indra uvāca kaccit sukhaṃ svapiṣi tvaṃ bṛhaspate; kaccin manojñāḥ paricārakās te kaccid devānāṃ sukhakāmo 'si vipra; kaccid devās tvāṃ paripālayanti
Indra sprach: 'Schläfst du wohl gut, Bṛhaspati? Sind dir deine Diener angenehm? Wünschst du, o Brahmane, das Wohl der Götter? Beschützen dich die Götter gebührend?'
Bṛhaspati sprach: 'Ich schlafe gut auf meinem Lager, o großer Indra; ebenso sind mir meine Diener angenehm; ebenso wünsche ich, o Śakra, das Wohl der Götter, und die Götter beschützen mich sehr wohl.'
indra uvāca kuto duḥkhaṃ mānasaṃ dehajaṃ vā; pāṇḍur vivarṇaś ca kutas tvam adya ācakṣva me tad dvija yāvad etān; nihanmi sarvāṃs tava duḥkhakartṝn
Indra sprach: 'Woher kommt dann dein seelischer oder körperlicher Schmerz? Weshalb bist du heute bleich und entfärbt? Sage mir dies, Zweifachgeborener, damit ich alle diese deine Schmerzverursacher vernichte.'
bṛhaspatir uvāca maruttam āhur maghavan yakṣyamāṇaṃ; mahāyajñenottamadakṣiṇena taṃ saṃvarto yājayiteti me śrutaṃ; tad icchāmi na sa taṃ yājayeta
Bṛhaspati sprach: 'Man sagt, Marutta wolle, o Maghavan, ein großes Opfer mit höchster Priestergabe vollziehen; ich habe gehört, dass Saṃvarta für ihn opfern werde - ich wünsche, dass jener nicht für ihn opfere.'
Indra sprach: 'Du hast doch alle Wünsche erlangt, o Brahmane, der du als Hauspriester der Götter deren Rat gibst; Geburt und Tod sind für dich beide überwunden - was könnte dir Saṃvarta heute antun, o Brahmane?'
bṛhaspatir uvāca devaiḥ saha tvam asurān saṃpraṇudya; jighāṃsase 'dyāpy uta sānubandhān yaṃ yaṃ samṛddhaṃ paśyasi tatra tatra; duḥkhaṃ sapatneṣu samṛddhabhāvaḥ
Bṛhaspati sprach: 'Du hast doch mit den Göttern die Asuras vertrieben, und dennoch wünschst du auch heute noch, sie samt ihrem Anhang zu vernichten; wen auch immer du gedeihen siehst - dort und dort empfindest du Schmerz: das Gedeihen von Rivalen ist schmerzlich.'
Wort für Wort
saṃpraṇudya
nachdem du vertrieben hattest (Absolutiv)
samṛddhabhāvaḥ
das Gedeihen, der Zustand des Gedeihens (Nom. Sg.)
ato 'smi devendra vivarṇarūpaḥ; sapatno me vardhate tan niśamya sarvopāyair maghavan saṃniyaccha; saṃvartaṃ vā pārthivaṃ vā maruttam
'Deshalb bin ich, o Götterindra, von entfärbter Gestalt - mein Rivale gedeiht; höre dies und halte, o Maghavan, mit allen Mitteln entweder Saṃvarta oder den Fürsten Marutta zurück.'
Indra sprach: 'Komm, geh, ausgesandt, o Jātavedas, um Bṛhaspati dem Marutta zu übergeben - sag ihm: dieser Bṛhaspati wird gewiss für dich opfern und dich zugleich unsterblich machen.'
Agni sprach: 'Ich gehe hiermit heute als dein Bote, o Śakra, um Bṛhaspati dem Marutta zu übergeben, das Wort des Vielgerufenen wahr zu machen und Bṛhaspatis Ehre wiederherzustellen zu wünschen.'
Vyāsa sprach: Da zog der hochgesinnte Rauchbannerträger los, Bäume und Kräuter niederwalzend, nach Belieben am Ende des Winters umherziehend, die Himmelsrichtungen durcheilend, brüllend wie der Windgott.
Wort für Wort
dhūmaketuḥ
der Rauchbannerträger (Nom. Sg., = Agni)
mātariśvā
der Windgott (Nom. Sg., = Vāyu, hier vergleichend)
dhūmaketuḥ (wtl. 'Rauchbanner') und mātariśvan sind Beinamen Agnis bzw. des Windgottes Vāyu.
