Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Āśvamedhikaparva

Kapitel 43: sarvottamalakṣaṇaṃ kṣetrajñasvarūpaṃ ca Brahmās Lehre: Das Vorzüglichste in jeder Gattung und das Wesen des Kṣetrajña

manuṣyāṇāṃ tu rājanyaḥ kṣatriyo madhyamo guṇaḥ kuñjaro vāhanānāṃ ca siṃhaś cāraṇyavāsinām

'Brahmā sprach weiter: Unter den Menschen aber sei der Kṣatriya-Fürst von mittlerer Eigenschaft; unter den Reittieren der Elefant, und unter den Waldbewohnern der Löwe.'

Wort für Wort
madhyamo guṇaḥ
die mittlere Eigenschaft (Nom. Sg. m., wohl Rajas)
āraṇyavāsinām
der Waldbewohner (Gen. Pl. m.)

[?] 'madhyamo guṇaḥ' unsicher - vermutlich Anspielung auf die Rajas-Zuordnung des Kṣatriya innerhalb der zuvor (Kap.36-39) erläuterten drei Guṇas; Lesart 'vorzüglichste Eigenschaft' nicht ausgeschlossen.

aviḥ paśūnāṃ sarveṣām ākhuś ca bilavāsinām gavāṃ govṛṣabhaś caiva strīṇāṃ puruṣa eva ca

'Unter allem Vieh das Schaf, und unter den Höhlenbewohnern die Maus; unter den Kühen der Stier, und unter den Frauen eben der Mann.'

Wort für Wort
bilavāsinām
der Höhlen-/Lochbewohner (Gen. Pl. m.)
govṛṣabhaḥ
der Stier unter den Kühen (Nom. Sg. m.)

nyagrodho jambuvṛkṣaś ca pippalaḥ śālmalis tathā śiṃśapā meṣaśṛṅgaś ca tathā kīcakaveṇavaḥ ete drumāṇāṃ rājāno loke 'smin nātra saṃśayaḥ

'Der Nyagrodha-Feigenbaum, der Jambu-Baum, der Pippala-Feigenbaum, ebenso der Śālmali; die Śiṃśapā, der Meṣaśṛṅga, ebenso die Kīcaka-Bambusrohre - diese seien in dieser Welt die Könige unter den Bäumen, daran bestehe kein Zweifel.'

Wort für Wort
kīcakaveṇavaḥ
die Kīcaka-Bambusrohre (Nom. Pl. m., eine hohle Bambusart)
nātra saṃśayaḥ
daran bestehe kein Zweifel (feststehende Formel)

himavān pāriyātraś ca sahyo vindhyas trikūṭavān śveto nīlaś ca bhāsaś ca kāṣṭhavāṃś caiva parvataḥ

'Der Himālaya, der Pāriyātra, der Sahya, der Vindhya, der Trikūṭa; der Śveta, der Nīla, der Bhāsa, und ebenso der Berg Kāṣṭhavat -'

Wort für Wort
trikūṭavān
der Dreigipflige (Nom. Sg. m., Bergname)
kāṣṭhavān parvataḥ
der Berg Kāṣṭhavat (Nom. Sg. m.)

śubhaskandho mahendraś ca mālyavān parvatas tathā ete parvatarājāno gaṇānāṃ marutas tathā

'Der Śubhaskandha, der Mahendra, und ebenso der Berg Mālyavat - diese seien die Könige unter den Bergen, und unter den Scharen die Maruts.'

Wort für Wort
parvatarājānaḥ
die Könige unter den Bergen (Nom. Pl. m.)
gaṇānām
der Scharen, Göttergruppen (Gen. Pl. m.)

sūryo grahāṇām adhipo nakṣatrāṇāṃ ca candramāḥ yamaḥ pitṝṇām adhipaḥ saritām atha sāgaraḥ

'Die Sonne sei der Herrscher der Planeten, und der Mond der der Mondhäuser; Yama sei der Herrscher der Ahnen, und der Ozean der der Flüsse.'

Wort für Wort
grahāṇām adhipaḥ
der Herrscher der Planeten (Nom. Sg. m.)
pitṝṇām adhipaḥ
der Herrscher der Ahnen (Nom. Sg. m.)

ambhasāṃ varuṇo rājā sattvānāṃ mitra ucyate arko 'dhipatir uṣṇānāṃ jyotiṣām indur ucyate

'Varuṇa sei der König der Gewässer, und Mitra werde der der Wesen genannt; die Sonne sei die Herrscherin des Heißen, und der Mond werde der der Gestirne genannt.'

