Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Āśvamedhikaparva

Kapitel 53: kṛṣṇasya viśvarūpajñānopadeśaḥ Kṛṣṇas Lehre von seinem All-Wesen: Uttaṅka wird über Kṛṣṇas göttliche Natur belehrt

uttaṅka uvāca brūhi keśava tattvena tvam adhyātmam aninditam śrutvā śreyo 'bhidhāsyāmi śāpaṃ vā te janārdana

Uttaṅka sprach: „Sprich, Keśava, der Wahrheit gemäß von der untadeligen Lehre des Selbst; nachdem ich sie gehört habe, werde ich entweder dein Wohl oder den Fluch über dich aussprechen, o Janārdana.“

Wort für Wort
tattvena
der Wahrheit gemäß (Instr. Sg. n.)
adhyātmam aninditam
die untadelige Lehre vom Selbst (Akk. Sg. n.)

vāsudeva uvāca tamo rajaś ca sattvaṃ ca viddhi bhāvān madāśrayān tathā rudrān vasūṃś cāpi viddhi matprabhavān dvija

Vāsudeva sprach: „Tamas, Rajas und Sattva, wisse, dass diese Wesenheiten in mir wurzeln; und ebenso die Rudras und die Vasus, wisse, dass sie von mir entsprungen sind, o Zweifachgeborener.

Wort für Wort
madāśrayān bhāvān
die in mir wurzelnden Wesenheiten (Akk. Pl. m.)
matprabhavān
von mir entsprungen (Akk. Pl. m.)

mayi sarvāṇi bhūtāni sarvabhūteṣu cāpy aham sthita ity abhijānīhi mā te 'bhūd atra saṃśayaḥ

In mir sind alle Wesen, und auch ich bin in allen Wesen gegenwärtig - so erkenne; kein Zweifel entstehe dir hierin.

Wort für Wort
mayi sarvāṇi bhūtāni
in mir sind alle Wesen (Nom. Pl. n.)
mā te 'bhūt saṃśayaḥ
kein Zweifel entstehe dir (3. Sg. Aorist Prohibitiv)

tathā daityagaṇān sarvān yakṣarākṣasapannagān gandharvāpsarasaś caiva viddhi matprabhavān dvija

Ebenso wisse, dass alle Scharen der Daityas, die Yakṣas, Rākṣasas und Schlangen, und die Gandharvas und Apsaras von mir entsprungen sind, o Zweifachgeborener.

Wort für Wort
daityagaṇān sarvān
alle Scharen der Daityas (Akk. Pl. m.)
matprabhavān
von mir entsprungen (Akk. Pl. m.)

sad asac caiva yat prāhur avyaktaṃ vyaktam eva ca akṣaraṃ ca kṣaraṃ caiva sarvam etan madātmakam

Was man Sein und Nichtsein nennt, das Unoffenbarte und ebenso das Offenbarte, das Unvergängliche und das Vergängliche - all dies besteht aus meinem Wesen.

Wort für Wort
sad asat
Sein und Nichtsein (Nom. Sg. n.)
madātmakam
aus meinem Wesen bestehend (Nom. Sg. n.)

ye cāśrameṣu vai dharmāś caturṣu vihitā mune daivāni caiva karmāṇi viddhi sarvaṃ madātmakam

Und die Pflichten, die für die vier Lebensstufen festgesetzt sind, o Weiser, und die göttlichen Riten - wisse, all dies besteht aus meinem Wesen.

Wort für Wort
āśrameṣu caturṣu
in den vier Lebensstufen (Lok. Pl. m.)
daivāni karmāṇi
die göttlichen Riten (Nom. Pl. n.)

asac ca sadasac caiva yad viśvaṃ sadasataḥ param tataḥ paraṃ nāsti caiva devadevāt sanātanāt

Das Nichtsein und das Sein-und-Nichtsein, und was jenseits von Sein und Nichtsein das All ist - darüber hinaus gibt es nichts weiter als den ewigen Gott der Götter.

Wort für Wort
sadasataḥ param
jenseits von Sein und Nichtsein (Akk. Sg. n.)
devadevāt sanātanāt
als den ewigen Gott der Götter (Abl. Sg. m.)

oṃkāraprabhavān vedān viddhi māṃ tvaṃ bhṛgūdvaha yūpaṃ somaṃ tathaiveha tridaśāpyāyanaṃ makhe

Wisse, dass ich es bin, aus dem die vom Oṃkāra entsprungenen Veden [stammen], o Stolz der Bhṛgus; ebenso bin ich hier im Opfer der Opferpfahl, der Soma, die Labung der Dreißig [Götter].

