Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Āśvamedhikaparva

Kapitel 67: kṛṣṇasya janmaveśmapraveśaḥ uttarāvilāpaśca Kṛṣṇas Einzug ins Geburtsgemach und der Beginn von Uttarās Klage

vaiśaṃpāyana uvāca evam uktas tu rājendra keśihā duḥkhamūrchitaḥ tatheti vyājahāroccair hlādayann iva taṃ janam

Vaiśaṃpāyana sprach: So angesprochen, o Herrscher der Könige, stimmte der Töter Keśins, von Schmerz überwältigt, laut zu, als wollte er jene Menschen damit trösten.

Wort für Wort
evam uktaḥ
so angesprochen (Part. Perf. Pass.)
duḥkhamūrchitaḥ
von Schmerz überwältigt (Adj.)
tatheti vyājahāra
er sprach zustimmend (paraphrasierte Zustimmungsformel)
hlādayann iva
als wollte er trösten (Part. Präs. mit iva)

vākyena tena hi tadā taṃ janaṃ puruṣarṣabhaḥ hlādayām āsa sa vibhur gharmārtaṃ salilair iva

Mit jenem Wort tröstete er, der Stier unter den Männern, der Mächtige, da jene Menschen, wie man einen von Hitze Geplagten mit Wasser erquickt.

Wort für Wort
hlādayām āsa
er tröstete (Periphrastisches Perfekt)
gharmārtaṃ salilair iva
wie einen von Hitze Geplagten mit Wasser (Gleichnis)

tataḥ sa prāviśat tūrṇaṃ janmaveśma pitus tava arcitaṃ puruṣavyāghra sitair mālyair yathāvidhi

Dann betrat er rasch das Geburtsgemach deines Vaters, o Tiger unter den Männern, das vorschriftsmäßig mit weißen Blumengirlanden geschmückt war.

Wort für Wort
janmaveśma
das Geburtsgemach
sitair mālyair
mit weißen Blumengirlanden (Instr.)
yathāvidhi
vorschriftsmäßig (Adv.)

apāṃ kumbhaiḥ supūrṇaiś ca vinyastaiḥ sarvatodiśam ghṛtena tindukālātaiḥ sarṣapaiś ca mahābhuja

Mit wohlgefüllten Wasserkrügen, die nach allen Seiten aufgestellt waren, mit geschmolzener Butter, mit Tinduka-Holzscheiten und mit Senfkörnern, o Starkarmiger,

Wort für Wort
apāṃ kumbhaiḥ
mit Wasserkrügen (Instr. Pl.)
tindukālātaiḥ
mit Tinduka-Holzscheiten (Instr., apotropäisch verwendet)
sarṣapaiś
mit Senfkörnern (Instr., apotropäisch)

śastraiś ca vimalair nyastaiḥ pāvakaiś ca samantataḥ vṛddhābhiś cābhirāmābhiḥ paricārārtham acyutaḥ

mit blanken, bereitgelegten Waffen und mit Feuern ringsum, sowie mit anmutigen alten Frauen zur Pflege, [so ausgestattet fand] der Unfehlbare [das Gemach vor].

Wort für Wort
śastraiś ... nyastaiḥ
mit bereitgelegten Waffen (apotropäisch)
pāvakaiś
mit Feuern (Instr.)
vṛddhābhiś ... abhirāmābhiḥ
mit anmutigen alten Frauen

dakṣaiś ca parito vīra bhiṣagbhiḥ kuśalais tathā dadarśa ca sa tejasvī rakṣoghnāny api sarvaśaḥ dravyāṇi sthāpitāni sma vidhivat kuśalair janaiḥ

und ringsum von geschickten, kundigen Ärzten [umgeben] - so sah der Glanzvolle es vor sich, und ebenso all die dämonenabwehrenden Dinge, die von kundigen Leuten vorschriftsmäßig aufgestellt worden waren.

Wort für Wort
dakṣaiś ... bhiṣagbhiḥ kuśalais
von geschickten, kundigen Ärzten
rakṣoghnāny ... dravyāṇi
die dämonenabwehrenden Dinge
sthāpitāni
aufgestellt (Part. Perf. Pass.)

tathāyuktaṃ ca tad dṛṣṭvā janmaveśma pitus tava hṛṣṭo 'bhavad dhṛṣīkeśaḥ sādhu sādhv iti cābravīt

Und als er das so ausgestattete Geburtsgemach deines Vaters sah, da freute sich Hṛṣīkeśa und rief lobend aus.