Marutta sprach: 'Ein Wunder sehe ich heute - das Feuer ist in Gestalt zu mir gekommen! Bringt einen Sitz, Wasser, Fußwasser und eine Kuh herbei, o Weiser!'
agnir uvāca āsanaṃ salilaṃ pādyaṃ pratinandāmi te 'nagha indreṇa tu samādiṣṭaṃ viddhi māṃ dūtam āgatam
Agni sprach: 'Sitz, Wasser und Fußwasser nehme ich von dir dankend an, du Makelloser; doch wisse, dass ich, von Indra beauftragt, als Bote gekommen bin.'
marutta uvāca kaccic chrīmān devarājaḥ sukhī ca; kaccic cāsmān prīyate dhūmaketo kaccid devāś cāsya vaśe yathāvat; tad brūhi tvaṃ mama kārtsnyena deva
Marutta sprach: 'Geht es dem glanzvollen Götterkönig wohl und glücklich? Ist er uns gewogen, o Rauchbannerträger? Sind die Götter ihm gebührend untertan? Sage mir dies, o Gott, vollständig.'
Wort für Wort
prīyate
er ist gewogen, erfreut sich (Präs. 3.Sg. Med.)
kārtsnyena
vollständig, in seiner Gesamtheit (Instr. als Adv.)
agnir uvāca śakro bhṛśaṃ susukhī pārthivendra; prītiṃ cecchaty ajarāṃ vai tvayā saḥ devāś ca sarve vaśagās tasya rājan; saṃdeśaṃ tvaṃ śṛṇu me devarājñaḥ
Agni sprach: 'Śakra ist überaus glücklich, o Herrscher der Erde, und er wünscht dauerhafte Freundschaft mit dir; alle Götter sind ihm untertan, o König - höre nun von mir die Botschaft des Götterkönigs.'
'Weswegen er mich zu dir gesandt hat: um Bṛhaspati dir, Marutta, zu übergeben - dieser Lehrer soll für dich, o König, opfern und dich, den Sterblichen, unsterblich machen.'
Marutta sprach: 'Der Zweifachgeborene Saṃvarta hier ist mein Opferpriester - dies hier ist doch nur Bṛhaspatis Verbeugung [?]; er, der doch für den großen Gott Indra geopfert hat, würde sich heute nicht schicken, für einen Sterblichen zu opfern.'
Wort für Wort
añjaliḥ
die Ehrerbietung, das Handgruß-Zeichen (Nom. Sg.)
śobhet
es würde sich schicken/anstehen (Optativ 3.Sg.)
[?] 'bṛhaspater añjalir eṣa tasya' (wtl. 'dies ist Bṛhaspatis Ehrerbietung zu ihm') bleibt im genauen Bezug unsicher - vermutlich meint Marutta, das späte Angebot Bṛhaspatis sei nur eine erzwungene, wertlose Geste.
agnir uvāca ye vai lokā devaloke mahāntaḥ; saṃprāpsyase tān devarājaprasādāt tvāṃ ced asau yājayed vai bṛhaspatir; nūnaṃ svargaṃ tvaṃ jayeḥ kīrtiyuktaḥ
Agni sprach: 'Die großen Welten, die im Götterreich sind, wirst du durch die Gnade des Götterkönigs erlangen; wenn Bṛhaspati für dich opfern sollte, würdest du gewiss den Himmel erobern, mit Ruhm bedeckt.'
tathā lokā mānuṣā ye ca divyāḥ; prajāpateś cāpi ye vai mahāntaḥ te te jitā devarājyaṃ ca kṛtsnaṃ; bṛhaspatiś ced yājayet tvāṃ narendra
'Ebenso die menschlichen und die himmlischen Welten, und auch die großen Welten Prajāpatis - all diese wären errungen, und das ganze Götterreich dazu, wenn Bṛhaspati für dich opfern sollte, o Herrscher der Menschen.'
Saṃvarta sprach: 'Komm nicht noch einmal in irgendeiner Weise zu uns, um Bṛhaspati dem Marutta zu übergeben - sonst verbrenne ich dich mit meinem furchtbaren Blick; ich bin zornentbrannt, o Feuer, wisse dies.'
