Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Āśvamedhikaparva

Kapitel 10: maruttasya yajñasamāpti / indrāgamana Indras Ankunft beim Opfer und der Abschluss von Maruttas Erzählung

indra uvāca evam etad brahmabalaṃ garīyo; na brahmataḥ kiṃ cid anyad garīyaḥ āvikṣitasya tu balaṃ na mṛṣye; vajram asmai prahariṣyāmi ghoram

Indra sprach: 'So ist es - die Kraft des Brahman wiegt schwerer, nichts anderes wiegt schwerer als das Brahman. Doch die Macht des Sohnes Avikṣits ertrage ich nicht - ich werde den furchtbaren Vajra gegen ihn schleudern.'

Wort für Wort
brahmabalam
die Kraft des Brahman (Nom. Sg.)
na mṛṣye
ich ertrage nicht (Präs. 1.Sg. Med.)

dhṛtarāṣṭra prahito gaccha maruttaṃ; saṃvartena sahitaṃ taṃ vadasva bṛhaspatiṃ tvam upaśikṣasva rājan; vajraṃ vā te prahariṣyāmi ghoram

'Dhṛtarāṣṭra, geh, ausgesandt, zu Marutta, der mit Saṃvarta verbündet ist, und sprich zu ihm; unterweise ihn, Bṛhaspati [anzunehmen], o König - sonst werde ich den furchtbaren Vajra gegen dich schleudern.'

Wort für Wort
prahitaḥ
ausgesandt (PPP Nom. Sg.)
upaśikṣasva
unterweise! (Imperativ 2.Sg. Med.)

Dieser Dhṛtarāṣṭra ist ein Gandharva (der bereits in Kap.9 als 'gandharvarāṭ' angekündigte Bote), nicht der blinde König gleichen Namens.

vyāsa uvāca tato gatvā dhṛtarāṣṭro narendraṃ; provācedaṃ vacanaṃ vāsavasya gandharvaṃ māṃ dhṛtarāṣṭraṃ nibodha; tvām āgataṃ vaktukāmaṃ narendra

Vyāsa sprach: Da ging Dhṛtarāṣṭra zu dem Herrscher der Menschen und sprach dieses Wort Vāsavas: 'Wisse, dass ich der Gandharva Dhṛtarāṣṭra bin, o Herrscher der Menschen, der gekommen ist, um mit dir zu sprechen.'

Wort für Wort
vaktukāmam
wünschend zu sprechen (Desiderativ Part. Akk. Sg.)
nibodha
wisse! (Imperativ 2.Sg.)

aindraṃ vākyaṃ śṛṇu me rājasiṃha; yat prāha lokādhipatir mahātmā bṛhaspatiṃ yājakaṃ tvaṃ vṛṇīṣva; vajraṃ vā te prahariṣyāmi ghoram vacaś ced etan na kariṣyase me; prāhaitad etāvad acintyakarmā

'Höre von mir das Wort Indras, o Löwe unter den Königen, das der hochgesinnte Herr der Welt gesprochen hat: Wähle du Bṛhaspati als deinen Opferpriester - oder ich werde den furchtbaren Vajra gegen dich schleudern. Wenn du dies mein Wort nicht befolgen wirst - so viel hat er gesprochen, er, dessen Taten unvorstellbar sind.'

Wort für Wort
yājakam vṛṇīṣva
wähle als Opferpriester! (Imperativ 2.Sg. Med.)
acintyakarmā
dessen Taten unvorstellbar sind (Nom. Sg.)

marutta uvāca tvaṃ caivaitad vettha puraṃdaraś ca; viśvedevā vasavaś cāśvinau ca mitradrohe niṣkṛtir vai yathaiva; nāstīti lokeṣu sadaiva vādaḥ

Marutta sprach: 'Du selbst weißt dies, und ebenso Puraṃdara, die Viśvedevas, die Vasus und die beiden Aśvins: dass es für den Verrat an einem Freund keine Sühne gibt - so lautet stets die Rede in den Welten.'

Wort für Wort
mitradrohe
beim Verrat an einem Freund (Lok. Sg.)
niṣkṛtiḥ
die Sühne, Wiedergutmachung (Nom. Sg.)

bṛhaspatir yājayitā mahendraṃ; devaśreṣṭhaṃ vajrabhṛtāṃ variṣṭham saṃvarto māṃ yājayitādya rājan; na te vākyaṃ tasya vā rocayāmi

'Bṛhaspati möge für den großen Indra opfern, den Besten der Götter, den Vorzüglichsten der Vajra-Träger; Saṃvarta soll heute für mich opfern, o König - weder dein Wort noch seines gefällt mir.'

