Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Āśvamedhikaparva

Kapitel 57: uttaṅkasya nāgalokagamanaṃ kuṇḍalāharaṇaṃ ca Uttaṅkas Fahrt in die Welt der Nāgas und die Wiedergewinnung der Ohrringe durch Agni

vaiśaṃpāyana uvāca sa mitrasaham āsādya tv abhijñānam ayācata tasmai dadāv abhijñānaṃ sa cekṣvākuvaras tadā

Vaiśaṃpāyana sprach: Er, zu Mitrasaha [Saudāsa] gegangen, erbat das Erkennungszeichen; und jener beste der Ikṣvākus gab ihm damals das Erkennungszeichen.

Wort für Wort
mitrasaham āsādya
zu Mitrasaha gegangen (Absolutiv, = Saudāsa)
abhijñānam ayācata
er erbat das Erkennungszeichen (3. Sg. Impf. Ätm.)

saudāsa uvāca na caivaiṣā gatiḥ kṣemyā na cānyā vidyate gatiḥ etan me matam ājñāya prayaccha maṇikuṇḍale

Saudāsa sprach: „Weder ist dies ein heilsamer Ausweg, noch ist ein anderer Ausweg bekannt; nachdem du diese meine Ansicht kundgetan hast, gib ihr [die Botschaft], die Juwelenohrringe herauszugeben.“

Wort für Wort
gatiḥ kṣemyā
ein heilsamer Ausweg (Nom. Sg. f.)
matam ājñāya
die Ansicht kundgetan habend (Absolutiv)

vaiśaṃpāyana uvāca ity uktas tām uttaṅkas tu bhartur vākyam athābravīt śrutvā ca sā tataḥ prādāt tasmai te maṇikuṇḍale

Vaiśaṃpāyana sprach: So angesprochen, sagte Uttaṅka ihr darauf das Wort ihres Gatten; und nachdem sie es gehört hatte, gab sie ihm darauf jene beiden Juwelenohrringe.

Wort für Wort
bhartur vākyam abravīt
er sagte das Wort des Gatten (3. Sg. Impf.)
prādāt maṇikuṇḍale
sie gab die Juwelenohrringe (3. Sg. Perf.)

avāpya kuṇḍale te tu rājānaṃ punar abravīt kim etad guhyavacanaṃ śrotum icchāmi pārthiva

Nachdem er die Ohrringe erhalten hatte, sprach er abermals zum König: „Was ist dieses geheime Wort? Ich möchte es hören, o König.“

Wort für Wort
kuṇḍale avāpya
die Ohrringe erhalten habend (Absolutiv)
guhyavacanaṃ śrotum icchāmi
ich möchte das geheime Wort hören (Akk. Sg. n. + Infinitiv)

saudāsa uvāca prajā nisargād viprān vai kṣatriyāḥ pūjayanti ha viprebhyaś cāpi bahavo doṣāḥ prādurbhavanti naḥ

Saudāsa sprach: „Von Natur aus verehren die Kṣatriyas die Brahmanen; und von den Brahmanen entstehen uns auch viele Verfehlungen.

Wort für Wort
nisargād pūjayanti
sie verehren von Natur aus (Abl. Sg. m., 3. Pl. Präs.)
bahavo doṣāḥ prādurbhavanti
viele Verfehlungen entstehen (Nom. Pl. m., 3. Pl. Präs.)

so 'haṃ dvijebhyaḥ praṇato viprād doṣam avāptavān gatim anyāṃ na paśyāmi madayantīsahāyavān svargadvārasya gamane sthāne ceha dvijottama

Ich, vor den Zweifachgeborenen verneigt, habe von einem Brahmanen diese Verfehlung erlangt; ich sehe, mit Madayantī als Helferin, keinen anderen Weg, weder zum Eingang des Himmels zu gelangen noch hier zu bestehen, o Bester der Zweifachgeborenen.

Wort für Wort
dvijebhyaḥ praṇataḥ
vor den Zweifachgeborenen verneigt (Nom. Sg. m.)
gatim anyāṃ na paśyāmi
ich sehe keinen anderen Weg (Akk. Sg. f., 1. Sg. Präs.)

na hi rājñā viśeṣeṇa viruddhena dvijātibhiḥ śakyaṃ nṛloke saṃsthātuṃ pretya vā sukham edhitum

Denn ein König, der insbesondere mit den Zweifachgeborenen verfeindet ist, kann weder in der Welt der Menschen bestehen noch nach dem Tod in Glück gedeihen.