vyāsa uvāca tato devān agamad dhūmaketur; dāhād bhīto vyathito 'śvatthaparṇavat taṃ vai dṛṣṭvā prāha śakro mahātmā; bṛhaspateḥ saṃnidhau havyavāham
Vyāsa sprach: Da kehrte der Rauchbannerträger zu den Göttern zurück, aus Furcht vor dem Verbranntwerden zitternd wie ein Aśvattha-Blatt; als er ihn sah, sprach der hochgesinnte Śakra in Bṛhaspatis Gegenwart zum Opferfeuer:
yat tvaṃ gataḥ prahito jātavedo; bṛhaspatiṃ paridātuṃ marutte tat kiṃ prāha sa nṛpo yakṣyamāṇaḥ; kaccid vacaḥ pratigṛhṇāti tac ca
'Da du, ausgesandt, gegangen bist, o Jātavedas, um Bṛhaspati dem Marutta zu übergeben - was hat jener König, der zu opfern im Begriff ist, dazu gesagt? Nimmt er das Wort an oder nicht?'
agnir uvāca na te vācaṃ rocayate marutto; bṛhaspater añjaliṃ prāhiṇot saḥ saṃvarto māṃ yājayitety abhīkṣṇaṃ; punaḥ punaḥ sa mayā procyamānaḥ
Agni sprach: 'Marutta gefällt dein Wort nicht; er hat Bṛhaspatis Verbeugung zurückgewiesen. Immer wieder von mir gedrängt, erklärte er doch stets, Saṃvarta sei sein Opferpriester.'
uvācedaṃ mānuṣā ye ca divyāḥ; prajāpater ye ca lokā mahāntaḥ tāṃś cel labheyaṃ saṃvidaṃ tena kṛtvā; tathāpi neccheyam iti pratītaḥ
'Überzeugt erklärte er: selbst wenn er dadurch, indem er jene Abmachung schlösse, die menschlichen und himmlischen Welten und auch die großen Welten Prajāpatis erlangen würde - dennoch wolle er es nicht.'
Indra sprach: 'Geh noch einmal, triff jenen Fürsten, und überbringe mein Wort, das seinem eigenen Vorteil dient; wenn er, abermals angesprochen, dem Wort nicht folgen wird, dann werde ich den Vajra gegen ihn schleudern.'
Wort für Wort
sametya
nachdem du getroffen hast (Absolutiv)
saṃprahartāsmi
ich werde schleudern (periphrastisches Fut. 1.Sg.)
agnir uvāca gandharvarāḍ yātv ayaṃ tatra dūto; bibhemy ahaṃ vāsava tatra gantum saṃrabdho mām abravīt tīkṣṇaroṣaḥ; saṃvarto vākyaṃ caritabrahmacaryaḥ
Agni sprach: 'Möge dieser König der Gandharvas als Bote dorthin gehen - ich fürchte mich, o Vāsava, dorthin zu gehen. Erzürnt, von scharfem Zorn, hat Saṃvarta, der Keuschheit geübt hat, folgendes Wort zu mir gesprochen:'
Wort für Wort
gandharvarāṭ
der König der Gandharvas (Nom. Sg.)
caritabrahmacaryaḥ
der Keuschheit geübt hat (Nom. Sg.)
Kündigt bereits den Gandharva-Boten Dhṛtarāṣṭra an, der in Kap.10 tatsächlich entsandt wird.
Sollte er, so habe Saṃvarta gedroht, noch einmal in irgendeiner Weise kommen, um Bṛhaspati dem Marutta zu übergeben, werde er ihn, zornentbrannt, mit seinem furchtbaren Blick verbrennen - dies, fügte Agni hinzu, sollte Indra wissen.
Wort für Wort
daheyam
ich würde/er würde verbrennen (Optativ)
avaihi
wisse! (Imperativ 2.Sg.)
Dritte Zitatebene (Agni berichtet Samvartas Drohung an Indra) bewusst als indirekte Rede ohne Anführungszeichen wiedergegeben, um eine vierte Zeichenebene zu vermeiden - Fortsetzung des in Kap.7 V014-015 etablierten Verfahrens.
indra uvāca tvam evānyān dahase jātavedo; na hi tvad anyo vidyate bhasmakartā tvatsaṃsparśāt sarvaloko bibhety; aśraddheyaṃ vadase havyavāha
Indra sprach: 'Du selbst bist es doch, der andere verbrennt, o Jātavedas - es gibt ja niemand anderen als dich, der zu Asche macht; vor deiner Berührung fürchtet sich alle Welt - du sagst Unglaubwürdiges, o Opferfeuer.'
Agni sprach: 'Den Himmel, o Götterindra, und die ganze Erde könntest du doch mit deiner eigenen Kraft einhüllen, o Śakra - wie konnte dann, obwohl du von solcher Art bist, Vṛtra einst den dreifachen Himmel rauben?'
