brāhmaṇa uvāca trayo vai ripavo loke nava vai guṇataḥ smṛtāḥ harṣaḥ stambho 'bhimānaś ca trayas te sāttvikā guṇāḥ
'Der Brahmane sprach: Drei Feinde gibt es wahrlich in der Welt, doch nach ihren Eigenschaften (guṇas) werden neun überliefert. Freude, Starrheit/Hochmut und Eigendünkel - das sind die drei sättvischen Eigenschaften.'
śokaḥ krodho 'tisaṃrambho rājasās te guṇāḥ smṛtāḥ svapnas tandrī ca mohaś ca trayas te tāmasā guṇāḥ
'Kummer, Zorn und maßlose Ungestüm - das sind die rajasischen Eigenschaften, so wird überliefert. Schlaf, Mattigkeit und Verblendung - das sind die drei tamasischen Eigenschaften.'
'Wer diese [neun Feinde] mit einer Menge von Pfeilen niedergeschnitten hat, der Standhafte, Unermüdliche, mit befriedeter Seele und bezwungenen Sinnen, vermag danach, weitere Feinde zu bezwingen.'
Wort für Wort
nikṛtya
niedergeschnitten habend (Absolutiv, ni-√kṛt)
jitendriyaḥ
einer mit bezwungenen Sinnen (Nom. Sg. m., Bahuvrīhi)
'Hierzu rezitieren Menschen, die die alte Überlieferung kennen, Gāthā-Verse - jenen, der von König Ambarīṣa gesungen wurde, während er sein Reich beherrschte.'
Wort für Wort
purākalpavidaḥ
die die alte Überlieferung Kennenden (Nom. Pl. m.)
praśāsatā
während er beherrschte (Part. Präs. Instr. Sg. m.)
'Als die Fehler überhandgenommen hatten und die Rechtschaffenen getötet wurden, ergriff Ambarīṣa rasch die Herrschaft - so lautet die Überlieferung (śruti).'
sa nigṛhya mahādoṣān sādhūn samabhipūjya ca jagāma mahatīṃ siddhiṃ gāthāṃ cemāṃ jagāda ha
'Er, nachdem er die großen Fehler unterdrückt und die Rechtschaffenen gebührend geehrt hatte, erlangte große Vollendung (siddhi) und sang diese Gāthā.'
bhūyiṣṭhaṃ me jitā doṣā nihatāḥ sarvaśatravaḥ eko doṣo 'vaśiṣṭas tu vadhyaḥ sa na hato mayā
'Ambarīṣa erklärte, er habe die meisten Fehler besiegt und alle Feinde vernichtet; ein einziger Fehler jedoch sei ihm noch verblieben, zu töten - diesen habe er noch nicht getötet.'
'Durch diesen [Fehler] gebunden, gelange dieses Geschöpf nicht zur Freiheit vom Verlangen; von Durst gequält, laufe es wie den Niederungen zu und erkenne es nicht.'
'Von ihm angetrieben, verrichte der Mensch hier selbst Unrechtes; er rief dazu auf, jene Gier, die einen selbst zerschneide, mit scharfen Schwertern niederzuschneiden.'
'Aus der Gier entstehe das Verlangen, daraus wiederum hafte die Sorge an; wer danach trachte, es zu erlangen, gewinne zumeist die rajasischen Eigenschaften.'
Wort für Wort
lipsamānaḥ
danach trachtend zu erlangen (Desiderativ-Part. Präs., √labh)
sa tair guṇaiḥ saṃhatadehabandhanaḥ punaḥ punar jāyati karma cehate janmakṣaye bhinnavikīrṇadehaḥ punar mṛtyuṃ gacchati janmani sve
'Durch jene Eigenschaften an den Körper gefesselt, werde er immer wieder geboren und häufe Karman an; am Ende der Geburt, mit zerbrochenem, zerstreutem Leib, gehe er in seiner nächsten Geburt wieder dem Tod entgegen.'
Wort für Wort
saṃhatadehabandhanaḥ
an den Körper gefesselt (Nom. Sg. m., Bahuvrīhi)
bhinnavikīrṇadehaḥ
mit zerbrochenem, zerstreutem Leib (Nom. Sg. m., Bahuvrīhi)
'Deshalb solle man, nachdem man diese Gier recht erkannt habe, sie durch Standhaftigkeit bezwingen und die Herrschaft in sich selbst suchen; man solle wissen, dass dies die wahre Herrschaft sei und keine andere - der König aber, der hier von ihm allein bezwungen worden sei, sei er selbst.'