erfüllt (Adj.)
śaṃsa me
sag es mir (Imp.)

jananī ca kimarthaṃ te raṇabhūmim upāgatā nāgendraduhitā ceyam ulūpī kim ihāgatā

Und warum ist deine Mutter auf das Schlachtfeld gekommen? Und warum ist diese Tochter des Schlangenfürsten, Ulūpī, hierher gekommen?

Wort für Wort
raṇabhūmim upāgatā
auf das Schlachtfeld gekommen (Ptz. Fem.)
nāgendraduhitā
die Tochter des Schlangenfürsten (Nom.)

jānāmy aham idaṃ yuddhaṃ tvayā madvacanāt kṛtam strīṇām āgamane hetum aham icchāmi veditum

Ich weiß, dass dieser Kampf von dir auf mein Wort hin geführt wurde; den Grund für das Kommen der Frauen möchte ich erfahren.“

Wort für Wort
madvacanāt kṛtam
auf mein Wort hin geführt (Ptz.)
veditum icchāmi
ich möchte erfahren (Inf. + Präs.)

tam uvāca tataḥ pṛṣṭo maṇipūrapatis tadā prasādya śirasā vidvān ulūpī pṛcchyatām iti

Da sprach, so gefragt, der Herrscher von Maṇipūra zu ihm, der Kundige, das Haupt neigend: „Ulūpī möge gefragt werden.“

Wort für Wort
śirasā prasādya
das Haupt neigend, ehrerbietig (Abs.)
pṛcchyatām
sie möge gefragt werden (Pass. Imp.)

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