Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Āśvamedhikaparva

Kapitel 70: pāṇḍavāgamanaṃ vyāsāgamanaṃ vājimedhasaṃkalpaśca Die Heimkehr der Pāṇḍavas, Vyāsas Ankunft und der Entschluss zum Pferdeopfer

vaiśaṃpāyana uvāca tān samīpagatāñ śrutvā pāṇḍavāñ śatrukarśanaḥ vāsudevaḥ sahāmātyaḥ pratyudyāto didṛkṣayā

Vaiśaṃpāyana sprach: Als er hörte, dass die Pāṇḍavas nahe gekommen waren, zog Vāsudeva, der Bedränger der Feinde, mit seinen Ministern ihnen entgegen, in der Absicht, sie zu sehen.

Wort für Wort
śatrukarśanaḥ
der Bedränger der Feinde (Nom., Krsna-Epitheton)
pratyudyātaḥ
er zog entgegen (Part. Perf.)
didṛkṣayā
in der Absicht zu sehen (Instr. des Desiderativabstraktums)

te sametya yathānyāyaṃ pāṇḍavā vṛṣṇibhiḥ saha viviśuḥ sahitā rājan puraṃ vāraṇasāhvayam

Diese trafen sich vorschriftsmäßig, die Pāṇḍavas mit den Vṛṣṇis, und betraten gemeinsam, o König, die Stadt Vāraṇasāhvaya.

Wort für Wort
sametya
sich treffend (Absolutiv)
vāraṇasāhvayam
Vāraṇasāhvaya [Hāstinapura] (Akk.)

mahatas tasya sainyasya khuranemisvanena ca dyāvāpṛthivyau khaṃ caiva śabdenāsīt samāvṛtam

Und durch das Getöse der Hufe und Radfelgen jenes gewaltigen Heeres waren Himmel und Erde und auch der Luftraum vom Lärm erfüllt.

Wort für Wort
khuranemisvanena
durch das Getöse der Hufe und Radfelgen (Instr.)
samāvṛtam
erfüllt, umhüllt (Part. Perf. Pass.)

te kośam agrataḥ kṛtvā viviśuḥ svapuraṃ tadā pāṇḍavāḥ prītamanasaḥ sāmātyāḥ sasuhṛdgaṇāḥ

Sie, den Schatz voranstellend, betraten da ihre eigene Stadt, die Pāṇḍavas, erfreuten Sinnes, mit ihren Ministern und Scharen von Freunden.

Wort für Wort
kośam agrataḥ kṛtvā
den Schatz voranstellend (Absolutiv)
prītamanasaḥ
erfreuten Sinnes (Adj. Pl.)

te sametya yathānyāyaṃ dhṛtarāṣṭraṃ janādhipam kīrtayantaḥ svanāmāni tasya pādau vavandire

Sie, sich vorschriftsmäßig einfindend, ihre eigenen Namen verkündend, verehrten die Füße des Dhṛtarāṣṭra, des Herrn der Menschen.

Wort für Wort
kīrtayantaḥ svanāmāni
ihre eigenen Namen verkündend (Part. Präs.)
vavandire
sie verehrten (Perfekt)

dhṛtarāṣṭrād anu ca te gāndhārīṃ subalātmajām kuntīṃ ca rājaśārdūla tadā bharatasattamāḥ

Und nach Dhṛtarāṣṭra verehrten sie da Gāndhārī, die Tochter Subalas, und Kuntī, o Tiger unter den Königen, die Besten der Bharatas.

Wort für Wort
subalātmajām
die Tochter Subalas [Gāndhārī] (Akk.)
bharatasattamāḥ
die Besten der Bharatas (Nom. Pl.)

viduraṃ pūjayitvā ca vaiśyāputraṃ sametya ca pūjyamānāḥ sma te vīrā vyarājanta viśāṃ pate

Und nachdem sie Vidura geehrt hatten, den Sohn der Vaiśya-Frau, und sich mit ihm getroffen hatten, erstrahlten jene Helden, selbst geehrt, o Herr der Untertanen.

Wort für Wort
vaiśyāputram
den Sohn der Vaiśya-Frau [Vidura] (Akk.)
vyarājanta
sie erstrahlten (Imperfekt)

tatas tat param āścaryaṃ vicitraṃ mahad adbhutam śuśruvus te tadā vīrāḥ pitus te janma bhārata

Dann hörten jene Helden von jenem höchst wunderbaren, seltsamen, großen, erstaunlichen Ereignis, der Geburt deines Vaters, o Bhārata.

Wort für Wort
param āścaryaṃ ... adbhutam
höchst wunderbar, erstaunlich (Adj.)
śuśruvuḥ
sie hörten (Perfekt)

tad upaśrutya te karma vāsudevasya dhīmataḥ pūjārhaṃ pūjayām āsuḥ kṛṣṇaṃ devakinandanam

Als sie von jener verehrungswürdigen Tat des weisen Vāsudeva gehört hatten, verehrten sie Kṛṣṇa, den Sohn der Devakī.