Wort für Wort
sattvānām
der Lebewesen, Wesen (Gen. Pl. n.)
jyotiṣām
der Gestirne, Lichter (Gen. Pl. n.)

agnir bhūtapatir nityaṃ brāhmaṇānāṃ bṛhaspatiḥ oṣadhīnāṃ patiḥ somo viṣṇur balavatāṃ varaḥ

'Agni sei stets der Herr der Wesen, und Bṛhaspati der der Brahmanen; Soma sei der Herr der Heilkräuter, und Viṣṇu der Beste der Starken.'

Wort für Wort
bhūtapatiḥ
der Herr der Wesen (Nom. Sg. m.)
balavatāṃ varaḥ
der Beste der Starken (Nom. Sg. m.)

tvaṣṭādhirājo rūpāṇāṃ paśūnām īśvaraḥ śivaḥ dakṣiṇānāṃ tathā yajño vedānām ṛṣayas tathā

'Tvaṣṭṛ sei der Oberkönig der Formen, und Śiva der Herrscher des Viehs; das Opfer sei der Herrscher der Opfergaben, und ebenso die Ṛṣis der der Veden.'

Wort für Wort
tvaṣṭādhirājaḥ
der Oberkönig Tvaṣṭṛ (Nom. Sg. m.)
dakṣiṇānām
der Opfergaben, Priesterlöhne (Gen. Pl. f.)

diśām udīcī viprāṇāṃ somo rājā pratāpavān kuberaḥ sarvayakṣāṇāṃ devatānāṃ puraṃdaraḥ eṣa bhūtādikaḥ sargaḥ prajānāṃ ca prajāpatiḥ

'Unter den Himmelsrichtungen sei der Norden die vorzüglichste, unter den Weisen der glanzvolle König Soma; Kubera sei der Herrscher aller Yakṣas, und unter den Gottheiten Purandara - dies sei die anfängliche Schöpfung der Wesen, und Prajāpati der Herrscher der Geschöpfe.'

Wort für Wort
udīcī
der Norden (Nom. Sg. f.)
puraṃdaraḥ
der Städtezerstörer, Indra (Nom. Sg. m.)

sarveṣām eva bhūtānām ahaṃ brahmamayo mahān bhūtaṃ parataraṃ matto viṣṇor vāpi na vidyate

'Von allen Wesen sei er selbst, der aus Brahman bestehende Große; ein höheres Wesen als ihn oder auch als Viṣṇu gebe es nicht.'

Wort für Wort
brahmamayo mahān
der aus Brahman bestehende Große (Nom. Sg. m., Brahmā von sich selbst)
parataram bhūtam
ein höheres Wesen (Nom./Akk. Sg. n.)

Brahmā spricht hier in der 1. Person von sich selbst (ahaṃ, mattaḥ); gemäß Konvention indirekt (3. Person) wiedergegeben.

rājādhirājaḥ sarvāsāṃ viṣṇur brahmamayo mahān īśvaraṃ taṃ vijānīmaḥ sa vibhuḥ sa prajāpatiḥ

'Viṣṇu, der Überkönig über alle Welten, der aus Brahman bestehende Große - ihn erkenne man als den Herrscher; er sei der Alldurchdringende, er der Prajāpati.'

Wort für Wort
rājādhirājaḥ
der Überkönig, König der Könige (Nom. Sg. m.)
vijānīmaḥ
wir erkennen (1. Pl. Präs., hier indirekt: man erkenne)

'vijānīmaḥ' (1. Pl., 'wir erkennen') gemäß Konvention indirekt wiedergegeben.

narakiṃnarayakṣāṇāṃ gandharvoragarakṣasām devadānavanāgānāṃ sarveṣām īśvaro hi saḥ

'Denn er sei der Herrscher über Menschen, Kiṃnaras und Yakṣas, über Gandharvas, Schlangenwesen und Rākṣasas, über Götter, Dānavas und Nāgas - über alle.'

Wort für Wort
kiṃnara
Kiṃnara, mythisches Mischwesen (in Kompositum, Gen. Pl.)
uraga
Schlangenwesen (in Kompositum, Gen. Pl.)

bhagadevānuyātānāṃ sarvāsāṃ vāmalocanā māheśvarī mahādevī procyate pārvatīti yā

'Unter allen schön-äugigen Frauen, die den Göttern des Glücks folgen, werde sie, die Māheśvarī, die große Göttin, Pārvatī genannt.'