Wort für Wort
oṃkāraprabhavān vedān
die vom Oṃkāra entsprungenen Veden (Akk. Pl. m.)
tridaśāpyāyanam
die Labung der Dreißig [Götter] (Nom. Sg. n.)

hotāram api havyaṃ ca viddhi māṃ bhṛgunandana adhvaryuḥ kalpakaś cāpi haviḥ paramasaṃskṛtam

Wisse, dass ich auch der Hotṛ-Priester und die Opfergabe bin, o Nachkomme Bhṛgus, der Adhvaryu-Priester, der Anordnende, und die höchst geweihte Opferspeise.

Wort für Wort
hotāram havyaṃ ca
der Hotṛ-Priester und die Opfergabe (Akk. Sg. m./n.)
haviḥ paramasaṃskṛtam
die höchst geweihte Opferspeise (Nom. Sg. n.)

udgātā cāpi māṃ stauti gītaghoṣair mahādhvare prāyaścitteṣu māṃ brahmañ śāntimaṅgalavācakāḥ stuvanti viśvakarmāṇaṃ satataṃ dvijasattamāḥ

Und auch der Udgātṛ-Priester preist mich mit dem Klang der Gesänge beim großen Opfer; bei den Sühneriten, o Brahmane, preisen mich die besten der Zweifachgeborenen stets als den All-Schöpfer, mit Worten des Friedens und Segens.

Wort für Wort
udgātā stauti
der Udgātṛ-Priester preist (3. Sg. Präs.)
śāntimaṅgalavācakāḥ
mit Worten des Friedens und Segens (Nom. Pl. m.)

viddhi mahyaṃ sutaṃ dharmam agrajaṃ dvijasattama mānasaṃ dayitaṃ vipra sarvabhūtadayātmakam

Wisse, dass Dharma mein Sohn ist, mein Erstgeborener, o Bester der Zweifachgeborenen, mein geistgeborener, teurer [Sohn], o Weiser, dessen Wesen aus Mitgefühl für alle Wesen besteht.

Wort für Wort
sutaṃ dharmam agrajam
der erstgeborene Sohn Dharma (Akk. Sg. m.)
sarvabhūtadayātmakam
dessen Wesen aus Mitgefühl für alle Wesen besteht (Akk. Sg. m.)

tatrāhaṃ vartamānaiś ca nivṛttaiś caiva mānavaiḥ bahvīḥ saṃsaramāṇo vai yonīr hi dvijasattama

Dort wandle ich mit den [in der Weltordnung] verbleibenden und den [aus ihr] ausgeschiedenen Menschen, viele Mutterschöße durchwandernd, o Bester der Zweifachgeborenen,

Wort für Wort
vartamānaiḥ nivṛttaiḥ mānavaiḥ
mit den verbleibenden und ausgeschiedenen Menschen (Instr. Pl. m.)
bahvīḥ yonīḥ saṃsaramāṇaḥ
viele Mutterschöße durchwandernd (Nom. Sg. m., Part. Präs.)

dharmasaṃrakṣaṇārthāya dharmasaṃsthāpanāya ca tais tair veṣaiś ca rūpaiś ca triṣu lokeṣu bhārgava

zum Schutz des Dharma und zur Aufrichtung des Dharma, mit jeweils diesen und jenen Gewändern und Gestalten, in den drei Welten, o Bhārgava.

Wort für Wort
dharmasaṃrakṣaṇārthāya
zum Schutz des Dharma (Dat. Sg. m.)
tais tair veṣaiś ca rūpaiś ca
mit jeweils diesen Gewändern und Gestalten (Instr. Pl. m./n.)

ahaṃ viṣṇur ahaṃ brahmā śakro 'tha prabhavāpyayaḥ bhūtagrāmasya sarvasya sraṣṭā saṃhāra eva ca

Ich bin Viṣṇu, ich bin Brahmā, [ich bin] Śakra, und Ursprung und Untergang; ich bin der Schöpfer und ebenso der Zerstörer der gesamten Schar der Wesen.

Wort für Wort
prabhavāpyayaḥ
Ursprung und Untergang (Nom. Sg. m.)
sraṣṭā saṃhāra eva ca
der Schöpfer und ebenso der Zerstörer (Nom. Sg. m.)

adharme vartamānānāṃ sarveṣām aham apy uta dharmasya setuṃ badhnāmi calite calite yuge tās tā yonīḥ praviśyāhaṃ prajānāṃ hitakāmyayā

Und wenn alle im Unrecht wandeln, errichte ich den Damm des Dharma, sooft das Zeitalter sich wandelt, indem ich in diese und jene Mutterschöße eingehe, aus Wunsch nach dem Wohl der Geschöpfe.