Wort für Wort
viśeṣeṇa viruddhena
insbesondere verfeindet (Instr. Sg. m.)
sukham edhitum
in Glück zu gedeihen (Infinitiv)

tad iṣṭe te mayaivaite datte sve maṇikuṇḍale yaḥ kṛtas te 'dya samayaḥ saphalaṃ taṃ kuruṣva me

Deshalb sind, wie du wünschtest, diese Juwelenohrringe meiner Gattin von mir gegeben worden; die Abmachung, die heute mit dir getroffen wurde, mache sie mir fruchtbar.“

Wort für Wort
sve maṇikuṇḍale datte
die eigenen Juwelenohrringe wurden gegeben (Nom. Du. n., Part. Perf. Pass.)
saphalaṃ kuruṣva
mache fruchtbar! (2. Sg. Imperativ Ätm.)

uttaṅka uvāca rājaṃs tatheha kartāsmi punar eṣyāmi te vaśam praśnaṃ tu kaṃ cit praṣṭuṃ tvāṃ vyavasiṣye paraṃtapa

Uttaṅka sprach: „O König, so werde ich es hier tun; ich werde wieder in deine Gewalt kommen. Doch bin ich entschlossen, dich etwas zu fragen, o Bezwinger der Feinde.“

Wort für Wort
tatheha kartāsmi
so werde ich es hier tun (1. Sg. Fut. Periphr.)
praṣṭuṃ vyavasiṣye
ich bin entschlossen zu fragen (Infinitiv, 1. Sg. Fut. Ätm.)

saudāsa uvāca brūhi vipra yathākāmaṃ prativaktāsmi te vacaḥ chettāsmi saṃśayaṃ te 'dya na me 'trāsti vicāraṇā

Saudāsa sprach: „Sprich, Brahmane, wie es dir beliebt; ich werde dir dein Wort beantworten; ich werde deinen Zweifel heute zerschneiden - hierin gibt es für mich kein Zögern.“

Wort für Wort
yathākāmaṃ brūhi
sprich, wie du willst! (2. Sg. Imperativ)
saṃśayaṃ chettāsmi
ich werde den Zweifel zerschneiden (1. Sg. Fut. Periphr.)

uttaṅka uvāca prāhur vāksaṃgataṃ mitraṃ dharmanaipuṇyadarśinaḥ mitreṣu yaś ca viṣamaḥ stena ity eva taṃ viduḥ

Uttaṅka sprach: „Die die Feinheit des Dharma erkennen, nennen einen durch das Wort gebundenen [Menschen] einen Freund; und wer gegenüber Freunden unredlich ist, den kennt man eben als einen Dieb.

Wort für Wort
dharmanaipuṇyadarśinaḥ
die die Feinheit des Dharma erkennen (Nom. Pl. m.)
stena ity eva taṃ viduḥ
als Dieb eben kennt man ihn (3. Pl. Perf.)

sa bhavān mitratām adya saṃprāpto mama pārthiva sa me buddhiṃ prayacchasva samāṃ buddhimatāṃ vara

Du hast heute mit mir Freundschaft geschlossen, o König; gib mir daher einen ebensolchen Rat, o Bester der Weisen.

Wort für Wort
mitratāṃ saṃprāptaḥ
Freundschaft erlangt habend (Nom. Sg. m.)
buddhiṃ prayacchasva
gib Rat! (2. Sg. Imperativ Ätm.)

avāptārtho 'ham adyeha bhavāṃś ca puruṣādakaḥ bhavatsakāśam āgantuṃ kṣamaṃ mama na veti vā

Ich habe heute hier mein Ziel erreicht, und du bist ein Menschenfresser; ist es für mich angemessen, in deine Nähe zu kommen, oder nicht?“

Wort für Wort
avāptārthaḥ
der sein Ziel erreicht hat (Nom. Sg. m.)
āgantuṃ kṣamam
zu kommen angemessen (Infinitiv, Nom. Sg. n.)

saudāsa uvāca kṣamaṃ ced iha vaktavyaṃ mayā dvijavarottama matsamīpaṃ dvijaśreṣṭha nāgantavyaṃ kathaṃ cana

Saudāsa sprach: „Wenn das Angemessene hier von mir gesagt werden soll, o Bester der vortrefflichen Zweifachgeborenen, so solltest du, o Bester der Zweifachgeborenen, keinesfalls in meine Nähe kommen.