Wort für Wort
vāmalocanā
die schön-/lieblich-äugige (Nom. Sg. f.)
māheśvarī mahādevī
die Große Herrscherin, die große Göttin (Nom. Sg. f., Beiname der Pārvatī)

[?] 'bhagadevānuyātānāṃ' unsicher, wörtlich etwa 'derer, die dem Gott Bhaga/den Glücksgöttern folgen'; genauer Bezug im Quelltext unklar.

umāṃ devīṃ vijānīta nārīṇām uttamāṃ śubhām ratīnāṃ vasumatyas tu strīṇām apsarasas tathā

'Die Göttin Umā solle man als die beste, holde unter den Frauen erkennen; unter den Ratis die Vasumatīs, und unter den Frauen die Apsaras.'

Wort für Wort
vijānīta
erkennet! (2. Pl. Imperativ, hier indirekt: man solle erkennen)
ratīnām
der Ratis, Liebesgöttinnen (Gen. Pl. f.)

'vijānīta' (2. Pl. Imperativ, 'erkennet!') gemäß Konvention indirekt wiedergegeben.

dharmakāmāś ca rājāno brāhmaṇā dharmalakṣaṇāḥ tasmād rājā dvijātīnāṃ prayateteha rakṣaṇe

'Die Könige seien dem Dharma zugetan, die Brahmanen vom Dharma gekennzeichnet; daher möge der König sich hier um den Schutz der Zweifachgeborenen bemühen.'

Wort für Wort
dharmakāmāḥ
dem Dharma zugetan, das Dharma begehrend (Nom. Pl. m.)
prayateta
er möge sich bemühen (3. Sg. Optativ, pra-√yat)

rājñāṃ hi viṣaye yeṣām avasīdanti sādhavaḥ hīnās te svaguṇaiḥ sarvaiḥ pretyāvāṅmārgagāminaḥ

'Denn in wessen Königsgebiet die Rechtschaffenen darniedersinken, jene Könige seien all ihrer eigenen Vorzüge beraubt und gingen nach dem Tode den abwärts führenden Weg.'

Wort für Wort
avasīdanti
sie sinken darnieder, verkümmern (3. Pl. Präs., ava-√sad)
avāṅmārgagāminaḥ
die den abwärts führenden Weg Gehenden (Nom. Pl. m.)

rājñāṃ tu viṣaye yeṣāṃ sādhavaḥ parirakṣitāḥ te 'smiṃl loke pramodante pretya cānantyam eva ca prāpnuvanti mahātmāna iti vitta dvijarṣabhāḥ

'In wessen Königsgebiet aber die Rechtschaffenen wohlbehütet seien, jene Könige freuten sich in dieser Welt und erlangten nach dem Tode die Unendlichkeit als hochbeseelte Wesen - so sei es, ihr Stiere unter den Zweifachgeborenen, zu wissen.'

Wort für Wort
parirakṣitāḥ
wohlbehütet, geschützt (Nom. Pl. m., Part. Perf. Pass.)
vitta
wisset! (2. Pl. Imperativ, √vid, hier indirekt: so sei zu wissen)

'vitta' (2. Pl. Imperativ, 'wisset!') gemäß Konvention indirekt wiedergegeben.

ata ūrdhvaṃ pravakṣyāmi niyataṃ dharmalakṣaṇam ahiṃsālakṣaṇo dharmo hiṃsā cādharmalakṣaṇā

'Danach werde er das feststehende Merkmal des Dharma verkünden: Gewaltlosigkeit sei das Merkmal des Dharma, und Gewalt das Merkmal des Adharma.'

Wort für Wort
pravakṣyāmi
ich werde verkünden (1. Sg. Fut., hier indirekt: er werde verkünden)
ahiṃsālakṣaṇaḥ
durch Gewaltlosigkeit gekennzeichnet (Nom. Sg. m.)

'pravakṣyāmi' (1. Sg., 'ich werde verkünden') gemäß Konvention indirekt wiedergegeben.

prakāśalakṣaṇā devā manuṣyāḥ karmalakṣaṇāḥ śabdalakṣaṇam ākāśaṃ vāyus tu sparśalakṣaṇaḥ

'Die Götter seien durch Glanz gekennzeichnet, die Menschen durch Handeln; der Äther sei durch den Ton gekennzeichnet, der Wind aber durch die Berührung.'

