Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Āśvamedhikaparva

Kapitel 18: garbhotpattivicāraḥ Erwägung über die Entstehung des Embryos (Anugītā, Fortsetzung)

śubhānām aśubhānāṃ ca neha nāśo 'sti karmaṇām prāpya prāpya tu pacyante kṣetraṃ kṣetraṃ tathā tathā

'Von guten und schlechten Taten gibt es hier keine Vernichtung: Feld um Feld erlangend, reifen sie jeweils entsprechend heran.'

Wort für Wort
śubhānām aśubhānāṃ karmaṇām
von guten und schlechten Taten (Gen. Pl.)
na iha nāśo 'sti
es gibt hier keine Vernichtung (Präs.)
prāpya prāpya
Feld um Feld erlangend (Abs., wiederholt)
pacyante kṣetraṃ kṣetraṃ
sie reifen Feld für Feld (Präs. Pass.)

[Anm.] Die Sprecherkennzeichnung 'brāhmaṇa uvāca' knüpft inhaltlich nahtlos an die vom Siddha in Kap.17 V039 angekündigte Embryologie-Lehre an; da sowohl der zurückgekehrte Kāśyapa als auch sein Guru als 'brāhmaṇa' (gelehrter Brahmane) bezeichnet werden können, wird die Sprecherzuordnung hier per Inhaltsabgleich statt durch die bloße Tag-Wiederholung aufgelöst: es ist der Siddha, der seine in Kap.17 begonnene Lehrrede fortsetzt.

yathā prasūyamānas tu phalī dadyāt phalaṃ bahu tathā syād vipulaṃ puṇyaṃ śuddhena manasā kṛtam

'Wie ein fruchttragender Baum, wenn er Frucht ansetzt, viele Früchte gibt, so wird das mit reinem Sinn getane Werk reichliches Verdienst hervorbringen.'

Wort für Wort
prasūyamānaḥ phalī
der fruchtansetzende Baum (Ppa. Med. + Nom.)
dadyāt phalaṃ bahu
würde viele Frucht geben (Opt.)
vipulaṃ puṇyaṃ
reichliches Verdienst (Nom.)
śuddhena manasā kṛtam
mit reinem Sinn getan (Instr. + PPP)

pāpaṃ cāpi tathaiva syāt pāpena manasā kṛtam purodhāya mano hīha karmaṇy ātmā pravartate

'Und ebenso wird auch Böses entstehen, das mit bösem Sinn getan ist - denn hier schreitet das Selbst erst, nachdem es den Sinn vorangestellt hat, zur Tat fort.'

Wort für Wort
pāpena manasā kṛtam
mit bösem Sinn getan (Instr. + PPP)
purodhāya manaḥ
nachdem es den Sinn vorangestellt hat (Abs.)
karmaṇy ātmā pravartate
das Selbst schreitet zur Tat fort (Präs.)

yathā karmasamādiṣṭaṃ kāmamanyusamāvṛtaḥ naro garbhaṃ praviśati tac cāpi śṛṇu cottaram

'Und höre auch weiter, wie der von Begierde und Zorn umhüllte Mensch, wie es von seiner Tat vorgeschrieben ist, in den Mutterschoß eintritt.'

Wort für Wort
karmasamādiṣṭaṃ
das von der Tat Vorgeschriebene (Akk., Adv.)
kāmamanyusamāvṛtaḥ naraḥ
der von Begierde und Zorn umhüllte Mensch (Bahuvrihi + Nom.)
garbhaṃ praviśati
tritt in den Mutterschoß ein (Präs.)

śukraṃ śoṇitasaṃsṛṣṭaṃ striyā garbhāśayaṃ gatam kṣetraṃ karmajam āpnoti śubhaṃ vā yadi vāśubham

'Der mit dem Blut der Frau vermischte, in den Mutterschoß gelangte Same - darin erlangt er das aus der Tat entstandene Feld, sei es ein gutes oder ein böses.'

Wort für Wort
śukraṃ śoṇitasaṃsṛṣṭaṃ
der mit Blut vermischte Same (Nom.)
striyā garbhāśayaṃ gatam
in den Mutterschoß-Behälter der Frau gelangt (Gen. + PPP)
kṣetraṃ karmajam āpnoti
erlangt das aus der Tat entstandene Feld (Präs.)

saukṣmyād avyaktabhāvāc ca na sa kva cana sajjate saṃprāpya brahmaṇaḥ kāyaṃ tasmāt tad brahma śāśvatam tad bījaṃ sarvabhūtānāṃ tena jīvanti jantavaḥ

'Wegen seiner Feinheit und seiner unmanifesten Beschaffenheit haftet er nirgends an, wenn er den Leib des Brahman erlangt hat; deshalb ist jenes Brahman ewig - es ist der Same aller Wesen, durch den die Geschöpfe leben.'