Wort für Wort
vajrabhṛtām variṣṭham
den Vorzüglichsten der Vajra-Träger (Akk. Sg.)
rocayāmi
es gefällt mir (Präs. 1.Sg.)

gandharva uvāca ghoro nādaḥ śrūyate vāsavasya; nabhastale garjato rājasiṃha vyaktaṃ vajraṃ mokṣyate te mahendraḥ; kṣemaṃ rājaṃś cintyatām eṣa kālaḥ

Der Gandharva sprach: 'Ein furchtbares Getöse Vāsavas ist zu hören, der im Himmelsgewölbe donnert, o Löwe unter den Königen; deutlich wird der große Indra den Vajra gegen dich loslassen - bedenke dein Heil, o König, dies ist die Zeit dazu.'

Wort für Wort
nabhastale garjataḥ
im Himmelsgewölbe donnernd (Gen. Sg.)
mokṣyate
er wird loslassen (Fut. 3.Sg. Med.)

vyāsa uvāca ity evam ukto dhṛtarāṣṭreṇa rājā; śrutvā nādaṃ nadato vāsavasya taponityaṃ dharmavidāṃ variṣṭhaṃ; saṃvartaṃ taṃ jñāpayām āsa kāryam

Vyāsa sprach: So von Dhṛtarāṣṭra angesprochen, und als er das Getöse des donnernden Vāsava gehört hatte, unterrichtete der König jenen Saṃvarta, den ständig in Askese Verharrenden, den Vorzüglichsten der Kenner des Dharma, von der Angelegenheit.

Wort für Wort
taponityam
ständig in Askese verharrend (Akk. Sg.)
jñāpayām āsa
er unterrichtete, ließ wissen (periphrastisches Perfekt Kaus.)

marutta uvāca imam aśmānaṃ plavamānam ārād; adhvā dūraṃ tena na dṛśyate 'dya prapadye 'haṃ śarma viprendra tvattaḥ; prayaccha tasmād abhayaṃ vipramukhya

Marutta sprach: 'Dieses Geschoss, aus der Ferne herbeischwebend - deshalb ist der Weg heute nicht mehr zu sehen; ich nehme Zuflucht bei dir, Bester der Brahmanen, zu meinem Schutz - gewähre mir davor Furchtlosigkeit, du Erster der Brahmanen.'

Wort für Wort
aśmānam
das Geschoss, wtl. den Stein (Akk. Sg.)
prapadye
ich nehme Zuflucht (Präs. 1.Sg. Med.)

[?] 'aśmānam' (wtl. 'Stein') bezeichnet hier wohl bildlich den herannahenden Vajra-Blitz/Meteor; die genaue Bildlichkeit bleibt unsicher.

ayam āyāti vai vajrī diśo vidyotayan daśa amānuṣeṇa ghoreṇa sadasyās trāsitā hi naḥ

'Dieser Vajra-Träger kommt heran, die zehn Himmelsrichtungen mit übermenschlichem, furchtbarem Licht erleuchtend - unsere Opferversammlung ist ja erschreckt.'

Wort für Wort
vidyotayan
erleuchtend (Part. Präs. Kaus. Nom. Sg.)
trāsitāḥ
erschreckt (PPP Nom. Pl.)

saṃvarta uvāca bhayaṃ śakrād vyetu te rājasiṃha; praṇotsye 'haṃ bhayam etat sughoram saṃstambhinyā vidyayā kṣipram eva; mā bhais tvam asmād bhava cāpi pratītaḥ

Saṃvarta sprach: 'Die Furcht vor Śakra möge von dir weichen, o Löwe unter den Königen; ich werde diese überaus furchtbare Furcht sogleich mit einer lähmenden Zauberkraft vertreiben - fürchte dich nicht davor, und sei zuversichtlich.'

Wort für Wort
saṃstambhinyā vidyayā
mit einer lähmenden Zauberkraft (Instr. Sg.)
praṇotsye
ich werde vertreiben (Fut. 1.Sg. Med.)

ahaṃ saṃstambhayiṣyāmi mā bhais tvaṃ śakrato nṛpa sarveṣām eva devānāṃ kṣapitāny āyudhāni me

'Ich werde lähmen - fürchte dich nicht vor Śakra, o König; die Waffen aller Götter sind von mir schon entkräftet worden.'