Wort für Wort
prakāśalakṣaṇāḥ
durch Glanz/Erscheinen gekennzeichnet (Nom. Pl. m.)
sparśalakṣaṇaḥ
durch Berührung gekennzeichnet (Nom. Sg. m.)

jyotiṣāṃ lakṣaṇaṃ rūpam āpaś ca rasalakṣaṇāḥ dharaṇī sarvabhūtānāṃ pṛthivī gandhalakṣaṇā

'Das Merkmal der Lichter sei die Form, und die Gewässer seien durch den Geschmack gekennzeichnet; die alle Wesen tragende Erde sei durch den Geruch gekennzeichnet.'

Wort für Wort
rasalakṣaṇāḥ
durch Geschmack gekennzeichnet (Nom. Pl. f.)
gandhalakṣaṇā
durch Geruch gekennzeichnet (Nom. Sg. f.)

svaravyañjanasaṃskārā bhāratī satyalakṣaṇā manaso lakṣaṇaṃ cintā tathoktā buddhir anvayāt

'Die Sprache, geformt aus Vokalen und Konsonanten, sei durch Wahrheit gekennzeichnet; das Merkmal des Geistes sei das Denken, und ebenso werde die Erkenntniskraft durch Folgerichtigkeit gekennzeichnet.'

Wort für Wort
svaravyañjanasaṃskārā
aus Vokalen und Konsonanten geformt (Nom. Sg. f.)
anvayāt
durch Folgerichtigkeit, logische Verknüpfung (Abl. Sg. m.)

manasā cintayāno 'rthān buddhyā caiva vyavasyati buddhir hi vyavasāyena lakṣyate nātra saṃśayaḥ

'Mit dem Geist über die Dinge nachdenkend, entscheide man mit der Erkenntniskraft; denn die Erkenntniskraft werde eben durch die Entschlossenheit gekennzeichnet, daran bestehe kein Zweifel.'

Wort für Wort
cintayānaḥ
nachdenkend (Part. Präs. Ātm.)
vyavasāyena
durch Entschlossenheit, Entscheidung (Instr. Sg. m.)

lakṣaṇaṃ mahato dhyānam avyaktaṃ sādhulakṣaṇam pravṛttilakṣaṇo yogo jñānaṃ saṃnyāsalakṣaṇam

'Das Merkmal des Mahat sei die Meditation, das Merkmal des Unoffenbarten die Güte; der Yoga sei durch Tätigkeit gekennzeichnet, das Wissen durch Entsagung.'

Wort für Wort
sādhulakṣaṇam
durch Güte/Rechtschaffenheit gekennzeichnet (Nom. Sg. n.)
saṃnyāsalakṣaṇam
durch Entsagung gekennzeichnet (Nom. Sg. n.)

tasmāj jñānaṃ puraskṛtya saṃnyased iha buddhimān saṃnyāsī jñānasaṃyuktaḥ prāpnoti paramāṃ gatim atīto 'dvaṃdvam abhyeti tamomṛtyujarātigam

'Daher möge der Weise, das Wissen voranstellend, hier entsagen; der mit Wissen verbundene Entsager erlange das höchste Ziel, und, die Gegensätze überschreitend, gehe er ein in das jenseits von Finsternis, Tod und Alter Liegende.'

Wort für Wort
puraskṛtya
vorangestellt habend (Absolutiv, puras-√kṛ)
tamomṛtyujarātigam
das jenseits von Finsternis, Tod und Alter Liegende (Akk. Sg. n.)

dharmalakṣaṇasaṃyuktam uktaṃ vo vidhivan mayā guṇānāṃ grahaṇaṃ samyag vakṣyāmy aham ataḥ param

'Das mit den Merkmalen des Dharma Verbundene sei ihnen von ihm ordnungsgemäß dargelegt worden; danach werde er das rechte Erfassen der Eigenschaften verkünden.'

