manuṣyāṇāṃ tu rājanyaḥ kṣatriyo madhyamo guṇaḥ kuñjaro vāhanānāṃ ca siṃhaś cāraṇyavāsinām
'Brahmā sprach weiter: Unter den Menschen aber sei der Kṣatriya-Fürst von mittlerer Eigenschaft; unter den Reittieren der Elefant, und unter den Waldbewohnern der Löwe.'
Wort für Wort
madhyamo guṇaḥ
die mittlere Eigenschaft (Nom. Sg. m., wohl Rajas)
āraṇyavāsinām
der Waldbewohner (Gen. Pl. m.)
[?] 'madhyamo guṇaḥ' unsicher - vermutlich Anspielung auf die Rajas-Zuordnung des Kṣatriya innerhalb der zuvor (Kap.36-39) erläuterten drei Guṇas; Lesart 'vorzüglichste Eigenschaft' nicht ausgeschlossen.
nyagrodho jambuvṛkṣaś ca pippalaḥ śālmalis tathā śiṃśapā meṣaśṛṅgaś ca tathā kīcakaveṇavaḥ ete drumāṇāṃ rājāno loke 'smin nātra saṃśayaḥ
'Der Nyagrodha-Feigenbaum, der Jambu-Baum, der Pippala-Feigenbaum, ebenso der Śālmali; die Śiṃśapā, der Meṣaśṛṅga, ebenso die Kīcaka-Bambusrohre - diese seien in dieser Welt die Könige unter den Bäumen, daran bestehe kein Zweifel.'
Wort für Wort
kīcakaveṇavaḥ
die Kīcaka-Bambusrohre (Nom. Pl. m., eine hohle Bambusart)
'Varuṇa sei der König der Gewässer, und Mitra werde der der Wesen genannt; die Sonne sei die Herrscherin des Heißen, und der Mond werde der der Gestirne genannt.'
'Tvaṣṭṛ sei der Oberkönig der Formen, und Śiva der Herrscher des Viehs; das Opfer sei der Herrscher der Opfergaben, und ebenso die Ṛṣis der der Veden.'
'Unter den Himmelsrichtungen sei der Norden die vorzüglichste, unter den Weisen der glanzvolle König Soma; Kubera sei der Herrscher aller Yakṣas, und unter den Gottheiten Purandara - dies sei die anfängliche Schöpfung der Wesen, und Prajāpati der Herrscher der Geschöpfe.'
rājādhirājaḥ sarvāsāṃ viṣṇur brahmamayo mahān īśvaraṃ taṃ vijānīmaḥ sa vibhuḥ sa prajāpatiḥ
'Viṣṇu, der Überkönig über alle Welten, der aus Brahman bestehende Große - ihn erkenne man als den Herrscher; er sei der Alldurchdringende, er der Prajāpati.'
Wort für Wort
rājādhirājaḥ
der Überkönig, König der Könige (Nom. Sg. m.)
vijānīmaḥ
wir erkennen (1. Pl. Präs., hier indirekt: man erkenne)
narakiṃnarayakṣāṇāṃ gandharvoragarakṣasām devadānavanāgānāṃ sarveṣām īśvaro hi saḥ
'Denn er sei der Herrscher über Menschen, Kiṃnaras und Yakṣas, über Gandharvas, Schlangenwesen und Rākṣasas, über Götter, Dānavas und Nāgas - über alle.'
Wort für Wort
kiṃnara
Kiṃnara, mythisches Mischwesen (in Kompositum, Gen. Pl.)
dharmakāmāś ca rājāno brāhmaṇā dharmalakṣaṇāḥ tasmād rājā dvijātīnāṃ prayateteha rakṣaṇe
'Die Könige seien dem Dharma zugetan, die Brahmanen vom Dharma gekennzeichnet; daher möge der König sich hier um den Schutz der Zweifachgeborenen bemühen.'
Wort für Wort
dharmakāmāḥ
dem Dharma zugetan, das Dharma begehrend (Nom. Pl. m.)
rājñāṃ hi viṣaye yeṣām avasīdanti sādhavaḥ hīnās te svaguṇaiḥ sarvaiḥ pretyāvāṅmārgagāminaḥ
'Denn in wessen Königsgebiet die Rechtschaffenen darniedersinken, jene Könige seien all ihrer eigenen Vorzüge beraubt und gingen nach dem Tode den abwärts führenden Weg.'
