pitara ūcuḥ atrāpy udāharantīmam itihāsaṃ purātanam śrutvā ca tat tathā kāryaṃ bhavatā dvijasattama
'Die Ahnen hätten fortgefahren, auch hierzu führe man dieses uralte Itihāsa an; nachdem er es vernommen habe, möge er, der Beste der Zweifachgeborenen, danach handeln.'
Wort für Wort
dvijasattama
o Bester der Zweifachgeborenen (Vok. Sg., m.)
Direkte Fortsetzung der Rede der Ahnen aus Kap. 29 V022 (wiederholtes 'pitara ūcuḥ' ohne echten Sprecherwechsel, daher keine neue Zitatebene); sie führen nun ein weiteres Itihāsa an, um Rāma zu überzeugen.
alarko nāma rājarṣir abhavat sumahātapāḥ dharmajñaḥ satyasaṃdhaś ca mahātmā sumahāvrataḥ
'Es habe einen königlichen Weisen namens Alarka gegeben, von überaus großer Askese, kundig des Dharma, seinem Wort treu, großherzig, von überaus großen Gelübden.'
Wort für Wort
rājarṣiḥ
der königliche Weise (Nom. Sg., m.)
Reine Erzählpassage (V002-004), keine Konvertierung nötig.
'Er habe, nachdem er diese bis zum Ozean reichende Erde mit dem Bogen unterworfen und dieses überaus schwierige Werk vollbracht hatte, seinen Geist auf das Feine gerichtet.'
Wort für Wort
samādadhe
er richtete, sammelte (3. Sg. Perf. Med., saṃ-ā-√dhā)
sthitasya vṛkṣamūle 'tha tasya cintā babhūva ha utsṛjya sumahad rājyaṃ sūkṣmaṃ prati mahāmate
'Als er am Fuß eines Baumes verweilte, sei ihm, nachdem er sein überaus großes Königreich aufgegeben hatte, dieser Gedanke gekommen, dem Feinen zugewandt, o Hochgesinnter.'
alarka uvāca manaso me balaṃ jātaṃ mano jitvā dhruvo jayaḥ anyatra bāṇān asyāmi śatrubhiḥ parivāritaḥ
'Alarka habe gedacht, in seinem Geist sei Kraft entstanden; habe er den Geist bezwungen, sei der Sieg gewiss; anderswo schieße er Pfeile ab, wenn er von Feinden umringt sei.'
Wort für Wort
parivāritaḥ
umringt (Nom. Sg., m., Partizip Perfekt Passiv)
Beginn der zitierten Wechselrede zwischen Alarka und seinem eigenen, personifizierten Geist bzw. seinen Sinnen; da die Rede der Ahnen selbst bereits indirekt wiedergegeben wird, bleibt auch diese tiefer eingebettete Rede durchgehend in der dritten Person.
yad idaṃ cāpalān mūrteḥ sarvam etac cikīrṣati manaḥ prati sutīkṣṇāgrān ahaṃ mokṣyāmi sāyakān
'Da all dies, was aus der Unstetigkeit der verkörperten Gestalt entstehe, der Geist bewirken wolle, werde er, Alarka, gegen den Geist überaus scharfspitzige Pfeile entsenden.'
Wort für Wort
cāpalāt
aus der Unstetigkeit, Wankelmütigkeit (Abl. Sg., n.)
'Der Geist habe erwidert, diese Pfeile würden ihn auf keine Weise überwinden; sie würden vielmehr Alarkas eigenen wunden Punkt durchbohren, und mit durchbohrtem wundem Punkt werde er sterben.'
Wort für Wort
marma
der wunde Punkt, die verwundbare Stelle (Akk. Sg., n.)
Erste von sechs formelhaft wiederkehrenden Warnungen der angegriffenen Instanz (Geist, dann die fünf Sinne und der Verstand).
anyān bāṇān samīkṣasva yais tvaṃ māṃ sūdayiṣyasi tac chrutvā sa vicintyātha tato vacanam abravīt
'Er möge sich andere Pfeile ersinnen, mit denen er ihn, den Geist, vernichten könne. Als er dies gehört hatte, sprach er, nachdem er nachgedacht hatte, daraufhin ein Wort.'