Wort für Wort
saṃstambhayiṣyāmi
ich werde lähmen (Fut. Kaus. 1.Sg.)
kṣapitāni āyudhāni
die entkräfteten Waffen (Nom. Pl.)

diśo vajraṃ vrajatāṃ vāyur etu; varṣaṃ bhūtvā nipatatu kānaneṣu āpaḥ plavantv antarikṣe vṛthā ca; saudāminī dṛśyatāṃ mā bibhas tvam

'Der Vajra möge [nur] in die Himmelsrichtungen wandern, der Wind möge kommen; zu Regen geworden möge er in den Wäldern niederfallen; die Wasser mögen im Luftraum nutzlos schweben, und der Blitz möge [nur] sichtbar werden - fürchte dich nicht.'

Wort für Wort
vrajatām
es möge wandern (Imperativ 3.Sg.)
saudāminī
der Blitz (Nom. Sg.)

atho vahnis trātu vā sarvatas te; kāmaṃ varṣaṃ varṣatu vāsavo vā vajraṃ tathā sthāpayatāṃ ca vāyur; mahāghoraṃ plavamānaṃ jalaughaiḥ

'Und das Feuer möge dich von allen Seiten schützen; nach Belieben möge Vāsava Regen regnen lassen; ebenso möge der Wind den überaus furchtbaren, herbeischwebenden Vajra mit Wasserfluten aufhalten.'

Wort für Wort
trātu
es möge schützen (Imperativ 3.Sg.)
sthāpayatām
er möge aufhalten (Imperativ Kaus. 3.Sg.)

marutta uvāca ghoraḥ śabdaḥ śrūyate vai mahāsvano; vajrasyaiṣa sahito mārutena ātmā hi me pravyathate muhur muhur; na me svāsthyaṃ jāyate cādya vipra

Marutta sprach: 'Ein furchtbares Geräusch ist zu hören, ein gewaltiger Klang; dies ist der Vajra, begleitet vom Sturmwind; mein Selbst erzittert ja immer wieder - keine Ruhe kommt heute über mich, o Brahmane.'

Wort für Wort
pravyathate
es erzittert (Präs. 3.Sg. Med.)
svāsthyam
die Ruhe, das Wohlbefinden (Nom. Sg.)

saṃvarta uvāca vajrād ugrād vyetu bhayaṃ tavādya; vāto bhūtvā hanmi narendra vajram bhayaṃ tyaktvā varam anyaṃ vṛṇīṣva; kaṃ te kāmaṃ tapasā sādhayāmi

Saṃvarta sprach: 'Die Furcht vor dem furchtbaren Vajra möge heute von dir weichen; zu Wind geworden schlage ich den Vajra nieder, o Herrscher der Menschen. Lass die Furcht fahren, wähle einen anderen Wunsch - welchen Wunsch soll ich dir durch meine Askese erfüllen?'

Wort für Wort
hanmi
ich schlage nieder (Präs. 1.Sg.)
sādhayāmi
ich erfülle, bewirke (Präs. 1.Sg.)

marutta uvāca indraḥ sākṣāt sahasābhyetu vipra; havir yajñe pratigṛhṇātu caiva svaṃ svaṃ dhiṣṇyaṃ caiva juṣantu devāḥ; sutaṃ somaṃ pratigṛhṇantu caiva

Marutta sprach: 'Indra selbst möge sogleich herbeikommen, o Brahmane, und die Opfergabe im Opfer annehmen; die Götter mögen ihren jeweils eigenen Altarsitz einnehmen und den gepressten Soma annehmen.'

Wort für Wort
sahasā
sogleich, plötzlich (Adv.)
dhiṣṇyam
der Altarsitz (Akk. Sg.)

saṃvarta uvāca ayam indro haribhir āyāti rājan; devaiḥ sarvaiḥ sahitaḥ somapīthī mantrāhūto yajñam imaṃ mayādya; paśyasvainaṃ mantravisrastakāyam

Saṃvarta sprach: 'Dieser Indra kommt mit seinen Falben, o König, zusammen mit allen Göttern, der Soma-Trinker; durch Mantra von mir heute zu diesem Opfer herbeigerufen - sieh ihn an, seinen Körper durch den Mantra gelöst [?].'