Wort für Wort
kṣamaṃ vaktavyam
das Angemessene ist zu sagen (Nom. Sg. n., Gerundivum)
nāgantavyaṃ kathaṃ cana
keinesfalls zu kommen (Gerundivum)

evaṃ tava prapaśyāmi śreyo bhṛgukulodvaha āgacchato hi te vipra bhaven mṛtyur asaṃśayam

So sehe ich dein Wohl voraus, o Stolz des Bhṛgu-Geschlechts; denn kämst du, o Brahmane, so würde dir ohne Zweifel der Tod widerfahren.“

Wort für Wort
śreyaḥ prapaśyāmi
ich sehe das Wohl voraus (Akk. Sg. n., 1. Sg. Präs.)
mṛtyur asaṃśayam
der Tod ohne Zweifel (Nom. Sg. m.)

vaiśaṃpāyana uvāca ity uktaḥ sa tadā rājñā kṣamaṃ buddhimatā hitam samanujñāpya rājānam ahalyāṃ prati jagmivān

Vaiśaṃpāyana sprach: So vom weisen König das Angemessene und Nützliche gesagt bekommen, nahm er, von diesem entlassen, den Weg zu Ahalyā.

Wort für Wort
kṣamaṃ hitam
das Angemessene und Nützliche (Akk. Sg. n.)
rājānam samanujñāpya
vom König entlassen (Absolutiv)

gṛhītvā kuṇḍale divye gurupatnyāḥ priyaṃkaraḥ javena mahatā prāyād gautamasyāśramaṃ prati

Nachdem er die beiden göttlichen Ohrringe genommen hatte, seiner Lehrerfrau zuliebe, eilte er mit großer Geschwindigkeit zu Gautamas Einsiedelei.

Wort für Wort
kuṇḍale divye gṛhītvā
die göttlichen Ohrringe genommen habend (Absolutiv)
javena mahatā prāyāt
er eilte mit großer Geschwindigkeit (Instr. Sg. m., 3. Sg. Impf.)

yathā tayo rakṣaṇaṃ ca madayantyābhibhāṣitam tathā te kuṇḍale baddhvā tathā kṛṣṇājine 'nayat

Wie deren Schutz von Madayantī angeraten worden war, so band er jene Ohrringe fest und trug sie so in einem schwarzen Antilopenfell.

Wort für Wort
madayantyā abhibhāṣitam
von Madayantī angeraten (Nom. Sg. n.)
kṛṣṇājine 'nayat
er trug im schwarzen Antilopenfell (3. Sg. Impf.)

sa kasmiṃś cit kṣudhāviṣṭaḥ phalabhārasamanvitam bilvaṃ dadarśa kasmiṃś cid āruroha kṣudhānvitaḥ

An einer Stelle, vom Hunger befallen, erblickte er einen mit einer Fülle von Früchten beladenen Bilva-Baum; an dieser Stelle stieg er, vom Hunger befallen, hinauf.

Wort für Wort
phalabhārasamanvitam bilvam
der mit Fruchtfülle beladene Bilva-Baum (Akk. Sg. m.)
āruroha kṣudhānvitaḥ
er stieg hinauf, vom Hunger befallen (3. Sg. Perf.)

śākhāsv āsajya tasyaiva kṛṣṇājinam ariṃdama yasmiṃs te kuṇḍale baddhe tadā dvijavareṇa vai

Nachdem er, o Bezwinger der Feinde, an dessen Ästen jenes schwarze Antilopenfell befestigt hatte, in dem die beiden Ohrringe damals vom besten der Zweifachgeborenen festgebunden worden waren,

Wort für Wort
śākhāsv āsajya
an den Ästen befestigt habend (Absolutiv)
kuṇḍale baddhe
die festgebundenen Ohrringe (Nom. Du. n., Part. Perf. Pass.)

viśīrṇabandhane tasmin gate kṛṣṇājine mahīm apaśyad bhujagaḥ kaś cit te tatra maṇikuṇḍale

und als jene Bindung sich gelöst hatte und das Antilopenfell zu Boden gefallen war, erblickte dort eine Schlange jene beiden Juwelenohrringe.

