brāhmaṇaṃ janako rājā sannaṃ kasmiṃś cid āgame viṣaye me na vastavyam iti śiṣyārtham abravīt
'König Janaka sprach einst zur Belehrung zu einem erschöpften Brahmanen, der zufällig in sein Gebiet gekommen war: In meinem Gebiet dürfe man nicht wohnen.'
Wort für Wort
sannam
erschöpft, ermattet (Akk. Sg. m., Part. Perf. Pass. √sad)
pitṛpaitāmahe rājye vaśye janapade sati viṣayaṃ nādhigacchāmi vicinvan pṛthivīm imām
'Obwohl das Reich seiner Väter und Großväter mit seinem gehorsamen Volk in seiner Gewalt sei, finde er, so Janaka, selbst beim Durchsuchen dieser ganzen Erde, kein [eigentliches] Gebiet.'
'Als er es auf der Erde nicht gefunden habe, sei Mithilā von ihm durchsucht worden; als er es dort nicht gefunden habe, sei sein eigenes Volk von ihm durchsucht worden.'
tayā na viṣayaṃ manye sarvo vā viṣayo mama ātmāpi cāyaṃ na mama sarvā vā pṛthivī mama uṣyatāṃ yāvad utsāho bhujyatāṃ yāvad iṣyate
'Durch diese Einsicht, so Janaka, gebe es für ihn kein [eigenes] Gebiet - oder vielmehr sei die ganze Erde sein Gebiet; auch dieses Selbst sei nicht sein, oder vielmehr sei die ganze Erde sein; man solle wohnen, solange Tatkraft vorhanden sei, und genießen, solange man es wünsche.'
'Der Brahmane fragte darauf: obwohl das Reich seiner Väter und Großväter mit seinem Volk in seiner Gewalt sei, welche Einsicht er zugrunde gelegt habe, um das Gefühl des Mein-Seins (mamatva) abzulegen.'
Wort für Wort
mamatvam
das Gefühl des Mein-Seins, Besitzdenken (Akk. Sg. n.)
'Oder mit welcher Einsicht er festgestellt habe, dass das Ganze sein Gebiet sei - kenne er denn nicht das Gebiet, wodurch das Ganze sein Gebiet sei, fragte der Brahmane weiter.'
Wort für Wort
viniścitya
festgestellt habend (Absolutiv, vi-ni-√ci)
nāvaiṣi
du weißt/erkennst nicht (2. Sg. Präs., ava-√i, hier rhetorisch verallgemeinert)
'Janaka erwiderte: alle Unternehmungen seien, wie bekannt, in jedem Werk endlich; er habe nichts gefunden, wovon er hätte sagen können, dies sei sein.'
'Wessen ist dies, wessen Eigentum ist dies - so laute auch das Wort der Veden; durch seinen Verstand habe er, so Janaka, nichts gefunden, wovon er sagen könnte, dies sei sein.'
etāṃ buddhiṃ viniścitya mamatvaṃ varjitaṃ mayā śṛṇu buddhiṃ tu yāṃ jñātvā sarvatra viṣayo mama
'Nachdem er zu dieser Einsicht gelangt sei, habe er das Gefühl des Mein-Seins abgelegt; er forderte den Brahmanen auf zu hören, durch welche Einsicht ihm überall das Gebiet gehöre.'
nāham ātmārtham icchāmi gandhān ghrāṇagatān api tasmān me nirjitā bhūmir vaśe tiṣṭhati nityadā
'Er begehre nicht, so Janaka, um seiner selbst willen die Düfte, die zur Nase gelangen; deshalb stehe die von ihm bezwungene Erde stets in seiner Gewalt.'
nāham ātmārtham icchāmi mano nityaṃ manontare mano me nirjitaṃ tasmād vaśe tiṣṭhati nityadā
'Er begehre nicht um seiner selbst willen, dass sein Geist sich stets in fremden Dingen verliere; deshalb stehe sein bezwungener Geist stets in seiner Gewalt.'
tvam asya brahmanābhasya buddhyārasyānivartinaḥ sattvaneminiruddhasya cakrasyaikaḥ pravartakaḥ
'Janaka allein, so sprach der Brahmane weiter, sei es, der jenes Rad in Bewegung setze, dessen Nabe das Brahman, dessen unweichende Speichen die Einsicht und dessen Felge das Sattva sei.'
Wort für Wort
brahmanābhasya
dessen Nabe das Brahman ist (Gen. Sg. n., Bahuvrīhi)