Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Āśvamedhikaparva

Kapitel 38: sattvaguṇavarṇanam Brahmās Lehre: Die Eigenschaft des Sattva

brahmovāca ataḥ paraṃ pravakṣyāmi tṛtīyaṃ guṇam uttamam sarvabhūtahitaṃ loke satāṃ dharmam aninditam

'Brahmā sprach weiter: Danach werde er die dritte, höchste Eigenschaft verkünden - allen Wesen zuträglich, in der Welt das untadelige Dharma der Guten.'

Wort für Wort
tṛtīyaṃ guṇam
die dritte Eigenschaft (Akk. Sg. m., Sattva)
aninditam
untadelig (Akk. Sg. m.)

ānandaḥ prītir udrekaḥ prākāśyaṃ sukham eva ca akārpaṇyam asaṃrambhaḥ saṃtoṣaḥ śraddadhānatā

'Wonne, Freude, Erhebung, Klarheit und Glück; Freiheit von Kleinmut, Freiheit von Hitzigkeit, Zufriedenheit, Vertrauensbereitschaft -'

Wort für Wort
ānandaḥ
Wonne (Nom. Sg. m.)
akārpaṇyam
Freiheit von Kleinmut/Jämmerlichkeit (Nom. Sg. n.)

kṣamā dhṛtir ahiṃsā ca samatā satyam ārjavam akrodhaś cānasūyā ca śaucaṃ dākṣyaṃ parākramaḥ

'Geduld, Standhaftigkeit, Gewaltlosigkeit, Gleichmut, Wahrheit, Aufrichtigkeit, Freiheit von Zorn, Freiheit von Missgunst, Reinheit, Geschicklichkeit, Tatkraft -'

Wort für Wort
samatā
Gleichmut (Nom. Sg. f.)
dākṣyam
Geschicklichkeit (Nom. Sg. n.)

mudhā jñānaṃ mudhā vṛttaṃ mudhā sevā mudhā śramaḥ evaṃ yo yuktadharmaḥ syāt so 'mutrānantyam aśnute

'Wissen ohne Eigennutz, Verhalten ohne Eigennutz, Dienst ohne Eigennutz, Mühe ohne Eigennutz - wer so mit dem Dharma verbunden sei, erlange jenseits die Unendlichkeit.'

Wort für Wort
mudhā
ohne Eigennutz, uneigennützig (Adv.)
ānantyam
Unendlichkeit (Akk. Sg. n.)

nirmamo nirahaṃkāro nirāśīḥ sarvataḥ samaḥ akāmahata ity eṣa satāṃ dharmaḥ sanātanaḥ

'Frei von Besitzdenken, frei von Ich-Bewusstsein, frei von Verlangen, überall gleichmütig, von Begierde unberührt - dies sei das ewige Dharma der Guten.'

Wort für Wort
nirahaṃkāraḥ
frei von Ich-Bewusstsein (Nom. Sg. m.)
akāmahataḥ
von Begierde unberührt (Nom. Sg. m.)

viśrambho hrīs titikṣā ca tyāgaḥ śaucam atandritā ānṛśaṃsyam asaṃmoho dayā bhūteṣv apaiśunam

'Vertrauen, Scham, Duldsamkeit, Entsagung, Reinheit, Wachheit, Herzensgüte, Freiheit von Verblendung, Mitgefühl mit den Wesen, Freiheit von Verleumdung -'

Wort für Wort
viśrambhaḥ
Vertrauen (Nom. Sg. m.)
ānṛśaṃsyam
Herzensgüte, Milde (Nom. Sg. n.)

harṣas tuṣṭir vismayaś ca vinayaḥ sādhuvṛttatā śāntikarma viśuddhiś ca śubhā buddhir vimocanam

'Freude, Zufriedenheit, Staunen, Selbstzucht, gutes Verhalten, friedenstiftendes Handeln, Läuterung, heilsame Einsicht, Befreiung -'

Wort für Wort
vinayaḥ
Selbstzucht, Disziplin (Nom. Sg. m.)
vimocanam
Befreiung (Nom. Sg. n.)

upekṣā brahmacaryaṃ ca parityāgaś ca sarvaśaḥ nirmamatvam anāśīstvam aparikrītadharmatā

'Gleichmut, Keuschheit, gänzliche Entsagung, Freiheit von Besitzdenken, Freiheit von Verlangen, ein nicht käufliches Dharma -'