Wort für Wort
saukṣmyād avyaktabhāvāt
wegen der Feinheit, der unmanifesten Beschaffenheit (Abl.)
na kva cana sajjate
haftet nirgends an (Präs.)
saṃprāpya brahmaṇaḥ kāyam
nachdem er den Leib des Brahman erlangt hat (Abs.)
tad bījaṃ sarvabhūtānāṃ
jenes ist der Same aller Wesen (Gen. Pl.)

sa jīvaḥ sarvagātrāṇi garbhasyāviśya bhāgaśaḥ dadhāti cetasā sadyaḥ prāṇasthāneṣv avasthitaḥ tataḥ spandayate 'ṅgāni sa garbhaś cetanānvitaḥ

'Jener Lebenshauch, nachdem er anteilig in alle Glieder des Embryos eingedrungen ist, erhält sie sogleich mit Bewusstsein, in den Sitzen des Lebenshauchs weilend; dann bringt der nun mit Bewusstsein versehene Embryo seine Glieder zum Zucken.'

Wort für Wort
garbhasya sarvagātrāṇi āviśya bhāgaśaḥ
nachdem er anteilig in alle Glieder des Embryos eingedrungen ist (Abs.)
prāṇasthāneṣv avasthitaḥ
in den Sitzen des Lebenshauchs befindlich (PPP)
spandayate 'ṅgāni
bringt die Glieder zum Zucken (Präs.)
garbhaś cetanānvitaḥ
der mit Bewusstsein versehene Embryo (Bahuvrihi)

yathā hi lohaniṣyando niṣikto bimbavigraham upaiti tadvaj jānīhi garbhe jīvapraveśanam

'So wie geschmolzenes, gegossenes Metall die Gestalt der Gussform annimmt, ebenso, wisse, geschieht das Eintreten des Lebenshauchs in den Embryo.'

Wort für Wort
lohaniṣyando niṣiktaḥ
geschmolzenes, gegossenes Metall (Nom. + PPP)
bimbavigraham upaiti
nimmt die Gestalt der Gussform an (Präs.)
garbhe jīvapraveśanam
das Eintreten des Lebenshauchs in den Embryo (Lok. + Akk.)

lohapiṇḍaṃ yathā vahniḥ praviśaty abhitāpayan tathā tvam api jānīhi garbhe jīvopapādanam

'Wie das Feuer in einen Metallklumpen eindringt und ihn dabei erhitzt, so wisse auch du das Erscheinen des Lebenshauchs im Embryo.'

Wort für Wort
lohapiṇḍaṃ vahniḥ praviśati
das Feuer dringt in den Metallklumpen ein (Präs.)
abhitāpayan
erhitzend (Ppa.)
garbhe jīvopapādanam
das Entstehen des Lebenshauchs im Embryo (Lok. + Akk.)

yathā ca dīpaḥ śaraṇaṃ dīpyamānaḥ prakāśayet evam eva śarīrāṇi prakāśayati cetanā

'Und wie eine brennende Lampe eine Behausung erleuchtet, ebenso erleuchtet das Bewusstsein die Körper.'

Wort für Wort
dīpaḥ dīpyamānaḥ śaraṇaṃ prakāśayet
die brennende Lampe würde die Behausung erleuchten (Ppa. + Opt.)
śarīrāṇi prakāśayati cetanā
das Bewusstsein erleuchtet die Körper (Präs.)

yad yac ca kurute karma śubhaṃ vā yadi vāśubham pūrvadehakṛtaṃ sarvam avaśyam upabhujyate

'Welche Tat man auch tue, sei sie gut oder böse - alles im früheren Körper Getane wird unweigerlich erfahren.'

Wort für Wort
yad yac ca kurute karma
welche Tat man auch tut (Präs.)
pūrvadehakṛtaṃ sarvam
alles im früheren Körper Getane (Akk.)
avaśyam upabhujyate
wird unweigerlich erfahren (Präs. Pass.)

tatas tat kṣīyate caiva punaś cānyat pracīyate yāvat tan mokṣayogasthaṃ dharmaṃ naivāvabudhyate

'Dann erschöpft sich dieses Karma, und wiederum wird anderes angehäuft, solange jenes im Erlösungs-Yoga gegründete Gesetz überhaupt nicht erkannt wird.'