Wort für Wort
viśīrṇabandhane
als die Bindung sich gelöst hatte (Lok. Absolut)
bhujagaḥ apaśyat
die Schlange erblickte (Nom. Sg. m., 3. Sg. Impf.)

airāvatakulotpannaḥ śīghro bhūtvā tadā sa vai vidaśyāsyena valmīkaṃ viveśātha sa kuṇḍale

Aus Airāvatas Geschlecht entsprungen, schnell geworden, biss er sie damals mit dem Maul und drang, die Ohrringe [tragend], in einen Ameisenhügel ein.

Wort für Wort
airāvatakulotpannaḥ
aus Airāvatas Geschlecht entsprungen (Nom. Sg. m.)
vidaśyāsyena valmīkaṃ viveśa
er biss mit dem Maul und drang in den Ameisenhügel ein (Absolutiv, Instr. Sg. n., 3. Sg. Perf.)

hriyamāṇe tu dṛṣṭvā sa kuṇḍale bhujagena ha papāta vṛkṣāt sodvego duḥkhāt paramakopanaḥ

Als er aber sah, wie die Ohrringe von der Schlange fortgetragen wurden, fiel er, beunruhigt, vor Schmerz aufs Höchste erzürnt, vom Baum.

Wort für Wort
hriyamāṇe kuṇḍale
die fortgetragenen Ohrringe (Lok. Absolut)
sodvego paramakopanaḥ
beunruhigt, aufs Höchste erzürnt (Nom. Sg. m.)

sa daṇḍakāṣṭham ādāya valmīkam akhanat tadā krodhāmarṣābhitaptāṅgas tato vai dvijapuṃgavaḥ

Einen Holzstab ergreifend, grub jener Stier der Zweifachgeborenen, seine Glieder von Zorn und Groll durchglüht, damals den Ameisenhügel auf.

Wort für Wort
daṇḍakāṣṭham ādāya
den Holzstab ergriffen habend (Absolutiv)
krodhāmarṣābhitaptāṅgaḥ
seine Glieder von Zorn und Groll durchglüht (Nom. Sg. m.)

tasya vegam asahyaṃ tam asahantī vasuṃdharā daṇḍakāṣṭhābhinunnāṅgī cacāla bhṛśam āturā

Die Erde, jene unerträgliche Wucht nicht ertragend, ihren Leib vom Holzstab durchstoßen, erbebte heftig, schwer gequält.

Wort für Wort
vegam asahyaṃ asahantī
die die unerträgliche Wucht nicht ertragende (Nom. Sg. f., Part. Präs.)
bhṛśam āturā cacāla
sie erbebte heftig, gequält (Nom. Sg. f., 3. Sg. Perf.)

tataḥ khanata evātha viprarṣer dharaṇītalam nāgalokasya panthānaṃ kartukāmasya niścayāt

Während so der Brahmanen-Weise die Erdoberfläche weiter aufgrub, entschlossen, einen Weg zur Welt der Nāgas zu schaffen,

Wort für Wort
dharaṇītalam khanataḥ
des die Erdoberfläche Aufgrabenden (Gen. Sg. m., Part. Präs.)
panthānaṃ kartukāmasya
des einen Weg schaffen Wollenden (Gen. Sg. m.)

rathena hariyuktena taṃ deśam upajagmivān vajrapāṇir mahātejā dadarśa ca dvijottamam

kam der Blitzträger [Indra], von großer Macht, in einem mit falben Rossen bespannten Wagen an jenen Ort und erblickte den besten der Zweifachgeborenen.

Wort für Wort
hariyuktena rathena
in dem mit falben Rossen bespannten Wagen (Instr. Sg. m.)
vajrapāṇiḥ
der Blitzträger (Nom. Sg. m., = Indra)

sa tu taṃ brāhmaṇo bhūtvā tasya duḥkhena duḥkhitaḥ uttaṅkam abravīt tāta naitac chakyaṃ tvayeti vai

Er aber, zu einem Brahmanen geworden, von dessen Leid selbst betrübt, sprach zu Uttaṅka: „Mein Sohn, dies kann von dir nicht vollbracht werden.