Wort für Wort
sūdayiṣyasi
du wirst vernichten (2. Sg. Fut., √sūd; hier indirekt: 'er könne vernichten')
alarka uvāca āghrāya subahūn gandhāṃs tān eva pratigṛdhyati tasmād ghrāṇaṃ prati śarān pratimokṣyāmy ahaṃ śitān
'Alarka habe gesagt, da der Geruchssinn, nachdem er gar viele Gerüche gerochen habe, eben diese begehre, werde er nun gegen den Geruchssinn scharfe Pfeile entsenden.'
'Der Geruchssinn habe erwidert, diese Pfeile würden ihn auf keine Weise überwinden; sie würden vielmehr Alarkas eigenen wunden Punkt durchbohren, und mit durchbohrtem wundem Punkt werde er sterben.'
Wort für Wort
bhinnamarmā
mit durchbohrtem wundem Punkt (Nom. Sg., m., Bahuvrīhi)
anyān bāṇān samīkṣasva yais tvaṃ māṃ sūdayiṣyasi tac chrutvā sa vicintyātha tato vacanam abravīt
'Er möge sich andere Pfeile ersinnen, mit denen er ihn, den Geruchssinn, vernichten könne. Als er dies gehört hatte, sprach er, nachdem er nachgedacht hatte, daraufhin ein Wort.'
'Die Zunge habe erwidert, diese Pfeile würden sie auf keine Weise überwinden; sie würden vielmehr Alarkas eigenen wunden Punkt durchbohren, und mit durchbohrtem wundem Punkt werde er sterben.'
anyān bāṇān samīkṣasva yais tvaṃ māṃ sūdayiṣyasi tac chrutvā sa vicintyātha tato vacanam abravīt
'Er möge sich andere Pfeile ersinnen, mit denen er sie, die Zunge, vernichten könne. Als er dies gehört hatte, sprach er, nachdem er nachgedacht hatte, daraufhin ein Wort.'
'Da die Haut, nachdem sie mannigfache Berührungen ertastet habe, eben diese begehre, werde er nun die Haut mit mannigfachen, mit Kaṅka-Federn versehenen Pfeilen aufreißen.'
'Die Haut habe erwidert, diese Pfeile würden sie auf keine Weise überwinden; sie würden vielmehr Alarkas eigenen wunden Punkt durchbohren, und mit durchbohrtem wundem Punkt werde er sterben.'
anyān bāṇān samīkṣasva yais tvaṃ māṃ sūdayiṣyasi tac chrutvā sa vicintyātha tato vacanam abravīt
'Er möge sich andere Pfeile ersinnen, mit denen er sie, die Haut, vernichten könne. Als er dies gehört hatte, sprach er, nachdem er nachgedacht hatte, daraufhin ein Wort.'
'Das Gehör habe erwidert, diese Pfeile würden es auf keine Weise überwinden; sie würden vielmehr Alarkas eigenen wunden Punkt durchbohren, und daraufhin werde er sein Leben lassen.'
Wort für Wort
jīvitam
das Leben (Akk. Sg., n.)
Abweichender Schluss dieser Formel gegenüber V007/010/013/016 ('daraufhin werde er sein Leben lassen' statt 'mit durchbohrtem wundem Punkt werde er sterben').
anyān bāṇān samīkṣasva yais tvaṃ māṃ sūdayiṣyasi tac chrutvā sa vicintyātha tato vacanam abravīt
'Er möge sich andere Pfeile ersinnen, mit denen er es, das Gehör, vernichten könne. Als er dies gehört hatte, sprach er, nachdem er nachgedacht hatte, daraufhin ein Wort.'
'Das Auge habe erwidert, diese Pfeile würden es auf keine Weise überwinden; sie würden vielmehr Alarkas eigenen wunden Punkt durchbohren, und mit durchbohrtem wundem Punkt werde er sterben.'
anyān bāṇān samīkṣasva yais tvaṃ māṃ sūdayiṣyasi tac chrutvā sa vicintyātha tato vacanam abravīt
'Er möge sich andere Pfeile ersinnen, mit denen er es, das Auge, vernichten könne. Als er dies gehört hatte, sprach er, nachdem er nachgedacht hatte, daraufhin ein Wort.'
'Der Verstand habe erwidert, diese Pfeile würden ihn auf keine Weise überwinden; sie würden vielmehr Alarkas eigenen wunden Punkt durchbohren, und mit durchbohrtem wundem Punkt werde er sterben.'