Wort für Wort
tat kṣīyate
das erschöpft sich (Präs. Pass.)
anyat pracīyate
anderes wird angehäuft (Präs. Pass.)
mokṣayogasthaṃ dharmam
das im Erlösungs-Yoga gegründete Gesetz (Akk.)
na eva avabudhyate
wird überhaupt nicht erkannt (Präs. Pass.)

tatra dharmaṃ pravakṣyāmi sukhī bhavati yena vai āvartamāno jātīṣu tathānyonyāsu sattama

'Dazu will ich, o Bester, das Gesetz verkünden, wodurch man fürwahr glücklich wird, während man sich immer wieder in verschiedenen Geburten dreht.'

Wort für Wort
dharmaṃ pravakṣyāmi
ich werde das Gesetz verkünden (Fut.)
sukhī bhavati yena
wodurch man glücklich wird (Präs.)
āvartamāno jātīṣu anyonyāsu
sich in verschiedenen Geburten wendend (Ppa. Med. + Lok.)
sattama
o Bester (Vok.)

dānaṃ vrataṃ brahmacaryaṃ yathoktavratadhāraṇam damaḥ praśāntatā caiva bhūtānāṃ cānukampanam

'Freigebigkeit, Gelübde, enthaltsames Studentenleben, das Einhalten der vorgeschriebenen Gelübde, Selbstbeherrschung, Friedfertigkeit und Mitleid mit den Geschöpfen -'

Wort für Wort
dānaṃ vrataṃ brahmacaryam
Freigebigkeit, Gelübde, Studentenleben (Nom.)
yathoktavratadhāraṇam
das Einhalten der vorgeschriebenen Gelübde (Nom.)
damaḥ praśāntatā
Selbstbeherrschung, Friedfertigkeit (Nom.)
bhūtānāṃ anukampanam
Mitleid mit den Geschöpfen (Gen. + Nom.)

saṃyamaś cānṛśaṃsyaṃ ca parasvādānavarjanam vyalīkānām akaraṇaṃ bhūtānāṃ yatra sā bhuvi

'- Zügelung und Mildherzigkeit, das Meiden fremden Eigentums, das Unterlassen von Kränkungen der Geschöpfe, wo immer sie auf Erden leben -'

Wort für Wort
saṃyamaḥ anṛśaṃsyaṃ
Zügelung, Mildherzigkeit (Nom.)
parasvādānavarjanam
das Meiden der Aneignung fremden Eigentums (Nom.)
vyalīkānām akaraṇaṃ
das Unterlassen von Kränkungen (Gen. + Nom.)

mātāpitroś ca śuśrūṣā devatātithipūjanam gurupūjā ghṛṇā śaucaṃ nityam indriyasaṃyamaḥ

'- Dienst an Vater und Mutter, Verehrung von Gottheiten und Gästen, Verehrung des Lehrers, Mitgefühl, Reinheit, beständige Zügelung der Sinne -'

Wort für Wort
mātāpitroḥ śuśrūṣā
Dienst an Vater und Mutter (Gen. + Nom.)
devatātithipūjanam
Verehrung von Gottheiten und Gästen (Nom.)
gurupūjā ghṛṇā śaucaṃ
Lehrerverehrung, Mitgefühl, Reinheit (Nom.)
nityam indriyasaṃyamaḥ
beständige Sinneszügelung (Nom.)

pravartanaṃ śubhānāṃ ca tat satāṃ vṛttam ucyate tato dharmaḥ prabhavati yaḥ prajāḥ pāti śāśvatīḥ

'- und das Hinwirken auf gute Taten: das wird der Lebenswandel der Guten genannt; daraus entsteht das Dharma, das die Geschöpfe auf ewig beschützt.'

Wort für Wort
pravartanaṃ śubhānāṃ
das Hinwirken auf Gutes (Nom.)
satāṃ vṛttam ucyate
wird der Wandel der Guten genannt (Präs. Pass.)
dharmaḥ prabhavati
das Dharma entsteht (Präs.)
prajāḥ pāti śāśvatīḥ
beschützt die Geschöpfe auf ewig (Präs.)

evaṃ satsu sadā paśyet tatra hy eṣā dhruvā sthitiḥ ācāro dharmam ācaṣṭe yasmin santo vyavasthitāḥ

'So möge man es stets bei den Guten sehen, denn dort ist dies der feststehende Zustand: der rechte Wandel verkündet das Dharma, worin die Guten fest gegründet sind.'

