janamejaya uvāca dharmāgatena tyāgena bhagavan sarvam asti cet etan me sarvam ācakṣva kuśalo hy asi bhāṣitum
„Janamejaya sprach: Wenn, ehrwürdiger Herr, durch rechtmäßig erworbene Gabe wahrhaftig alles erreicht werden kann, so erzähle mir dies vollständig, denn du bist kundig im Reden.
Wort für Wort
dharmāgatena tyāgena
durch rechtmäßig erworbene Gabe (Instr.)
kuśalo hy asi bhāṣitum
du bist kundig im Reden (prädikativ)
Anknüpfung an die in Kapitel 93 erzählte Geschichte vom Mungo und der Gabe des Ährenlese-Brahmanen.
tatoñchavṛtter yad vṛttaṃ saktudāne phalaṃ mahat kathitaṃ me mahad brahmaṃs tathyam etad asaṃśayam
Was mir von der Ährenlese-Lebensweise berichtet wurde, die große Frucht bei der Gabe des Mehlbreis – das hast du mir, o Brahmane, als große, zweifelsfreie Wahrheit erzählt.
„Vaiśaṃpāyana sprach: Auch hierzu erzählt man diese alte Geschichte, die sich einst beim großen Opfer des Agastya zugetragen hat, o Bezwinger der Feinde.“
Wort für Wort
itihāsaṃ purātanam
alte Geschichte (Akk.)
ariṃdama
Bezwinger der Feinde (Vok., Anrede an Janamejaya)
Kurze Rahmen-Wiederaufnahme (Janamejaya/Vaiśaṃpāyana), bevor die eigentliche Erzählung als unmarkierte Narration fortgesetzt wird.
Dort waren bei der Opferfeier des Hochgesinnten die Opferpriester feuergleich: manche nährten sich von Wurzeln, manche fasteten gänzlich, manche zerstießen ihre Speise mit Steinen, manche lebten nur von Lichtstrahlen.
Wort für Wort
agnikalpāḥ hotāraḥ
feuergleiche Opferpriester (Nom. Pl.)
mūlāhārāḥ nirāhārāḥ
wurzelnährend, nahrungslos (Adj. Pl.)
marīcipāḥ
Lichtstrahl-Trinker (Nom. Pl.)
marīcipāḥ (‚Lichtstrahl-Trinker‘): eine überlieferte Asketengruppe, die sich angeblich allein von Sonnenlicht bzw. Luft ernährte – ein Topos extremer vedischer Entsagung.
yathāśaktyā bhagavatā tad annaṃ samupārjitam tasmin satre tu yat kiṃ cid ayogyaṃ tatra nābhavat tathā hy anekair munibhir mahāntaḥ kratavaḥ kṛtāḥ
Die Speise, die der Erhabene nach Vermögen erworben hatte – nichts Unrechtmäßiges gab es bei dieser Opferfeier; denn von vielen Weisen wurden dort große Riten vollzogen.
yadi dvādaśavarṣāṇi na varṣiṣyati vāsavaḥ cintāyajñaṃ kariṣyāmi vidhir eṣa sanātanaḥ
„Wenn Vāsava zwölf Jahre lang nicht regnet, werde ich das Gedanken-Opfer vollziehen – dies ist die ewige Ordnung.
Wort für Wort
vāsavaḥ
Vāsava, Indra (Nom.)
cintāyajñam
das Gedanken-Opfer (Akk.)
cintāyajña (‚Gedanken-Opfer‘): ein allein durch geistige Kraft vollzogenes Opfer, das großen Asketen der Überlieferung nach ohne äußere Mittel wirksam sein soll.
bījayajño mayāyaṃ vai bahuvarṣasamācitaḥ bījaiḥ kṛtaiḥ kariṣye ca nātra vighno bhaviṣyati
Dies ist mein über viele Jahre angehäuftes Samen-Opfer; mit den bereiteten Samenkörnern werde ich es vollziehen, und kein Hindernis wird dabei entstehen.
Wort für Wort
bījayajñaḥ
das Samen-Opfer (Nom.)
nātra vighno bhaviṣyati
kein Hindernis wird dabei entstehen
bījayajña (‚Samen-Opfer‘): ein Opfer mit pflanzlichen Samenkörnern anstelle von Tieren – vgl. die Lehre der Weisen in Kapitel 94 über das rechte, gewaltlose Opfer.
atha vābhyarthanām indraḥ kuryān na tv iha kāmataḥ svayam indro bhaviṣyāmi jīvayiṣyāmi ca prajāḥ
Oder sollte Indra nur auf Bitten hin, nicht aber aus eigenem Wunsch regnen, so werde ich selbst Indra sein und die Geschöpfe am Leben erhalten.