Wort für Wort
avasīdanti
sie sinken darnieder, verkümmern (3. Pl. Präs., ava-√sad)
avāṅmārgagāminaḥ
die den abwärts führenden Weg Gehenden (Nom. Pl. m.)
rājñāṃ tu viṣaye yeṣāṃ sādhavaḥ parirakṣitāḥ te 'smiṃl loke pramodante pretya cānantyam eva ca prāpnuvanti mahātmāna iti vitta dvijarṣabhāḥ
'In wessen Königsgebiet aber die Rechtschaffenen wohlbehütet seien, jene Könige freuten sich in dieser Welt und erlangten nach dem Tode die Unendlichkeit als hochbeseelte Wesen - so sei es, ihr Stiere unter den Zweifachgeborenen, zu wissen.'
Wort für Wort
parirakṣitāḥ
wohlbehütet, geschützt (Nom. Pl. m., Part. Perf. Pass.)
vitta
wisset! (2. Pl. Imperativ, √vid, hier indirekt: so sei zu wissen)
'vitta' (2. Pl. Imperativ, 'wisset!') gemäß Konvention indirekt wiedergegeben.
prakāśalakṣaṇā devā manuṣyāḥ karmalakṣaṇāḥ śabdalakṣaṇam ākāśaṃ vāyus tu sparśalakṣaṇaḥ
'Die Götter seien durch Glanz gekennzeichnet, die Menschen durch Handeln; der Äther sei durch den Ton gekennzeichnet, der Wind aber durch die Berührung.'
Wort für Wort
prakāśalakṣaṇāḥ
durch Glanz/Erscheinen gekennzeichnet (Nom. Pl. m.)
jyotiṣāṃ lakṣaṇaṃ rūpam āpaś ca rasalakṣaṇāḥ dharaṇī sarvabhūtānāṃ pṛthivī gandhalakṣaṇā
'Das Merkmal der Lichter sei die Form, und die Gewässer seien durch den Geschmack gekennzeichnet; die alle Wesen tragende Erde sei durch den Geruch gekennzeichnet.'
'Die Sprache, geformt aus Vokalen und Konsonanten, sei durch Wahrheit gekennzeichnet; das Merkmal des Geistes sei das Denken, und ebenso werde die Erkenntniskraft durch Folgerichtigkeit gekennzeichnet.'
Wort für Wort
svaravyañjanasaṃskārā
aus Vokalen und Konsonanten geformt (Nom. Sg. f.)
anvayāt
durch Folgerichtigkeit, logische Verknüpfung (Abl. Sg. m.)
'Mit dem Geist über die Dinge nachdenkend, entscheide man mit der Erkenntniskraft; denn die Erkenntniskraft werde eben durch die Entschlossenheit gekennzeichnet, daran bestehe kein Zweifel.'
Wort für Wort
cintayānaḥ
nachdenkend (Part. Präs. Ātm.)
vyavasāyena
durch Entschlossenheit, Entscheidung (Instr. Sg. m.)
'Das Merkmal des Mahat sei die Meditation, das Merkmal des Unoffenbarten die Güte; der Yoga sei durch Tätigkeit gekennzeichnet, das Wissen durch Entsagung.'
Wort für Wort
sādhulakṣaṇam
durch Güte/Rechtschaffenheit gekennzeichnet (Nom. Sg. n.)
'Daher möge der Weise, das Wissen voranstellend, hier entsagen; der mit Wissen verbundene Entsager erlange das höchste Ziel, und, die Gegensätze überschreitend, gehe er ein in das jenseits von Finsternis, Tod und Alter Liegende.'
Wort für Wort
puraskṛtya
vorangestellt habend (Absolutiv, puras-√kṛ)
tamomṛtyujarātigam
das jenseits von Finsternis, Tod und Alter Liegende (Akk. Sg. n.)
'Das mit den Merkmalen des Dharma Verbundene sei ihnen von ihm ordnungsgemäß dargelegt worden; danach werde er das rechte Erfassen der Eigenschaften verkünden.'
Wort für Wort
uktaṃ vo vidhivan mayā
es sei euch von mir ordnungsgemäß gesagt worden (hier indirekt)
vakṣyāmy aham
ich werde sprechen (1. Sg. Fut., hier indirekt: er werde verkünden)
'mayā'/'vakṣyāmy aham' (1. Sg., Brahmā von sich selbst) gemäß Konvention indirekt wiedergegeben.