Wort für Wort
brāhmaṇo bhūtvā
zu einem Brahmanen geworden (Absolutiv)
naitac chakyaṃ tvayā
dies kann von dir nicht [vollbracht werden] (Nom. Sg. n.)

ito hi nāgaloko vai yojanāni sahasraśaḥ na daṇḍakāṣṭhasādhyaṃ ca manye kāryam idaṃ tava

Denn die Welt der Nāgas ist von hier Tausende von Yojanas entfernt; und ich glaube nicht, dass diese deine Aufgabe mit einem Holzstab zu bewältigen ist.“

Wort für Wort
yojanāni sahasraśaḥ
Tausende von Yojanas (Nom. Pl. n.)
na daṇḍakāṣṭhasādhyam
nicht mit dem Holzstab zu bewältigen (Nom. Sg. n.)

uttaṅka uvāca nāgaloke yadi brahman na śakye kuṇḍale mayā prāptuṃ prāṇān vimokṣyāmi paśyatas te dvijottama

Uttaṅka sprach: „Wenn die Ohrringe von mir aus der Welt der Nāgas nicht erlangt werden können, o Brahmane, so werde ich vor deinen Augen meine Lebensgeister aufgeben, o Bester der Zweifachgeborenen.“

Wort für Wort
kuṇḍale na śakye prāptum
die Ohrringe können nicht erlangt werden (Nom. Du. n. + Infinitiv)
prāṇān vimokṣyāmi
ich werde die Lebensgeister aufgeben (1. Sg. Fut.)

yadā sa nāśakat tasya niścayaṃ kartum anyathā vajrapāṇis tadā daṇḍaṃ vajrāstreṇa yuyoja ha

Als er dessen Entschluss nicht anders zu wenden vermochte, versah der Blitzträger damals den Stab mit der Donnerkeil-Waffe.

Wort für Wort
niścayaṃ kartum anyathā
den Entschluss anders zu wenden (Infinitiv)
daṇḍaṃ vajrāstreṇa yuyoja
er versah den Stab mit der Donnerkeilwaffe (3. Sg. Perf.)

tato vajraprahārais tair dāryamāṇā vasuṃdharā nāgalokasya panthānam akaroj janamejaya

Da schuf die Erde, von jenen Donnerkeilschlägen zerrissen, einen Weg zur Welt der Nāgas, o Janamejaya.

Wort für Wort
vajraprahārais dāryamāṇā
von den Donnerkeilschlägen zerrissene (Instr. Pl. m., Nom. Sg. f. Part. Präs. Pass.)
panthānam akarot
sie schuf den Weg (3. Sg. Impf.)

sa tena mārgeṇa tadā nāgalokaṃ viveśa ha dadarśa nāgalokaṃ ca yojanāni sahasraśaḥ

Auf jenem Weg drang er damals in die Welt der Nāgas ein; und er erblickte die Welt der Nāgas, sich über Tausende von Yojanas erstreckend,

Wort für Wort
mārgeṇa nāgalokaṃ viveśa
auf dem Weg drang er in die Nāga-Welt ein (3. Sg. Perf.)
yojanāni sahasraśaḥ
sich über Tausende von Yojanas erstreckend (Nom. Pl. n.)

prākāranicayair divyair maṇimuktābhyalaṃkṛtaiḥ upapannaṃ mahābhāga śātakumbhamayais tathā

versehen mit Anhäufungen göttlicher, mit Juwelen und Perlen geschmückter Wälle, o Hochbeglückter, und ebenso mit solchen aus Gold,

Wort für Wort
prākāranicayaiḥ
mit Wallanhäufungen (Instr. Pl. m.)
śātakumbhamayaiḥ
aus Gold bestehend (Instr. Pl. m.)

vāpīḥ sphaṭikasopānā nadīś ca vimalodakāḥ dadarśa vṛkṣāṃś ca bahūn nānādvijagaṇāyutān

er erblickte Teiche mit Kristalltreppen und Flüsse mit klarem Wasser, und viele Bäume, von mancherlei Vogelscharen bevölkert.

