Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Āśvamedhikaparva

Kapitel 35: śiṣyācāryasaṃvādaḥ / caturviṃśatitattvopadeśaḥ Der Dialog von Schüler und Lehrer: Brahmās Lehre von den vierundzwanzig Prinzipien

arjuna uvāca brahma yat paramaṃ vedyaṃ tan me vyākhyātum arhasi bhavato hi prasādena sūkṣme me ramate matiḥ

“Arjuna sprach: „Das höchste Brahman, das zu erkennen ist - das sollst du mir erklären; denn durch deine Gnade erfreut sich mein Geist am Feinen.“

Wort für Wort
paramaṃ vedyam
das höchste zu Erkennende (Akk. Sg. n.)
sūkṣme
am Feinen, Subtilen (Lok. Sg. n.)

vāsudeva uvāca atrāpy udāharantīmam itihāsaṃ purātanam saṃvādaṃ mokṣasaṃyuktaṃ śiṣyasya guruṇā saha

Vāsudeva sprach: „Auch hierzu erzählt man diese alte Geschichte - den mit der Erlösung verbundenen Dialog eines Schülers mit seinem Lehrer.

Wort für Wort
itihāsam purātanam
die alte Geschichte (Akk. Sg. m.)
mokṣasaṃyuktam
mit der Erlösung verbunden (Akk. Sg. m.)

kaś cid brāhmaṇam āsīnam ācāryaṃ saṃśitavratam śiṣyaḥ papraccha medhāvī kiṃ svic chreyaḥ paraṃtapa

'Ein gewisser kluger Schüler fragte einen sitzenden Brahmanen-Lehrer von strengen Gelübden: Was ist wohl das Beste, o Bezwinger der Feinde?'

Wort für Wort
saṃśitavratam
von strengen/geschärften Gelübden (Akk. Sg. m.)
medhāvī
klug, verständig (Nom. Sg. m.)

bhagavantaṃ prapanno 'haṃ niḥśreyasaparāyaṇaḥ yāce tvāṃ śirasā vipra yad brūyāṃ tad vicakṣva me

'Ich habe mich dir, dem Erhabenen, ergeben, ganz dem höchsten Heil zugewandt; ich bitte dich, das Haupt neigend, o Brahmane - erkläre mir, was ich sagen sollte.'

Wort für Wort
prapannaḥ
sich ergeben habend (Nom. Sg. m., Part. Perf.)
niḥśreyasaparāyaṇaḥ
ganz dem höchsten Heil zugewandt (Nom. Sg. m.)

tam evaṃvādinaṃ pārtha śiṣyaṃ gurur uvāca ha kathayasva pravakṣyāmi yatra te saṃśayo dvija

'Zu dem so sprechenden Schüler, o Pārtha, sagte der Lehrer: Sprich, ich werde antworten, wo immer dein Zweifel liegt, o Zweifachgeborener.'

Wort für Wort
evaṃvādinam
den so Sprechenden (Akk. Sg. m.)
saṃśayaḥ
Zweifel (Nom. Sg. m.)

ity uktaḥ sa kuruśreṣṭha guruṇā guruvatsalaḥ prāñjaliḥ paripapraccha yat tac chṛṇu mahāmate

'So angesprochen von seinem Lehrer, fragte er, o Bester der Kurus, der seinem Lehrer ergebene Schüler, mit gefalteten Händen weiter - höre, was er fragte, o Hochgesinnter.'

Wort für Wort
guruvatsalaḥ
dem Lehrer zugetan (Nom. Sg. m.)
prāñjaliḥ
mit gefalteten Händen (Nom. Sg. m.)

śiṣya uvāca kutaś cāhaṃ kutaś ca tvaṃ tat satyaṃ brūhi yat param kuto jātāni bhūtāni sthāvarāṇi carāṇi ca

'Der Schüler sprach: Woher bin ich, und woher bist du? Sage mir jene höchste Wahrheit. Woraus sind die Geschöpfe entstanden, die unbeweglichen und die beweglichen?'

Wort für Wort
kutaḥ
woher (Adv.)
sthāvarāṇi carāṇi
unbewegliche und bewegliche [Wesen] (Nom. Pl. n.)

kena jīvanti bhūtāni teṣām āyuḥ kim ātmakam kiṃ satyaṃ kiṃ tapo vipra ke guṇāḥ sadbhir īritāḥ ke panthānaḥ śivāḥ santi kiṃ sukhaṃ kiṃ ca duṣkṛtam

'Wodurch leben die Geschöpfe, worin besteht ihre Lebensdauer? Was ist Wahrheit, was ist Askese, o Brahmane? Welche Eigenschaften werden von den Guten genannt? Welche Pfade sind heilsam? Was ist Glück, und was ist Missetat?'