Wort für Wort
tathāyuktaṃ
so ausgestattet (Adj.)
hṛṣṭo 'bhavat
er freute sich (Perfekt)
sādhu sādhv iti cābravīt
er rief lobend aus (paraphrasierter kurzer Ausruf 'gut, gut')

tathā bruvati vārṣṇeye prahṛṣṭavadane tadā draupadī tvaritā gatvā vairāṭīṃ vākyam abravīt

Während der Vārṣṇeya so sprach, mit von Freude erhelltem Antlitz, da eilte Draupadī zur Tochter des Königs von Virāṭa und sprach zu ihr das Wort:

Wort für Wort
prahṛṣṭavadane
mit von Freude erhelltem Antlitz (Lok. absolutus)
tvaritā
eilend (Adj.)
vairāṭīm
die Tochter des Virāṭa [Uttarā] (Akk.)

ayam āyāti te bhadre śvaśuro madhusūdanaḥ purāṇarṣir acintyātmā samīpam aparājitaḥ

„Da naht dir, Holde, dein Schwiegervater, der Töter des Madhu, der uralte Seher von unfasslichem Wesen, der Unbesiegte.“

Wort für Wort
śvaśuraḥ
der Schwiegervater (Nom., hier Krsna in seiner Rolle als Vaters-Cousin/Verwandtschaftston)
purāṇarṣiḥ
der uralte Seher (Nom.)
acintyātmā
von unfasslichem Wesen (Adj.)

sāpi bāṣpakalāṃ vācaṃ nigṛhyāśrūṇi caiva ha susaṃvītābhavad devī devavat kṛṣṇam īkṣatī

Auch sie unterdrückte ihre von Tränen erstickte Stimme und ihre Tränen und verhüllte sich wohlgeordnet, die Herrin, während sie Kṛṣṇa ansah wie einen Gott.

Wort für Wort
bāṣpakalāṃ vācaṃ
die von Tränen erstickte Stimme (Akk.)
susaṃvītābhavat
sie verhüllte sich wohlgeordnet (Perfekt)
devavat
wie einen Gott (Adv.)

sā tathā dūyamānena hṛdayena tapasvinī dṛṣṭvā govindam āyāntaṃ kṛpaṇaṃ paryadevayat

Sie, die Bedauernswerte, mit so schmerzendem Herzen, begann, als sie Govinda herannahen sah, klagend zu jammern:

Wort für Wort
dūyamānena hṛdayena
mit schmerzendem Herzen (Instr.)
tapasvinī
die Bedauernswerte, Leidgeprüfte (Nom.)
paryadevayat
sie begann zu jammern (Imperfekt)

puṇḍarīkākṣa paśyasva bālāv iha vinākṛtau abhimanyuṃ ca māṃ caiva hatau tulyaṃ janārdana

„Lotusäugiger, sieh doch die beiden Kinder hier, beide gleichermaßen zugrunde gerichtet: Abhimanyu und mich, Janārdana.

Wort für Wort
bālāv ... vinākṛtau
die beiden Kinder, zugrunde gerichtet/beraubt (Akk. Dual)
hatau tulyam
beide gleichermaßen erschlagen/vernichtet

vārṣṇeya madhuhan vīra śirasā tvāṃ prasādaye droṇaputrāstranirdagdhaṃ jīvayainaṃ mamātmajam

Vārṣṇeya, Töter des Madhu, Held, mit gesenktem Haupt bitte ich dich um Gnade: Belebe diesen meinen Sohn wieder, der vom Geschoss des Sohnes Droṇas verbrannt wurde.

Wort für Wort
śirasā ... prasādaye
mit gesenktem Haupt bitte ich um Gnade
droṇaputrāstranirdagdham
vom Geschoss des Sohnes Droṇas verbrannt (Akk.)

yadi sma dharmarājñā vā bhīmasenena vā punaḥ tvayā vā puṇḍarīkākṣa vākyam uktam idaṃ bhavet

Wenn dieses Wort etwa vom gerechten König, oder von Bhīmasena, oder wiederum von dir, Lotusäugiger, gesprochen worden wäre:

Wort für Wort
vākyam uktam idaṃ bhavet
dieses Wort wäre gesprochen worden (Konditional-Konstruktion)

ajānatīm iṣīkeyaṃ janitrīṃ hantv iti prabho aham eva vinaṣṭā syāṃ nedam evaṃgataṃ bhavet

Hätte doch dies Schilfrohr-Geschoss mich, die nichtsahnende Gebärerin, getötet, o Herr - dann wäre ich selbst zugrunde gegangen, und dies wäre nicht so gekommen.

Wort für Wort
ajānatīm ... janitrīm
die nichts ahnende Gebärerin (Akk., auf 'mich' bezogen)
hantv iti
es möge töten (Wunschsatz, hier als Irrealis integriert)
evaṃgataṃ
so gekommen, so ausgegangen (Adj.)

garbhasthasyāsya bālasya brahmāstreṇa nipātanam kṛtvā nṛśaṃsaṃ durbuddhir drauṇiḥ kiṃ phalam aśnute

Welchen Lohn erlangt wohl der übelgesinnte Sohn Droṇas, nachdem er diesen im Mutterleib befindlichen Knaben grausam mit dem Brahmāstra niedergestreckt hat?

