'Brahmā sprach weiter: Entsagung sei Askese, so sagten die Alten von gewisser Einsicht; die im Ursprung des Brahman verankerten Brahmanen erkennten das Wissen als das höchste Brahman.'
tapasā kṣemam adhvānaṃ gacchanti paramaiṣiṇaḥ saṃnyāsaniratā nityaṃ ye brahmaviduṣo janāḥ
'Durch Askese gelangen die nach dem Höchsten Strebenden auf den sicheren Weg, jene Menschen, die der Entsagung stets ergeben und Brahman-Kenner seien.'
tapaḥ pradīpa ity āhur ācāro dharmasādhakaḥ jñānaṃ tv eva paraṃ vidma saṃnyāsas tapa uttamam
'Askese sei die Leuchte, so sagten sie, rechtes Verhalten der Vollbringer des Dharma; das Wissen aber erkenne man als das Höchste, die Entsagung als die höchste Askese.'
Wort für Wort
tapaḥ pradīpaḥ
Askese ist die Leuchte (Nom. Sg. m.)
vidma
wir erkennen (1. Pl. Präs., hier indirekt: man erkennt)
yo vidvān sahavāsaṃ ca vivāsaṃ caiva paśyati tathaivaikatvanānātve sa duḥkhāt parimucyate
'Wer als Wissender das Zusammenwohnen und ebenso das Getrenntwohnen erblicke, und ebenso die Einheit und Vielheit, jener werde vom Leid gänzlich befreit.'
Wort für Wort
sahavāsaṃ vivāsam
das Zusammenwohnen, das Getrenntwohnen (Akk. Sg. m.)
'Der Kenner des Wesens von Pradhāna und Guṇas, der Kundige der Ordnung aller Wesen, frei von Besitzdenken und Ich-Bewusstsein, werde befreit, daran bestehe kein Zweifel.'
Wort für Wort
pradhānaguṇatattvajñaḥ
der Kenner des Wesens von Pradhāna und Guṇas (Nom. Sg. m.)
nirdvaṃdvo nirnamaskāro niḥsvadhākāra eva ca nirguṇaṃ nityam advaṃdvaṃ praśamenaiva gacchati
'Frei von Gegensätzen, frei von Verehrungsformeln, frei vom Svadhā-Ruf, gelange er allein durch Friedfertigkeit zum ewigen, eigenschaftslosen, gegensatzlosen Brahman.'
'Nachdem das Geschöpf alles aus Eigenschaften bestehende Handeln, gutes wie schlechtes, aufgegeben habe, und beides, Wahrheit und Unwahrheit, aufgegeben habe, werde es befreit, daran bestehe kein Zweifel.'
Wort für Wort
guṇamayaṃ karma
aus Eigenschaften bestehendes Handeln (Akk. Sg. n.)
satyānṛte hitvā
Wahrheit und Unwahrheit aufgegeben habend (Absolutiv)
'Aus dem unoffenbarten Samen entsprungen, aus dem Stamm der Erkenntniskraft bestehend, groß, mit dem großen Ich-Bewusstsein als Ast, mit den Sinnen als innerer Höhlung -'
Wort für Wort
avyaktabījaprabhavaḥ
aus dem unoffenbarten Samen entsprungen (Nom. Sg. m.)
mahāhaṃkāraviṭapaḥ
mit dem großen Ich-Bewusstsein als Ast (Nom. Sg. m.)
mahābhūtaviśākhaś ca viśeṣapratiśākhavān sadāparṇaḥ sadāpuṣpaḥ śubhāśubhaphalodayaḥ ājīvaḥ sarvabhūtānāṃ brahmavṛkṣaḥ sanātanaḥ
'mit den großen Elementen als Hauptzweigen, mit den Sinnesobjekten als Nebenzweigen versehen, stets belaubt, stets blühend, mit dem Aufgehen guter und schlechter Früchte - der Lebensunterhalt aller Wesen, der ewige Brahman-Baum.'
Wort für Wort
mahābhūtaviśākhaḥ
mit den großen Elementen als Hauptzweigen (Nom. Sg. m.)
etac chittvā ca bhittvā ca jñānena paramāsinā hitvā cāmaratāṃ prāpya jahyād vai mṛtyujanmanī nirmamo nirahaṃkāro mucyate nātra saṃśayaḥ
'Diesen Baum mit dem höchsten Schwert des Wissens gefällt und durchbohrt, ihn aufgegeben und die Unsterblichkeit erlangt habend, gebe er wahrlich Tod und Geburt auf; frei von Besitzdenken und Ich-Bewusstsein werde er befreit, daran bestehe kein Zweifel.'
Wort für Wort
jñānena paramāsinā
mit dem höchsten Schwert des Wissens (Instr. Sg. m.)
'Diese zwei ewigen Vögel, Gefährten, seien selbst unbewusst; wer aber jenseits dieser beiden sei, gelte als der Bewusste.'
Wort für Wort
pakṣiṇau ... sakhāyau
die zwei Vögel, Gefährten (Nom. Du. m.)
cetanāvān
der Bewusste, Beseelte (Nom. Sg. m.)
[?] Ungewöhnliche Variante des bekannten Zwei-Vögel-Gleichnisses (vgl. Muṇḍaka-/Śvetāśvatara-Upaniṣad): hier werden BEIDE Vögel als 'acetana' (unbewusst) bezeichnet, während das eigentlich Bewusste jenseits von beiden stehe - eine vom geläufigeren Bild (ein Vogel isst, der andere schaut bewusst zu) abweichende Lesart.
'Das Unbewusste sei mit der Ansammlung des Daseins verbunden; jenseits dieser Ansammlung nehme das innere Selbst wahr - dieses sei der Kṣetrajña, dessen Erkenntnis über die Ansammlung des Daseins hinausgehe; über die Eigenschaften hinausgegangen, werde er von der Schlinge des Todes befreit.'
Wort für Wort
sattvasaṃghātayuktaḥ
mit der Ansammlung des Daseins verbunden (Nom. Sg. m.)
guṇātigo mucyate
über die Eigenschaften hinausgegangen wird er befreit (Nom. Sg. m., 3. Sg. Präs. Pass.)
[?] 'sattvasaṃghāta' (Ansammlung des Daseins/der Existenz) unsicher übersetzt - könnte auch spezifischer 'Ansammlung des Sattva-Prinzips' meinen.