Wort für Wort
upekṣā
Gleichmut, Gleichgültigkeit (Nom. Sg. f.)
aparikrītadharmatā
die Eigenschaft eines nicht käuflichen Dharma (Nom. Sg. f.)

mudhā dānaṃ mudhā yajño mudhādhītaṃ mudhā vratam mudhā pratigrahaś caiva mudhā dharmo mudhā tapaḥ

'Geben ohne Eigennutz, Opfer ohne Eigennutz, Studium ohne Eigennutz, Gelübde ohne Eigennutz, Annehmen von Gaben ohne Eigennutz, Dharma ohne Eigennutz, Askese ohne Eigennutz -'

Wort für Wort
mudhādhītam
Studium ohne Eigennutz (Nom. Sg. n.)
pratigrahaḥ
Annahme von Gaben (Nom. Sg. m.)

evaṃvṛttās tu ye ke cil loke 'smin sattvasaṃśrayāḥ brāhmaṇā brahmayonisthās te dhīrāḥ sādhudarśinaḥ

'Wer immer solcherart handle und sich in dieser Welt auf Sattva stütze - Brahmanen, im Ursprung des Brahman verankert - diese Weisen seien Seher des Guten.'

Wort für Wort
sattvasaṃśrayāḥ
sich auf Sattva stützend (Nom. Pl. m.)
sādhudarśinaḥ
Seher des Guten (Nom. Pl. m.)

hitvā sarvāṇi pāpāni niḥśokā hy ajarāmarāḥ divaṃ prāpya tu te dhīrāḥ kurvate vai tatas tataḥ

'Nachdem sie alle Sünden abgelegt hätten, kummerlos, alterslos und unsterblich, gelangten diese Weisen zum Himmel und wirkten von dort aus, wohin es sie zog.'

Wort für Wort
hitvā
abgelegt/aufgegeben habend (Absolutiv, √hā)
ajarāmarāḥ
alterslos und unsterblich (Nom. Pl. m.)

īśitvaṃ ca vaśitvaṃ ca laghutvaṃ manasaś ca te vikurvate mahātmāno devās tridivagā iva

'Herrschaft, Beherrschung und Leichtigkeit des Geistes entfalteten diese hochbeseelten Weisen, gleich Göttern, die zum dreifachen Himmel gegangen seien.'

Wort für Wort
īśitvam
Herrschaft, Herrsein (Nom. Sg. n.)
tridivagāḥ
zum dreifachen Himmel Gegangene (Nom. Pl. m.)

ūrdhvasrotasa ity ete devā vaikārikāḥ smṛtāḥ vikurvate prakṛtyā vai divaṃ prāptās tatas tataḥ yad yad icchanti tat sarvaṃ bhajante vibhajanti ca

'Diese, die sogenannten Aufwärtsströmenden, gälten als aus der Wandlung entstandene Götter; von Natur aus entfalteten sie sich, nachdem sie den Himmel erreicht hätten, von Ort zu Ort; was immer sie begehrten, das alles genössen und verteilten sie.'

Wort für Wort
ūrdhvasrotasaḥ
die Aufwärtsströmenden (Nom. Pl. m., Fachbegriff)
vaikārikāḥ
aus der Wandlung entstanden (Nom. Pl. m.)

ity etat sāttvikaṃ vṛttaṃ kathitaṃ vo dvijarṣabhāḥ etad vijñāya vidhival labhate yad yad icchati

'So sei ihnen, o Stiere unter den Zweifachgeborenen, dieses sattvische Wirken dargelegt worden; wer dies gebührend erkenne, erlange, was immer er wünsche.'

Wort für Wort
sāttvikaṃ vṛttam
sattvisches Wirken (Nom. Sg. n.)
vidhivat
gebührend, vorschriftsmäßig (Adv.)

prakīrtitāḥ sattvaguṇā viśeṣato yathāvad uktaṃ guṇavṛttam eva ca naras tu yo veda guṇān imān sadā guṇān sa bhuṅkte na guṇaiḥ sa bhujyate

'Die Eigenschaften des Sattva seien im Einzelnen verkündet worden, und das Wirken dieser Eigenschaft sei ordnungsgemäß dargelegt worden. Der Mensch aber, der diese Eigenschaften stets erkenne, beherrsche die Eigenschaften - nicht werde er von den Eigenschaften beherrscht.'

Wort für Wort
bhuṅkte
er genießt/beherrscht (3. Sg. Präs. Ātm., √bhuj)
bhujyate
wird genossen/beherrscht (3. Sg. Präs. Pass.)

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