Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Āśvamedhikaparva

Kapitel 92: nakulopākhyānārambhaḥ Die Mungo-Episode (Anfang)

janamejaya uvāca pitāmahasya me yajñe dharmaputrasya dhīmataḥ yad āścaryam abhūt kiṃ cit tad bhavān vaktum arhati

„Bei dem Opfer meines Großvaters, des klugen Sohnes des Dharma, was auch immer an Wunderbarem sich ereignet hat, das solltest du mir erzählen.“

Wort für Wort
pitāmahasya
des Großvaters (Gen., Yudhiṣṭhira)
āścaryam
das Wunderbare (Nom./Akk.)

Der äußerste Rahmen des Epos (König Janamejaya befragt den Erzähler Vaiśaṃpāyana) meldet sich hier - nach vielen Kapiteln reiner Vaiśaṃpāyana-Erzählung - kurz mit einer eigenen Frage zurück, bevor die Erzählung fortgesetzt wird.

vaiśaṃpāyana uvāca śrūyatāṃ rājaśārdūla mahad āścaryam uttamam aśvamedhe mahāyajñe nivṛtte yad abhūd vibho

Vaiśaṃpāyana sprach: „Höre, o Tiger unter den Königen, das große, überaus wunderbare Ereignis, o Mächtiger, das sich zutrug, als das große Pferdeopfer beendet war.“

Wort für Wort
śrūyatām
es werde gehört (Imp. Pass.)
nivṛtte
als beendet war (Lok. Abs.)

tarpiteṣu dvijāgryeṣu jñātisaṃbandhibandhuṣu dīnāndhakṛpaṇe cāpi tadā bharatasattama

Als die besten der Zweimalgeborenen gesättigt waren, die Verwandten und Angehörigen, und auch die Elenden, Blinden und Bedürftigen, damals, o Bester der Bharatas,

Wort für Wort
dvijāgryeṣu tarpiteṣu
als die besten der Zweimalgeborenen gesättigt waren (Lok. Abs.)
dīnāndhakṛpaṇe
die Elenden, Blinden, Bedürftigen (Lok.)

ghuṣyamāṇe mahādāne dikṣu sarvāsu bhārata patatsu puṣpavarṣeṣu dharmarājasya mūrdhani

als die große Gabe in allen Himmelsrichtungen verkündet wurde und Blumenregen auf das Haupt des Dharmarāja niederfielen,

Wort für Wort
ghuṣyamāṇe mahādāne
als die große Gabe verkündet wurde (Lok. Abs.)
puṣpavarṣeṣu patatsu
als Blumenregen niederfielen (Lok. Abs.)

bilān niṣkramya nakulo rukmapārśvas tadānagha vajrāśanisamaṃ nādam amuñcata viśāṃ pate

da kam aus seiner Höhle ein Mungo mit goldener Flanke hervor, o Makelloser, und stieß einen Schrei aus, dem Donnerkeil gleich, o Herr der Menschen.

Wort für Wort
bilāt niṣkramya
aus der Höhle hervorgekommen (Abs.)
rukmapārśvaḥ
mit goldener Flanke (Adj.)

'Nakula' bedeutet hier wörtlich 'Mungo' (ein Tier) und bezieht sich NICHT auf den gleichnamigen Pāṇḍava-Bruder - eine bewusste Namensgleichheit im Sanskrit-Original.

sakṛd utsṛjya taṃ nādaṃ trāsayāno mṛgadvijān mānuṣaṃ vacanaṃ prāha dhṛṣṭo bilaśayo mahān

Nachdem er einmal jenen Schrei ausgestoßen hatte, Tiere und Vögel erschreckend, sprach jenes kühne, große, in einer Höhle wohnende Wesen mit menschlicher Stimme:

Wort für Wort
trāsayān mṛgadvijān
Tiere und Vögel erschreckend (Ptz.)
mānuṣaṃ vacanam
menschliche Rede (Akk.)

saktuprasthena vo nāyaṃ yajñas tulyo narādhipāḥ uñchavṛtter vadānyasya kurukṣetranivāsinaḥ

„Dieses euer Opfer, o Herrscher der Menschen, ist auch mit alldem nicht gleichwertig einem Prastha-Maß gemahlenen Gerstenmehls eines Großmütigen, der von Ährenlese lebt und am Kurukṣetra wohnt.“

Wort für Wort
saktuprasthena
mit einem Prastha-Maß Gerstenmehls (Instr.)
uñchavṛtteḥ
der von Ährenlese lebt (Gen.)