Wort für Wort
abhyarthanām kuryāt
auf Bitten hin tun würde (Opt.)
svayam indro bhaviṣyāmi
ich selbst werde Indra sein (Fut.)
Agastyas Ankündigung, notfalls selbst die Rolle Indras einzunehmen, ist ein geläufiges episches Motiv: durch die Kraft seiner Askese (tapas) kann ein großer Weiser zeitweise selbst göttliche Funktionen übernehmen.
yo yad āhārajātaś ca sa tathaiva bhaviṣyati viśeṣaṃ caiva kartāsmi punaḥ punar atīva hi
Wer auch immer aus welcher Nahrung entstanden ist – er wird ebenso wieder werden; und immer wieder aufs Neue werde ich eine überreiche Besonderheit bewirken.
Wort für Wort
āhārajātaḥ
aus Nahrung entstanden (Nom.)
viśeṣam kartāsmi
ich werde eine Besonderheit bewirken (periphr. Fut.)
[?] Die genaue Bedeutung dieser Zeile ist im Sanskrit nicht restlos eindeutig; sinngemäß verspricht Agastya offenbar, jede Art von Wesen/Nahrung nach Bedarf immer wieder neu und in besonderer Fülle hervorzubringen.
uttarebhyaḥ kurubhyaś ca yat kiṃ cid vasu vidyate sarvaṃ tad iha yajñe me svayam evopatiṣṭhatu svargaṃ svargasadaś caiva dharmaś ca svayam eva tu
Was auch immer an Reichtum bei den nördlichen Kurus vorhanden ist – all das soll sich bei diesem meinem Opfer von selbst einstellen, ebenso der Himmel, die Himmelsbewohner und der Dharma selbst.“
Wort für Wort
uttarebhyaḥ kurubhyaḥ
bei/von den nördlichen Kurus (Abl. Pl.)
svargasadaḥ
die Himmelsbewohner (Nom. Pl.)
uttarāḥ Kuravaḥ (‚die nördlichen Kurus‘): ein sagenhaftes paradiesisches Land am nördlichen Rand der Welt, in der Überlieferung oft als Ort unermesslichen Reichtums genannt.
Als dies gesprochen war, geschah dies alles genau so für den Weisen. Da sprachen jene Weisen, als sie die Askesekraft dieses Weisen sahen, erstaunt alle gemeinsam dieses bedeutungsvolle Wort:
prītāḥ sma tava vākyena na tv icchāmas tapovyayam svair eva yajñais tuṣṭāḥ smo nyāyenecchāmahe vayam
„Wir sind erfreut über dein Wort, doch wollen wir nicht, dass deine Askese verbraucht wird; wir sind zufrieden mit unseren eigenen Opfern, wir begehren nur, was uns rechtmäßig zusteht.
yajñān dīkṣās tathā homān yac cānyan mṛgayāmahe tan no 'stu svakṛtair yajñair nānyato mṛgayāmahe
Opfer, Weihen und Opfergüsse, und was wir sonst noch erstreben – das möge uns durch unsere eigenen Opfer zuteilwerden; wir suchen es nicht von anderswoher.
nyāyenottarakālaṃ ca gṛhebhyo niḥsṛtā vayam dharmadṛṣṭair vidhidvārais tapas tapsyāmahe vayam
Und in der späteren Lebenszeit, aus den Häusern ausgezogen, werden wir auf rechtmäßige Weise, durch die vom Dharma gewiesenen Tore der Regel, Askese üben.
Wort für Wort
gṛhebhyo niḥsṛtāḥ
aus den Häusern ausgezogen (Ptz. Pl.)
tapas tapsyāmahe
wir werden Askese üben (Fut.)
Anspielung auf die vier Lebensstadien (āśrama): nach dem Leben als Hausvater folgt der Auszug in Wald- und Entsagerleben.
Vaiśaṃpāyana sprach: Während sie noch so redeten, regnete der Götterkönig Puraṃdara, überaus glanzvoll, als er die Askesekraft jenes Weisen sah.
Wort für Wort
puraṃdaraḥ
Puraṃdara, Indra (Nom.)
dṛṣṭvā tapobalam
als er die Askesekraft sah (Absol.)
Puraṃdara (‚Festungsbrecher‘): Beiname Indras. Die Wiederaufnahme mit ‚vaiśaṃpāyana uvāca‘ markiert hier nur die Fortsetzung der Haupterzählung, nicht eine neue Rahmen-Anrede.