Wort für Wort
garbhasthasya ... bālasya
des im Mutterleib befindlichen Knaben (Gen.)
nipātanam kṛtvā
nachdem er niedergestreckt hat
kiṃ phalam aśnute
welchen Lohn erlangt er

sā tvā prasādya śirasā yāce śatrunibarhaṇa prāṇāṃs tyakṣyāmi govinda nāyaṃ saṃjīvate yadi

Ich bitte dich, mit gesenktem Haupt um Gnade flehend, Vernichter der Feinde: Ich werde mein Leben aufgeben, Govinda, wenn dieser hier nicht wieder auflebt.

Wort für Wort
prasādya ... yāce
bittend flehe ich um Gnade
prāṇāṃs tyakṣyāmi
ich werde mein Leben aufgeben
saṃjīvate
er lebt wieder auf

asmin hi bahavaḥ sādho ye mamāsan manorathāḥ te droṇaputreṇa hatāḥ kiṃ nu jīvāmi keśava

Denn an ihm hingen die vielen Wünsche, die ich hatte, Guter; sie sind vom Sohn Droṇas vernichtet worden - warum lebe ich noch, Keśava?

Wort für Wort
mamāsan manorathāḥ
die Wünsche, die ich hatte
kiṃ nu jīvāmi
warum lebe ich noch

āsīn mama matiḥ kṛṣṇa pūrṇotsaṅgā janārdana abhivādayiṣye diṣṭyeti tad idaṃ vitathīkṛtam

Mein Sinn war es, Kṛṣṇa, Janārdana, ihn mit vollem Schoß zu halten und zu meinem Glück zu begrüßen - dies ist nun zunichtegemacht.

Wort für Wort
pūrṇotsaṅgā
mit vollem Schoß (Adj., auf 'matiḥ' bezogen)
abhivādayiṣye diṣṭyeti
zu meinem Glück werde ich [ihn] begrüßen (Gedanke, hier integriert wiedergegeben)
vitathīkṛtam
zunichtegemacht (Part. Perf. Pass.)

capalākṣasya dāyāde mṛte 'smin puruṣarṣabha viphalā me kṛtāḥ kṛṣṇa hṛdi sarve manorathāḥ

Da dieser Erbe des Lotusäugigen [Abhimanyu] tot ist, Stier unter den Männern, sind all meine Herzenswünsche, Kṛṣṇa, fruchtlos gemacht worden.

Wort für Wort
dāyāde mṛte
als der Erbe tot war (Lok. absolutus)
viphalā ... kṛtāḥ
fruchtlos gemacht (Nom. Pl.)

capalākṣaḥ kilātīva priyas te madhusūdana sutaṃ paśyasva tasyemaṃ brahmāstreṇa nipātitam

Der Lotusäugige [Abhimanyu] war dir, so heißt es, überaus lieb, Töter des Madhu; sieh nun seinen Sohn, der durch das Brahmāstra niedergestreckt wurde.

Wort für Wort
kilātīva priyas
war, so heißt es, überaus lieb
nipātitam
niedergestreckt (Part. Perf. Pass.)

kṛtaghno 'yaṃ nṛśaṃso 'yaṃ yathāsya janakas tathā yaḥ pāṇḍavīṃ śriyaṃ tyaktvā gato 'dya yamasādanam

Undankbar ist dieser, grausam ist dieser, ganz wie sein Erzeuger, der, nachdem er den Glanz der Pāṇḍavas verlassen hatte, heute in Yamas Wohnstatt gegangen ist.

Wort für Wort
kṛtaghno 'yaṃ nṛśaṃso 'yaṃ
undankbar ist dieser, grausam ist dieser
yamasādanam
Yamas Wohnstatt (Akk., das Totenreich)

mayā caitat pratijñātaṃ raṇamūrdhani keśava abhimanyau hate vīra tvām eṣyāmy acirād iti

Und dies hatte ich an der Spitze der Schlacht gelobt, Keśava: sollte Abhimanyu fallen, Held, würde ich bald zu dir kommen.

Wort für Wort
raṇamūrdhani
an der Spitze/im Angesicht der Schlacht (Lok.)
hate
wenn [er] getötet ist (Lok. absolutus)
acirād
bald, in Kürze (Adv.)

tac ca nākaravaṃ kṛṣṇa nṛśaṃsā jīvitapriyā idānīm āgatāṃ tatra kiṃ nu vakṣyati phālguniḥ

Doch ich habe dies nicht getan, Kṛṣṇa, grausam, am Leben hängend, wie ich bin. Was wird wohl Phālguni sagen, wenn ich jetzt dort vor ihn trete?“

Wort für Wort
nākaravaṃ
ich habe nicht getan (Imperfekt)
jīvitapriyā
am Leben hängend, das Leben liebend (Adj.)
kiṃ nu vakṣyati phālguniḥ
was wird wohl Phālguni [Arjuna] sagen

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