Wort für Wort
satsu sadā paśyet
man möge es bei den Guten stets sehen (Opt.)
dhruvā sthitiḥ
der feststehende Zustand (Nom.)
ācāro dharmam ācaṣṭe
der Wandel verkündet das Dharma (Präs.)
santo vyavasthitāḥ
die Guten, fest gegründet (Nom. + PPP)

teṣu tad dharmanikṣiptaṃ yaḥ sa dharmaḥ sanātanaḥ yas taṃ samabhipadyeta na sa durgatim āpnuyāt

'In ihnen ist jenes im Dharma Niedergelegte enthalten, welches das ewige Dharma ist; wer sich diesem zuwendet, der würde keinen schlechten Daseinszustand erlangen.'

Wort für Wort
teṣu tad dharmanikṣiptaṃ
in ihnen das im Dharma Niedergelegte (Lok. + Nom.)
dharmaḥ sanātanaḥ
das ewige Dharma (Nom.)
taṃ samabhipadyeta
er würde sich diesem zuwenden (Opt.)
na durgatim āpnuyāt
würde keinen schlechten Zustand erlangen (Opt.)

ato niyamyate lokaḥ pramuhya dharmavartmasu yas tu yogī ca muktaś ca sa etebhyo viśiṣyate

'Daher wird die Welt gebändigt, indem sie sich auf den Pfaden des Dharma verwirrt; wer aber ein Yogin und befreit ist, der zeichnet sich vor diesen übrigen aus.'

Wort für Wort
niyamyate lokaḥ
die Welt wird gebändigt (Präs. Pass.)
pramuhya dharmavartmasu
sich verwirrend auf den Pfaden des Dharma (Abs. + Lok.)
yogī muktaś ca
der Yogin und Befreite (Nom.)
etebhyo viśiṣyate
zeichnet sich vor diesen aus (Präs. Pass.)

vartamānasya dharmeṇa puruṣasya yathā tathā saṃsāratāraṇaṃ hy asya kālena mahatā bhavet

'Für einen Menschen, der sich - wie auch immer - gemäß dem Dharma verhält, geschieht dessen Überquerung des Daseinskreislaufs fürwahr nur nach langer Zeit.'

Wort für Wort
vartamānasya dharmeṇa puruṣasya
eines sich gemäß dem Dharma verhaltenden Menschen (Gen.)
saṃsāratāraṇaṃ
die Überquerung des Daseinskreislaufs (Nom.)
kālena mahatā bhavet
würde mit langer Zeit geschehen (Instr. + Opt.)

evaṃ pūrvakṛtaṃ karma sarvo jantur niṣevate sarvaṃ tat kāraṇaṃ yena nikṛto 'yam ihāgataḥ

'So erfährt jedes Lebewesen die früher getane Tat: das ist die ganze Ursache, wodurch dieser Mensch, gedemütigt, hierher gekommen ist.'

Wort für Wort
pūrvakṛtaṃ karma niṣevate
erfährt die früher getane Tat (Akk. + Präs.)
sarvaṃ tat kāraṇaṃ
das ist die ganze Ursache (Nom.)
nikṛto 'yam ihāgataḥ
dieser, gedemütigt, hierher gekommen (PPP)

śarīragrahaṇaṃ cāsya kena pūrvaṃ prakalpitam ity evaṃ saṃśayo loke tac ca vakṣyāmy ataḥ param

'Und wodurch seine Annahme eines Körpers zuvor bewirkt wurde - so lautet dieser Zweifel in der Welt; und das werde ich nun hiernach erklären.'

Wort für Wort
śarīragrahaṇaṃ prakalpitam
die Annahme des Körpers bewirkt (Nom. + PPP)
saṃśayo loke
der Zweifel in der Welt (Nom.)
vakṣyāmy ataḥ param
ich werde hiernach erklären (Fut.)

śarīram ātmanaḥ kṛtvā sarvabhūtapitāmahaḥ trailokyam asṛjad brahmā kṛtsnaṃ sthāvarajaṅgamam

'Nachdem er sich selbst einen Körper geschaffen hatte, schuf Brahmā, der Großvater aller Wesen, die drei Welten, die gesamte Schöpfung mit Beweglichem und Unbeweglichem.'