Wort für Wort
vāpīḥ sphaṭikasopānāḥ
Teiche mit Kristalltreppen (Akk. Pl. f.)
nānādvijagaṇāyutān
von mancherlei Vogelscharen bevölkert (Akk. Pl. m.)

tasya lokasya ca dvāraṃ dadarśa sa bhṛgūdvahaḥ pañcayojanavistāram āyataṃ śatayojanam

Und jener Nachkomme Bhṛgus erblickte das Tor dieser Welt, fünf Yojanas breit und hundert Yojanas lang.

Wort für Wort
pañcayojanavistāram
fünf Yojanas breit (Akk. Sg. n.)
āyataṃ śatayojanam
hundert Yojanas lang ausgedehnt (Akk. Sg. n.)

nāgalokam uttaṅkas tu prekṣya dīno 'bhavat tadā nirāśaś cābhavat tāta kuṇḍalāharaṇe punaḥ

Als Uttaṅka aber die Welt der Nāgas erblickt hatte, wurde er damals niedergeschlagen und verzweifelte, mein Lieber, wieder an der Wiederbeschaffung der Ohrringe.

Wort für Wort
dīno 'bhavat
er wurde niedergeschlagen (Nom. Sg. m., 3. Sg. Impf.)
kuṇḍalāharaṇe nirāśaḥ
verzweifelt an der Ohrring-Wiederbeschaffung (Nom. Sg. m.)

tatra provāca turagas taṃ kṛṣṇaśvetavāladhiḥ tāmrāsyanetraḥ kauravya prajvalann iva tejasā

Dort sprach zu ihm ein Ross mit schwarz-weißem Schweif, mit kupferfarbenem Maul und Augen, o Nachkomme der Kurus, wie von Glanz erstrahlend:

Wort für Wort
kṛṣṇaśvetavāladhiḥ
mit schwarz-weißem Schweif (Nom. Sg. m.)
tāmrāsyanetraḥ
mit kupferfarbenem Maul und Augen (Nom. Sg. m.)

dhamasvāpānam etan me tatas tvaṃ vipra lalpsyase airāvatasuteneha tavānīte hi kuṇḍale

„Blase in diese meine untere Öffnung; dann wirst du, Brahmane, [dein Ziel] erlangen; denn deine Ohrringe wurden hierher von Airāvatas Sohn gebracht.

Wort für Wort
dhamasvāpānam
blase in die untere Öffnung! (2. Sg. Imperativ)
airāvatasutena ānīte
von Airāvatas Sohn gebracht (Instr. Sg. m., Nom. Du. n. Part. Perf. Pass.)

[?] Ungewöhnliches Motiv (Blasen in die Analöffnung des feurigen Rosses, das sich später als Agni offenbart); wörtlich wiedergegeben.

mā jugupsāṃ kṛthāḥ putra tvam atrārthe kathaṃ cana tvayaitad dhi samācīrṇaṃ gautamasyāśrame tadā

Empfinde keinen Widerwillen, mein Sohn, in dieser Sache, in keiner Weise; denn dies wurde von dir bereits einmal geübt, damals in Gautamas Einsiedelei.“

Wort für Wort
mā jugupsāṃ kṛthāḥ
empfinde keinen Widerwillen! (2. Sg. Imperativ Aorist)
samācīrṇaṃ tadā
damals geübt (Nom. Sg. n.)

[Anm.] Anspielung auf ein früheres, im Text nicht näher ausgeführtes Ereignis in Gautamas Einsiedelei.

uttaṅka uvāca kathaṃ bhavantaṃ jānīyām upādhyāyāśramaṃ prati yan mayā cīrṇapūrvaṃ ca śrotum icchāmi tad dhy aham

Uttaṅka sprach: „Wie sollte ich dich in Bezug auf die Einsiedelei meines Lehrers kennen? Und was von mir zuvor geübt wurde, das möchte ich hören.“

Wort für Wort
kathaṃ jānīyām
wie sollte ich kennen (1. Sg. Optativ)
cīrṇapūrvaṃ śrotum icchāmi
ich möchte das zuvor Geübte hören (Akk. Sg. n. + Infinitiv)

aśva uvāca guror guruṃ māṃ jānīhi jvalitaṃ jātavedasam tvayā hy ahaṃ sadā vatsa guror arthe 'bhipūjitaḥ

Das Ross sprach: „Wisse, dass ich der Lehrer deines Lehrers bin, der lodernde Jātavedas [Feuer]; denn von dir, mein Kind, wurde ich stets um deines Lehrers willen verehrt.