'Uñchavṛtti' bezeichnet die asketische Lebensweise, sich ausschließlich von aufgelesenen, herabgefallenen Getreidekörnern zu ernähren; 'Prastha' ist ein altes Hohlmaß für Getreide.

tasya tad vacanaṃ śrutvā nakulasya viśāṃ pate vismayaṃ paramaṃ jagmuḥ sarve te brāhmaṇarṣabhāḥ

Als sie diese Rede des Mungos gehört hatten, o Herr der Menschen, gerieten alle jene Stiere unter den Brahmanen in höchstes Erstaunen.

Wort für Wort
tad vacanam śrutvā
diese Rede gehört habend (Abs.)
vismayaṃ paramam
höchstes Erstaunen (Akk.)

tataḥ sametya nakulaṃ paryapṛcchanta te dvijāḥ kutas tvaṃ samanuprāpto yajñaṃ sādhusamāgamam

Dann versammelten sich die Zweimalgeborenen um den Mungo und fragten ihn: „Woher bist du zu diesem Opfer, dieser Versammlung der Guten, gelangt?

Wort für Wort
sametya
sich versammelt habend (Abs.)
sādhusamāgamam
die Versammlung der Guten (Akk.)

kiṃ balaṃ paramaṃ tubhyaṃ kiṃ śrutaṃ kiṃ parāyaṇam kathaṃ bhavantaṃ vidyāma yo no yajñaṃ vigarhase

Was ist deine höchste Kraft? Was ist dein Wissen? Was ist dein letztes Ziel? Wie sollen wir dich kennen, der du unser Opfer tadelst?

Wort für Wort
kiṃ parāyaṇam
was ist dein letztes Ziel (Nom.)
vigarhase
du tadelst (Präs. Med.)

avilupyāgamaṃ kṛtsnaṃ vidhijñair yājakaiḥ kṛtam yathāgamaṃ yathānyāyaṃ kartavyaṃ ca yathākṛtam

Ungeschmälert wurde die gesamte Überlieferung von regelkundigen Opferpriestern befolgt, der Schrift gemäß, der rechten Ordnung gemäß, und das zu Tuende wurde getan, wie es zu tun war.

Wort für Wort
avilupya āgamam
ohne die Überlieferung zu schmälern (Abs.)
vidhijñaiḥ yājakaiḥ
von regelkundigen Opferpriestern (Instr.)

pūjārhāḥ pūjitāś cātra vidhivac chāstracakṣuṣā mantrapūtaṃ hutaś cāgnir dattaṃ deyam amatsaram

Die Verehrungswürdigen wurden hier verehrt, vorschriftsmäßig, mit dem Blick der Lehrschrift; das mit Mantras gereinigte Feuer wurde bedient, und das zu Gebende wurde ohne Neid gegeben.

Wort für Wort
śāstracakṣuṣā
mit dem Blick der Lehrschrift (Instr.)
amatsaram
ohne Neid (Adv.)

tuṣṭā dvijarṣabhāś cātra dānair bahuvidhair api kṣatriyāś ca suyuddhena śrāddhair api pitāmahāḥ

Zufrieden waren hier die Stiere der Zweimalgeborenen durch mancherlei Gaben, die Kṣatriyas durch guten Kampf, die Ahnen durch die Śrāddha-Riten,

Wort für Wort
dānaiḥ bahuvidhaiḥ
durch mancherlei Gaben (Instr.)
śrāddhaiḥ
durch die Totenopfer-Riten (Instr.)

pālanena viśas tuṣṭāḥ kāmais tuṣṭā varastriyaḥ anukrośais tathā śūdrā dānaśeṣaiḥ pṛthagjanāḥ

die Vaiśyas waren zufrieden durch Schutz, die edlen Frauen zufrieden durch die Erfüllung ihrer Wünsche, ebenso die Śūdras durch freundliche Behandlung, die gewöhnlichen Leute durch die Reste der Gaben,

Wort für Wort
pālanena
durch Schutz (Instr.)
dānaśeṣaiḥ
durch die Reste der Gaben (Instr.)

jñātisaṃbandhinas tuṣṭāḥ śaucena ca nṛpasya naḥ devā havirbhiḥ puṇyaiś ca rakṣaṇaiḥ śaraṇāgatāḥ

die Verwandten und Angehörigen waren zufrieden, und durch die Lauterkeit unseres Königs; die Götter durch Opferspenden und fromme Werke, die Schutzsuchenden durch Beschützung.