Wort für Wort
śarīram ātmanaḥ kṛtvā
nachdem er sich einen Körper geschaffen hatte (Abs.)
sarvabhūtapitāmahaḥ
der Großvater aller Wesen (Nom.)
trailokyam asṛjad brahmā
Brahmā schuf die drei Welten (Impf.)
sthāvarajaṅgamam
mit Beweglichem und Unbeweglichem (Akk.)

tataḥ pradhānam asṛjac cetanā sā śarīriṇām yayā sarvam idaṃ vyāptaṃ yāṃ loke paramāṃ viduḥ

'Dann schuf er das Pradhāna, jenes Bewusstsein der Verkörperten, durch das dies alles durchdrungen ist, das man in der Welt als das Höchste kennt.'

Wort für Wort
pradhānam asṛjat
er schuf das Pradhāna/die Urmaterie (Impf.)
cetanā śarīriṇām
das Bewusstsein der Verkörperten (Nom. + Gen.)
sarvam idaṃ vyāptaṃ
wodurch dies alles durchdrungen ist (PPP)
loke paramāṃ viduḥ
man kennt in der Welt als die höchste (Präs. Perf.)

iha tat kṣaram ity uktaṃ paraṃ tv amṛtam akṣaram trayāṇāṃ mithunaṃ sarvam ekaikasya pṛthak pṛthak

'Hier wird jenes Pradhāna "das Vergängliche" genannt, das Höhere aber ist das unsterbliche Unvergängliche; beides bildet das Paar-Ganze der drei Prinzipien, jedes für sich gesondert.'

Wort für Wort
tat kṣaram ity uktaṃ
jenes wird 'das Vergängliche' genannt (PPP)
param amṛtam akṣaram
das Höhere, unsterblich Unvergängliche (Nom.)
trayāṇāṃ mithunaṃ
das Paar der drei [Prinzipien] (Gen. Pl. + Nom.)
ekaikasya pṛthak pṛthak
für jedes einzelne gesondert (Gen. + Adv.)

[?] Unklar bleibt, welches dritte Prinzip neben kṣara (dem Vergänglichen) und akṣara (dem Unvergänglichen) hier mitgemeint ist (vgl. den späteren puruṣottama-Gedanken der Bhagavadgītā 15.16-18, wo explizit von drei Größen die Rede ist) - der vorliegende Vers selbst nennt kein drittes Element namentlich; sinngemäß, ohne Lesart zu erzwingen, wiedergegeben.

asṛjat sarvabhūtāni pūrvasṛṣṭaḥ prajāpatiḥ sthāvarāṇi ca bhūtāni ity eṣā paurvikī śrutiḥ

'Der zuerst erschaffene Prajāpati schuf alle Wesen, auch die unbeweglichen Wesen - so lautet diese uralte Überlieferung.'

Wort für Wort
pūrvasṛṣṭaḥ prajāpatiḥ
der zuerst erschaffene Prajāpati (PPP + Nom.)
asṛjat sarvabhūtāni
er schuf alle Wesen (Impf.)
paurvikī śrutiḥ
die uralte Überlieferung (Nom.)

tasya kālaparīmāṇam akarot sa pitāmahaḥ bhūteṣu parivṛttiṃ ca punarāvṛttim eva ca

'Für diesen Schöpfungslauf bestimmte jener Großvater das Zeitmaß, sowie den Umlauf und auch die Wiederkehr bei den Geschöpfen.'

Wort für Wort
kālaparīmāṇam akarot
er bestimmte das Zeitmaß (Impf.)
sa pitāmahaḥ
jener Großvater (Nom.)
bhūteṣu parivṛttiṃ punarāvṛttim
Umlauf und Wiederkehr bei den Wesen (Lok. + Akk.)

yathātra kaś cin medhāvī dṛṣṭātmā pūrvajanmani yat pravakṣyāmi tat sarvaṃ yathāvad upapadyate

'Wie hier ein gewisser Weiser, der sein eigenes Selbst schon im früheren Leben erkannt hatte, bezeugen kann - alles, was ich verkünden werde, trifft der Wahrheit gemäß zu.'