Wort für Wort
uktaṃ vo vidhivan mayā
es sei euch von mir ordnungsgemäß gesagt worden (hier indirekt)
vakṣyāmy aham
ich werde sprechen (1. Sg. Fut., hier indirekt: er werde verkünden)

'mayā'/'vakṣyāmy aham' (1. Sg., Brahmā von sich selbst) gemäß Konvention indirekt wiedergegeben.

pārthivo yas tu gandho vai ghrāṇeneha sa gṛhyate ghrāṇasthaś ca tathā vāyur gandhajñāne vidhīyate

'Der Geruch, der von der Erde herrühre, werde hier durch die Nase erfasst; und der in der Nase befindliche Wind wirke bei der Geruchswahrnehmung.'

Wort für Wort
pārthivo gandhaḥ
der von der Erde herrührende Geruch (Nom. Sg. m.)
ghrāṇasthaḥ vāyuḥ
der in der Nase befindliche Wind (Nom. Sg. m.)

apāṃ dhāturaso nityaṃ jihvayā sa tu gṛhyate jihvāsthaś ca tathā somo rasajñāne vidhīyate

'Der stete Wesensgeschmack des Wassers werde durch die Zunge erfasst; und der auf der Zunge befindliche Soma wirke bei der Geschmackswahrnehmung.'

Wort für Wort
dhāturasaḥ
der Wesensgeschmack, Grundgeschmack (Nom. Sg. m.)
jihvāsthaḥ somaḥ
der auf der Zunge befindliche Soma (Nom. Sg. m.)

jyotiṣaś ca guṇo rūpaṃ cakṣuṣā tac ca gṛhyate cakṣuḥsthaś ca tathādityo rūpajñāne vidhīyate

'Die Eigenschaft des Lichts sei die Form, und diese werde durch das Auge erfasst; und die im Auge befindliche Sonne wirke bei der Formwahrnehmung.'

Wort für Wort
jyotiṣaḥ guṇaḥ
die Eigenschaft des Lichts (Nom. Sg. m.)
cakṣuḥsthaḥ ādityaḥ
die im Auge befindliche Sonne (Nom. Sg. m.)

vāyavyas tu tathā sparśas tvacā prajñāyate ca saḥ tvaksthaś caiva tathā vāyuḥ sparśajñāne vidhīyate

'Die dem Wind zugehörige Berührung aber werde durch die Haut wahrgenommen; und der in der Haut befindliche Wind wirke bei der Berührungswahrnehmung.'

Wort für Wort
vāyavyaḥ sparśaḥ
die dem Wind zugehörige Berührung (Nom. Sg. m.)
tvaksthaḥ vāyuḥ
der in der Haut befindliche Wind (Nom. Sg. m.)

ākāśasya guṇo ghoṣaḥ śrotreṇa sa tu gṛhyate śrotrasthāś ca diśaḥ sarvāḥ śabdajñāne prakīrtitāḥ

'Die Eigenschaft des Äthers sei der Ton, und dieser werde durch das Ohr erfasst; und die im Ohr befindlichen Himmelsrichtungen alle würden bei der Tonwahrnehmung genannt.'

Wort für Wort
ākāśasya guṇaḥ
die Eigenschaft des Äthers (Nom. Sg. m.)
śrotrasthāḥ diśaḥ
die im Ohr befindlichen Himmelsrichtungen (Nom. Pl. f.)

manasas tu guṇaś cintā prajñayā sa tu gṛhyate hṛdisthacetanādhātur manojñāne vidhīyate

'Die Eigenschaft des Geistes aber sei das Denken, und dieses werde durch die Einsicht erfasst; und die im Herzen befindliche bewusste Substanz wirke bei der Geist-Wahrnehmung.'

Wort für Wort
manasaḥ guṇaḥ
die Eigenschaft des Geistes (Nom. Sg. m.)
hṛdisthacetanādhātuḥ
die im Herzen befindliche bewusste Substanz (Nom. Sg. m.)

buddhir adhyavasāyena dhyānena ca mahāṃs tathā niścitya grahaṇaṃ nityam avyaktaṃ nātra saṃśayaḥ

'Die Erkenntniskraft werde durch Entschlossenheit erfasst, und ebenso das Mahat durch Meditation; das Unoffenbarte aber werde stets durch Gewissheit erfasst, daran bestehe kein Zweifel.'

Wort für Wort
adhyavasāyena
durch Entschlossenheit (Instr. Sg. m.)
niścitya
durch Gewissheit, mit Bestimmtheit (Absolutiv, ni-√ci)

aliṅgagrahaṇo nityaḥ kṣetrajño nirguṇātmakaḥ tasmād aliṅgaḥ kṣetrajñaḥ kevalaṃ jñānalakṣaṇaḥ

'Der Kṣetrajña werde ohne Merkmal erfasst, sei ewig, von eigenschaftsloser Wesensart; daher sei der Kṣetrajña ohne Merkmal, allein durch Wissen gekennzeichnet.'