ākāśasya guṇo ghoṣaḥ śrotreṇa sa tu gṛhyate śrotrasthāś ca diśaḥ sarvāḥ śabdajñāne prakīrtitāḥ
'Die Eigenschaft des Äthers sei der Ton, und dieser werde durch das Ohr erfasst; und die im Ohr befindlichen Himmelsrichtungen alle würden bei der Tonwahrnehmung genannt.'
Wort für Wort
ākāśasya guṇaḥ
die Eigenschaft des Äthers (Nom. Sg. m.)
śrotrasthāḥ diśaḥ
die im Ohr befindlichen Himmelsrichtungen (Nom. Pl. f.)
manasas tu guṇaś cintā prajñayā sa tu gṛhyate hṛdisthacetanādhātur manojñāne vidhīyate
'Die Eigenschaft des Geistes aber sei das Denken, und dieses werde durch die Einsicht erfasst; und die im Herzen befindliche bewusste Substanz wirke bei der Geist-Wahrnehmung.'
Wort für Wort
manasaḥ guṇaḥ
die Eigenschaft des Geistes (Nom. Sg. m.)
hṛdisthacetanādhātuḥ
die im Herzen befindliche bewusste Substanz (Nom. Sg. m.)
'Die Erkenntniskraft werde durch Entschlossenheit erfasst, und ebenso das Mahat durch Meditation; das Unoffenbarte aber werde stets durch Gewissheit erfasst, daran bestehe kein Zweifel.'
Wort für Wort
adhyavasāyena
durch Entschlossenheit (Instr. Sg. m.)
niścitya
durch Gewissheit, mit Bestimmtheit (Absolutiv, ni-√ci)
'Der Kṣetrajña werde ohne Merkmal erfasst, sei ewig, von eigenschaftsloser Wesensart; daher sei der Kṣetrajña ohne Merkmal, allein durch Wissen gekennzeichnet.'
'Das Unoffenbarte werde als das Feld bezeichnet, als Ursprung und Vergehen der Eigenschaften; stets sehe er es als aufgelöst, erkenne und höre es.'
Wort für Wort
paśyāmi vijānāmi śṛṇomi
ich sehe, erkenne, höre (1. Sg. Präs., hier indirekt: er sieht, erkennt, hört)
prabhavāpyayam
Ursprung und Vergehen (Akk. Sg. m.)
[?] Die Ich-Form (ahaṃ) im Sanskrit bezieht sich vermutlich auf den Kṣetrajña selbst, der hier kurz in der 1. Person eingeführt wird, um das Wesen der Wahrnehmung zu beschreiben; gemäß Konvention indirekt (3. Person) wiedergegeben.
ādimadhyāvasānāntaṃ sṛjyamānam acetanam na guṇā vidur ātmānaṃ sṛjyamānaṃ punaḥ punaḥ
'Das an Anfang, Mitte und Ende Reichende, das Erschaffene, Unbewusste - die Eigenschaften kennen nicht ihr eigenes Selbst, das immer wieder erschaffen wird.'
na satyaṃ veda vai kaś cit kṣetrajñas tv eva vindati guṇānāṃ guṇabhūtānāṃ yat paraṃ parato mahat
'Die Wahrheit erkenne wahrlich niemand, allein der Kṣetrajña finde, was jenseits der zu Eigenschaften gewordenen Eigenschaften das noch höhere Große sei.'
tasmād guṇāṃś ca tattvaṃ ca parityajyeha tattvavit kṣīṇadoṣo guṇān hitvā kṣetrajñaṃ praviśaty atha
'Daher gehe der Kenner der Wahrheit, nachdem er hier die Eigenschaften und das Prinzip aufgegeben habe, mit erschöpften Fehlern ein, indem er die Eigenschaften verlasse, in den Kṣetrajña.'
Wort für Wort
parityajya
aufgegeben habend (Absolutiv, pari-tyaj)
kṣīṇadoṣaḥ
mit erschöpften/geschwundenen Fehlern (Nom. Sg. m.)
nirdvaṃdvo nirnamaskāro niḥsvadhākāra eva ca acalaś cāniketaś ca kṣetrajñaḥ sa paro vibhuḥ
'Frei von Gegensätzen, frei von Verehrungsformeln, frei vom Svadhā-Ruf, unbeweglich und ohne festen Wohnsitz - so sei der Kṣetrajña, der höchste, alldurchdringende.'