Wort für Wort
dharmasya setuṃ badhnāmi
ich errichte den Damm des Dharma (1. Sg. Präs.)
hitakāmyayā
aus Wunsch nach dem Wohl (Instr. Sg. f.)

yadā tv ahaṃ devayonau vartāmi bhṛgunandana tadāhaṃ devavat sarvam ācarāmi na saṃśayaḥ

Wenn ich aber im Mutterschoß der Götter weile, o Nachkomme Bhṛgus, dann handle ich in allem wie ein Gott, ohne Zweifel.

Wort für Wort
devayonau vartāmi
ich weile im Mutterschoß der Götter (1. Sg. Präs.)
devavat ācarāmi
ich handle wie ein Gott (1. Sg. Präs.)

yadā gandharvayonau tu vartāmi bhṛgunandana tadā gandharvavac ceṣṭāḥ sarvāś ceṣṭāmi bhārgava

Wenn ich aber im Mutterschoß der Gandharvas weile, o Nachkomme Bhṛgus, dann vollführe ich alle Handlungen wie ein Gandharva, o Bhārgava.

Wort für Wort
gandharvayonau vartāmi
ich weile im Mutterschoß der Gandharvas (1. Sg. Präs.)
gandharvavac ceṣṭāḥ ceṣṭāmi
ich vollführe Handlungen wie ein Gandharva (1. Sg. Präs.)

nāgayonau yadā caiva tadā vartāmi nāgavat yakṣarākṣasayonīś ca yathāvad vicarāmy aham

Und wenn ich im Mutterschoß der Nāgas [weile], dann weile ich wie ein Nāga; und in den Mutterschößen der Yakṣas und Rākṣasas wandle ich gebührend.

Wort für Wort
nāgayonau vartāmi nāgavat
ich weile im Nāga-Mutterschoß wie ein Nāga (1. Sg. Präs.)
yathāvad vicarāmi
ich wandle gebührend (1. Sg. Präs.)

mānuṣye vartamāne tu kṛpaṇaṃ yācitā mayā na ca te jātasaṃmohā vaco gṛhṇanti me hitam

Wenn ich aber im Menschentum weile, werde ich elend um etwas gebeten; und jene, in Verblendung geraten, nehmen mein heilsames Wort nicht an.

Wort für Wort
kṛpaṇaṃ yācitā mayā
elend werde ich gebeten (Nom. Sg. m., Part. Perf. Pass.)
jātasaṃmohāḥ
in Verblendung geraten (Nom. Pl. m.)

bhayaṃ ca mahad uddiśya trāsitāḥ kuravo mayā kruddheva bhūtvā ca punar yathāvad anudarśitāḥ

Und indem ich große Furcht androhte, wurden die Kurus von mir erschreckt; und wie im Zorn, wurden sie danach wiederum gebührend belehrt.

Wort für Wort
bhayaṃ mahad uddiśya
große Furcht androhend (Absolutiv)
kruddheva bhūtvā
wie im Zorn geworden (Absolutiv)

te 'dharmeṇeha saṃyuktāḥ parītāḥ kāladharmaṇā dharmeṇa nihatā yuddhe gatāḥ svargaṃ na saṃśayaḥ

Jene, hier mit Unrecht verbunden, vom Gesetz der Zeit ergriffen, wurden im Kampf durch das Recht [des Kriegertodes] erschlagen und gingen ohne Zweifel zum Himmel ein.

Wort für Wort
kāladharmaṇā parītāḥ
vom Gesetz der Zeit ergriffen (Nom. Pl. m.)
svargaṃ gatāḥ
sie gingen zum Himmel ein (Nom. Pl. m., Part. Perf. Pass.)

lokeṣu pāṇḍavāś caiva gatāḥ khyātiṃ dvijottama etat te sarvam ākhyātaṃ yan māṃ tvaṃ paripṛcchasi

Und die Pāṇḍavas erlangten Ruhm in den Welten, o Bester der Zweifachgeborenen; all dies ist dir dargelegt worden, was du mich gefragt hast.“

Wort für Wort
khyātiṃ gatāḥ
sie erlangten Ruhm (Nom. Pl. m., Part. Perf. Pass.)
yan māṃ tvaṃ paripṛcchasi
was du mich fragst (2. Sg. Präs.)

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