Wort für Wort
śaucena
durch Lauterkeit (Instr.)
śaraṇāgatāḥ
die Schutzsuchenden (Nom. Pl.)

yad atra tathyaṃ tad brūhi satyasaṃdha dvijātiṣu yathāśrutaṃ yathādṛṣṭaṃ pṛṣṭo brāhmaṇakāmyayā

Was hiervon wahr ist, das sage uns, o Wahrhaftiger unter den Zweimalgeborenen, wie du es gehört, wie du es gesehen hast, gefragt aus dem Verlangen der Brahmanen.

Wort für Wort
satyasaṃdha
o Wahrhaftiger, o Wahrheitsgebundener (Vok.)
yathāśrutaṃ yathādṛṣṭam
wie gehört, wie gesehen (Adv.)

śraddheyavākyaḥ prājñas tvaṃ divyaṃ rūpaṃ bibharṣi ca samāgataś ca viprais tvaṃ tattvato vaktum arhasi

Deine Rede ist glaubwürdig, du bist weise und trägst eine göttliche Gestalt, und du bist mit Brahmanen zusammengekommen; du solltest der Wahrheit gemäß sprechen.“

Wort für Wort
śraddheyavākyaḥ
dessen Rede glaubwürdig ist (Adj.)
tattvataḥ
der Wahrheit gemäß (Adv.)

iti pṛṣṭo dvijais taiḥ sa prahasya nakulo 'bravīt naiṣānṛtā mayā vāṇī proktā darpeṇa vā dvijāḥ

So von jenen Zweimalgeborenen gefragt, sprach der Mungo, lachend:

Wort für Wort
pṛṣṭaḥ
gefragt (Ptz.)
prahasya
gelacht habend (Abs.)

yan mayoktam idaṃ kiṃ cid yuṣmābhiś cāpy upaśrutam saktuprasthena vo nāyaṃ yajñas tulyo narādhipāḥ uñchavṛtter vadānyasya kurukṣetranivāsinaḥ

„Nicht ist dies eine unwahre Rede, die ich aus Stolz gesprochen hätte, ihr Zweimalgeborenen. Was ich hier gesagt habe und was auch ihr vernommen habt: Dieses euer Opfer, o Herrscher der Menschen, ist auch mit alldem nicht gleichwertig einem Prastha-Maß gemahlenen Gerstenmehls eines Großmütigen, der von Ährenlese lebt und am Kurukṣetra wohnt.

Wort für Wort
anṛtā vāṇī
eine unwahre Rede (Nom.)
darpeṇa
aus Stolz (Instr.)

Der Mungo wiederholt hier wörtlich seine eigene, bereits in V007 zitierte Aussage - als Selbstzitat des gleichen, ununterbrochen sprechenden Charakters ohne eigene neue Anführungszeichen wiedergegeben.

ity avaśyaṃ mayaitad vo vaktavyaṃ dvijapuṃgavāḥ śṛṇutāvyagramanasaḥ śaṃsato me dvijarṣabhāḥ

Dies muss ich euch notwendig sagen, ihr Stiere der Zweimalgeborenen; hört es mit ungetrübtem Sinn, während ich es erzähle, ihr Besten der Zweimalgeborenen:

Wort für Wort
avaśyam vaktavyam
das notwendig zu Sagende (Nom.)
avyagramanasaḥ
mit ungetrübtem Sinn (Adj. Pl.)

anubhūtaṃ ca dṛṣṭaṃ ca yan mayādbhutam uttamam uñchavṛtter yathāvṛttaṃ kurukṣetranivāsinaḥ

was ich selbst erfahren und gesehen habe, ein überaus großes Wunder - wie es sich mit jenem von Ährenlese lebenden Bewohner des Kurukṣetra wirklich zugetragen hat,

Wort für Wort
anubhūtam dṛṣṭam ca
erfahren und gesehen (Ptz.)
yathāvṛttam
wie es sich zugetragen hat (Adv./Adj.)

svargaṃ yena dvijaḥ prāptaḥ sabhāryaḥ sasutasnuṣaḥ yathā cārdhaṃ śarīrasya mamedaṃ kāñcanīkṛtam

wodurch ein Brahmane den Himmel erreichte, zusammen mit Gattin, Sohn und Schwiegertochter, und wodurch diese Hälfte meines Körpers golden geworden ist.“

Wort für Wort
sabhāryaḥ sasutasnuṣaḥ
zusammen mit Gattin, Sohn und Schwiegertochter (Adj.)
kāñcanīkṛtam
golden gemacht (Ptz.)

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