Wort für Wort
haribhiḥ
mit den Falben, Rossen (Instr. Pl.)
mantrāhūtaḥ
durch Mantra herbeigerufen (PPP Nom. Sg.)

[?] 'mantravisrastakāyam' (wtl. 'dessen Körper durch den Mantra gelöst/entspannt ist') bleibt im genauen Sinn unsicher.

vyāsa uvāca tato devaiḥ sahito devarājo; rathe yuktvā tān harīn vājimukhyān āyād yajñam adhi rājñaḥ pipāsur; āvikṣitasyāprameyasya somam

Vyāsa sprach: Da kam der Götterkönig, begleitet von den Göttern, nachdem er jene vorzüglichen Rosse an den Wagen gespannt hatte, zum Opfer des Königs, dürstend nach dem Soma des unermesslichen Sohnes Avikṣits.

Wort für Wort
yuktvā
nachdem er angespannt hatte (Absolutiv)
pipāsuḥ
dürstend (Desiderativ Part. Nom. Sg.)

tam āyāntaṃ sahitaṃ devasaṃghaiḥ; pratyudyayau sapurodhā maruttaḥ cakre pūjāṃ devarājāya cāgryāṃ; yathāśāstraṃ vidhivat prīyamāṇaḥ

Marutta, mit seinem Hauspriester, zog ihm, wie er da kam, umgeben von den Götterscharen, entgegen und erwies dem Götterkönig vorzüglichste Verehrung, den Schriften gemäß, vorschriftsmäßig, hocherfreut.

Wort für Wort
pratyudyayau
er zog entgegen (Perfekt 3.Sg.)
yathāśāstram
den Schriften gemäß (Adv.)

saṃvarta uvāca svāgataṃ te puruhūteha vidvan; yajño 'dyāyaṃ saṃnihite tvayīndra śośubhyate balavṛtraghna bhūyaḥ; pibasva somaṃ sutam udyataṃ mayā

Saṃvarta sprach: 'Willkommen hier, du Vielgerufener, Wissender; dieses Opfer erstrahlt heute aufs Neue, da du, Indra, gegenwärtig bist, o Bezwinger Balas und Vṛtras - trinke den von mir dargebotenen, gepressten Soma.'

Wort für Wort
svāgatam
willkommen (Nom. Sg. als Interjektion)
saṃnihite
gegenwärtig, anwesend (Lok. Sg. Abs.)

marutta uvāca śivena māṃ paśya namaś ca te 'stu; prāpto yajñaḥ saphalaṃ jīvitaṃ me ayaṃ yajñaṃ kurute me surendra; bṛhaspater avaro janmanā yaḥ

Marutta sprach: 'Blicke mich mit Wohlwollen an, und Verehrung sei dir; das Opfer ist vollendet, mein Leben hat Frucht getragen; dieses Opfer vollzieht für mich, o Herr der Götter, der, welcher der Geburt nach jünger ist als Bṛhaspati.'

Wort für Wort
śivena
mit Wohlwollen (Instr. Sg. als Adv.)
avaraḥ janmanā
jünger der Geburt nach (Nom. Sg.)

indra uvāca jānāmi te gurum enaṃ tapodhanaṃ; bṛhaspater anujaṃ tigmatejasam yasyāhvānād āgato 'haṃ narendra; prītir me 'dya tvayi manuḥ pranaṣṭaḥ

Indra sprach: 'Ich kenne diesen deinen Lehrer, den Reichen an Askese, den jüngeren Bruder Bṛhaspatis, von scharfer Glut, auf dessen Ruf hin ich gekommen bin, o Herrscher der Menschen; meine Zuneigung gilt dir heute - mein Groll ist geschwunden.'

Wort für Wort
tigmatejasam
von scharfer Glut (Akk. Sg.)
manyuḥ pranaṣṭaḥ
der Groll ist geschwunden (Nom. Sg.)

saṃvarta uvāca yadi prītas tvam asi vai devarāja; tasmāt svayaṃ śādhi yajñe vidhānam svayaṃ sarvān kuru mārgān surendra; jānātv ayaṃ sarvalokaś ca deva

Saṃvarta sprach: 'Wenn du zufrieden bist, o Götterkönig, dann ordne selbst die Ordnung des Opfers an; mache du selbst alle Vorkehrungen, o Herr der Götter - diese ganze Welt möge es wissen, o Gott.'