Wort für Wort
guror guruḥ
der Lehrer des Lehrers (Nom. Sg. m.)
jātavedasam
der Allwissende (Akk. Sg. m., Epitheton Agnis)

satataṃ pūjito vipra śucinā bhṛgunandana tasmāc chreyo vidhāsyāmi tavaivaṃ kuru mā ciram

stets verehrt, o Brahmane, mit reinem Sinn, o Nachkomme Bhṛgus; deshalb werde ich dir Wohlergehen bereiten - tu also, ohne Verzug.“

Wort für Wort
śucinā pūjitaḥ
mit reinem Sinn verehrt (Nom. Sg. m., Instr. Sg. m.)
śreyo vidhāsyāmi
ich werde Wohlergehen bereiten (1. Sg. Fut.)

ity uktaḥ sa tathākārṣīd uttaṅkaś citrabhānunā ghṛtārciḥ prītimāṃś cāpi prajajvāla didhakṣayā

So angesprochen, tat Uttaṅka es dem glänzenden [Ross, d.h. Agni] gemäß; und dieser, mit butterhellen Flammen, erfreut, loderte auf, vom Wunsch zu verzehren.

Wort für Wort
citrabhānunā
mit dem Glänzenden (Instr. Sg. m., = Agni)
didhakṣayā prajajvāla
er loderte vom Verzehrwunsch auf (Instr. Sg. f., 3. Sg. Perf.)

tato 'sya romakūpebhyo dhmāyamānasya bhārata ghanaḥ prādurabhūd dhūmo nāgalokabhayāvahaḥ

Da entstand, o Bhārata, während er angeblasen wurde, aus seinen Poren ein dichter Rauch, der der Welt der Nāgas Furcht einflößte.

Wort für Wort
romakūpebhyo dhūmaḥ prādurabhūt
aus den Poren entstand der Rauch (Abl. Pl. n., 3. Sg. Perf.)
nāgalokabhayāvahaḥ
der der Nāga-Welt Furcht einflößende (Nom. Sg. m.)

tena dhūmena sahasā vardhamānena bhārata nāgaloke mahārāja na prajñāyata kiṃ cana

Durch jenen Rauch, o Bhārata, der sich plötzlich vermehrte, war in der Welt der Nāgas, o großer König, nichts mehr zu erkennen.

Wort für Wort
sahasā vardhamānena
durch den sich plötzlich vermehrenden (Instr. Sg. m.)
na prajñāyata kiṃ cana
nichts wurde mehr erkannt (3. Sg. Impf. Pass.)

hāhākṛtam abhūt sarvam airāvataniveśanam vāsukipramukhānāṃ ca nāgānāṃ janamejaya

Von Wehklagen erfüllt wurde die gesamte Behausung Airāvatas, und die der von Vāsuki angeführten Nāgas, o Janamejaya.

Wort für Wort
hāhākṛtam abhūt
es wurde von Wehklagen erfüllt (Nom. Sg. n., 3. Sg. Perf.)
vāsukipramukhānāṃ nāgānām
der von Vāsuki angeführten Nāgas (Gen. Pl. m.)

na prakāśanta veśmāni dhūmaruddhāni bhārata nīhārasaṃvṛtānīva vanāni girayas tathā

Die vom Rauch versperrten Wohnstätten waren nicht mehr sichtbar, o Bhārata, wie Wälder und Berge, die von Nebel verhüllt sind.

Wort für Wort
dhūmaruddhāni veśmāni
die vom Rauch versperrten Wohnstätten (Nom. Pl. n.)
nīhārasaṃvṛtāni iva
wie von Nebel verhüllte (Nom. Pl. n.)

te dhūmaraktanayanā vahnitejobhitāpitāḥ ājagmur niścayaṃ jñātuṃ bhārgavasyātitejasaḥ

Sie, ihre Augen vom Rauch gerötet, von der Glut des Feuers versengt, kamen herbei, um den Entschluss des überaus glanzvollen Nachkommen Bhṛgus zu erfahren.