Wort für Wort
āyuḥ kim ātmakam
worin die Lebensdauer besteht (wörtl. von welcher Wesenheit, Nom. Sg. n.)
duṣkṛtam
Missetat, Übeltat (Nom. Sg. n.)

etān me bhagavan praśnān yāthātathyena sattama vaktum arhasi viprarṣe yathāvad iha tattvataḥ

'Diese meine Fragen, o Erhabener, sollst du mir wahrheitsgemäß, o Bester, o Weiser unter den Brahmanen, hier der Wirklichkeit gemäß beantworten.'

Wort für Wort
yāthātathyena
wahrheitsgemäß, wie es wirklich ist (Instr. Sg. n. als Adv.)
tattvataḥ
der Wirklichkeit gemäß (Adv.)

vāsudeva uvāca tasmai saṃpratipannāya yathāvat paripṛcchate śiṣyāya guṇayuktāya śāntāya guruvartine chāyābhūtāya dāntāya yataye brahmacāriṇe

'Diesem sich hingebenden, gebührend fragenden Schüler - tugendbegabt, friedvoll, dem Lehrer ergeben, ihm wie ein Schatten folgend, selbstbeherrscht, bezähmt, keusch -'

Wort für Wort
chāyābhūtāya
wie ein Schatten geworden, treu folgend (Dat. Sg. m.)
brahmacāriṇe
dem Keuschheitsschüler (Dat. Sg. m.)

tān praśnān abravīt pārtha medhāvī sa dhṛtavrataḥ guruḥ kurukulaśreṣṭha samyak sarvān ariṃdama

'diesem beantwortete, o Pārtha, der kluge, in seinen Gelübden standhafte Lehrer, o Bester des Kuru-Geschlechts, alle diese Fragen richtig, o Bezwinger der Feinde.'

Wort für Wort
dhṛtavrataḥ
standhaft in seinen Gelübden (Nom. Sg. m.)
samyak
richtig, vollständig (Adv.)

brahmaproktam idaṃ dharmam ṛṣipravarasevitam vedavidyāsamāvāpyaṃ tattvabhūtārthabhāvanam

'Dieses von Brahman verkündete Dharma, von den besten Sehern gepflegt, durch vedisches Wissen erlangbar, das Erwägen der wahren Wirklichkeit -'

Wort für Wort
brahmaproktam
von Brahman/dem Brahman verkündet (Nom. Sg. n.)
tattvabhūtārthabhāvanam
das Erwägen des wahren, wirklichen Sinnes (Nom. Sg. n.)

bhūtabhavyabhaviṣyādidharmakāmārthaniścayam siddhasaṃghaparijñātaṃ purākalpaṃ sanātanam

'die Gewissheit über Dharma, Kāma und Artha in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, von der Schar der Vollendeten erkannt, uralt und ewig -'

Wort für Wort
niścayam
Gewissheit, Feststellung (Nom. Sg. n.)
siddhasaṃghaparijñātam
von der Schar der Vollendeten erkannt (Nom. Sg. n.)

pravakṣye 'haṃ mahāprājña padam uttamam adya te buddhvā yad iha saṃsiddhā bhavantīha manīṣiṇaḥ

'das will ich dir heute verkünden, o Hochweiser, den höchsten Zustand, durch dessen Erkenntnis die Weisen hier zur Vollendung gelangen.'

Wort für Wort
padam uttamam
der höchste Zustand (Akk. Sg. n.)
saṃsiddhāḥ
vollendet (Nom. Pl. m.)

upagamyarṣayaḥ pūrvaṃ jijñāsantaḥ parasparam bṛhaspatibharadvājau gautamo bhārgavas tathā

'Einst näherten sich die Seher, einander befragend: Bṛhaspati und Bharadvāja, Gautama und Bhārgava,'

Wort für Wort
jijñāsantaḥ
zu erfahren wünschend, befragend (Nom. Pl. m., Desiderativ-Part.)
parasparam
einander, wechselseitig (Adv.)

vasiṣṭhaḥ kāśyapaś caiva viśvāmitro 'trir eva ca mārgān sarvān parikramya pariśrāntāḥ svakarmabhiḥ

'Vasiṣṭha, Kāśyapa, Viśvāmitra und Atri - nachdem sie alle Wege durchwandert hatten, ermüdet von ihren eigenen Werken,'

Wort für Wort
parikramya
durchwandert habend (Absolutiv, pari-√kram)
pariśrāntāḥ
ermüdet, erschöpft (Nom. Pl. m.)

