Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Āśvamedhikaparva

Kapitel 33: brāhmaṇopadeśaḥ Die Lehre des Brahmanen: Ich bin das Selbst von allem

brāhmaṇa uvāca nāhaṃ tathā bhīru carāmi loke; tathā tvaṃ māṃ tarkayase svabuddhyā vipro 'smi mukto 'smi vanecaro 'smi; gṛhasthadharmā brahmacārī tathāsmi

'Der Brahmane sprach: Nicht so, wie du in deinem eigenen Verstand über mich urteilst, wandle ich, o Furchtsame, durch die Welt - ich sei ein Brahmane, ich sei befreit, ich sei ein Waldwanderer, oder ich sei ein Hausvater nach der Hausvater-Pflicht, ich sei ein Keuschheitsschüler.'

Wort für Wort
carāmi
ich wandle (1. Sg. Präs., √car)
vanecaraḥ
Waldwanderer (Nom. Sg. m.)

nāham asmi yathā māṃ tvaṃ paśyase cakṣuṣā śubhe mayā vyāptam idaṃ sarvaṃ yat kiṃ cij jagatīgatam

'Ich bin nicht so, wie du mich mit dem Auge siehst, o Holde; von mir ist all dies durchdrungen, was auch immer in der Welt entstanden ist.'

Wort für Wort
vyāptam
durchdrungen (Nom. Sg. n., Part. Perf. Pass., vi-√āp)
jagatīgatam
in die Welt gelangt, in der Welt entstanden (Nom. Sg. n.)

ye ke cij jantavo loke jaṅgamāḥ sthāvarāś ca ha teṣāṃ mām antakaṃ viddhi dārūṇām iva pāvakam

'Welche Geschöpfe es in der Welt auch gebe, bewegliche und unbewegliche - wisse, dass ich ihr Ende (antaka) bin, wie das Feuer das Ende der Hölzer ist.'

Wort für Wort
jaṅgamāḥ
bewegliche (Nom. Pl. m.)
antakam
das Ende, der Beender (Akk. Sg. m.)

rājyaṃ pṛthivyāṃ sarvasyām atha vāpi triviṣṭape tathā buddhir iyaṃ vetti buddhir eva dhanaṃ mama

'Herrschaft über die ganze Erde oder gar im Himmel (triviṣṭapa) - als nichtig erkennt dies diese Einsicht; die Einsicht allein ist mein Reichtum.'

Wort für Wort
triviṣṭape
im Himmel (Lok. Sg. n.)
dhanam
Reichtum (Nom. Sg. n.)

ekaḥ panthā brāhmaṇānāṃ yena gacchanti tadvidaḥ gṛheṣu vanavāseṣu guruvāseṣu bhikṣuṣu liṅgair bahubhir avyagrair ekā buddhir upāsyate

'Einen einzigen Pfad haben die Brahmanen, auf dem die ihn Kennenden wandeln - bei den Hausvätern, den Waldbewohnern, den bei einem Guru Lebenden und den Bettelmönchen; durch viele äußere Zeichen hindurch wird, ungestört, eine einzige Einsicht erstrebt.'

Wort für Wort
tadvidaḥ
die es Kennenden (Nom. Pl. m.)
avyagraiḥ
ungestörten, unabgelenkten (Instr. Pl. n.)

nānāliṅgāśramasthānāṃ yeṣāṃ buddhiḥ śamātmikā te bhāvam ekam āyānti saritaḥ sāgaraṃ yathā

'Diejenigen mit verschiedenen äußeren Zeichen und Lebensstufen, deren Einsicht von Gelassenheit geprägt ist, gelangen zu ein und demselben Zustand, wie Flüsse zum Meer.'

Wort für Wort
śamātmikā
von Gelassenheit geprägt, deren Wesen die Ruhe ist (Nom. Sg. f.)
saritaḥ
Flüsse (Nom. Pl. f.)

buddhyāyaṃ gamyate mārgaḥ śarīreṇa na gamyate ādyantavanti karmāṇi śarīraṃ karmabandhanam

'Durch die Einsicht wird dieser Pfad zurückgelegt, nicht durch den Körper; die Werke haben Anfang und Ende, der Körper ist die Fessel des Werkes.'

Wort für Wort
gamyate
wird zurückgelegt/gegangen (3. Sg. Präs. Pass., √gam)
karmabandhanam
die Fessel des Werkes (Nom. Sg. n.)

tasmāt te subhage nāsti paralokakṛtaṃ bhayam madbhāvabhāvaniratā mamaivātmānam eṣyasi

'Deshalb, o Glückliche, gibt es für dich keine von der anderen Welt bewirkte Furcht; da du dich beständig auf das Sein in meinem Wesen richtest, wirst du zu meinem eigenen Selbst gelangen.'

Wort für Wort
paralokakṛtam
von der jenseitigen Welt bewirkt (Akk. Sg. n.)
madbhāvabhāvaniratā
beständig dem Sein in meinem Wesen zugewandt (Nom. Sg. f.)

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