Wort für Wort
dhūmaraktanayanāḥ
ihre Augen vom Rauch gerötet (Nom. Pl. m.)
niścayaṃ jñātum ājagmuḥ
sie kamen, um den Entschluss zu erfahren (Akk. Sg. m. + Infinitiv, 3. Pl. Perf.)

śrutvā ca niścayaṃ tasya maharṣes tigmatejasaḥ saṃbhrāntamanasaḥ sarve pūjāṃ cakrur yathāvidhi

Und nachdem sie den Entschluss jenes großen, scharfglänzenden Weisen erfahren hatten, erwiesen ihm alle, verwirrten Sinnes, gebührende Verehrung.

Wort für Wort
tigmatejasaḥ maharṣeḥ
des scharfglänzenden großen Weisen (Gen. Sg. m.)
pūjāṃ cakruḥ yathāvidhi
sie erwiesen gebührende Verehrung (3. Pl. Perf.)

sarve prāñjalayo nāgā vṛddhabālapurogamāḥ śirobhiḥ praṇipatyocuḥ prasīda bhagavann iti

Alle Nāgas, mit gefalteten Händen, angeführt von Alten und Jungen, verneigten sich mit ihren Häuptern und sprachen: „Sei uns gnädig, o Erhabener.“

Wort für Wort
prāñjalayaḥ
mit gefalteten Händen (Nom. Pl. m.)
śirobhiḥ praṇipatya
sich mit den Häuptern verneigt habend (Absolutiv)

prasādya brāhmaṇaṃ te tu pādyam arghyaṃ nivedya ca prāyacchan kuṇḍale divye pannagāḥ paramārcite

Nachdem sie so den Brahmanen besänftigt und ihm Fußwasser und Gastgeschenk dargebracht hatten, gaben ihm die Schlangen die beiden göttlichen, höchst verehrten Ohrringe.

Wort für Wort
pādyam arghyaṃ nivedya
Fußwasser und Gastgeschenk dargebracht habend (Absolutiv)
prāyacchan kuṇḍale
sie gaben die Ohrringe (3. Pl. Impf.)

tataḥ saṃpūjito nāgais tatrottaṅkaḥ pratāpavān agniṃ pradakṣiṇaṃ kṛtvā jagāma gurusadma tat

Dann, von den Nāgas dort geehrt, umschritt der mächtige Uttaṅka das Feuer ehrfürchtig und begab sich zu jener Wohnstatt seines Lehrers.

Wort für Wort
nāgais saṃpūjitaḥ
von den Nāgas geehrt (Nom. Sg. m.)
agniṃ pradakṣiṇaṃ kṛtvā
das Feuer ehrfürchtig umschritten habend (Absolutiv)

sa gatvā tvarito rājan gautamasya niveśanam prāyacchat kuṇḍale divye gurupatnyai tadānagha

Eilig dorthin gegangen, o König, zur Wohnstatt Gautamas, übergab er da, o Sündloser, die beiden göttlichen Ohrringe der Frau seines Lehrers.

Wort für Wort
tvarito gatvā
eilig gegangen (Nom. Sg. m., Absolutiv)
gurupatnyai prāyacchat
er übergab der Lehrerfrau (3. Sg. Impf.)

evaṃ mahātmanā tena trīṃl lokāñ janamejaya parikramyāhṛte divye tatas te maṇikuṇḍale

So wurden von jenem Hochbeseelten, o Janamejaya, nachdem er die drei Welten durchwandert hatte, jene beiden göttlichen Juwelenohrringe zurückgebracht.

Wort für Wort
trīṃl lokān parikramya
die drei Welten durchwandert habend (Absolutiv)
āhṛte maṇikuṇḍale
die zurückgebrachten Juwelenohrringe (Nom. Du. n., Part. Perf. Pass.)

evaṃprabhāvaḥ sa munir uttaṅko bharatarṣabha pareṇa tapasā yukto yan māṃ tvaṃ paripṛcchasi

Von solcher Macht war jener Weise Uttaṅka, o Stier der Bharatas, mit höchster Askese ausgestattet, nach dem du mich fragst.

Wort für Wort
evaṃprabhāvaḥ
von solcher Macht (Nom. Sg. m.)
pareṇa tapasā yuktaḥ
mit höchster Askese ausgestattet (Nom. Sg. m.)

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