Wort für Wort
kaś cin medhāvī
ein gewisser Weiser (Nom.)
dṛṣṭātmā pūrvajanmani
dessen Selbst im früheren Leben geschaut ist (Bahuvrihi + Lok.)
yat pravakṣyāmi tat sarvaṃ
alles, was ich verkünden werde (Fut.)
yathāvad upapadyate
trifft der Wahrheit gemäß zu (Präs.)

[?] Satzbau elliptisch; sinngemäß ergänzt (Bezugnahme auf einen namentlich nicht genannten Weisen mit Erinnerung an ein früheres Leben).

sukhaduḥkhe sadā samyag anitye yaḥ prapaśyati kāyaṃ cāmedhyasaṃghātaṃ vināśaṃ karmasaṃhitam

'Wer Freude und Leid stets richtig als unbeständig erblickt, und den Körper als eine Anhäufung von Unreinem, als vergänglich und mit Karma verbunden -'

Wort für Wort
sukhaduḥkhe anitye prapaśyati
erblickt Freude und Leid als unbeständig (Akk. Dual + Präs.)
kāyaṃ amedhyasaṃghātaṃ
den Körper als Anhäufung von Unreinem (Akk.)
vināśaṃ karmasaṃhitam
als vergänglich, mit Karma verbunden (Akk.)

yac ca kiṃ cit sukhaṃ tac ca sarvaṃ duḥkham iti smaran saṃsārasāgaraṃ ghoraṃ tariṣyati sudustaram

'- und der sich erinnert, dass alles, was Freude ist, in Wahrheit Leid ist, der wird das schreckliche, überaus schwer zu überquerende Meer des Daseinskreislaufs überqueren.'

Wort für Wort
yac ca kiṃ cit sukhaṃ
was auch immer an Freude [es gibt] (Nom.)
sarvaṃ duḥkham iti smaran
sich erinnernd, dass alles Leid ist (Ppa.)
saṃsārasāgaraṃ ghoraṃ tariṣyati
wird das schreckliche Meer des Daseinskreislaufs überqueren (Fut.)
sudustaram
das überaus schwer zu überquerende (Akk.)

jātīmaraṇarogaiś ca samāviṣṭaḥ pradhānavit cetanāvatsu caitanyaṃ samaṃ bhūteṣu paśyati

'Wer, von Geburt, Tod und Krankheit umgeben, das Pradhāna kennt, sieht das Bewusstsein in den bewussten Wesen überall gleich.'

Wort für Wort
jātīmaraṇarogaiḥ samāviṣṭaḥ
von Geburt, Tod, Krankheit umgeben (Instr. + PPP)
pradhānavit
der das Pradhāna Kennende (Nom.)
cetanāvatsu caitanyaṃ samaṃ paśyati
sieht das Bewusstsein in den Bewussten gleich (Lok. + Akk. + Präs.)

nirvidyate tataḥ kṛtsnaṃ mārgamāṇaḥ paraṃ padam tasyopadeśaṃ vakṣyāmi yāthātathyena sattama

'Er wird dann des Ganzen überdrüssig, während er den höchsten Zustand sucht; dessen Belehrung will ich dir, o Bester, der Wahrheit gemäß verkünden.'

Wort für Wort
nirvidyate kṛtsnam
wird des Ganzen überdrüssig (Präs. Med.)
mārgamāṇaḥ paraṃ padam
den höchsten Zustand suchend (Ppa. + Akk.)
tasyopadeśaṃ vakṣyāmi
ich werde dessen Belehrung verkünden (Fut.)
sattama
o Bester (Vok.)

śāśvatasyāvyayasyātha padasya jñānam uttamam procyamānaṃ mayā vipra nibodhedam aśeṣataḥ

'Vernimm nun, o Weiser, vollständig das höchste Wissen um den ewigen, unvergänglichen Zustand, wie es von mir dargelegt wird.'

Wort für Wort
śāśvatasya avyayasya padasya
des ewigen, unvergänglichen Zustands (Gen.)
jñānam uttamam
das höchste Wissen (Akk.)
procyamānaṃ mayā
das von mir dargelegt wird (Ppp. Med. + Instr.)
vipra nibodha idam aśeṣataḥ
o Weiser, vernimm dies vollständig (Vok. + Imp.)

Übergangsvers zur nächsten Lehreinheit (höchstes Wissen um den unvergänglichen Zustand); die Rede des Siddha bleibt über das Kapitelende hinaus offen, Fortsetzung in Kap.19 zu erwarten.

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