Wort für Wort
aliṅgagrahaṇaḥ
ohne äußeres Merkmal erfasst (Nom. Sg. m.)
nirguṇātmakaḥ
von eigenschaftsloser Wesensart (Nom. Sg. m.)

avyaktaṃ kṣetram uddiṣṭaṃ guṇānāṃ prabhavāpyayam sadā paśyāmy ahaṃ līnaṃ vijānāmi śṛṇomi ca

'Das Unoffenbarte werde als das Feld bezeichnet, als Ursprung und Vergehen der Eigenschaften; stets sehe er es als aufgelöst, erkenne und höre es.'

Wort für Wort
paśyāmi vijānāmi śṛṇomi
ich sehe, erkenne, höre (1. Sg. Präs., hier indirekt: er sieht, erkennt, hört)
prabhavāpyayam
Ursprung und Vergehen (Akk. Sg. m.)

[?] Die Ich-Form (ahaṃ) im Sanskrit bezieht sich vermutlich auf den Kṣetrajña selbst, der hier kurz in der 1. Person eingeführt wird, um das Wesen der Wahrnehmung zu beschreiben; gemäß Konvention indirekt (3. Person) wiedergegeben.

puruṣas tad vijānīte tasmāt kṣetrajña ucyate guṇavṛttaṃ tathā kṛtsnaṃ kṣetrajñaḥ paripaśyati

'Der Puruṣa erkenne dies, daher werde er Kṣetrajña genannt; ebenso überschaue der Kṣetrajña das gesamte Wirken der Eigenschaften.'

Wort für Wort
vijānīte
er erkennt (3. Sg. Präs. Ātm.)
paripaśyati
er überschaut, betrachtet ringsum (3. Sg. Präs.)

ādimadhyāvasānāntaṃ sṛjyamānam acetanam na guṇā vidur ātmānaṃ sṛjyamānaṃ punaḥ punaḥ

'Das an Anfang, Mitte und Ende Reichende, das Erschaffene, Unbewusste - die Eigenschaften kennen nicht ihr eigenes Selbst, das immer wieder erschaffen wird.'

Wort für Wort
ādimadhyāvasānāntam
an Anfang, Mitte und Ende reichend (Akk. Sg. n.)
sṛjyamānam
erschaffen werdend (Part. Präs. Pass.)

na satyaṃ veda vai kaś cit kṣetrajñas tv eva vindati guṇānāṃ guṇabhūtānāṃ yat paraṃ parato mahat

'Die Wahrheit erkenne wahrlich niemand, allein der Kṣetrajña finde, was jenseits der zu Eigenschaften gewordenen Eigenschaften das noch höhere Große sei.'

Wort für Wort
vindati
er findet (3. Sg. Präs., √vid)
guṇabhūtānām
der zu Eigenschaften gewordenen (Gen. Pl. m.)

tasmād guṇāṃś ca tattvaṃ ca parityajyeha tattvavit kṣīṇadoṣo guṇān hitvā kṣetrajñaṃ praviśaty atha

'Daher gehe der Kenner der Wahrheit, nachdem er hier die Eigenschaften und das Prinzip aufgegeben habe, mit erschöpften Fehlern ein, indem er die Eigenschaften verlasse, in den Kṣetrajña.'

Wort für Wort
parityajya
aufgegeben habend (Absolutiv, pari-tyaj)
kṣīṇadoṣaḥ
mit erschöpften/geschwundenen Fehlern (Nom. Sg. m.)

nirdvaṃdvo nirnamaskāro niḥsvadhākāra eva ca acalaś cāniketaś ca kṣetrajñaḥ sa paro vibhuḥ

'Frei von Gegensätzen, frei von Verehrungsformeln, frei vom Svadhā-Ruf, unbeweglich und ohne festen Wohnsitz - so sei der Kṣetrajña, der höchste, alldurchdringende.'

Wort für Wort
nirnamaskāraḥ
frei von Verehrungs-/Grußformeln (Nom. Sg. m.)
aniketaḥ
ohne festen Wohnsitz, heimatlos (Nom. Sg. m.)

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