Wort für Wort
buddhiḥ
der Verstand (Nom. Sg., f.)
Abschluss der siebenfachen Wechselrede; anders als zuvor folgt hier keine weitere Andere-Pfeile-Formel mehr - die Reihe der sieben Instanzen (Geist, fünf Sinne, Verstand) ist damit vollständig durchlaufen. 'Buddhiḥ' ist im Sanskrit grammatisch weiblich, wird hier aber aus Konsistenzgründen mit den übrigen Instanzen mit 'er' wiedergegeben.
pitara ūcuḥ tato 'larkas tapo ghoram āsthāyātha suduṣkaram nādhyagacchat paraṃ śaktyā bāṇam eteṣu saptasu susamāhitacetās tu tato 'cintayata prabhuḥ
'Die Ahnen erzählten weiter: Da Alarka, nachdem er sich fürchterlicher, überaus schwieriger Askese unterzogen hatte, dennoch aus eigener Kraft keinen wirksamen Pfeil gegen diese sieben fand, dachte der Gebieter, wohlgesammelten Sinnes, weiter nach.'
Wort für Wort
susamāhitacetāḥ
wohlgesammelten Sinnes (Nom. Sg., m., Bahuvrīhi)
Rückkehr zur Erzählstimme der Ahnen (nicht mehr Zitat-in-Zitat); 'diese sieben' bestätigt die Zählung Geist+fünf Sinne+Verstand.
'Er, Alarka, der Beste der Verständigen, fand, nachdem er lange Zeit nachgedacht hatte, o Bester der Zweifachgeborenen, kein höheres Heil außer dem Yoga.'
'Er, nachdem er seinen Geist auf einen Punkt gerichtet hatte, unbeweglich, im Yoga verharrend, erschlug, der Kraftvolle, mit einem einzigen Pfeil sogleich die Sinne; und, durch Yoga in das Selbst eingegangen, erlangte er die höchste Vollendung.'
Wort für Wort
ekāgram
auf einen Punkt gerichtet (Akk. Sg., n.)
Auflösung: der einzige wirksame 'Pfeil' gegen Geist und Sinne ist der Yoga selbst.
'Und der königliche Weise, erstaunt, habe diesen Gāthā-Vers gesprochen: Ach, wie schmerzlich sei es gewesen, dass er zuvor die Königsherrschaft ausgeübt habe; erst später habe er erkannt, dass es kein höheres Glück gebe als den Yoga.'
Wort für Wort
gāthām
den Gāthā-Vers, Spruch (Akk. Sg., f.)
Alarkas eigener, abschließender Ausspruch (gāthā), ebenfalls indirekt wiedergegeben.
iti tvam api jānīhi rāma mā kṣatriyāñ jahi tapo ghoram upātiṣṭha tataḥ śreyo 'bhipatsyase
'So möge auch er, Rāma, dies wissen - er möge die Kṣatriyas nicht töten; er möge sich fürchterlicher Askese unterziehen, dann werde er das Höchste erlangen.'
Wort für Wort
abhipatsyase
du wirst erlangen (2. Sg. Fut. Med., abhi-√pad; hier indirekt: 'er werde erlangen')
Abschließende Anwendung der Alarka-Lehre auf Rāma durch die Ahnen; die direkte Anrede Rāmas ('rāma', 'tvam') wird hier - wie bereits in Kap. 29 V022 - in die dritte Person übertragen, da sie Teil derselben, bereits indirekt wiedergegebenen Rede der Ahnen ist.
brāhmaṇa uvāca ity uktaḥ sa tapo ghoraṃ jāmadagnyaḥ pitāmahaiḥ āsthitaḥ sumahābhāgo yayau siddhiṃ ca durgamām
'Der Brahmane sprach weiter: So von den Ahnen angesprochen, unterzog sich der Sohn Jamadagnis, der überaus Glückhafte, fürchterlicher Askese und erlangte eine schwer erreichbare Vollendung.'
Wort für Wort
durgamām
schwer erreichbar (Akk. Sg., f.)
Rückkehr zur eigenen Erzählstimme des Ehemannes; Abschluss der gesamten Paraśurāma-Erzählung (Kap. 29-30) mit einer friedvollen Auflösung.