ṛṣim āṅgirasaṃ vṛddhaṃ puraskṛtya tu te dvijāḥ dadṛśur brahmabhavane brahmāṇaṃ vītakalmaṣam

'stellten diese Zweifachgeborenen den altehrwürdigen Seher Āṅgirasa voran und erblickten im Hause Brahmans den von Makel freien Brahmā.'

Wort für Wort
puraskṛtya
vorangestellt habend (Absolutiv)
vītakalmaṣam
von Makel frei (Akk. Sg. m.)

taṃ praṇamya mahātmānaṃ sukhāsīnaṃ maharṣayaḥ papracchur vinayopetā niḥśreyasam idaṃ param

'Nachdem sie den hochbeseelten, behaglich sitzenden Brahmā verehrt hatten, fragten ihn die großen Seher voller Demut nach diesem höchsten Heil.'

Wort für Wort
praṇamya
verehrt/verneigt habend (Absolutiv)
vinayopetāḥ
voller Demut, mit Bescheidenheit ausgestattet (Nom. Pl. m.)

kathaṃ karma kriyāt sādhu kathaṃ mucyeta kilbiṣāt ke no mārgāḥ śivāś ca syuḥ kiṃ satyaṃ kiṃ ca duṣkṛtam

'Sie fragten, wie man gutes Werk vollbringen, wie man sich von Schuld befreien könne; welche heilsamen Pfade es für sie gebe, was Wahrheit und was Missetat sei.'

Wort für Wort
mucyeta
er möge sich befreien (3. Sg. Optativ Pass., √muc)
kilbiṣāt
von der Schuld/Sünde (Abl. Sg. n.)

kenobhau karmapanthānau mahattvaṃ kena vindati pralayaṃ cāpavargaṃ ca bhūtānāṃ prabhavāpyayau

'Sie fragten, wodurch es die beiden Pfade des Handelns gebe, wodurch man Größe erlange, was Untergang und Erlösung, was Entstehen und Vergehen der Wesen seien.'

Wort für Wort
karmapanthānau
die beiden Pfade des Handelns (Nom. Du. m.)
prabhavāpyayau
Entstehen und Vergehen (Nom. Du. m.)

ity uktaḥ sa muniśreṣṭhair yad āha prapitāmahaḥ tat te 'haṃ saṃpravakṣyāmi śṛṇu śiṣya yathāgamam

'So von den besten Munis befragt - was der Urgroßvater [Brahmā] darauf sagte, das will ich dir nun vollständig verkünden; höre, Schüler, wie es überliefert ist.'

Wort für Wort
prapitāmahaḥ
der Urgroßvater (Nom. Sg. m., Beiname Brahmās)
yathāgamam
gemäß der Überlieferung (Adv.)

brahmovāca satyād bhūtāni jātāni sthāvarāṇi carāṇi ca tapasā tāni jīvanti iti tad vitta suvratāḥ

'Brahmā erklärte: aus der Wahrheit seien die Geschöpfe entstanden, die unbeweglichen wie die beweglichen; durch Askese lebten sie - dies sollten sie, die Gutgelobten, wissen.'

Wort für Wort
satyāt
aus der Wahrheit (Abl. Sg. n.)
suvratāḥ
die Gutgelobten (Vok. Pl. m.)

svāṃ yoniṃ punar āgamya vartante svena karmaṇā satyaṃ hi guṇasaṃyuktaṃ niyataṃ pañcalakṣaṇam

'Zu ihrem eigenen Ursprung zurückkehrend, bestünden sie durch ihr eigenes Werk; denn die Wahrheit, mit den Eigenschaften verbunden, sei feststehend und habe fünf Merkmale.'

Wort für Wort
svāṃ yonim
zu ihrem eigenen Ursprung/Mutterschoß (Akk. Sg. f.)
pañcalakṣaṇam
von fünf Merkmalen (Nom. Sg. n.)

brahma satyaṃ tapaḥ satyaṃ satyaṃ caiva prajāpatiḥ satyād bhūtāni jātāni bhūtaṃ satyamayaṃ mahat

'Brahman sei Wahrheit, Askese sei Wahrheit, und Wahrheit sei auch Prajāpati; aus der Wahrheit seien die Geschöpfe entstanden, und das große Element sei ganz aus Wahrheit gebildet.'