Wort für Wort
pūjārhaṃ
verehrungswürdig (Adj.)
devakinandanam
der Sohn der Devakī (Akk.)

tataḥ katipayāhasya vyāsaḥ satyavatīsutaḥ ājagāma mahātejā nagaraṃ nāgasāhvayam

Dann, nach einigen Tagen, kam Vyāsa, der Sohn der Satyavatī, der Glanzvolle, in die Stadt Nāgasāhvaya.

Wort für Wort
katipayāhasya
nach einigen Tagen (Gen. als Zeitangabe)
satyavatīsutaḥ
der Sohn der Satyavatī (Nom.)

tasya sarve yathānyāyaṃ pūjāṃ cakruḥ kurūdvahāḥ saha vṛṣṇyandhakavyāghrair upāsāṃ cakrire tadā

Ihm erwiesen alle Erhalter der Kurus vorschriftsmäßig Verehrung, und zusammen mit den Tigern der Vṛṣṇis und Andhakas warteten sie ihm da auf.

Wort für Wort
kurūdvahāḥ
die Erhalter der Kurus (Nom. Pl.)
upāsāṃ cakrire
sie warteten auf, sie dienten (Periphr. Perfekt)

tatra nānāvidhākārāḥ kathāḥ samanukīrtya vai yudhiṣṭhiro dharmasuto vyāsaṃ vacanam abravīt

Dort, nachdem man mancherlei Erzählungen ausgetauscht hatte, sprach Yudhiṣṭhira, der Sohn des Dharma, zu Vyāsa das Wort:

Wort für Wort
nānāvidhākārāḥ kathāḥ
mancherlei Erzählungen (Akk.)
samanukīrtya
nachdem man ausgetauscht/berichtet hatte (Absolutiv)

bhavatprasādād bhagavan yad idaṃ ratnam āhṛtam upayoktuṃ tad icchāmi vājimedhe mahākratau

„Durch deine Gnade, Erhabener, ist dieser Schatz erlangt worden; diesen möchte ich im großen Opfer des Pferdeopfers verwenden.

Wort für Wort
bhavatprasādād
durch deine Gnade (Ablativ)
upayoktum ... icchāmi
ich möchte verwenden
vājimedhe mahākratau
im großen Opfer des Pferdeopfers (Lok.)

tad anujñātum icchāmi bhavatā munisattama tvadadhīnā vayaṃ sarve kṛṣṇasya ca mahātmanaḥ

Dies möchte ich von dir genehmigt wissen, Bester der Weisen; wir alle sind von dir abhängig und von dem großseeligen Kṛṣṇa.“

Wort für Wort
anujñātum icchāmi
ich möchte genehmigt wissen
tvadadhīnāḥ
von dir abhängig (Adj. Pl.)

vyāsa uvāca anujānāmi rājaṃs tvāṃ kriyatāṃ yad anantaram yajasva vājimedhena vidhivad dakṣiṇāvatā

Vyāsa sprach: „Ich gebe dir die Erlaubnis, o König; es geschehe, was als Nächstes ansteht. Opfere mit dem Pferdeopfer, vorschriftsmäßig, mit reichen Opfergaben.

Wort für Wort
anujānāmi
ich gebe die Erlaubnis (1.Sg.)
dakṣiṇāvatā
mit reichen Opfergaben versehen (Instr., auf 'vājimedhena' bezogen)

aśvamedho hi rājendra pāvanaḥ sarvapāpmanām teneṣṭvā tvaṃ vipāpmā vai bhavitā nātra saṃśayaḥ

Denn das Pferdeopfer, o Herrscher der Könige, reinigt von allen Sünden; nachdem du damit geopfert hast, wirst du gewiss sündenfrei werden, daran besteht kein Zweifel.“

Wort für Wort
pāvanaḥ sarvapāpmanām
reinigend von allen Sünden (Adj.)
vipāpmā
sündenfrei (Adj.)

vaiśaṃpāyana uvāca ity uktaḥ sa tu dharmātmā kururājo yudhiṣṭhiraḥ aśvamedhasya kauravya cakārāharaṇe matim

Vaiśaṃpāyana sprach: So angesprochen, fasste jener rechtschaffene König der Kurus, Yudhiṣṭhira, o Kauravya, den Entschluss, das Pferdeopfer zu vollziehen.