Wort für Wort
saṃveṣṭayeḥ
du könntest einhüllen/bezwingen (Optativ Kaus. 2.Sg.)
indra uvāca na caṇḍikā jaṅgamā no kareṇur; na vārisomaṃ prapibāmi vahne na durbale vai visṛjāmi vajraṃ; ko me 'sukhāya praharen manuṣyaḥ
Indra sprach: 'Ich bin weder eine wandelnde Caṇḍikā noch eine Elefantenkuh [?], noch trinke ich Wasser-Soma, o Feuer; auch schleudere ich den Vajra nicht gegen einen Schwachen - welcher Mensch könnte mir zu meinem Unglück etwas antun?'
Wort für Wort
jaṅgamā
wandelnd, beweglich (Nom. Sg. f.)
durbale
gegen den Schwachen (Lok. Sg.)
[?] 'na caṇḍikā jaṅgamā no kareṇuḥ' bleibt in Sinn und Bildlichkeit unklar - möglicherweise ein Sprichwort zur eigenen Unerschrockenheit/Standhaftigkeit; wörtlich wiedergegeben.
pravrājayeyaṃ kālakeyān pṛthivyām; apākarṣaṃ dānavān antarikṣāt divaḥ prahrādam avasānam ānayaṃ; ko me 'sukhāya prahareta martyaḥ
'Ich vertrieb die Kālakeyas von der Erde, ich trieb die Dānavas aus dem Luftraum, und den Prahrāda brachte ich vom Himmel zu Fall - welcher Sterbliche könnte mir zu meinem Unglück etwas antun?'
Wort für Wort
pravrājayeyam
ich vertrieb (Optativ als narrativ. Aorist-Ersatz 1.Sg.)
Agni sprach: 'Als Cyavana, im Begriff, für Śaryāti zu opfern, zusammen mit den beiden Aśvins allein den Soma nahm, hast du ihn zornig zuvor daran gehindert - erinnere dich, großer Indra, an jenes Opfer Śaryātis.'
vajraṃ gṛhītvā ca puraṃdara tvaṃ; saṃprāhārṣīś cyavanasyātighoram sa te vipraḥ saha vajreṇa bāhum; apāgṛhṇāt tapasā jātamanyuḥ
'Und nachdem du, Puraṃdara, den Vajra ergriffen hattest, schlugst du damit äußerst furchtbar auf Cyavana ein; doch jener Brahmane hielt deinen Arm samt dem Vajra fest, von Zorn erfüllt durch seine Askese-Kraft.'
tato roṣāt sarvato ghorarūpaṃ; sapatnaṃ te janayām āsa bhūyaḥ madaṃ nāmāsuraṃ viśvarūpaṃ; yaṃ tvaṃ dṛṣṭvā cakṣuṣī saṃnyamīlaḥ
'Da erschuf er, aus Zorn, dir aufs Neue einen Rivalen von allseits furchtbarer Gestalt, den Asura namens Mada, allgestaltig - als du ihn erblicktest, schlossest du beide Augen.'
'Ein Kiefer jenes großen Dānava ruhte auf der Erde, der andere reichte zum Himmel; tausend scharfe, je hundert Yojanas lange Zähne bildeten seine furchtbare Gestalt.'
vṛttāḥ sthūlā rajatastambhavarṇā; daṃṣṭrāś catasro dve śate yojanānām sa tvāṃ dantān vidaśann abhyadhāvaj; jighāṃsayā śūlam udyamya ghoram
'Vier runde, dicke, silberpfeilerfarbene Reißzähne, je zweihundert Yojanas lang; er stürmte auf dich zu, mit den Zähnen knirschend, den furchtbaren Dreizack erhoben, um dich zu töten.'
'Du sahst ihn damals in seiner furchtbaren Gestalt, während alle anderen ihn als bloß ansehnliche, gewöhnliche Gestalt wahrnahmen; wovor erschrocken, bist du, o Dānava-Töter, mit gefalteten Händen zu dem großen Weisen um Zuflucht gekommen.'
kṣatrād evaṃ brahmabalaṃ garīyo; na brahmataḥ kiṃ cid anyad garīyaḥ so 'haṃ jānan brahmatejo yathāvan; na saṃvartaṃ gantum icchāmi śakra
'So ist die Kraft des Brahman schwerer wiegend als die des Kriegertums; nichts anderes wiegt schwerer als das Brahman. Da ich die Glut des Brahman gebührend kenne, wünsche ich nicht, zu Saṃvarta zu gehen, o Śakra.'