Wort für Wort
satyamayam
ganz aus Wahrheit bestehend (Nom. Sg. n.)
bhūtaṃ mahat
das große [Ur-]Element (Nom. Sg. n.)

tasmāt satyāśrayā viprā nityaṃ yogaparāyaṇāḥ atītakrodhasaṃtāpā niyatā dharmasetavaḥ

'Deshalb seien die Brahmanen, die sich auf Wahrheit stützten, stets dem Yoga zugewandt, frei von Zorn und Qual, feste Dämme des Dharma.'

Wort für Wort
satyāśrayāḥ
sich auf Wahrheit stützend (Nom. Pl. m.)
dharmasetavaḥ
Dämme des Dharma (Nom. Pl. m.)

anyonyaniyatān vaidyān dharmasetupravartakān tān ahaṃ saṃpravakṣyāmi śāśvatān lokabhāvanān

'Er werde nun, so Brahmā, jene einander verbundenen Kenner, die Förderer der Dharma-Dämme, verkünden - die ewigen, welterschaffenden.'

Wort für Wort
dharmasetupravartakān
die Förderer der Dharma-Dämme (Akk. Pl. m.)
lokabhāvanān
welterschaffend (Akk. Pl. m.)

cāturvidyaṃ tathā varṇāṃś caturaś cāśramān pṛthak dharmam ekaṃ catuṣpādaṃ nityam āhur manīṣiṇaḥ

'Das vierfache Wissen ebenso wie die vier Stände und die einzelnen Lebensstufen - das eine, vierfüßige Dharma, so sagten die Weisen, sei ewig.'

Wort für Wort
cāturvidyam
das vierfache [vedische] Wissen (Akk. Sg. n.)
catuṣpādam
vierfüßig (Akk. Sg. m.)

panthānaṃ vaḥ pravakṣyāmi śivaṃ kṣemakaraṃ dvijāḥ niyataṃ brahmabhāvāya yātaṃ pūrvaṃ manīṣibhiḥ

'Er werde ihnen, den Zweifachgeborenen, den heilsamen, sicherheitbringenden Pfad verkünden, der beständig zum Zustand des Brahman führe und schon früher von den Weisen begangen worden sei.'

Wort für Wort
kṣemakaram
Sicherheit bringend (Akk. Sg. m.)
brahmabhāvāya
zum Zustand des Brahman (Dat. Sg. m.)

gadatas taṃ mamādyeha panthānaṃ durvidaṃ param nibodhata mahābhāgā nikhilena paraṃ padam

'Während er nun diesen schwer erkennbaren, höchsten Pfad darlege, sollten sie, die Hochbeglückten, den höchsten Zustand vollständig erfassen.'

Wort für Wort
durvidam
schwer zu erkennen (Akk. Sg. m.)
nikhilena
vollständig, gänzlich (Instr. Sg. n. als Adv.)

brahmacārikam evāhur āśramaṃ prathamaṃ padam gārhasthyaṃ tu dvitīyaṃ syād vānaprastham ataḥ param tataḥ paraṃ tu vijñeyam adhyātmaṃ paramaṃ padam

'Der Stand des Keuschheitsschülers, so sagte er, sei die erste Stufe; der Hausvaterstand die zweite; darüber der Waldeinsiedlerstand; und darüber hinaus sei das höchste Adhyātma als der höchste Zustand zu erkennen.'

Wort für Wort
brahmacārikam āśramam
der Stand des Keuschheitsschülers (Akk. Sg. m.)
vijñeyam
zu erkennen (Nom. Sg. n., Gerundivum)

jyotir ākāśam ādityo vāyur indraḥ prajāpatiḥ nopaiti yāvad adhyātmaṃ tāvad etān na paśyati tasyopāyaṃ pravakṣyāmi purastāt taṃ nibodhata

'Licht, Äther, Sonne, Wind, Indra und Prajāpati - solange man das Adhyātma nicht erreiche, so lange sehe man diese nicht; das Mittel dazu werde er zuvor verkünden, das sollten sie erfassen.'

Wort für Wort
nopaiti
er erreicht nicht (3. Sg. Präs., na + upa-√i)
upāyam
Mittel, Methode (Akk. Sg. m.)

phalamūlānilabhujāṃ munīnāṃ vasatāṃ vane vānaprasthaṃ dvijātīnāṃ trayāṇām upadiśyate

'Für die im Wald wohnenden Weisen, die sich von Früchten, Wurzeln und Luft nähren, wird der Waldeinsiedlerstand gelehrt - für die drei oberen Zweifachgeborenen-Stände.'

