'Brahmā sprach weiter: Die Eigenschaften könnten hier keineswegs vollständig getrennt beschrieben werden; ungetrennt erschienen Rajas, Sattva und ebenso Tamas.'
yāvat sattvaṃ tamas tāvad vartate nātra saṃśayaḥ yāvat tamaś ca sattvaṃ ca rajas tāvad ihocyate
'Solange Sattva bestehe, bestehe auch Tamas - daran sei kein Zweifel; solange Tamas und Sattva bestünden, werde auch Rajas hier als bestehend bezeichnet.'
saṃhatya kurvate yātrāṃ sahitāḥ saṃghacāriṇaḥ saṃghātavṛttayo hy ete vartante hetvahetubhiḥ
'Vereint verrichteten sie gemeinsam ihren Lauf, als Gruppe wandelnd; denn diese, von gemeinschaftlichem Wirken, bestünden durch Gründe und Nicht-Gründe.'
udriktaṃ ca rajo yatra madhyasrotogataṃ bhavet alpaṃ tatra tamo jñeyaṃ sattvaṃ cālpataraṃ tataḥ
'Wo Rajas überwiege und ein Zustand des mittleren Stromes [des Menschseins] entstehe, dort sei Tamas als gering zu erkennen, und Sattva noch geringer als dies.'
Wort für Wort
madhyasrotogatam
zum mittleren Strom gelangt, Menschsein (Nom. Sg. n., Fachbegriff)
udriktaṃ ca yadā sattvam ūrdhvasrotogataṃ bhavet alpaṃ tatra rajo jñeyaṃ tamaś cālpataraṃ tataḥ
'Und wenn Sattva überwiege und ein Zustand des aufwärts gerichteten Stromes [des Götterdaseins] entstehe, dort sei Rajas als gering zu erkennen, und Tamas noch geringer als dies.'
Wort für Wort
ūrdhvasrotogatam
zum aufwärts gerichteten Strom gelangt, Götterdasein (Nom. Sg. n.)
'Die in Sattva Gefestigten gingen aufwärts; die Rajasischen verblieben in der Mitte; die mit der niedrigsten Eigenschaft verbundenen, die tamasischen Menschen, gingen abwärts.'
Wort für Wort
sattvasthāḥ
in Sattva Befindliche (Nom. Pl. m.)
jaghanyaguṇasaṃyuktāḥ
mit der niedrigsten Eigenschaft verbunden (Nom. Pl. m.)
'Beim Anblick der aufgehenden Sonne entstehe Furcht bei bösen Dieben; Wanderer, von Durst geplagt, dem Leid verfallen, würden von ihrer Hitze gequält.'
sthāvareṣu ca bhūteṣu tiryagbhāvagataṃ tamaḥ rājasās tu vivartante snehabhāvas tu sāttvikaḥ
'Bei den unbeweglichen Wesen herrsche das zum Tierhaften geneigte Tamas vor; bei anderen entfalteten sich die rajasischen Eigenschaften; der Zustand der Zuneigung aber sei sattvisch [?].'
Wort für Wort
sthāvareṣu bhūteṣu
bei den unbeweglichen Wesen, Pflanzen (Lok. Pl. n.)
snehabhāvaḥ
der Zustand der Zuneigung (Nom. Sg. m.)
[?] genaue Zuordnung der drei Eigenschaften zu den Wesensklassen in diesem Vers nicht ganz eindeutig
'Der Tag sei als dreifach zu erkennen, ebenso werde die Nacht als dreifach bestimmt; Monate, Halbmonate, Jahre, Jahreszeiten und Übergangszeiten ebenso.'
'Dreifach würden Gaben gegeben, dreifach vollziehe sich das Opfer; dreifach seien die Welten, dreifach die Veden, dreifach die Wissenszweige, dreifach der Daseinsweg.'
yat kiṃ cid iha vai loke sarvam eṣv eva tat triṣu trayo guṇāḥ pravartante avyaktā nityam eva tu sattvaṃ rajas tamaś caiva guṇasargaḥ sanātanaḥ
'Was immer es hier in dieser Welt gebe, all dies sei eben in diesen drei enthalten; die drei Eigenschaften wirkten, stets unoffenbar; Sattva, Rajas und Tamas - dies sei die ewige Schöpfung der Eigenschaften.'
'Jenes Tamas [als Urzustand] sei unoffenbar, heilvoll, ewig, ungeboren, der ewige Ursprung; es sei Prakṛti, Vikāra, Pralaya, Pradhāna, Entstehen und Vergehen zugleich [?].'
Wort für Wort
yoniḥ sanātanaḥ
der ewige Ursprung (Nom. Sg. m.)
pradhānam
Pradhāna, die Urmaterie (Nom. Sg. n., Sāṃkhya-Terminus)
[?] hier bezeichnet 'tamas' offenbar nicht mehr die Eigenschaft, sondern wird mit dem unoffenbaren Urgrund (avyakta/pradhāna) der Sāṃkhya-Kosmogonie gleichgesetzt - Bedeutungswechsel im Vers selbst nicht ganz eindeutig markiert
anudriktam anūnaṃ ca hy akampam acalaṃ dhruvam sad asac caiva tat sarvam avyaktaṃ triguṇaṃ smṛtam jñeyāni nāmadheyāni narair adhyātmacintakaiḥ
'Nicht im Übermaß und nicht im Mangel, unerschütterlich, unbeweglich, fest; Sein und Nichtsein zugleich - all dies werde als das dreifache Unoffenbarte bezeichnet; diese Bezeichnungen seien von den über das Adhyātma Nachsinnenden zu erkennen.'
Wort für Wort
sad asat
Sein und Nichtsein (Nom. Sg. n.)
adhyātmacintakaiḥ
von den über das Adhyātma Nachsinnenden (Instr. Pl. m.)
avyaktanāmāni guṇāṃś ca tattvato yo veda sarvāṇi gatīś ca kevalāḥ vimuktadehaḥ pravibhāgatattvavit sa mucyate sarvaguṇair nirāmayaḥ
'Wer die Namen des Unoffenbarten und die Eigenschaften der Wahrheit gemäß kennt, sowie die reinen Daseinswege, der ist, vom Körper befreit, ein Kenner der wahren Unterscheidung; er, frei von Leiden, wird von allen Eigenschaften erlöst.'