Wort für Wort
śādhi
ordne an! (Imperativ 2.Sg.)
mārgān
die Vorkehrungen, Wege (Akk. Pl.)

vyāsa uvāca evam uktas tv āṅgirasena śakraḥ; samādideśa svayam eva devān sabhāḥ kriyantām āvasathāś ca mukhyāḥ; sahasraśaś citrabhaumāḥ samṛddhāḥ

Vyāsa sprach: So vom Sohn des Aṅgiras angesprochen, befahl Śakra selbst den Göttern: 'Es sollen Versammlungshallen und vorzügliche Wohnstätten errichtet werden, zu Tausenden, mit wunderbaren Böden, prächtig -'

Wort für Wort
samādideśa
er befahl (Perfekt 3.Sg.)
citrabhaumāḥ
mit wunderbaren Böden (Nom. Pl.)

kḷptasthūṇāḥ kurutārohaṇāni; gandharvāṇām apsarasāṃ ca śīghram yeṣu nṛtyerann apsarasaḥ sahasraśaḥ; svargoddeśaḥ kriyatāṃ yajñavāṭaḥ

'mit aufgerichteten Pfosten - macht rasch Aufgänge für die Gandharvas und Apsaras, auf denen die Apsaras zu Tausenden tanzen mögen; das Opfergehege soll nach dem Vorbild des Himmels gestaltet werden.'

Wort für Wort
kḷptasthūṇāḥ
mit aufgerichteten Pfosten (Nom. Pl.)
svargoddeśaḥ
nach dem Vorbild des Himmels (Nom. Sg. als Adv.)

ity uktās te cakrur āśu pratītā; divaukasaḥ śakravākyān narendra tato vākyaṃ prāha rājānam indraḥ; prīto rājan pūjayāno maruttam

So angesprochen, taten die Himmelsbewohner rasch und zuversichtlich, was Śakras Worte besagten, o Herrscher der Menschen; darauf sprach Indra zum König ein Wort, erfreut, Marutta ehrend:

Wort für Wort
divaukasaḥ
die Himmelsbewohner (Nom. Pl.)
pūjayān
ehrend (Part. Präs. Nom. Sg.)

eṣa tvayāham iha rājan sametya; ye cāpy anye tava pūrve narendrāḥ sarvāś cānyā devatāḥ prīyamāṇā; havis tubhyaṃ pratigṛhṇantu rājan

Indra sprach: 'Ich hier, mit dir zusammengetroffen, o König, und auch die anderen Herrscher der Menschen vor dir, und alle anderen Gottheiten - erfreut mögen sie deine Opfergabe annehmen, o König.'

Wort für Wort
sametya
nachdem ich zusammengetroffen bin (Absolutiv)
pratigṛhṇantu
sie mögen annehmen (Imperativ 3.Pl.)

āgneyaṃ vai lohitam ālabhantāṃ; vaiśvadevaṃ bahurūpaṃ virājan nīlaṃ cokṣāṇaṃ medhyam abhyālabhantāṃ; calac chiśnaṃ matpradiṣṭaṃ dvijendrāḥ

'Das rote [Opfertier] für Agni sollen sie darbringen, das vielgestaltige, glänzende für die Viśvedevas; den reinen blauen Stier sollen sie darbringen, den von mir bezeichneten, du Bester der Zweifachgeborenen.'

Wort für Wort
ālabhantām
sie sollen darbringen/berühren (Imperativ 3.Pl. Med.)
medhyam
das reine, opfertaugliche [Tier] (Akk. Sg.)

[?] 'calac chiśnam' (wtl. 'mit beweglichem Glied') bleibt im genauen Bezug auf das Opfertier unsicher.

tato yajño vavṛdhe tasya rājño; yatra devāḥ svayam annāni jahruḥ yasmiñ śakro brāhmaṇaiḥ pūjyamānaḥ; sadasyo 'bhūd dharimān devarājaḥ

Da gedieh das Opfer jenes Königs, bei dem die Götter selbst die Speisen herbeitrugen, bei dem Śakra, von den Brahmanen geehrt, der reiche Götterkönig, als Beisitzer-Priester fungierte.

Wort für Wort
jahruḥ
sie trugen herbei (Perfekt 3.Pl.)
sadasyaḥ
der Beisitzer-Priester (Nom. Sg.)

tataḥ saṃvartaś cityagato mahātmā; yathā vahniḥ prajvalito dvitīyaḥ havīṃṣy uccair āhvayan devasaṃghāñ; juhāvāgnau mantravat supratītaḥ

Da bestieg der hochgesinnte Saṃvarta den Opferaltar, wie ein zweites, entflammtes Feuer, und opferte, laut die Götterscharen anrufend, die Opfergaben mantragemäß ins Feuer, voller Zuversicht.