Wort für Wort
phalamūlānilabhujām
die sich von Früchten, Wurzeln und Luft nähren (Gen. Pl. m.)
upadiśyate
wird gelehrt (3. Sg. Präs. Pass.)

sarveṣām eva varṇānāṃ gārhasthyaṃ tad vidhīyate śraddhālakṣaṇam ity evaṃ dharmaṃ dhīrāḥ pracakṣate

'Für alle Stände hingegen wird der Hausvaterstand vorgeschrieben; als durch Vertrauen gekennzeichnet bezeichnen die Weisen dieses Dharma.'

Wort für Wort
vidhīyate
wird vorgeschrieben (3. Sg. Präs. Pass.)
śraddhālakṣaṇam
durch Vertrauen gekennzeichnet (Akk. Sg. m.)

ity ete devayānā vaḥ panthānaḥ parikīrtitāḥ sadbhir adhyāsitā dhīraiḥ karmabhir dharmasetavaḥ

'So seien dies, wie er verkündete, die Götterpfade, von den Guten und Weisen durch ihre Werke begangen, die Dämme des Dharma.'

Wort für Wort
devayānāḥ panthānaḥ
die Götterpfade (Nom. Pl. m.)
adhyāsitāḥ
begangen, bewohnt (Nom. Pl. m., Part. Perf. Pass.)

eteṣāṃ pṛthag adhyāste yo dharmaṃ saṃśitavrataḥ kālāt paśyati bhūtānāṃ sadaiva prabhavāpyayau

'Wer von diesen einzeln das Dharma befolgt, streng in seinen Gelübden, der erblickt stets, gemäß der Zeit, das Entstehen und Vergehen der Wesen.'

Wort für Wort
pṛthak
einzeln, gesondert (Adv.)
kālāt
gemäß der Zeit, zeitlich (Abl. Sg. m. als Adv.)

atas tattvāni vakṣyāmi yāthātathyena hetunā viṣayasthāni sarvāṇi vartamānāni bhāgaśaḥ

'Danach werde er, so fuhr Brahmā fort, die Wirklichkeitsprinzipien der Wahrheit gemäß mit Begründung darlegen, alle in den Sinnesobjekten befindlichen, gegenwärtig wirkenden, Stück für Stück.'

Wort für Wort
tattvāni
die Wirklichkeitsprinzipien (Akk. Pl. n., Fachbegriff der Sāṃkhya-Philosophie)
bhāgaśaḥ
Stück für Stück, anteilsweise (Adv.)

mahān ātmā tathāvyaktam ahaṃkāras tathaiva ca indriyāṇi daśaikaṃ ca mahābhūtāni pañca ca

'Das große Selbst, ebenso das Unoffenbarte, das Ich-Bewusstsein, die elf Sinne und die fünf großen Elemente -'

Wort für Wort
mahān ātmā
das große Selbst, der Weltverstand (Nom. Sg. m., Sāṃkhya-Terminus)
ahaṃkāraḥ
das Ich-Bewusstsein (Nom. Sg. m.)

viśeṣāḥ pañcabhūtānām ity eṣā vaidikī śrutiḥ caturviṃśatir eṣā vas tattvānāṃ saṃprakīrtitā

'die Besonderheiten der fünf Elemente - so lautet die vedische Überlieferung; diese vierundzwanzig Prinzipien wurden ihnen so verkündet.'

Wort für Wort
viśeṣāḥ
Besonderheiten, feinstoffliche Eigenheiten (Nom. Pl. m.)
caturviṃśatiḥ
die Vierundzwanzig (Nom. Sg. f.)

tattvānām atha yo veda sarveṣāṃ prabhavāpyayau sa dhīraḥ sarvabhūteṣu na moham adhigacchati

'Wer nun das Entstehen und Vergehen all dieser Prinzipien kennt, der Weise gerät bei keinem Wesen in Verblendung.'

Wort für Wort
veda
er kennt/weiß (3. Sg. Perf. mit Präs.-Bed., √vid)
moham
Verblendung, Verwirrung (Akk. Sg. m.)

tattvāni yo vedayate yathātathaṃ guṇāṃś ca sarvān akhilāś ca devatāḥ vidhūtapāpmā pravimucya bandhanaṃ sa sarvalokān amalān samaśnute

'Wer die Prinzipien der Wahrheit gemäß erkennt, sowie alle Eigenschaften und sämtliche Gottheiten - von Sünde gereinigt, von der Fessel befreit, erlangt er alle makellosen Welten.'

Wort für Wort
vidhūtapāpmā
von Sünde gereinigt (Nom. Sg. m., Bahuvrīhi)
amalān
makellose (Akk. Pl. m.)

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