Wort für Wort
ity uktaḥ
so angesprochen (Part. Perf. Pass.)
āharaṇe matim cakāra
er fasste den Entschluss zur Ausführung (Perfekt)

samanujñāpya tu sa taṃ kṛṣṇadvaipāyanaṃ nṛpaḥ vāsudevam athāmantrya vāgmī vacanam abravīt

Nachdem er sich die Zustimmung des Kṛṣṇa-Dvaipāyana eingeholt hatte, wandte sich der König, redegewandt, an Vāsudeva und sprach das Wort:

Wort für Wort
samanujñāpya
nachdem er die Zustimmung eingeholt hatte (Absolutiv Kausativ)
vāgmī
redegewandt (Adj.)

devakī suprajā devī tvayā puruṣasattama yad brūyāṃ tvāṃ mahābāho tat kṛthās tvam ihācyuta

„Devakī ist durch dich mit einem guten Sohn gesegnet, Herrlichster der Männer. Was ich dir auch sagen mag, Starkarmiger, das sollst du hier tun, Unfehlbarer.

Wort für Wort
suprajā
mit gutem Sohn gesegnet (Adj.)
yad brūyāṃ ... tat kṛthāḥ
was ich sagen mag, das sollst du tun (Optativ-Konstruktion)

tvatprabhāvārjitān bhogān aśnīma yadunandana parākrameṇa buddhyā ca tvayeyaṃ nirjitā mahī

Die Genüsse, die durch deine Macht erworben wurden, genießen wir, Liebling der Yadus; durch deine Tapferkeit und Klugheit wurde diese Erde bezwungen.

Wort für Wort
tvatprabhāvārjitān
durch deine Macht erworben (Akk. Pl.)
nirjitā
bezwungen (Part. Perf. Pass.)

dīkṣayasva tvam ātmānaṃ tvaṃ naḥ paramako guruḥ tvayīṣṭavati dharmajña vipāpmā syām ahaṃ vibho tvaṃ hi yajño 'kṣaraḥ sarvas tvaṃ dharmas tvaṃ prajāpatiḥ

Weihe dich selbst; du bist unser höchster Lehrer. Wenn du geopfert hast, Kenner des Rechten, werde ich sündenfrei sein, Mächtiger; denn du bist das unvergängliche Opfer in seiner Gesamtheit, du bist das Recht, du bist Prajāpati.“

Wort für Wort
dīkṣayasva ... ātmānam
weihe dich selbst (Imperativ Kausativ)
tvayīṣṭavati
wenn du geopfert hast (Lok. absolutus)
prajāpatiḥ
Prajāpati, der Herr der Geschöpfe (Nom.)

vāsudeva uvāca tvam evaitan mahābāho vaktum arhasy ariṃdama tvaṃ gatiḥ sarvabhūtānām iti me niścitā matiḥ

Vāsudeva sprach: „Nur du allein, Starkarmiger, bist würdig, dies zu sagen, Bezwinger der Feinde; du bist die Zuflucht aller Wesen - das ist meine feste Überzeugung.

Wort für Wort
vaktum arhasi
du bist würdig zu sagen
niścitā matiḥ
die feste Überzeugung (Nom.)

tvaṃ cādya kuruvīrāṇāṃ dharmeṇābhivirājase guṇabhūtāḥ sma te rājaṃs tvaṃ no rājan mato guruḥ

Und du erstrahlst nun unter den Helden der Kurus durch Rechtschaffenheit; wir sind dir untergeordnete Eigenschaften, o König; du, o König, giltst uns als Lehrer.

Wort für Wort
abhivirājase
du erstrahlst (Präs. 2.Sg.)
guṇabhūtāḥ
zu [bloßen] Eigenschaften gewordene, untergeordnete (Adj. Pl.)

yajasva madanujñātaḥ prāpta eva kratur mayā yunaktu no bhavān kārye yatra vāñchasi bhārata satyaṃ te pratijānāmi sarvaṃ kartāsmi te 'nagha

Opfere, von mir genehmigt; das Opfer steht für mich fest bereit. Mögest du uns einsetzen in der Aufgabe, wo immer du wünschst, Bhārata. Wahrhaftig verspreche ich dir: Ich werde alles für dich tun, Makelloser.

Wort für Wort
madanujñātaḥ
von mir genehmigt (Adj.)
yunaktu no bhavān
mögest du uns einsetzen (Imperativ 3.Sg.)
pratijānāmi
ich verspreche (1.Sg.)

bhīmasenārjunau caiva tathā mādravatīsutau iṣṭavanto bhaviṣyanti tvayīṣṭavati bhārata

Bhīmasena und Arjuna, und ebenso die beiden Söhne der Mādravatī, werden, sobald du geopfert hast, gleichfalls als Opfernde gelten, o Bhārata.“

Wort für Wort
mādravatīsutau
die beiden Söhne der Mādravatī [Nakula und Sahadeva] (Nom. Dual)
iṣṭavanto bhaviṣyanti
sie werden als Opfernde gelten (Fut. Periphrastikum)

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