Wort für Wort
cityagataḥ
den Opferaltar bestiegen habend (Nom. Sg.)
juhāva
er opferte (Perfekt 3.Sg.)

tataḥ pītvā balabhit somam agryaṃ; ye cāpy anye somapā vai divaukasaḥ sarve 'nujñātāḥ prayayuḥ pārthivena; yathājoṣaṃ tarpitāḥ prītimantaḥ

Dann, nachdem der Bala-Bezwinger den vorzüglichen Soma getrunken hatte, und auch die anderen somatrinkenden Himmelsbewohner, zogen alle, vom Fürsten entlassen, nach Belieben davon, gesättigt und erfreut.

Wort für Wort
pītvā
nachdem er getrunken hatte (Absolutiv)
anujñātāḥ
entlassen, mit Erlaubnis versehen (PPP Nom. Pl.)

tato rājā jātarūpasya rāśīn; pade pade kārayām āsa hṛṣṭaḥ dvijātibhyo visṛjan bhūri vittaṃ; rarāja vitteśa ivārihantā

Da ließ der König, hocherfreut, an jedem Schritt Haufen von Gold aufhäufen, wobei er reichlichen Reichtum an die Zweifachgeborenen austeilte; er erstrahlte wie der Herr des Reichtums [Kubera], der Feindevernichter.

Wort für Wort
rāśīn kārayām āsa
er ließ Haufen aufhäufen (periphrastisches Perfekt Kaus.)
visṛjan
austeilend (Part. Präs. Nom. Sg.)

tato vittaṃ vividhaṃ saṃnidhāya; yathotsāhaṃ kārayitvā ca kośam anujñāto guruṇā saṃnivṛtya; śaśāsa gām akhilāṃ sāgarāntām

Dann, nachdem er den mannigfachen Reichtum niedergelegt und nach Kräften einen Schatz hatte anlegen lassen, kehrte er, von seinem Lehrer entlassen, zurück und beherrschte die ganze, bis zum Ozean reichende Erde.

Wort für Wort
saṃnidhāya
nachdem er niedergelegt hatte (Absolutiv)
sāgarāntām
bis zum Ozean reichend (Akk. Sg. f.)

evaṃguṇaḥ saṃbabhūveha rājā; yasya kratau tat suvarṇaṃ prabhūtam tat tvaṃ samādāya narendra vittaṃ; yajasva devāṃs tarpayāno vidhānaiḥ

'Von solchen Eigenschaften war hier dieser König, in dessen Opfer jenes Gold in Fülle war - nimm auch du, Herrscher der Menschen, diesen Reichtum, und opfere den Göttern, sie mit den vorschriftsmäßigen Riten zufriedenstellend.'“

Wort für Wort
evaṃguṇaḥ
von solchen Eigenschaften (Nom. Sg.)
tarpayāno
zufriedenstellend (Part. Präs. Nom. Sg.)

Vyāsas abschließende, direkte Anwendung der Erzählung an Yudhiṣṭhira - hier schließt die seit Kap.5 V003 offene reale Anführung (Vyāsas Rahmenerzählung endet).

vaiśaṃpāyana uvāca tato rājā pāṇḍavo hṛṣṭarūpaḥ; śrutvā vākyaṃ satyavatyāḥ sutasya manaś cakre tena vittena yaṣṭuṃ; tato 'mātyair mantrayām āsa bhūyaḥ

Vaiśaṃpāyana sprach: Da fasste der Pāṇḍava-König, hocherfreut, nachdem er das Wort des Sohnes Satyavatīs [Vyāsa] gehört hatte, den Entschluss, mit jenem Reichtum zu opfern; darauf beriet er sich abermals mit seinen Ministern.

Wort für Wort
hṛṣṭarūpaḥ
hocherfreut (Nom. Sg.)
mantrayām āsa
er beriet sich (periphrastisches Perfekt Med.)

Rückkehr zur unmarkierten Vaiśaṃpāyana-Grundebene - Vyāsas seit Kap.5 laufende Rahmenerzählung ist damit beendet (bestätigt durch Kap.11: neue Szene, Vāsudeva/Kṛṣṇa spricht zu Yudhiṣṭhira).

Dieses Kapitel in der Leseansicht